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Arctic S362: Anschließen und Probehören

Schnäppchen-Check: Arctic Wireless Media Extender + 2.1-System für 80 Euro?
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Anschließen und Einschalten

Spätestens jetzt weiß ich, wo die ganzen Kabel herkommen. Zweimal Lausprecherausgang, Steuerkabel, Audio-Eingang am Satelliten und Audiokabel zum PC. Dazu kommt noch das Netzkabel, da das Netzteil im Subwoofer integriert ist. Der Netzschalter entzieht sich leider etwas meinem gymnastischen Wendekreis aber er ist eigentlich bitter nötig. Immerhin 14,8 Watt im Leerlauf sind echt eine Hausnummer und auch nicht mehr so recht zeitgemäß.

Rückseite und VerkabelungRückseite und VerkabelungDass man (wieder einmal) zum Bassreflex-Prinzip greift, ist aufgrund der gewählten Gehäusegröße nachvollziehbar. Mit 14,4 cm sitzt zudem kein allzu großes Lautsprecher-Chassis im MDF-Gehäuse und die Physik als solche kann nun mal nicht nicht überlistet werden. Nur das menschliche Gehör ist anfällig für gewisse Tricks und Täuschungen, doch dazu etwas später mehr.

Bassöffnung auf der RückseiteBassöffnung auf der RückseiteEin leichter Netzteilbrumm aus dem Subwoofer ist für das geschulte Gehör wahrnehmbar, aber Gott sei Dank nicht sonderlich dominat. Wenn ich aber mit dem Ohr vorm Lausprecher klebe (weil ich mich eh wegen des Netzschalters in die Unterwelt des Labs begeben musste), dann kann ich wirklich pro Sekunde exakt bis 50 mitzählen. Diese ungewollt naturgetreue Wiedergabe des Netzbrumms ist mir zusammen mit dem hohen Leerlaufverbrauch dann doch einen Minuspunkt wert.

Sound-Check

Beginnen wir oben, also mit den 2 Sputniks. Die Transitfrequenz für die Trennung zwischen Subwoofer und Mittle-/Hochtonbereich ist entweder zu niedrig bzw. falsch angesetzt, oder die Mittel-Hochtöner taugen nur bedingt. Unterhalb von ca. 500 Hz entsteht ein hörbares Loch, so groß wie der Bodensee - da ist einfach nichts. Nun erschreckt mich solcherlei Ungemach schon lange nicht mehr, schließlich kranken ja alle 2.1-Systeme mehr oder weniger an diesem Umstand. Nur hätte ich es so deutlich bei dieser Größe der Satelliten eigentlich nicht erwartet. Fair bin ich allerdings immer. Bei den ehemaligen 70 Euro hätte ich an dieser Stelle sicher noch einen bösen Satz angehängt, für 40 Euro lässt man dann doch eher Milde walten. Warum? Weil die meisten der Geräte im 30-45-Euro-Bereich mindestens genauso schräg agieren, meist sogar noch schiefer bis hin zum totalen Abrutschen ins Absurde. Setzt man den neuen Preis an, dann passt das Gehörte wieder. Die angegebenen 24 Watt RMS für beide Satelliten (12 Watt pro Kanal) sind aus meiner Sicht allerdings ein wenig optimistisch veranschlagt, wenn man nicht gerade Klirrfaktoren im Stile einer übermotivierten Bahnhofsdurchsage mag. Es reicht aber aus.Die etwas mitteltonschwachen SatellitenDie etwas mitteltonschwachen SatellitenDie Höhenwiedergabe ist ein klein wenig matschig, ab ca. 12 KHz ist dann Ebbe am Akustikstrand. Besser ist da schon der Subwoofer. Womit ich dann endlich zum Sahnestück der S362 komme. Trotz des eigentlich eher kleinen Membrandurchmessers sorgt ein größerer Hub für unerwartet starke Bässe. Vor allem die Impulsleistung ist beeindruckend und für ein 40-Euro-Gerät absolut unüblich. Sehr differenzierte Bässe wird man zwar nicht herausbekommen, aber für einige Musikrichtungen wird diese Charakteristik kaum störend wirken, im Gegenteil. Wenn ich einen ganz fiesen Charakter besäße, ich würde allen Clearsil-Junkies zurufen: die 40 Euro sind bestens angelegt, um den spießigen Nachbarn (oder die eigenen Eltern) endlich mal richtig zu dissen. Der Druck ist erstaunlich und übertrifft sogar noch den eines wesentlich teureren Edifier S330.Das 2.1-System Das 2.1-System

Zwischenfazit

Ich möchte dem Roundup nicht vorgreifen, zumal noch genauere Messungen im Labor ausstehen. Rein subjektiv kann man allerdings bereits jetzt zwei Dinge feststellen: Arctic hat mit der 2.1-Kombination S362 das Rad nicht neu erfunden oder verbessert, aber mit diesem Preis die Unter-Vierziger bös aufgemischt, auch wenn man scheinbar den Restbestand des ehemaligen Spitzenmodells abverkaufen möchte. Setzt man das Gehörte in die Relation zum Preis, dann bekommt man viel Druck für wenig Mäuse und einen fetten Bass. Da die potentielle Zielgruppe mit Sicherheit weniger Händel oder Gershwin hören wird, Kammermusik eher für Nebengeräusche einer sexuelle Handlung halten dürfte und überwiegened auch keinen Bock auf leise und differenzierte Zwischentöne besitzt, kann man das Teil aus diesem Blickwinkel heraus durchaus empfehlen. Nichts für Audiophile, Gott behüte, aber wirklich gut genug für einen feinen und schmackhaften Nachbarschaftsstreit.

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