GameCity Leipzig: Retro-Metropole mit Visionen
Es gibt sie noch, die frechen Veranstaltungen außerhalb des gesichtslosen Mainstreams, die Liebhaber von Computerspielen stundenlang fesseln können. Diese Symbiose aus technischem Fortschritt, Phantasie und Retrospektive fand dieses Jahr in Leipzig statt.
Sicher, seit dem Verlust der Games Convention ist für den flüchtigen Betrachter in Leipzig oberflächlich vieles nicht mehr so, wie es früher war. Doch Totgesagte leben bekanntlich länger, zumindest was die Rolle als alternative Kultur- und Medienstadt betrifft. Profitiert Köln z.B. von den Einflüssen der großen Publisher, setzt Leipzig seit Längerem konsequent auf Lösungen außerhalb des internationalen Mainstreams. Nicht ganz erfolglos, denn immerhin wird bereits über ein Viertel des Alternativumsatzes in Leipzig gemacht und internationale Preise für Produktionen außerhalb des Glamour- und Plastikstandards austauschbarer Massentitel bestätigen diesen Trend jährlich aus Neue. Dabei verknüpft Leipzig auf ganz eigene Weise die Moderne mit der Retrospektive.
Die Protagonisten und Visionäre der Spieleszene, wie der bekannte Leipziger Sp
ielejournalist René Meyer, mit der weltweit größten Konsolen-Sammlung, sowie die Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig (HTWK) als Förderer alternativer Medien und Technologien, veranstalten jährlich eines der größten Retro-Events in Deutschland: die "Lange Nacht der Computerspiele".

Das diesjährige Event am 24.04.2010 präsentierte wiederum eine interessante Mischung aus hautnah erlebbarer Technik, Informationsveranstaltungen, Präsentationen neuer Technologien und natürlich das eigentliche Kernprogramm - die Retro-Spielenacht. Auch in diesem Jahr gab René Meyer allen Liebhabern die Möglichkeit, wertvolle Stücke aus seiner Sammlung (auch in Aktion) zu sehen, Professor Dr.-Ing. habil. Dieter Vyhnal von der HTWK und seine Studenten hatten 3D-Spiele vorbereitet, die die Besucher auf einer raumgroßen Rückprojektion erstmals sogar dreidimensional spielen können. Neben den Roboterfußballern der HTWK Leipzig fanden vor allem die drei vorgestellten Kurzfilme "Debris", "Pixels" und "MemBrain!" großen Zuspruch.

Die Retro-Nacht bot an über 60 PCs, alten Heimcomputern und vielfältigen Konsolen einen für alle faszinierenden Mix von Klassikern der Computerspiel-Geschichte. An einem Netzwerk aus 8 Atari-Computern konnten wir z.B. den Klassiker "Midi-Maze" spielen und in Erinnerungen schwelgen.
Eines war wiederum augenfällig: kein noch so perfekter Fotorealismus ist in der Lage, eine clevere Spieleidee zu ersetzen. Gerade in der Beschränkung der Mittel liegt eine Chance, spielbare Produktionen zu veröffentlichen, bei denen der Schwerpunkt wirklich noch auf dem Wort Spiel liegt und deren Hardwareanforderungen sich nicht wie der Einkaufszettel eines Technikfreaks lesen. Uns jedenfalls bietet dieses jährliche Event stets eine willkommene Abwechslung im täglichen Spieleeinerlei. Die Veranstaltung lebt natürlich von den vielen begeisterten Helfern, die sich vor Ort richtig ins Zeug gelegt und zum Gelingen beigetragen haben.
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Na toll, jetzt schreibt ihr erst darueber, nachdem alles vorbei ist. Haettet Ihr nicht vorher was sagen koennen?
Nächstes Jahr ist doch auch wieder eine "Lange Nacht".

Eigentlich wollten wir dieses Jahr nur mal nachprüfen, ob und wie sich das Ganze so entwickelt, denn es war ja auch erst die vierte Veranstaltung dieser Art. Dass es mittlerweile doch so erfolgreich sein wird, das haben die Veranstalter wohl selbst nicht vermutet.
Aber eins können wir sicher jetzt schon versprechen:
Es wird sicherlich auch in Zukunft ab und zu eine News abseits des glattgebügelten Spiele-Mainstreams geben. Denn das Interesse unter den Lesern ist da. Und nächstes Jahr im April wird es eine neue "Lange Nacht" geben. Das kannst Du ja schon mal im Kalender vormerken
Da kann ich leider nur zustimmen, schade das die Spiele Industrie das nicht genauso sieht....
Sagen wir es mal so:
Die fettgefressenen Publisher juckt es sicher nicht. Aber es gibt ja Gott sei Dank auch noch eine Szene neben der etablierten DRM-Mafia