• Test: Ohrenschmaus ohne Kabelsalat - Beyerdynamic RSX 700

Ungebundener Hörgenuss - RSX 700 und SendestationUngebundener Hörgenuss - RSX 700 und SendestationBeyerdynamic RSX 700 - unsere Weihnachtsempfehlung im Test

Nachdem wir unlängst Surround- und Stereo-Headsets getestet haben und uns über die stellenweise mangelnde Wiedergabequalität im großflächig abgesteckten Musikbereich geärgert haben, wollten wir dieses Mal anders herum anfangen. Deshalb haben wir uns nach einem geeigneten drahtlosen Stereo-Kopfhörer umgesehen, den wir abschließend auf seine Gaming-Tauglichkeit testen wollen. Dabei stießen wir auf den RSX 700 von Beyerdynamic, der uns bereits im Vorfeld bereits so überzeugen konnte, dass wir ihn in unsere Empfehlung für technische Weihnachtsgeschenke mit aufgenommen haben. Den angekündigten Test reichen wir nun hiermit gerne im Detail nach.

Beschreibung und technische Daten

Der RSX 700 ist eines definitiv nicht: aufdringlich. Obwohl mit erreichbaren 113 db sicher kein Leisetreter, ist das Gewicht des doch recht kompakt aussehenden Kopfhörers eine kleine und angenehme Überraschung. Ganze 290 Gramm inklusive Akkus sind angenehm und zurückhaltend. Was sich wiederum natürlich auf den Tragekomfort im Langzeitverhalten sehr positiv auswirkt. Hier zunächst die Daten im Einzelnen:

Übertragungsart Funkkopfhörer, digital
Reichweite
max. 20 m
Übertragungsbereich 20 - 20.000 Hz
Schalldruckpegel 113 dB
Klirrfaktor
<1 %
Bauform Ohrumschließend
Kabel & Stecker Gestrecktes Anschlusskabel mit Stereoklinkenstecker 3,5 mm und Adapter 6,35 mm
Gewicht inkl. Akkus
290 g

Lieferumfang und Ausstattung

Sämtliche Kabel liegen der Verpackung bei. Das Netzteil hätte etwas dezenter ausfallen können, es gibt bei der abgerufenen Leistung mittlerweile bessere und vor allem schmalere Lösungen, die sich in einer Steckerleiste zurückhaltender platzieren lassen. Das Ladekabel für die Kopfhörer, das man an der Sendestation anschließen kann, ist ausreichend lang. Die Akkus bieten eine Gesamtlaufzeit von maximal 5 Stunden. Das mag wenig und viel erscheinen. Fürs Gaming ist es sicher etwas zu kurz geraten, aber man kann sicher ersatzweise auch Akkumodelle mit etwas höherer Kapazität verwenden.


Das digitale Übertragungsprinzip - der Praxistest

Wir haben den Kopfhörer mit einem analogen Modell eines Mitbewerbers verglichen (Sennheiser RS 120-8), da wir uns der Problematik der digitalen Übertragung in einem technisierten Haushalt durchaus bewusst sind. Dem RSX 700 stehen insgesamt 8 wählbare Übertragungskanäle zur Verfügung, zwischen denen man frei wählen kann. Störende Einflüsse von Energiesparlampen, Vorschaltdrosseln, TV-Geräten und sonstigen elektrischen Geräten mit Störpotential konnten im Vergleich zum analogen Modell nicht festgestellt werden. Obwohl der Frequenzbereich um die 2,4 GHz von allen möglichen Geräten zur Funkübertragung genutzt wird, fand sich immer ein freier Kanal, der einen störungsfreien Betrieb zuließ. Lediglich der Logitech-Drahtlosadapter fürs "cordless rumblepad" stellt hier eine ärgerliche Ausnahme dar. Wobei wir den Fehler bei Logitech sehen, da der Adapter ununterbrochen einen "Frequenzscan" vollführt und Geräte sucht. Hier werden sogar die Bluetooth-Übertragung zum Handy-Headset und das WLAN gestört bzw. beeinträchtigt. Deaktiviert man den Störenfried, steht einem glasklaren und absolut neutralem Empfang nichts mehr im Wege. Im direkten Praxistest am und vor dem PC kann der digitale Kopfhörer also gehörig punkten. Wobei wir direkt bei den akustischen Eigenschaften angelangt wären.

Frequenzgang und subjektives Empfinden

Betrachten wir zunächst den Frequenzverlauf. Wobei sich über einen großen Teil des Spektrums bis auf einige erkennbaren Ausprägungen ein für das menschliche Ohr relativ neutraler Verlauf ergibt:

Der RSX 700 erlaubt sich lediglich im Bereich um die 3KHz einen leichten Einbruch, was aber nicht unbedingt gegen unsere Hörgewohnheiten spricht, denn gerade dieser Mitteltonbereich wirkt bei höherem Schalldruck unangenehm dominant. Am Ende waren wir uns noch nicht einmal schlüssig, ob es eine zufällig entstandene oder sogar gewollte Ausprägung der Charakteristik ist. Die Spitze bei 5 KHz kann durchaus die Sprachverständlichkeit fördern (Zischlaute), der leichte Einbruch bei ca. 10 KHz ist dagegen nicht wirklich nachvollziehbar. Zumindest steigt die Kurve danach wieder an, was im Hochtonbereich gern mit brillianten Höhen umschrieben wird. Das alles muss man natürlich noch ins Verhältnis zum subjektiven Empfinden setzen - auf dem Papier ergibt sich jedenfalls eine recht ansehnliche Bandbreite.

R'n'b: Yeah Usher feat. Lil Jon & Ludacris

Der Bass ist angenehm, vor allem im Keller. Kein Dröhnen und keine Resonanzspitzen. Die Stimmverständlichkeit ist sehr gut und am Ende ergibt sich ein sehr neutrales Bild. Das extrem tiefenlastige Feeling großvolumiger DJ-Kopfhörer wird jedoch nicht erreicht.

Disco: Yolanda Be Cool & Dcup - We No Speak Americano

Der sehr prägnante Rhythmus geht ohne hörbares Übersteuern in den Spitzen glatt durch, obwohl wir hier von den 113 dB auf dem Papier etwas mehr Druck erwartet haben. Die Kopfhörer bieten absolut keine zusätzliche Impulsreserve für starke Bässe. Trotz allem ist die erreichte Endlautstärke mehr als ausreichend.

Rock: Eric Clapton - Layla

Hier fühlt sich der RSX 700 so richtig zu Hause. Die Gitarre klingt genauso differenziert, wie der Gesang. Egal, ob volumiger Klangteppich oder prägnantes Solo - alle auftretenden Instrumente bleiben perfekt lokalisierbar.

Jazz: Miles Davis - Kind of Blue

Auch hier spielt der Kopfhörer seine Fähigkeiten voll aus. Die Stärken liegen wiederum weniger in überbetonter Bass- oder Diskantwiedergabe, sondern in der klaren Differenzierbarkeit von Instrument und Stimme. Egal, wie klein oder umfangreich die Besetzung sein mag - der Kopfhörer meistert die Wiedergabe in den verschiedensten Lautstärkeeinstellungen ohne Resonanzen oder unangenehme Spitzen.

Jazz-Klassik: Gershwin - Klavierkonzert in F

Dies ist quasi der Härtetest für jeden Kopfhörer. Wir haben bewusst die Aufnahme mit Siegfried Stöckigt unter Kurt Masur gewählt, weil es aus unserer Sicht die Interpretation mit dem größten Dynamikumfang ist. Die Klavier-Soli sind ein glatter Genuss, die sich langsam aneinander aufbauenden Instrumente bleiben Individualisten, es gibt keinen Konzertbrei, sondern ein klar zu ortendes Orchester. Egal ob pianissimo oder fortissimo - es ist eine sehr ausgewogene Wiedergabe ohne nennenswerte Schwächen. Auch die Pauke im Finale entlockt der Membran keine Verzerrung, der RSX 700 bleibt souverän.

Klassik: Chorwerke von Johann Sebastian Bach und Georg Phillip Telemann

Passend zur Vorweihnachtsszeit testen wir nun noch die Fähigkeiten im rein stimmlichen Bereich. Auch diese Sparte meistert der RSX 700 mit Bravour und einer kleinen Einschränkung: die von uns beim Diagramm erwähnten Spitzen führen zwar zu keiner unnatürlichen Wiedergabe, aber das Lautstärkeempfinden bei mehrstimmigen Chorgesängen wird mehrmals leicht irritiert. Wir waren uns am Ende nicht sicher, ob die Dynamik einzelner Passagen von den jeweiligen Stimmen oder von der Charakteristik der Schalldruckkurve an sich bestimmt wurde.

Spiele: Call of Duty: Black Ops, Bioshock 2, NFS: Hot Pursuit

Wir waren gespannt, ob sich die Kopfhörer nicht nur für die billiante Musikwiedergabe, sondern auch für das Ausrollen eines zünftigen Gaming-Klangteppichs eignen. Diese Frage kann man eindeutig mit Ja. beantworten. Auch wenn nur Stereo-Wiedergabe stattfindet - das Volumen und die Lautärkereserven stimmen genauso, wie das Orten der einzelnen Schallquellen und deren originalgetreue Wiedergabe. Im Gegenteil, manchmal war uns der erreichte Schallpegel schon fast unheimlich. Wir haben eigenartigerweise im Gamingbereich am meisten von den angegeben 113 dB gespürt.

Fazit und Kaufempfehlung

Klares Ja. Für dreierlei: Musik, Gaming und die digitale Übertragung (und die Rote Karte für Logitechs Funkvermüllung). Die Wiedergabequalität steht in jedem Fall in einem ausgewogenen Verhältnis zum aktuellen Preis von ca. 99 Euro. Der Tragekomfort ist ausgezeichnet und die Verarbeitung über jeden Zweifel erhaben. Der RSX 700 von Beyerdynamic ist zudem der Beweis, dass "made in germany" noch existiert und vor allem auch eines sein kann: bezahlbar. Der Test hat uns in fast allen Belangen überzeugt und zeigt auch, dass gute Stereo-Kopfhörer durchaus fürs Gaming geeignet sein können. Vor allem kabellos. Dafür erhält dieses Produkt auch unseren begehrten Kaufttipp.

 

 

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16 Kommentare
    Dein Kommentar
  • Quote:
    Egal, wie klein oder umfangreich die Besetzung sein mag - der Kopphörer meistert die Wiedergabe in den verschiedensten Lautstärkeeinstellungen ohne Resonanzen oder unangenehme Spitzen.


    Wenn dann bitte zwei p's :)

    Wie immer ganz netter Kurztest.
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  • Solange Ihr nur nach Tippfehlern sucht - den Sport liebe ich selbst auch.
    Man ist damit echt elitär :)
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  • Normalweise suche ich die Fehler nicht. Den fand ich grad erwähnenswert :P
    Ausserdem mache ich selbst genug Schreibfehler.
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