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Im Test: Nvidia Geforce GT 640 – Kepler im Kleinformat

Im Test: Nvidia Geforce GT 640 – Kepler im Kleinformat
Von , Don Woligorski

Afox hat uns seine Geforce GT 640 zukommen lassen, die auf Nvidias GK107-GPU basiert. Diese Karte ordnet sich unter der Geforce GTS 450 ein und soll AMDs Radeon HD 6670 Paroli bieten. Wird die Kepler-Architektur der GT 640 den Vorschusslorbeeren gerecht?

Es gab einmal eine Zeit, als Nvidia und AMD (damals noch ATI) verbissen darum kämpften, bei jedem beliebigen Preispunkt die bestmögliche Performance anzubieten. Unabhängig davon, welches Unternehmen gerade das schnellste Flaggschiff stellte, lieferten beide Hersteller in spezifischen Segmenten überragende Ergebnisse ab. Das war damals eine wirklich gute Zeit für PC-Gamer. Dieses "goldene Zeitalter" der anwenderfreundlichen Herstellerkonkurrenz hielt lange an und begann mit der Markteinführung der allerersten Radeon-Karte, die Nvidias damals ziemlich neuer Geforce 256 den Fehdehandschuh hinwarf.

Aber irgendwann zwischen der Markteinführung von Nvidias Geforce-200- und -400-Generationen änderte sich das. Auch wenn Nvidia oberhalb der 150-Euro-Grenze ein starkes Portfolio beibehielt, begannen Radeon-Karten den Preisbereich unter 100 Euro spürbar zu dominieren. Die potente Geforce 9600 GT wurde zugunsten der neuen, aber etwas langsameren Geforce GT 240 aus dem Verkehr gezogen, die wiederum von der deutlich schwächeren Geforce GT 430 ersetzt wurde. Radeon-HD-5570- und -5670-Karten hatten folgerichtig im Einstiegsbereich sehr lange Zeit die Oberhand. Der Konkurrenzdruck war so niedrig, dass AMD die DDR3-bestückte Radeon HD 6670 ganz selbstverständlich zum gleichen Preispunkt verkauft wie die überlegene, GDDR5-bestückte Radeon HD 5670. Die Performance pro Euro ist letztlich sogar schlechter als damals.

Im Nvidia-Lager bekommt man im Einstiegsbereich mit der GDDR5-bestückten Geforce GT 440 den besten Gegenwert fürs Geld, die letztlich "nur" eine übertaktete GT 430 mit einer Menge zusätzlicher Speicherbandbreite ist. Zudem ist sie nur ein in geringen Stückzahlen verfügbares Sondermodell, das nur von wenigen Herstellern als gut gehütetes Geheimnis angeboten wird. Und das Schlimmste: Sie ist typischerweise ein bisschen langsamer als die auch noch billigere, DDR3-bestückte Radeon HD 6670. (Ein kleine Anmerkung am Rande: Nvidia hat vor Kurzem ein Rebranding der Geforce GT 440 durchgeführt. Sie wird nun als Geforce GT 630 vertrieben, basiert aber immer noch auf der älteren Fermi-Architektur.)

Diese Situation bereitet uns schon eine ganze Zeitlang Kopfschmerzen. Klar: Preiswerte Grafikkarten der Einstiegsklasse sind nicht so sexy wie Flaggschiffe, aber sie repräsentieren eine Menge Marktvolumen und – wenn richtig gehandhabt – auch Profit. Auch wir können euch also keine spekulative Erklärung bieten, warum Nvidias Sub-100-Euro-Klasse so zu wünschen übrig lässt.

Aber jetzt gibt es mit der still und heimlich eingeführten Geforce GT 640 Licht am Ende des Tunnels – hoffen wir mal, dass es nicht ein heranrasender Zug ist... Die GT 640 ist jedenfalls die erste Kepler-basierte Karte mit einer anderen GPU als der GK104 – stattdessen baut sie auf der GK107 auf. Mit einer Fläche von 118 mm² hat die GK107 etwa 40 Prozent der Die-Fläche der 294 mm² großen GK104 und mit 1,3 Milliarden Transistoren hat die GK107 rund 37 Prozent der Transistorzahl der Highend-Gaming-GPU.

Im Wesentlichen bietet die GK107-GPU der GT 640 ein Viertel der Shader-Ressourcen einer voll funktionsfähigen GK104. Diese 384 CUDA-Kerne sind in ein Paar von SMX-Einheiten unterteilt, jede wiederum mit 16 Textur-Einheiten (also 32 insgesamt). Nvidia hat die Taktfrequenz ab Werk auf 900 MHz gesetzt. Da die Geforce GT 640 aber nicht über die GPU-Boost-Funktion der GK104-basierten Karten verfügt, operiert sie nicht dynamisch mit höheren Taktraten, wenn noch genügend thermischer Spielraum vorhanden ist.

Die GK107-GPU hat zwei ROP-Cluster, die beide acht 32-Bit-Pixel pro Takt ausgeben können, also zusammen 16. Zwei korrespondierende 64-Bit-Speicherinterfaces ergeben 128 Bit – und mit zwei GByte DDR3-Speicher, die mit 891 MHz takten, kommt die Karte auf einen mageren Durchsatz von 28,5 GByte/s.

Die neue Architektur ermöglicht außerdem eine Anzahl von Features, die bisher bei Nvidia nicht verfügbar waren, beispielsweise PCI-Express-3.0-Kompatibilität und Surround-Unterstützung für drei Monitore. Die Karte unterstützt zwar Hardware-seitig bis zu vier Monitore, aber uns wurde gesagt, dass Nvidia-Partner typischerweise nur Karten mit drei Ausgänge anbieten werden. Zusätzlich ist dies Nvidias erstes preiswertes Modell, das auf einer 28-nm-Kepler-GPU basiert. Wer mehr über Kepler an sich erfahren will, sollte sich einmal unseren Launch-Artikel zur Geforce GTX 680 durchlesen.

Nvidia gibt die TDP der Karte mit 65 Watt an, die somit von einem 16-Lane-PCI-Express-Slot mit seinen maximalen 75 Watt versorgt werden kann. Dementsprechend ist keine zusätzliche Stromversorgung nötig, und die Geforce GT 640 hat folgerichtig auch keine Stromanschlüsse. Dennoch belegt das Referenzdesign immer noch zwei Steckplätze – aber das liegt nur an dem dicken GPU-Kühler.

Anders als andere Grafikprozessoren von Nvidia hat die Geforce GT 640 auf den ersten Blick das Potenzial, im Budget-Segment für Trubel zu sorgen. Denn laut dem Unternehmen ist seine DDR3-bestückte Karte schneller als AMDs Radeon HD 6670 mit GDDR5-Speicher – und die GT 640 ist zu Preisen von unter 100 Euro am Markt erhältlich. Momentan sieht es zwar nicht so aus, als würde Nvidia in Kürze auch eine Version mit GDDR5-Speicher anbieten, aber wenn doch, wäre es ein noch interessanteres Angebot.


Geforce GT 640
DDR3
Radeon HD 6670Radeon HD 7750Geforce GT 440
(alias Geforce GT 630)
GDDR5
Geforce GTS 450
Shader-Kerne:
384
480
512
96
192
Textur-Einheiten:
32
24
32
16
32
ROPs:
16
8
16
4
16
Fertigunsprozess:
28 nm
40 nm28 nm40 nm40 nm
Core-/Shader-Takt:900 MHz
650 MHz
800 MHz
810 (1620) MHz783 (1566) MHz
Speichertakt:
891 MHz DDR3
900 MHz DDR3
900-1000 MHz GDDR5
1125 MHz GDDR5
810 MHz GDDR5902 MHz GDDR5
Speicherbus:
128 Bit
128 Bit128 Bit
128 Bit128 Bit
Speicherbandbreite:
28,5 GByte/s, DDR3
28,8 GByte/s, DDR3
64 GByte/s, GDDR5
72 GByte/s51,8 GByte/s
57,7 GByte/s
TDP (Leerlauf/max.):
15/65 Watt
10/44 Watt, DDR3
11/60 Watt, GDDR5
55 Watt (max.)
14/61 Wattt
106 Watt (max.)
Marktpreis (Geizhals.de):
81 - 101 Euro
57 - 84 Euro
90 - 117 Euro
49 - 76 Euro
62 - 122 Euro


Im Gegensatz zu den beiden letzten beiden Kepler-Launches hat Nvidia die Geforce GT 640 still und leise auf den Markt gebracht. Soweit wir gehört haben, ist der Nachschub an GK107-Chips nicht gerade stabil – und wie bereits oben gesagt macht Nvidia sowieso generell nicht viel Aufhebens um seine preisgünstigen Angebote. Unsere von Afox bereitgestellte Testkarte ist jedenfalls ein gutes Beispiel dafür, was man von einer typischen Geforce GT 640 mit DDR3-Speicher erwarten kann:

Afox GeForce GT 640 DDR3

Auf den ersten Blick könnte man die Geforce GT 640 DDR3 mit ihrer halben Bauhöhe mit einer Geforce GT 430 verwechseln. Das kleine PCB misst etwa 15 x 7 cm und dürfte sich problemlos in fast allen Gehäusen – von den allerengsten einmal abgesehen – verbauen lassen.

Die Afox GeForce GT 640 wird als ein dem Referenzdesign nahestehendes Modell geführt und taktet mit 902 MHz. Allerdings ist die Geforce GT 640 nicht wirklich neu. Auf Nvidias OEM-Produktseite (englisch, deutsch) werden gleich drei verschiedene GT-640-Versionen gelistet – und keine davon stimmt mit den Daten der uns vorliegenden Testkarte überein. Stattdessen wird die nun vor Kurzem in den Markt eingeführte GT 640 wahrscheinlich ein Retail-Modell sein, während die gelisteten OEM-spezifischen Versionen an die großen PC-Hersteller gehen. Im Low-End-Bereich ist die Geforce GT 640 DDR3 128 Bit die vom Namen und den Abmessungen zu unserer Afox-Testkarte her ähnlichste OEM-Karte, taktet aber nur mit 797 MHz und ist damit deutlich langsamer als unser 902-MHz-Modell.

Wie die OEM-Version wird es auch die Retail-Version mit ein oder zwei GByte Speicherbestückung geben. Unsere Testkarte verfügt jedenfalls über ein GByte DDR3-Speicher. Immerhin: Der Speichertakt der DDR3-basierten Modelle liegt immer bei 891 MHz.

Der Kühler von Afox ist ein einfaches radiales Design, das Erinnerungen an die Kühllösungen von Geforce-GT-430- und -440-Karten weckt.

Das ist neu: Drei Display-Anschlüsse an einer Geforce-Karte der Einstiegsklasse. Die Afox GT 640 DDR3 hat je einen DVI-, VGA- und HDMI-Ausgang und kann somit gleichzeitig ein Trio unabhängiger Displays ansteuern. Und im Gegensatz zu AMD-Karten braucht man keinen DisplayPort-Monitor oder -Adapter, um die Konstellation zum Laufen zu bekommen. Wir würden zwar generell ein Trio digitaler Anschlüsse bevorzugen, aber an einer Grafikkarte der Einstiegsklasse macht ein VGA-Anschluss durchaus Sinn. Wir testeten die Surround-Funktion mit drei Monitoren und konnten problemlos 'DiRT 3' mit den niedrigsten Detaileinstellungen mit einer Auflösung von 5760 x 1080 Pixeln spielen.

Das Afox-Angebot ist spartanisch ausgestattet; im Lieferumfang findet man lediglich ein Handbuch, eine Treiber-CD und Slotbleche in halber Bauhöhe. Dafür liegen der Karte ein paar temporäre Tattoos bei – und das haben wir noch nie als "Zubehör" einer Grafikkarte gesehen.

Afox gab uns einen Listenpreis von 105 US-Dollar für seine GT 640 DDR3 an, Nvidia selbst kommuniziert einen Listenpreis von unter 99 US-Dollar. Angesichts der aggressiven Konkurrenz aus dem AMD-Lager sind diese Listenpreise eindeutig zu hoch. Aber man sollte im Hinterkopf behalten, dass die Preise bei reichlichem Nachschub und niedrigen Produktionskosten relativ schnell sinken und eine passable diskrete Grafikkarte der Einstiegsklasse auch ihre Nische am Markt findet. Und schaut man sich die heutigen Marktpreise an, ist der Preis ja auch schon im Sinken begriffen.

Glaubt man dem Buschfunk, ist der Nachschub der GK107 allerdings ziemlich beschränkt. Und obwohl es logisch scheint, dass in 28-nm-Fertigung produzierte GPUs kostengünstiger herzustellen sind als 40-nm-Modelle, sollen die von Nvidias Partner TSMC produzierten Wafer ziemlich teuer sein.

8 Kommentare anzeigen.
Sortieren nach: Neueste zuerst | Älteste zuerst
  • st1age , 2. Juli 2012 09:33
    Nur als kleiner Hinweis auf der Fazit-Seite. "Sinn machen" gibt es im deutschen nicht, auch wenn es sich eingebürgert hat. Einen Sinn ergeben jedoch kann man problemlos genauso benutzen und es klingt gleich viel schöner. that make sense or?^^
  • benkraft , 2. Juli 2012 10:38
    Immer wieder dieser Irrglaube...
    Das stimmt so einfach nicht. Auch wenn ich Herrn Sick und seine Beiträge an sich schätze, nicht immer weiß er alles. Nur mal ein Beispiel: Sinnesfreuden (I) (insgesamt fünf Teile)
    Noch ein kleiner Nachtrag zur zeitlichen Betrachtung, ab wann diese Redewendung auftritt:
    Seit wann machen wir im Deutschen Sinn?
    (Kurze Antwort: seit etwa 200 Jahren, mal mehr, mal weniger)
  • Anonymous , 2. Juli 2012 13:12
    Ich habe die gerade zu einem Preis von ca. 85€ gesehen und der ist wirklich akzeptabel!
    https://www.mindfactory.de/product_info.php/pid/google/info/p803246_1024MB-Gainward-GeForce-GT-640-Aktiv-PCIe-3-0-x16--Retail-.html?ia-pmtrack=157757413
    Wenn das jemanden interessiert!
  • Dempeterstehter@guest , 2. Juli 2012 13:51
    Mir fehlt ein Bechmark Vergleich zwischen den am Anfang erwähnten Vorgänger.

    "Die potente Geforce 9600 GT wurde zugunsten der neuen, aber etwas langsameren Geforce GT 240 aus dem Verkehr gezogen, die wiederum von der deutlich schwächeren Geforce GT 430 ersetzt wurde"

    Sprich mit fehlt die 9600GT. Denn diese habe ich noch in einem Rechner und würde sie mal gerne ersetzen. Aus dem Artikel weiß ich nun das die 240 und 430 langsamer sind als die 9600, aber ich weiß nicht ob die 640 nun langsamer, gleich schnell, oder was auch immer ist.

    Also wenn man das schon erwähnt sollte man darauf auch mal mehr eingehen.
  • chendal , 2. Juli 2012 14:32
    Danke für den test..sehr aufschlußreich. Ich persönlich greife aber dann doch lieber zu einer 7750 im Low Profile und single Slot design einfach weil sie doch ein gutes Stück flotter ist in meinem HTPC.
    gibt da ja bis jetzt zumindest schon 2 Modelle, eins von Sapphire und eins von Powercolor
  • pescA , 3. Juli 2012 00:57
    Zitat :
    Immer wieder dieser Irrglaube...
    Das stimmt so einfach nicht. Auch wenn ich Herrn Sick und seine Beiträge an sich schätze, nicht immer weiß er alles.

    Schaut man doch mal in den Duden - hab gehört, das ist bei solchen Fragen ne gute Quelle ;) 
    Zitat :
    etwas macht [k]einen Sinn (umgangssprachlich; etwas ergibt [k]einen Sinn, ist [nicht] verständlich, sinnvoll; nach englisch something makes sense)

    Solange es umgangssprachlich ist, würde ich es als Redakteur nicht verwenden. Selbst ich würde nicht kucken schreiben oder im Schrank meinen zweiten Socken googlen, bloß weils zunehmend "suchen" bedeutet.

    Zur Karte:
    Ich verstehe iregendwie nicht, warum man sie überhaupt braucht :)  Sie ist doppelt so schnell wie der Trinity A10 und langsamer als die nur minimal teurere HD7750. Ist dazwischen wirklich eine so große Käuferschickt? Spielen kann man damit mMn nicht deutlich mehr als mit einer APU (man muss in beiden Fällen Abstriche bei der Auflösung und/Oder Qualität machen, kriegts aber irgendwie zum Laufen), aber nur zur Hardwarebeschleunigung von Videos / Programmen reicht auch ne IGP.
  • phil81i , 3. Juli 2012 10:56
    Vor allem ist die deutlich schnellere Radeon 6750 mal locker 10 Euro billiger als die GT 640.

    Fazit: Eine weitere Karte im Budget Segment, die man sich hätte sparen können (zumindest bei den aktuellen Preisen, für ca. 65 Euro wäre sie ein klarer Kauf)
  • JomKnipf@guest , 4. Juli 2012 13:46
    Wie wäre sie denn als Physx-Karte zu einer RadeonHD?
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