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Gelöschte E-Books: Amazon zahlt 150.000 US-Dollar

Von - Quelle: Tom's Hardware DE | B 6 kommentare

Amazons E-Book-Löschung auf den Kindle-Readern seiner Kunden per Fernverbindung hat ein Nachspiel: Das US-Versandhaus entschuldigt sich, bietet Gutscheine an – und zahlt einem Schüler eine hohe Entschädigung.

Im Juli ging Amazon.com davon aus, völlig legal zu handeln: Der Anbieter des E-Book-Readers Kindle (siehe »Amazon stellt E-Book-Reader vor«) löschte zwei Bücher von den Geräten seiner Kunden per Fernverbindung. Dieses »Whispernet« bindet die Reader über Hotspots an Amazons elektronische Bibliothek an – E-Books sind darüber praktischerweise auch von unterwegs etwa ohne PC-Anbindung zu kaufen.

Aber auch der umgekehrte Weg ist möglich: Zwei Romane löschte Amazon von tausenden Kindles aufgrund von Urheberrechts-Streitigkeiten ohne Vorwarnung, dabei handelte es sich um die Orwell-Klassiker »Animal Farm« und »1984« – ausgerechnet letzterer Roman handelt von einem totalitären Überwachungsstaat.

Zwar wurde den Kunden das bezahlte Geld wieder zurück überwiesen, doch der Aufschrei der Empörung war so groß, dass Amazon-Boss Jeff Bezos sich persönlich für den Fauxpas in aller Form per E-Mail und auch im Kindle-Blog entschuldigt hat: »Dumm und gedankenlos« sei die Aktion gewesen, »völlig abweichend von unseren Prinzipien«, so Bezos, Amazon hätte die Kritik verdient. Die betroffenen Kindle-Nutzer würden die Bücher wieder zurückbekommen und wer sie nicht mehr haben wolle, bekommt einen Einkaufsgutschein oder eine Entschädigung in Höhe von 30 US-Dollar.

Amazon-Boss Jeff Bezos mit dem Kindle-E-Book-ReaderAmazon-Boss Jeff Bezos mit dem Kindle-E-Book-ReaderDeutlich mehr bekommt jedoch ein 17-jähriger Schüler aus Michigan, dem das E-Book 1984 ebenfalls von seinem Reader gelöscht wurde: Techflash hat im Web eine Abfindungsvereinbarung aufgetan (PDF), nach der sich Amazon verpflichtet, an Justin Gawronski und seine Anwaltskanzlei 150.000 US-Dollar zu zahlen. Die Kanzlei wollte Amazon wegen dem Vorfall verklagen und führte »umfangreiche Notizen« ins Feld, mit denen der Junge im Rahmen einer Hausaufgabe die E-Book-Version »1984« auf dem Kindle versehen hatte. Die virtuellen Randnotizen waren nach der Löschung natürlich wertlos. Der Kanzlei-Anteil der Schadensersatzzahlung soll einer gemeinnützigen Stiftung gespendet werden. Die Höhe von Gawronskis Anteil ist nicht bekannt.

Außerdem hat sich Amazon dazu verpflichtet, grundsätzlich keine E-Books mehr zu löschen. Dies werde unter anderem nur dann der Fall sein, wenn ein Kindle-User zustimmt, er ein E-Book nicht zahlt oder zurückgeben möchte oder wenn der Reader oder sein zugehöriges Netzwerk etwa vor Malware zu schützen ist.
Buchcover: Boston.com, Foto: AP

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  • aarfy , 2. Oktober 2009 19:08
    ums mit den Simpsons zu sagen "HAHA.. " - soweit hätten die aber auch im Vorfeld denken können das das Ärger gibt. Wenn mans so betrachtet sind sie noch glipflich aus der Sache raus wenn das alles ist - wobei den Imageverlust kann man vermutlich nicht in Zahlen fassen.
  • hotpot , 3. Oktober 2009 15:32
    "Außerdem hat sich Amazon dazu verpflichtet, grundsätzlich keine E-Books mehr zu löschen"

    ...Schweinepriester sind das...die haben Generell nix aufm Gerät des Kunden zu löschen.

    STGB sagt dazu: § 303a
    Datenveränderung

    (1) Wer rechtswidrig Daten (§ 202a Abs. 2) löscht, unterdrückt, unbrauchbar macht oder verändert, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

    (2) Der Versuch ist strafbar.
  • hotpot , 3. Oktober 2009 15:37
    PS: Orwell würde sich im Grabe umdrehen.
  • Alle 6 Kommentare anzeigen.
  • bluray , 5. Oktober 2009 08:07
    Daher: Printversion... ist IMMER verfügbar, kann nur dadurch gelöscht werden, indem man es wegschmeisst und hält ein Leben lang (wenn man es gut behandelt).

    Nachteile sind eben, dass man keine platzsparenden Notizen machen kann (Post-It's sind nur bei kurzen Bemerkungen und in geringer Anzahl einigermassen platzsparend), dass man Licht zu Lesen braucht (aber soweit ich das mitbekommen habe, hat der Kindle aufgrund seiner Architektur auch keinen leuchtenden "Bildschirm"), und dass ein etwas grösserer Roman eben etwas mehr wiegt, als 2 Gramm (was eben so eine SD-Speicherkarte wiegt...)

    Aber genau diese "Wir löschen da einfach mal rum"-Aktionen und das STÄNDIGE Durch-Die-Gegend-Funken nerven mich einfach. Vermutlich haben die noch einen GPS-Empfänger eingebaut, damit sie auch noch Statistik erheben können, wer zu welcher Zeit sein Kindle mit aufs Klo nimmt, um seine Lektüre zu lesen...
    Deshalb werde ich mir so ein Dingens nicht zulegen, auch wenns noch so hipp ist...
  • mieleman , 5. Oktober 2009 11:29
    wenn ich das richtig verstehe, dann gehören die eBooks Amazon und man muß sie zurückgeben, wenn man diese nicht mehr nutzen möchte oder dafür nicht zahlt?
    Demnach dürfte Amazon natürlich den Inhalt überwachen und bestimmen, nicht jedoch paschal löschen.

    Trotzdem eine Schlappe für eBooks.
  • Anonymous , 5. Oktober 2009 15:20
    "Der Kanzlei-Anteil der Schadensersatzzahlung soll einer gemeinnützigen Stiftung gespendet werden."

    Selbstverständlich. o.O

    Na wer's glaubt, bitte sehr. :D