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Blizzards Forenuser zu Klarnamen gezwungen

von - quelle: Tom's Hardware DE

Die im Mai eingeführte Facebook-Integration in Battle.Net war nur der Anfang. Jetzt werden auch die Foren von Blizzard von Pseudonymen auf Klarnamen umgestellt. Rollenspieler müssen nun ihre Rolle überdenken.

Die Empfehlung von Facebook, seinen wahren Namen anzugeben und die Anregung, möglichst viel privates über sich preiszugeben, hat dem rasanten Wachstum des sozialen Netzwerkes keinen Abruch getan. Im Vergleich zu vielen Foren ist bei Facebook auch die Qualität der Beiträge im Schnitt höher. Anwender, die sich nicht in die Anonymität flüchten können, haben deutlich mehr Skrupel, andere Menschen zu verunglimpfen oder Sachverhalte zu verfälschen. Kaum jemand hat Interesse, seinen eigenen Ruf zu verlieren. Und ein Klarname lässt sich einer Person deutlich leichter zuordnen als ein Pseudonym.

Der größte Aufwand vieler Forenbetreiber besteht darin, so genannten Forentrollen Einhalt zu gebieten, jener Benutzer, denen es unter dem Deckmantel ihrer Anonymität Freude macht, Schwachsinn statt nutzbringende Beiträge zu verfassen. Für seriöse Anwender, die sich nett miteinander austauschen wollen oder eine Lösung zu einem Problem suchen, sind solche digitalen Randalierer eine große Belastung.

Würde man nur diese Faktoren heranziehen, wäre die Entscheidung von Blizzard, nach Battle.Net auch die Foren auf Klarnamen umzustellen, problemlos nachvollziehbar. Hat der Hersteller von World-of-Warcraft, Diablo und Starcraft II dabei wirklich alles bedacht?

Der Drang vieler Menschen zum Spielen und die Annahme von verschiedenen Rollen hat noch andere Gründe. Viele spielerische Handlungen dienen der Entspannung, weil sie Spaß machen, andere fördern das Lernen (aber nicht alle). Menschen füllen zudem in unterschiedlichen Situationen unterschiedliche soziale Rollen aus. In der Firma verhält man sich anders als in der Kneipe, seinem Partner begegnet man anders als seinen Kindern. Dies dient im wesentlichen der Persönlichkeitsentfaltung und hat mit einem Mangel an Identität wenig zu tun. Auch der Wunsch, für eine gewisse Zeit einmal jemand anders sein zu dürfen, ist in vielen Menschen stark ausgeprägt - Ausdruck solcher Handlungen ist beispielsweise der Fasching, bei dem man sich verkleidet oder auch in der digitalen Welt die Rollenspiele wie Second Life oder World of Warcraft.

Letztendlich will jeder Mensch selbst entscheiden, wo er seine Identität klar preisgibt und wo ihm eine gewisse Form der Anonymität lieber ist. Dass Blizzard seine Kunden nun zwingt, künftig mit Klarnamen zu arbeiten, ist ein gewagtes Experiment.

Im offiziellen WoW-Forum verkündete ein Blizzard-Administrator am 6. Juli, dass "in naher Zukunft alle Teilnehmer in den offiziellen Blizzard-Foren ihre Beiträge und Antworten mit ihrem richtigen Vor- und Nachnamen verfassen werden". Wenn der "für Online-Unterhaltungen typische Schleier der Anonymität entfernt" werde, könne dies "zu einer besseren Umgebung in den Foren führen, konstruktive Unterhaltungen fördern." Von der Brechstangenmethode, sich die Namen und Adressen der Spieler über die Zahlungsinformationen der Abonnenten zu holen, hat Blizzard immerhin abgesehen - vorerst.

Ganz eifrig war ein Blizzard-Administrator in den USA. Im Rahmen der Debatte ging er "mit gutem Beispiel voran" und postete seine Beiträge mit eigenem Klarnamen. Das Resultat: In kürzester Zeit fand jemand seine Telefonnummer, seine Adresse, sein Alter, die Namen seiner Verwandten, seine musikalischen Vorlieben und andere persönliche Informationen heraus und veröffentlichte sie. Überrascht über die vielen Reaktionen hat der Blizzard-Mitarbeiter sein Facebook-Profil gesperrt und seine Telefonnummer stilllegen lassen. Mittlerweile arbeiten Leute an dieser Blogsite, die sich mit der Veröffentlichung persönlicher Daten von Blizzard-Mitarbeitern beschäftigt. Es werden jedoch nur die legalen, persönlichen Daten zusammengetragen, die Blizzard-Mitarbeiter freiwillig ins Netz gestellt haben.

Blizzards Foren sind ohne Login frei lesbar. Suchmaschinen wie Google erfassen also alle Beiträge. Bisherige Postings erscheinen weiterhin unter dem Pseudonym. Ab dem Umstellungstermin werden jedoch alle neuen Einträge unter Klarnamen angezeigt. Wer nicht will, dass Personalchefs bei einem Bewerbungsgespräch die privaten Freizeitaktivitäten bewerten können, bleibt nur der Rückzug aus den Blizzard-Foren.

Update vom 09. Juli 2010, 20:59 Uhr:

Die Entrüstung unter den Spielern hat sich weltweit binnen kürzester Zeit zu einem PR-Desaster entwickelt. Blizzards CEO Mike Morhaime machte soeben in den betroffenen WoW-Foren den Kotau. Die Aktion mit den Klarnamen wurde vorerst gestoppt. Es kommt lediglich das Battle.net-Nutzerkonto zur Anwendung.


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Kommentare
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ConquerorOfMankind 09/07/2010 18:07
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-0+

Unglaublich, dass sie denken sie können sich sowas leisten. Das wird nicht gut gehen, selbst bei WoW nicht.


Zitat :Von der Brechstangenmethode, sich die Namen und Adressen der Spieler über die Zahlungsinformationen der Abonnenten zu holen, hat Blizzard immerhin abgesehen - vorerst.



Wie dann? Personalausweis einscannen? Da werden mit Sicherheit einige ihre Photoshop-Künste anwenden.

holgiheftig 09/07/2010 18:11
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-4+

Weshalb kommt immer mehr der Gedanke in Mode, dass Anonymität verkehrt sei???
Der Mensch ist - egal durch welche Geschäfte oder Straßen er marschiert immer Anonym, außer er zeigt seinen Ausweis. Das darf im Internet nicht anders sein!

Weshalb meckern denn alle wegen Google StreetView? Ich halte die De-Anonymisierung der Menschen im Internet für deutlich schlimmer als deren Straßenfotos von Google.

choppx 09/07/2010 18:42
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-0+

Unsympathische Firma. Das wäre für mich der Anklang eine Löschung meiner Daten zu beantragen, oder unter Fake-Daten zu surfen. Ich heiße Max Müller und bezahle mit einer Prepaid-Karte... wirklich?

holgiheftig 09/07/2010 18:46
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-0+

Ganz allgemein ist es immer das gleiche: wird eine Firma/Projekt zu groß, dann führt der (beginnende oder wachsende) Kommerz zu unschönen Veränderungen.

tinkaa 09/07/2010 19:08
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-0+

Real ID wird nicht mehr im Forum eingesetzt diese Funktion wird also in Zukunft nicht benutzt nachdem sich so viele darüber beschwert haben.

Quelle: http://www.mmo-champion.com

Lord Nelson 09/07/2010 19:49
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-0+

Es kursieren Gerüchte, denen zufolge Blizzardmitarbeiter größtenteils selbst gegen diese Ent-Anonymisierung sind. Blizzard sei von Activision gezwungen worden, diese Änderung durchzuführen.
Wie gesagt, nur ein Gerücht. Klingt allerdings gar nicht abwegig.

Mr. J 09/07/2010 23:48
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--1+

holgiheftig :
Weshalb kommt immer mehr der Gedanke in Mode, dass Anonymität verkehrt sei???Der Mensch ist - egal durch welche Geschäfte oder Straßen er marschiert immer Anonym, außer er zeigt seinen Ausweis. Das darf im Internet nicht anders sein!Weshalb meckern denn alle wegen Google StreetView? Ich halte die De-Anonymisierung der Menschen im Internet für deutlich schlimmer als deren Straßenfotos von Google.



Wie kommst du darauf dass du im Geschäft anonym bist, mittlerweile gibts doch überall Kameras die einen in Geschäften filmen und sobald du mal per Karte zahlst oder eine dieser unseligen Rabattkarten hast dann hat die Firma dazu auch noch deinen Namen. Da wird jetzt schon weit mehr mitprotokolliert als sich die Meisten vorstellen können oder wollen.
Das Problem mit der Namenveröffentlichung in den Foren könnte allerdings sein dass für Spieler daraus z.B. im Job durchaus Nachteile entstehen könnten und Blizzard damit Gefahr laufen würde verklagt zu werden und somit lässt man das Ganze lieber.
Außerdem wird es auch meiner Meinung nach nicht wirklich gegen das ausufernde Trolling in den Foren helfen.

MfG
Mr. J

holgiheftig 10/07/2010 00:08
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-1+

Wer sein Gesicht zeigt ist immer noch anonym. Das vorlegen einer Kreditkarte kommt dem Ausweisen gleich.
Das "ausufernde Trolling" im anonymen Internet spiegelt nur die Realität in den Köpfen wieder. Unverfälscht und ohne Hemmungen.
Evolutionstechnisch behaupten sich die Menschen mit weniger Verstand leider besser.

I-HaTeD2 10/07/2010 02:17
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-0+

*hust*

Zitat :Wie Blizzards CEO Mike Morhaime höchstpersönlich in den hauptsächlich betroffenen WoW-Foren bekannt gab, ist die Sache mit den Klarnamen vorerst vom Tisch. Die Entrüstung unter den Spielern weltweit sei riesig, und Blizzard höre eben auf diese Community. Neue und auch alte Spiele werden fortan mit dem Battle.net-Account und dem entsprechenden Charakter des Spiels ausgegeben.

Mr. J 10/07/2010 08:14
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--2+

holgiheftig :
Evolutionstechnisch behaupten sich die Menschen mit weniger Verstand leider besser.



Das würde bedeuten dass Menschen in jeder Generation weiter verdummen würden, also würde der Durchschnitts-IQ sinken, aber das Gegenteil ist der Fall von daher glaube ich nicht wirklich dass dem so ist.

MfG
Mr. J

holgiheftig 10/07/2010 11:56
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lrlr 11/07/2010 08:41
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-0+

>In hochentwickelten Ländern haben Menschen mit sehr niedrigem IQ mehr
>Nachkommen

man sollte den IQ nicht mit "bildung/wohlstand" verwechseln...
so "hochentwickelt" sind wir noch lange nicht, dass alle die gleichen bildung, möglichkeiten usw. haben..

Denken 12/07/2010 09:13
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-0+

Klarnamen sind wohl vorerst vom Tisch! Blizzard ist wohl bewusst geworden, dass sich deren so aktive Comm recht schnell ihr Forum in ein Geisterforum verwandeln könnte!

flashtu 12/07/2010 09:49
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-0+

Ich finde es ja eh lustig das Blizzard 2009 alle WoW User gezwungen hat auf den Battle.net Account umzustellen weil das ja viel sicherer ist.
Ironischerweise haben sich die Accounthacks seit der Umstellung um fast
400% erhöt (quelle:internes Dokument das im Netz auftauchte).
Und sobald man so etwas negatives im Blizzard eigenen Forum hinterfragt
löschen sie den Beitrag und sperren den User für 48h^^

pinki 12/07/2010 12:47
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-0+

Das Thema ist vom Tisch. (siehe heise & Co)

Wieso sind hier die Infos eigentlich immer als letztes und teilweise um Wochen verspätet zu lesen? Das war mal besser. Da ist manch Privatblog aktueller und hat eine höhere News/Tag-Quote.

aarfy 19/07/2010 09:51
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-0+

holgiheftig :
In hochentwickelten Ländern haben Menschen mit sehr niedrigem IQ mehr Nachkommen als Menschen mit sehr hohem IQ. Und dank Medizin und sozialer Fürsorge werden auch Hilfsbedürftige am Leben gehalten, was die natürliche Selektion weiter stört.


Hmm riecht irgenwie nach Sozialdarwinismus deine Äusserung...

pinki 19/07/2010 11:44
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-0+

aarfy :
Hmm riecht irgenwie nach Sozialdarwinismus deine Äusserung...


Eher nach dem Film "Idiocracy"... ^^

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