Domainvergabe gerät zum Kuhhandel

Einen passenden Domainnamen mit Wiedererkennungswert zu besitzen, ist mittlerweile nicht mehr Sache der Kreativität bei der Namensfindung, sondern hängt schon seit Jahren davon ab, an welchem Hebel man sitzt, wie viel Geld man dafür oder für Anwälte ausgeben kann, die eine Domain einklagen – selbst wenn es sie aus technischer Sicht noch gar nicht geben dürfte. So geschehen bei VW: Der Automobilkonzern klagte 2008 gegen das DeNIC (Deutsches Network Information Center), um sich www.vw.de zu sichern, obwohl es damals noch gar keine zweistelligen Domainnamen gegeben hat. Doch der Konzern fühlte sich gegenüber der bayerischen Konkurrenz von BMW benachteiligt, was das Oberlandesgericht Frankfurt ebenso sah: Ein marktbeherrschendes Unternehmen wie der DeNIC darf gleichartige Unternehmen nicht benachteiligen. Die Folge: VW.de war eine der ersten zweistellige Domains im .de-Raum.

Nun führt der oberste deutsche Domainwächter ein-, zweistellige und Zifferndomains für alle ein (siehe »Einstellige und Zifferndomains kommen«) – und es wird ein regelrechtes Hauen und Stechen um die Buchstaben-Zahlenkombinationen geben. Zwar setzt der DeNIC auf ein hinreichend gerechtes Vergabesystem: Ab kommenden Freitag dürfen die 274 Provider beziehungsweise Registrare, die bei der DeNIC Mitglied sind, ab 9:00 Uhr Anträge für ihre Kunden stellen – pro Minute und pro Antragssteller maximal vier Domainnamen – wer zuerst kommt, erhält die gewünschte Domain.

Domainhändler und Registrare bringen sich aber schon in Stellung, um Kasse zu machen: Bei Sedo beispielsweise werden bereits jetzt zweistellige .de-Domains versteigert. pc.de oder tv.de gefällig? Liegt momentan bei jeweils 36.000 Euro, Tendenz steigend. Sedo wird versuchen, dem Höchstbietenden nach der Vergabe über ein Netzwerk von Registraren die Domain zuzuteilen.

Sedo versteigert schon jetzt zweistellige .de-DomainsSedo versteigert schon jetzt zweistellige .de-DomainsAndererseits sitzen die beim DeNIC gemeldeten Registrare selbst, meist sind es selbst ISPs (Internet Service Provider), natürlich am langen Hebel und versuchen nicht nur Domains für sich zu sichern, sondern im Vorfeld zu Geld zu machen: Sie vermieten einfach ihren DeNIC-Zugang während der Vergabeprozedur. Dass so etwas nicht gerade billig ist, dürfte ebenso klar sein wie die Tatsache, dass der »Mieter« damit seine Domain noch lange nicht in der Tasche hat und auch leer ausgehen könnte.

Und selbst wenn man Glück gehabt hat bei der Domainzuteilung: Viele zweistelligen Buchstabenkombinationen sind als Abkürzungen oder Markennamen geschützt. Freut sich Hans Meier etwa über seine frische hm.de-Domain, könnten sich schon bald Anwälte eines Bekleidungsunternehmens bei ihm melden.

In der Bloggerszene, beispielsweise bei Richard Martins Domain-Smalltalk, wird nun ein Stopp der aktuellen Domainvergabe von der DeNIC gefordert. Eine offizielle Auktion würde vielleicht eine gute Lösung darstellen, dann aber nur von einer zentralen Stelle aus ausgerichtet.

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9 Kommentare
    Dein Kommentar
  • masamune
    Quote:
    Die Folge: VW.de war eine der ersten zweistellige Domains im .de-Raum.


    Stimmt nicht. Es gibt noch www.db.de; www.ix.de und www.hq.de. Diese Domains stammen noch aus der Zeit bevor keine zweistelligen Domains mehr vergeben wurden.
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  • ChrisA4
    Quote:
    Viele zweistelligen Buchstabenkombinationen sind als Abkürzungen oder Markennamen geschützt



    Ich hätte gedacht, dass das erst ab drei Buchstaben möglich ist?
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  • momo2k
    @masamune:
    Welchen Teil der Formulierung "ene der ersten" verstehst du nicht?

    @topic:
    Da sich eh nur die "große Wirtschaft" um die Domains kloppen wird, kommt mir das gar nicht so schlimm vor, wenn es dort etwas unsittiger vorgeht. Sollen sie sich doch zum Affen machen. Aber bitteschön hier berichten :) Möchte wissen, wer für zwei Buchstaben ne Million ausgegeben hat^^
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