5G in Theorie und Praxis: Neuer Standard mobiler Datenübertragung

Alle, die sich für die Mobilfunk-Industrie interessieren, werden schon über den Begriff 5G gestolpert sein. 5G soll - so wie die dritte und vierte Generation zuvor - eine Revolution in der drahtlosen Kommunikation einläuten.

Unter dem Schlagwort "5G" werden Verbindungen mit mehreren Gigabit pro Sekunde, Augmented Reality-taugliche Latenzzeiten und Netze versprochen, die Milliarden Geräte ins Internet der Dinge einbinden sollen. Es gibt aber ein winziges Problem dabei: 5G wurde noch nicht definiert und eine offizielle Definition wird wohl auch noch Jahre auf sich warten lassen.

Heute ist 5G eher die Summe der Hoffnungen und Ideen von Regierungen, Netzbetreibern und Herstellern. Wir werden gerade Zeuge eines Vorganges, der mindestens einmal im Jahrzehnt stattfindet: Wenn die Industrie versucht, einen neuen Mobilfunkstandard zu definieren. Wie schon bei den vorherigen "G"s offenbart dieser Prozess die besten, aber auch die schlimmsten Seiten dieser Industrie.


Quelle: SamsungQuelle: Samsung

Auf der einen Seite versuchen Regulierungsbehörden und Netzbetreiber herauszufinden, wie unsere zukünftigen mobilen Bedürfnisse aussehen werden, während die besten Ingenieure und Forscher der Mobilfunk-Industrie und freien Forschung Antworten auf drängende Fragen suchen.

Auf der anderen Seite läuft die Marketing-Maschinerie der Netzbetreiber auf Hochtouren und es werden halbgare und oft auch vereinfachende Ankündigungen darüber veröffentlicht, was ihr 5G-Netz alles leisten wird. So haben beispielsweise Chinas Huawei und Russlands Megafon das aberwitzige Versprechen gegeben, dass sie das 5G-Netz pünktlich zur Fußball-WM 2018 in Betrieb haben werden.

Die GSM Association (GSMA), größte Handelsfirma im Bereich der Mobilfunk-Industrie, hat das Problem im Dezember ziemlich gut in einem 5G-Bericht zusammengefasst. Der Bericht offenbarte, dass es zwei konkurrierende Visionen für 5G gibt: Eine fokussiert sich vollständig auf Leistung (immer höhere Geschwindigkeiten für mobile Endgeräte), während sich die andere auf eine breitere "alles ist online"-Idee konzentriert, in der Milliarden Menschen und Geräte miteinander vernetzt werden.

Der erste Ansatz ist sehr verlockend. Wer möchte nicht eine unglaublich schnelle Gigabit-Verbindung für sein Notebook oder sein Smartphone? Das ist aber auch eine sehr eingeschränkte Sichtweise. Denn nur wenige Anwendungen profitieren von einer solchen Bandbreite und sie löst nur wenige Probleme. Solche Netze wird es nur in großen Städten und in Ballungsräume hochentwickelter Märkte geben. Wie der Senior Director of Technology der GSMA es ausdrückt, würde eine Verwirklichung dieser 5G-Vision nur denen noch mehr geben, die sowieso schon viel haben.

Die andere Vision für 5G hingegen würde eventuell das, was ein technischer Standard bewerkstelligen kann, übersteigen. Regierungen und Organisationen wie etwa Facebooks Internet.org interessieren sich mehr und mehr für Mobilnetze, um die nicht Verbundenen zu verbinden. Während die Schaffung flexiblerer Netze mit billigerer Bandbreite diesem Trend Vorschub leisten kann, sind ihre Ziele dennoch politischer und ökonomischer, nicht aber technologischer Art.

Man kann mit Gewissheit sagen, dass die Zukunft von 5G immer noch ungewiss ist - und das ist nicht unweigerlich schlecht. Es gibt ernsthafte Leute, die ernsthafte Probleme bewältigen - und wenn sich der Staub gelegt haben wird, werden wir nicht nur besser wissen, wie 5G technische funktionieren kann, sondern auch, welches 5G die Welt brauchen oder zumindest bekommen wird.

Werfen wir aber dennoch einen Blick auf einige der Schlüsseltechnologien, die die Industrie als Basis für 5G ansieht.

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1 Kommentar
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  • Tesetilaro
    danke, schöne zusammenfassung um sich in das thema einzulesen, mir fehlen aber weiterführende Links ;)
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