Glosse: Kaufen, verkaufen, neu ausrichten - Deja Vu im PC-Land?
Man sagt, wer die Vergangenheit nicht kennt, ist dazu verurteilt, sie zu wiederholen. Offenbar trifft das besonders auf die PC-Branche zu. Erst Compaq, dann IBM, jetzt HP. Hatten wir dieses Deja Vu nicht schon mal?
Was bisher geschah…
Es ist gerade einmal zehn Jahre her, dass sich ein großer Konzern aufmachte sich umzukrempeln, weil man mit dem eigenen Laden nicht mehr zufrieden war. Zu viel Hardware; überall große Produktionshallen, in denen aus Kleinteilen PCs und Notebooks gebastelt wurden.
Mit Michael Capellas hatte man sich extra einen neuen Mann an die Spitze geholt, der das Ruder herumreißen sollte. In kürzester Zeit wollte dieser aus einem wenig schicken Hardware-Hersteller einen modisch glänzenden Software-Anbieter machen. Sein Vorhaben – die Firma innerhalb von 180 Tagen neu ausrichten.
Schnelle Akquisitionen sollten dafür sorgen, dass die angedachten Ziele noch erreicht werden. Sollten. Denn zu einer Umsetzung kam es nie. Stattdessen wurde ein neuer Plan gemacht, und man wurde selbst mal eben akquiriert. So fand der ehemalige Riese Compaq sein Heil unter dem Dach von HP, wo man mit der Produktion von Hardware anfänglich nur wenige Probleme zu haben schien. Neuausrichtung geglückt, Patient tot.
… das Tagesgeschehen …
Zehn Jahre später scheinen sich die Ereignisse zu wiederholen. Ein großer Hardware-Hersteller mag die schwitzige Luft nicht mehr, die aus den eigenen Produktionshallen strömt. Er möchte zukünftig lieber in jenem Glanz erstrahlen, der Software-Fabrikanten umgibt. Zudem soll da vielmehr Geld zu holen sein.
Um sich diesen Traum zu erfüllen, holt man sich extra einen neuen Manager an die Spitze (zum Glück hatte sich der Vorgänger disqualifi
ziert, weil er die Sekretärin vernaschte), der mit reichlich Erfahrung aus jenem Bereich winkte und schon in kurzer Zeit aus den vorhandenen Grundlagen einen ganz anderen Konzern erschaffen wollte: Léo Apotheker.
Und auch dieser Tage werden wieder große Summen bei Banken geordert, um wichtige Zukäufe tätigen zu können. Die Übernahme von Autonomy, einer Softwareschmiede von der britischen Insel, darf sogar mal eben zehn Milliarden kosten.
Derart viele Übereinstimmungen können kein Zufall sein – die Geschichte wird sich an dieser Stelle linear fortsetzen, zumal man bei HP die Übernahme von Palm – gerade mal ein Jahr her und damals als Aufbruch ins Tablet-Zeitalter gefeiert - bis heute nicht verdaut hat. Und an anderer Stelle kristallisiert sich schon der nächste Kandidat im lustigen Verschmelzungsreigen heraus: Dell.
…und der Blick in die Glaskugel
Der US-Bundesstaat Texas ist eigentlich eher Inbegriff für Archaisches: Seit die Cowboy nicht mehr die Rinder durch die Steppe treiben, schreiten die Öl-Tycoons und ihre Nachfolger mit ihren Stiefeln durch die schwarzen Öl-Pfützen rund um die Förderanlagen. Nur einer erkannte, dass das auf Dauer keine Lösung ist: Michael Dell.
Als in und an PCs noch alles teuer war, kam er zwischen den Öltürmen auf die Idee, PCs nach den Vorstellungen der Kunden zu bauen. Nichtgebrauchtes blieb dementsprechend draußen und die Kisten konnten billiger angeboten werden.
Mittlerweile kosten die Komponenten aber überall, und vor allem dort von wo sie kommen, nur noch Cent-Beträge und man verdient mit dem Zusammenschrauben der Rechner, das man aber doch sehr mag, nur noch wenig Geld. Da hilft nur eins: Größer werden. Man übernimmt einen Konkurrenten, erhöht so Produktion, bekommt bessere Einkaufspreise und erhält zusätzliche Qualifikationen, die mal Geld werden könnten…
…bis in etwa zehn Jahren mal wieder ein Jahresbericht auf Michael Dells Schreibtisch landet. Und die Zahlen sind schlecht. Die Margen bei PCs und Notebooks sind inzwischen nur noch winzig. Außerdem ist so eine Werkhalle, in der den ganzen Tag geschraubt und gelötet wird, nicht schick. Viel schöner wäre ein Haus nur aus Glas, in dem die Arbeitenden sich nicht die Finger schmutzig machen.
Also übernimmt Dell wieder den Vorstand. Die erste Amtshandlung nach einem wichtigen Plan, der schon nach kurzer Zeit große Wirkung verspricht, ist die Übernahme eines Software-Herstellers, mit dessen Knowhow man ganz schnell neue Ufer erreichen wird. Als passender Kandidat böte sich ein Hersteller an, der immerhin drei Dekaden lang mit seinem Betriebssystem die Desktops der Welt kontrollierte.
Aber das Aufkommen der mobilen Geräte hatte man in Redmond noch mehr verschlafen als das Internet. Etwa ab 2010 begann Microsoft deshalb verzweifelt eigene Entwicklungen auf den Markt zu bringen – abgesehen davon, dass man dabei ein riesiges Firmenvermögen
vernichtete, war der Erfolg aber eher unbedeutend.
Ein Schnäppchen für Dell. Für ein paar Milliarden Dollar, konnte man alles aus Redmond mitnehmen und träumte davon, in wenigen Monaten zu den großen Herstellern von Softwareprodukten und -dienstleistungen aufzurücken.
Leider verhob man sich dabei aber dann doch ein wenig, weshalb man nun das Dach eines großen chinesischen Herstellers schlüpfen muss…
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@Matthias Wellendorf
Der erste Teil ist korrekt aber der zweite Teil einfach nur unnötig und wenn die aktuellen Entwicklungen bei Microsoft beibehalten werden, sogar unwahrscheinlich.
@ TF

Auch vor 10 Jahren war es sehr unwahrscheinlich, dass die große Firma Compaq alsbald geschluckt werden würde. Die PCs der höheren Preisklasse (kein ALDI Discount) waren inovativ und gut verkauft. Ich selbst habe nur gute Erinnerungen an meinem Copmaq anno 1995.
Die derzeitigen Ereignisse um HP sind auch nur schwer zu glauben und die hätte wahrscheinlich niemand so voraus gesagt.
Warum also nicht dieser lineare Ausblick in die Zukunft äh Glaskugel?
Kurzum, man hat schon Pferde vor Apotheke(r)n kotzen sehen. Oder anders, Wahrscheinlichkeiten sind eben nur Wahrscheinlichkeiten...
Damit habe ich es nicht vollkommen ausgeschlossen aber den Niedergang einer Firma an einem Flop festzumachen ist eine doch recht beschränkte Sichtweite. Vor allem wenn es aufgrund der jüngsten Entwicklungen (Kauf: Skype, GroupMe) ersichtlich ist das diese Firma sich ein weiteres Standbein am Markt schaffen will um weiterhin bestehen zu können.
Microsoft wird sich in den nächsten 10 Jahren sehr verändern aber zu einem Übernahme Kandidat werden sie im Anbetracht der aktuellen Entwicklungen nicht. Aktuell würde ich eher Google (ähnlich unwahrscheinlich) an dieser Position sehen, zwar erfolgreich aber auch unter einem enormen Druck von allen Seiten, ein Fehler kann sich da verherrend auswirken.
Aber hey, ist auch alles nur graue Theorie, am Ende ist es doch ein Mensch der den Ausschlag zum guten oder schlechten gibt und die sind unberechenbar