Android navigiert mit Google Maps Navigation
Version 2.0 des Google-Betriebssystems wird entsprechende Smartphones zu Navigationsgeräten machen. Mit der Einführung von Google Maps Navigation schockt der Suchmaschine-Riese TomTom, Garmin & Co.
Anfang November kommt in den USA mit dem »Droid« ein neues Android-Smartphone auf den Markt. Das Motorola-Handy ist nicht nur eines der ersten, das über die Android-Betriebssystem-Version 2.0 verfügt (siehe »Erste Screenshots von Android 2.0«). Es ist auch das erste Gerät, bei dem mit Hilfe von Google Maps navigiert werden kann.
Gestern erst wurde im Zuge der Android-2.0-Vorstellung bekannt, dass Google nun auch im Navigations-Bereich eine wichtige Rolle spielen will (siehe hierzu »Android 2.0: Neue Features fürs Google-OS«). Dadurch stehen die Smartphones mit dem Google-Betriebssystem nicht nur wie bislang in Konkurrenz zu Apples iPhone, sondern auch zu etablierten Firmen im Navi-Segment wie etwa Garmin oder TomTom. Die beiden Hersteller beziehungsweise deren Anleger zeigten schon gestern eine deutliche Reaktion auf Googles Ankündigung: Die Aktienkurse der beiden Navi-Hersteller fielen innerhalb von Stunden kräftig um bis zu 22 Prozent.
Mit Google Maps Navigation könnte Google tatsächlich ein äußerst heißes Eisen im Feuer haben: Erstens ist die Software gratis und kommt automatisch mit der Android-Aktualisierung auf Version 2.0. Zweitens kann Google mit Funktionen punkten, die Garmin, TomTom & Co. nicht bieten können: So wird Google Maps Navigation mit der Streetview-Ansicht zusammenarbeiten. Fotos binden zwar die etablierten Navi-Hersteller teils ebenfalls ein. Aber meist nur die Ansicht von Straßen oder unübersichtlichen Kreuzungen, während Google auch Bilder und Panorama-Ansichten von Gebäuden beziehungsweise Zielen aufs Handy-Display bringt.
Außerdem ist Google Maps Navigation laut dem Google-Video auch mit Sprachbefehlen zu steuern: »Finde das Museum, in dem eine Ausstellung über König Tutanchamun stattfindet«, weist ein Google-Mitarbeiter das Android-Gerät an – das prompt Navigationsanweisungen ausgibt. Ist die Adresse nicht bekannt, zu der man eigentlich fahren möchte, soll das für Google Maps Navigation ebenfalls kein Problem sein: Spricht man den Firmennamen vor, soll Android 2.0 die Adresse finden.
Mit Spannung wird zu sehen sein, ob und wie schnell sich Google mit Maps Navigation gegen die Konkurrenten durchsetzt; was wohl eher eine technische Frage sein wird. Bisherige Navis bringen das Kartenmaterial schon im Gerät mit oder liefern es auf Speicherkarten oder optischen Datenträgern. Bei Google Maps Navigation hingegen ist zum Nachladen des Kartenmaterials eine Mobilfunkverbindung nötig. Die Mobilfunkprovider müssen mit einem erhöhten Datenaufkommen rechnen. Wie Google das Problem des Cachings löst, wird darüber entscheiden, ob man gegen Garmin und TomTom ankommt. Denkbar wäre einerseits, dass der Anwender sich – unter Umständen noch zu Hause am Rechner ganz ohne Mobilfunkempfang – das Kartenmaterial eines Landes oder Gebiets auf das Smartphone beziehungsweise die microSD-Karte lädt. Andererseits könnte Google Maps Navigation Teile von Karten auch während der Fahrt selbst immer wieder laden, eben nur den Ausschnitt, der für den Routenabschnitt notwendig ist. Auch ein Länder-übergreifendes Navigieren birgt Probleme: Wer ist schon bereit, womöglich horrende Roaming-Gebühren für stets aktuelle Karten zu zahlen? Nur wenige Geschäftsanwender nutzen und zahlen beispielsweise eine Daten-Flatrate, die für mehrere Länder oder gar ganz Europa gilt.


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Für die USA hat Google die Maps Navigation »in Kürze« angekündigt. Wann die Software auch in Europa zur Verfügung steht, ist noch nicht bekannt. Sicher ist jedoch, dass unter anderem Garmin und TomTom unter Zugzwang sind, denn Google Maps Navigation ist kostenlos. Google-CEO Eric Schmidt sieht in dem Projekt keine Gefahr für die etablierten Marken, vielmehr will er mit dem Service »einen Boom auslösen« zum Vorteil der Hersteller wie auch der Anwender. »Wir mögen ganz offensichtlich kostenlose Produkte«, so Schmidt gegenüber der New York Times, »vor allem weil unsere KundInnen sie auch mögen«.
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Macht soweit einen guten Eindruck, weiter so Google!
Wo ist denn der übliche Aufschrei geblieben? "Oooh buhuuu dann weiß Google ja von jedem Navi-Nutzer jederzeit, wo er sich aufhält! Dann werden wir ja noch gläserner!"
Google zeigt eindrucksvoll, dass sich genau dieser Umstand auch positiv nutzen lässt. Traffic View als Essenz aus der Fortbewegungsgeschwindigkeit der anderen (mobilen) Maps-Nutzer könnte man schneller, realitätsnäher und einfacher nicht rüberbringen. Ebenso ist die Art, wie eine Umgehung der Staustellen gemacht wird, Google-Maps-typisch einfach ein Traum. Mit dieser blitzschnellen Streckenberechnung entlang gewünschter Strecken, die ja per Drag-and-Drop auch sonst verfügbar ist, beweisen sie, dass sie Wegfinder-Algorithmen wirklich drauf haben. Würde auch nur ein einziges Navi diesen Komfort bieten, wäre es auf Anhieb das beste, was man kaufen kann.
Was habe ich mich schon mit TMC, TMCpro und der ultra-umständlichen Alternativroutenführung meiner Navis geplagt! Mit Phantommeldungen von Staus, die seit Stunden vorbei sind, mit der völlig überflüssigen Umfahrung von Baustellen, wo kein Stau besteht, mit verzweifelter Rumklickerei, wenn die Alternativroute dann auch nicht brauchbar ist... Das wäre damit alles überflüssig bzw. zumindest erheblich leichter zu bedienen.
Nachteil ist und bleibt, dass die Traffic-Infos offline natürlich nicht funktionieren werden, und dass man dann selbst dem System auch nicht den Input liefert. Da ständig online wie erwähnt zu teuer ist, ist die Welt wahrscheinlich noch nicht ganz reif für das System. Dennoch finde ich, es überzeugt aber auf Anhieb mehr als die konventionellen Navi-Geräte.
Natürlich abgesehen vom Datenschutz-Aspekt, aber das ist ein anderes Thema...