Atari übt Druck auf Presse aus

Spielehersteller Atari geht Game-Magazine aufgrund schlechter Testergebnisse an und versucht, unter anderem dem Spielemagazin 4Players eine Unterlassungs-/Verpflichtungserklärung abzuringen.

Jörg Luibl, Chefredakteur von 4Players, ist stinksauer: »Hallo Atari? Ihr könnt uns mal«, schreibt er heute in seinem Kommentar »Atari kontra Pressefreiheit«. Er berichtet, wie Spielehersteller Atari derzeit versucht, mit juristischen Mitteln gegen einen Test des Magazins vorzugehen.

Das Spiel »Alone in the Dark« (siehe hierzu auch »Shuttle verlost ’Alone in the Dark’-XPC«) hat sich die 4Players-Redaktion vorgenommen und vergab nach einem umfangreichen Test ein »befriedigend« für alle Plattformen, für die das Game erhältlich ist. Doch das passt Atari nicht: »Mit diesem ’Test’ verstoßen Sie gegen geltendes Recht und verletzen die Rechte unserer Mandantin [Atari]«, ist laut Luibl im Schreiben eines Atari-Anwalts zu lesen. Der Test würde nicht auf der offiziellen Verkaufsversion des Games basieren, da diese noch nicht auf dem Markt sei, sondern »auf der von unserer Mandantin nur zu Zwecken der Vorberichterstattung zur Verfügung gestellten Vorabversion«. Auch um eine »illegal downgeloadete Version« könnte es sich laut Atari handeln. Nach 4Players-Angaben wurde der Test jedoch mit der Final-Version vorgenommen — die die Redaktion trotz Anfragen gar nicht erst von Atari erhalten hat. 4Players besorgte sich die Wii-, PS2-, Xbox-360- und PC-Vollversion »bei einem Händler unseres Vertrauens«. Das ist durchaus üblich, um mit der Berichterstattung — insbesondere bei einem derart lang und mit Spannung erwarteten Titel — schnell am Start zu sein.

Die Vorwürfe gehen noch weiter: »Gleichzeitig missachten Sie [4Players] die Standards, die für Warentests gelten. Warentests müssen nämlich objektive und sachkundige Untersuchungen zugrunde liegen«, versucht der Anwalt, die Redaktion zu belehren. Ein Argument, das vielleicht bei einem Test von Nähmaschinen oder Kinderschaukeln zieht. Außerdem würde sich die Redaktion einen unlauteren Vorsprung gegenüber anderen, »lauter arbeitenden Spielemagazinen« verschaffen. Diverse Print-Magazine sollen das Game bereits bewertet haben, waren also deutlich früher dran, bedenkt man die Vorlaufzeit bei Monats- oder Wochenzeitschriften.

Unterm Strich fordert Atari, den Artikel samt Bilder unverzüglich von der Website zu entfernen und eine »strafbewehrte Unterlassungs- und Verpflichtungserklärung« abzugeben. Den Streitwert beziffert der Anwalt des Spieleherstellers auf 50.000 Euro. Geht es nach Atari, sollte der Test bis heute um 14:00 Uhr gelöscht sein — 4Players denkt gar nicht daran, dies zu tun.

Atari schlägt wegen des schlechten Abschneidens von Alone in the Dark in ganz Europa um sich: Unter anderem das norwegische Spieletestmagazin Gamer.no berichtet, ebenfalls vom Atari-Anwalt Post bekommen zu haben.

Erstelle einen neuen Thread im News-Forum über dieses Thema
Dieser Thread ist für Kommentare geschlossen
21 Kommentare
Im Forum kommentieren
    Dein Kommentar
  • Asmodis
    na macht sich da wer gerade lächerlich?

    kein Kommentar zu Atari
    1
  • Anonymous
    Herrlich... wieder ein Beispiel für gehypte Games, die wohl nicht halten, was die Vorschusslorbeeren verheißen.

    Das selbe in Grün - jedoch ohne Klage, und Weinanfälle, war bei Crysis der Fall.

    Ich bin froh, dass auch objektive Tests noch existieren.
    Das sage ich im Nichtwissen, da ich das Spiel noch nicht gespielt habe.
    1
  • al.kel.
    Ich würde mir das Spiel schon aus einem Grund nicht kaufen: Online-Aktivierung nötig (PC)
    Das macht Atari für mich eigentlich schon unsympathisch genug.
    1