Nachspiel: Crysis 3 im Hands-On-Test und interessante Erkenntnisse

Schlaflos in New York?Schlaflos in New York?

Kleine Einführung zu den Ausführungen

Es gibt Dinge, da kann man, und es gibt welche, da sollte man darüber schreiben. Wenn zum Beispiel der nunmehr vierte Teil der Crysis-Serie erscheint, dann wäre man als Redakteur garantiert schlecht beraten, dies einfach mit einer Geste von Nonchalance zu übergehen. Es sei denn, man arbeitet in der Redaktion einer Kleingärtnerzeitschrift und hat ansonsten auch keinerlei Beziehungen zu Spielen dieser Art. Dass mein Kommentar diesmal jedoch so kurz ausfällt, hat am Ende aber gleich mehrere Gründe.


Urlaub am Ballerman. Munition wird nicht gespart.Urlaub am Ballerman. Munition wird nicht gespart.Wie immer reicht ein Tag zwar aus, um die Singleplayer-Kampagne zu lochen und als gegessen im Ordner der Trophäen abzuheften, aber die dabei gewonnen Erkenntnisse bedürfen aus meiner Sicht dann doch noch einer tieferen Differenzierung und diverser Nachtests. Da hätten wir einerseits das erstaunlich gute Abschneiden der aktuellen AMD-CPUs, was meiner besseren Hälfte (und wohl auch vielen anderen AMD-Usern) ein sehr tiefkehliges „Siehst Du, ich hab’s ja immer gesagt“ entlocken dürfte und außerdem den Grafik-Part, der zwar auf den ersten Blick sehr opulent daherkommt, trotzdem aber auch erneut gewissen Schwächen offenbart und selbst teure Grafikkarten bei bestimmten Settings um Gnade winseln lässt.

Charakterstärke? Die Personalabteilung sieht vergleichsweise gut aus.Charakterstärke? Die Personalabteilung sieht vergleichsweise gut aus.

Um trotzdem einigermaßen aktuell zu bleiben, gibt es nun der Aktualität geschuldet also zunächst einmal nur meine sehr subjektive Betrachtung des Spiels.  Benchmarks für CPU und Grafikkarten wollen wohlüberlegt vorbereitet und ausgetestet werden und kommen somit ein andermal. Warum ich bisher nichts über die Story geschrieben habe? Ganz einfach, ich suche noch danach…

Metro 2033 lässt grüßen. Oder einmal Indiana Jones für Arme.Metro 2033 lässt grüßen. Oder einmal Indiana Jones für Arme.

Gute Kost mit vielen Geschmacksverstärken

Eins vorab: es wird wieder geschlauchlevelt, dass die Schwarte nur so kracht. Gut, etwas mehr Auslauf an einigen Stellen und seit Urzeiten nicht mehr gemähtes Gras lassen ab und zu das Gefühl der Freiheit (oder Orientierungslosigkeit, je nachdem) aufkommen, aber auch diesmal ist der Ablauf nicht nur linear vorbestimmt, sondern zugleich viel zu restriktiv eingeengt. Ein Zurück ist nie möglich und das Weiterkommen  über verschiedene Wege ein Fremdwort.

Nettes Tag- ...Nettes Tag- ...

.. und Nachtspiel.. und Nachtspiel

Die eigentliche Story ist so platt wie eine holländische Gebirgskette bei Gegenlicht, nur hat man Gott sei Dank stets genug zu tun, um sich darüber keine Gedanken machen zu müssen. Ich will auch nicht spoilern, so dass ich mir die wenigen Sätze, mit denen man alles an Handlung hätte zusammenfassen könnte, dann lieber gleich spare. Was jedoch beim Spielen entschädigt, so fair muss man auch sein, ist das Vorhandensein diverser Sekundärmissionen, die man schon lösen sollte, um nicht gleich in ein paar wenigen Stunden durch zu rumpeln, sondern um einen höheren Gegenwert für den Kaufpreis zu erhalten.

Die Cell sind nicht sonderlich helle, die Ceph hingegen schon.Die Cell sind nicht sonderlich helle, die Ceph hingegen schon.

Schwarzenegger oder Plattfußindianer?

Apropos rumpeln. Was hätten wir denn am liebsten? Durchkloppen oder mit Überlegung und Taktik spielen? Den Freizeit-Terminator raushängen zu lassen ist leider fast immer der effektivere Weg. Auch wenn EA dem Protagonisten als aktuell scheinbar sehr gern genommenes Accessoire Pfeil und Bogen mit diversen Funktionen spendiert, die exklusive Sniper-Tour ist am Ende schon irgendwie frustrierend. Es ist nämlich zum Verzweifeln,  dass die (recht gute, aber oft übermotivierte) KI scheinbar über Röntgenaugen verfügt und einen auch dann noch klar sieht, wenn man im mannhohen Gras am verschämt Boden hockt und außer Halmen nichts weiter in der Optik hat. Man wird es am Ende kompromissbereit kombinieren müssen, denn nur in der Summe verschiedener Taktiken kommt man einigermaßen vorwärts.


Im Detail stellenweise recht ordentlich bis knackigIm Detail stellenweise recht ordentlich bis knackig

Waffenembargo und Pixeltapeten

Die Ausgewogenheit der Waffen ist sicher verbesserungsfähig, aber was  mir positiv auffiel ist, dass man im Gegensatz zu Crysis 2 nicht mehr aufpassen muss, etwa aus Versehen ständig über irgendeine Munitionskiste stolpern zu müssen. Diese sind diesmal ein klein wenig rarer gesät und es wäre schon ratsam, etwas mit seiner eigenen Sprengkraft zu haushalten. Das Sparprinzip hat auch EA genutzt, wenn es um einige Texturen geht. Allerdings ist der Mix aus recht knackigen Tapeten im Nahfeld und der künstlerischen Gestaltung mit optischen Füllstoffen in der Tiefe dann recht gut gelungen.

Fette Explosionen stehen auf der Tageskarte. Feuer und...Fette Explosionen stehen auf der Tageskarte. Feuer und...

... Wasser sorgen da für Abwechslung... Wasser sorgen da für Abwechslung

Ende gut, alles gut?

Mitnichten. Crysis 3 hätte etwas Besonderes werden können (und es wohl auch müssen), denn die neue Engine skaliert hervorragend mit der Anzahl der Kerne (bzw. Module) und lässt grafisch zumindest partiell auch gediegen die Sau raus. Leider sind Story und Gameplay im Gegenzug etwas zu durchwachsen, so dass ich das Spiel persönlich zwar gut und auch solide gemacht finde, mir aber leider auch am Ende der gewisse Kick fehlt.  Es ist sicher ein passables Spiel geworden, ein sehr guter Benchmark sowieso und auch eine wundenheilende Selbstbestätigung für Bulldozer- und Piledriver-Enthusiasten, mehr dann allerdings auch nicht. Es macht schon Spaß, lässt aber für mich einge Fragen offen.

Der Alpha-Ceph lebt. Wundert uns das?Der Alpha-Ceph lebt. Wundert uns das?

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5 Kommentare
    Dein Kommentar
  • Mist, hätte ich das hier einen Tick früher gelesen, hätte ich mir den Kauf vor knapp 10 Minuten gespart. Bleibt dann wohl nur, auf die Spiele mit Cryengine 3 zu warten (schön aussehen tut's ja).

    Wechwarrior Online mit der Cryengine 3 zum Beispiel sieht m.E. wirklich ganz prima aus (entspr. Hardware vorausgesetzt), allerdings kann man damit in Sachen Story zur Zeit auch noch eher hadern (is' halt Beta, nech).
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  • Ich habe Crysis 3 in einer Nacht durchgespielt und dann auch noch diesen Artikel geschrieben. Allerdings der lieben Zeit halber nur auf einfachem Level. Die Story, oder das, was man dafür hält, ist reichlich dünn. Aber Spaß gemacht hat es trotzdem. Es steckt allerdings so viel verschenktes Potenzial drin, dass man sich echt ärgert.
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  • MWO war mir viel zu über"blur"ed
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