Frankreich stimmt für Internet-Sperren
Nach der Wahlschlappe vor gut einem Monat hat die französische Nationalversammlung nun für das umstrittene Anti-Piraterie-Gesetz gestimmt. Damit kann die »3-Stufen-Regelung« bald in Kraft treten.

Mit 296 zu 233 Stimmen wurde in Frankreich durch die Nationalversammlung der Gesetzentwurf zur Verschärfung der Maßnahmen gegen mutmaßliche Urheberrechtsverletzer durchgewunken. Erst Anfang April scheiterte die Abstimmung wegen einer mangelnden Teilnahme derjenigen Abgeordneten, die für den Entwurf sind (siehe »Frankreich: Gesetz gegen Raubkopierer gescheitert«).
Das Gesetz sieht vor, dass Internet-Nutzern, denen die Verbreitung urheberrechtlich geschützten Materials nachgewiesen wird, nach zwei Verwarnungen der Internet-Zugang für ein Jahr gesperrt werden soll. Die Kosten für den Vertrag mit dem Provider sind in dieser Zeit weiter zu bezahlen. Die Internet-Service-Provider müssen entsprechende persönliche Daten bei Bedarf herausgeben. Überwacht werden sie wiederum durch eine Behörde, zu deren Schaffung die jetzige Abstimmung die Grundlage bildet. Sie wird die Bezeichnung »Hadopi« (Haute Autorité pour la Diffusion des oeuvres et la Protection des Droits sur Internet; »Behörde für die Verbreitung der Werke und der Schutz der Urheberrechte im Internet«) bekommen.
Die Gangart Frankreichs im Kampf gegen Urheberrechtsverletzer ist sogar bei Piraterie-Gegnern umstritten: »Frankreich hat sich im Kampf gegen Online-Piraterie von Anfang an mit einer sehr restriktiven Strategie hervorgetan. Das aktuell verabschiedete Gesetz stellt eine konsequente Fortführung der bisherigen Politik dar«, zitiert Pressetext Matthias Leonardy, den Geschäftsführer der Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU). »Was die Verfolgung von privaten Nutzern von Filesharing-Angeboten im Web betrifft, ist das französische Modell sicherlich viel radikaler als der entsprechende Ansatz, den die GVU für Deutschland vorschlägt«, so Leonardy.
Bürgerrechtler und Opposition gehen noch härter mit Frankreich ins Gericht: »Das neue Gesetz ist gefährlich, nutzlos, ineffizient und sehr risikoreich für die Bürger Frankreichs«, erklärt Patrick Bloche, sozialistischer Parlamentsabgeordneter, gegenüber BBC News. Er befürchtet, dass in Verbindung mit Identitätsdiebstahl beziehungsweise –missbrauch unter Umständen auch Unschuldige bestraft werden könnten.
Eine Überwachung der Internet-Anwender beziehungsweise die Herausgabe von IP-Adressen ist mittlerweile auch in anderen Ländern gang und gäbe: Während sich Irland – freilich ebenso unter Protest von Bürgerrechtlern – nah am französischen Vorbild orientiert und sogar externe Firmen zur Beobachtung der Netze anheuert (siehe »Urheberrechtsverletzung: Irland greift durch«), stellen sich in Schweden die Provider quer: Sie speichern seit April keine IP-Adressen mehr – was nicht existiert, kann auch nicht an die Musikindustrie weiter gegeben werden (siehe »IPRED: Schwedens Provider widersetzen sich«).
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Großartig. Es gibt bald keine Franzosen mehr in WoW. Da wird eigentlich alles per P2P verteilt. Patches, der Client selbst,...
Leider kann man ohne einen tiefgreifenden Blick in die Daten, die da über die Leitung gesendet werden, nicht erfahren, was drin ist. Daher wird es wohl entweder darauf hinauslaufen, dass es in Frankreich bald keinerlei Datenschutz jedweder Art mehr gibt - oder es wird einfach alles abgeschaltet, was irgendwie verdächtig aussieht.
Schuldig bis die Unschuld bewiesen wurde.
Mahnungen per e-mail (lol) und sperre ohne gerichtliche verfügung. nachdem man deinen internetanschluß gespeert hat und du aber natürlich weiterzahlen darfst, darfst du dann klagen um deine unschuld zu beweisen.
ich finde es erstaunlich, dass film/musikindustrie & terrorwahn im gleichen maße schaft, was kein krieg, kein echter terrorismus bisher vermochte. ich hab ja noch nie viel von der menscheit gehalten, aber sie schaft es mich doch immer weider weiter zu entäuschen.
man kann dem besitzer des internetanschlusses noch lang nicht nachweisen, das er das geschützte material heruntergeladen hat. In den meisten fällen nutzen doch viele leute gemeinsam einen zugang. Und wenn einer den nicht mehr haben darf, dann bestellt eben ein anderer aus der gruppe.. so ein unfug...
und was ist mit den leuten, die beruflich und finanziell auf internetzugang angewiesen sind?...
das sollte jetzt einem aufruf an sämtliche hacker gleichkommen, regierungssysteme lahmzulegen. der zwerg macht frankreich zum überwachungsstaat und bekommt zuckerbrot von der industrie. frankreich hat nichts mehr mit einem rechtsstaat gemein.
K.a. wie es nachher in der Praxis tatsächlich umgesetzt wird- aber sieht nach nem gehörigen Papiertiger aus. Wie wollen die den den Nachweis erbringen? Totale Überwachung? Wer soll diese Datenmengen filtern? Das schaffen nicht mal die amies und die pumpen da ja schon seit Jahren Milliarden rein. Ich weiß nicht, ob das Thema gerade Mode in FR ist und es zur Beruhigung des Bev. dient, (in DTl. haben wir ja gerade ein Rentensicherungsgesetz bekommen! ähnl. Kaliber^^) Was ist mit einem Anbieterwechsel? Oder wird die Person gesperrt? Ich sehe da lauter Umsetzungsprobleme und solange es nicht EU-Recht wird-- und da sehe ich bisher keine Einigung auch nur mittelfristig in Sicht-- ist es mir egal. Weniger Franzosen im Netz sind jedenfalls nichts negatives.
und wenn schon die Verbindungen überwacht werden!
Man kann sich mit einem Server in Pampas über VPN verbinden und dann kann die fr. Regierung nicht mal sehen was gerade übertragen wird, ganz zu schweigen von irgendetwas beweisen zu können.
Natürlich ist das nicht eine kostenlose Lösung aber immernoch etwas sicherer.