H.264 bleibt für freie Internet-Videos kostenlos
Das Internet kann aufatmen. Entgegen der eigentlichen Pläne der MPEG LA soll der weit verbreitete Video-Codec H.264 für freie Internet-Videos nun doch von Lizenzgebühren verschont bleiben.
Wie auf BusinessWire nachzulesen ist, hat der hinter dem H.264-Codec stehende Patentpoolverwalter MPEG LA mitgeteilt, dass die Patenthalter nun doch auf Lizenzgebühren bei freien Internet-Angeboten verzichten wollen. Ursprünglich sollten solche Gebühren schon ab Januar 2011 erhoben werden, dann wurde die Frist bis Ende 2015 verlängert.

Die Erklärung dafür liegt eigentlich nahe: Offenbar fühlte man sich durch Googles Open Media Project unter Zugzwang gesetzt. Zur Erinnerung: Im Mai hatte Google den Video-Codec VP8, den man im Zuge des Kaufes von On2 Technologies bekommen hatte, unter eine Open-Source-Lizenz gestellt. Zusammen mit diversen Firmen, unter anderem Mozilla, Opera und Adobe, gründete Google dann das WebM-Projekt um so für einen Videostandard im Internet zu sorgen, der von Patenten und Lizenzkosten frei ist. Mit Ausnahme von Apples Safari unterstützen übrigens alle aktuellen Browser bzw. ihre kommenden Versionen WebM bzw. VP8. Insofern dürfte Googles Codec zumindest eine Nische im Internet sicher sein - vielleicht ja auch mehr.
Bevor man nun aufgrund der geschürten Ängste seine aktuelle beherrschende Stellung als Web-Codec verliert, hat man sich bei der MPEG LA offensichtlich entschieden, lieber ganz auf die Lizenzkosten bei diesem Anwendungsgebiet zu verzichten. In anderen Bereichen wird man die Gebühren aber nach wie vor erheben. Wie heise online ausführt, werden für Video-on-Demand Dienste ab 100.000 Nutzer oder IPTV-Angebote ebenso Abgaben fällig wie für Software, die einen H-264 Encode oder Decoder enthält. Auch bei Blu-ray und HDTV muss die Gebühr entrichtet werden, wenn als Codec H.264 zum Einsatz kommt.
Im Vergleich zu VP8 zeichnet sich H.264 durch eine höhere Effizienz aus, was ihn gerade für Web-Anwendungen sehr beliebt macht. Daher gibt es schon viele hoch optimierte Encoder, durch GPGPU (Stream oder CUDA) teilweise auch für GPUs. Außerdem musste dieser Codec nicht "um Patente herum" programmiert werden, was sich wohl auch in der Übersichtlichkeit des VP8-Codes äußert: x264-Mitentwickler Jason Garrett-Glaser sagte über die VP8-Spezifikation, sie sei ein einziges Durcheinander.
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Hätte das Privatpersonen betroffen? Wie z.b. Youtube das nun umwandelt, betrifft ja weniger den Uploader und Kosten entstehen mir ja nicht oder habe ich da einen Denkfehler? Wären halt alle wieder zu Xvid zurück, ist der überhaupt noch kostenlos? Seit dem Divx hin und her verfolge ich das nicht mehr so.
Ich spekuliere mal, so ganz frei:

Wäre H.264 lizenzkostenpflichtig geworden, wäre im besten Fall YouTube (usw) auf VP8 umgestiegen. Der sieht aber bei gleicher Bitrate eben schlechter aus. Mag sein, dass es keinen juckt. Aber: Ende mit hardwarebeschleunigtem EN- und Decoding (vorerst), komplett neue Software fällig, usw.
Vielleicht hätte man im Extremfall einen ganz anderen Codec genommen. Komplett unproblematisch ist aber auch Xvid sicher nicht - immerhin ein gehackter MPEG4-Codec. Wäre der populärer geworden, wäre möglicherweise DivX bzw. der neue Eigentümer Sonic Solutions auf die Idee gekommen, da mal mit dem Patenthammer an der Tür zu klopfen. Gleiches Ergebnis: Goto VP8.
Möglich wäre auch, dass Uploaddienste nur noch kostenpflichtig zu nutzen wären. Also: Entweder zahlt der Uploader einen Monatsbeitrag oder das Publikum muss Teil einer (kostenpflichtigen) Community werden. Oder, o Graus, die Werbung hielte Einzug in YouTube Clips.
Das sind jetzt nur Varianten, die ich mir als studierter Medienwissenschaftler und Übersetzer zusammengesponnen habe. Ich bin mir sicher, Juristen und BWLer kämen noch auf ganz andere Ideen.
Genau so hätte ich es mir vorgstellt. Gut das du es ansprichst, die Unterstützung in den Grafikkarten wird wohl ein riesiger Faktor sein. Wäre ziemlich fatal, wenn man mal schnell auf einen anderen Codec umschwenkt, da würde ATI und Nvidia bei, ich schätze mal vorsichtig, 2 Chipgenerationen Vorlauf ziemlich ins rotieren kommen. Naja, solange man mit Blu-ray dran verdient, werden sie sicher nicht arm. Die komplette Produktions-Software darf sicher auch kräftig Lizensgebühr abdrücken. Dazu kommen noch die ganzen Camcorder und anderen Aufnahme- oder Abspielgeräte, verhungern werden sie wohl nicht so schnell
Privatleute trifft es in sofern, dass Frame genaues schneiden von h264 Videos nicht möglich ist, weil für den Softwarehersteller wirtschaftlich uninteressant. Schneiden an Keyframes ist wohl noch bezahlbar.
Währe ja auch zuschön, wenn man für jeden Furz im Netz, neben seinen monatlichen Netzkosten, noch für soeinen Kleinkram blechen soll.