Die neuen LGA 1156-Prozessoren werden hoch dafür gelobt, dem Mainstream neue Performance-Niveaus zu verschaffen. Heute werfen wir einen Blick darauf, wie sich die Effizienz von Core 2 Quad zu Core i5/i7 verändert hat.
Die neuen Intel LGA 1156-Prozessoren, der Core i5-700 und der Core i7-800, sind mit Pauken und Trompeten auf den Markt angekommen. Unser ursprüngliche Artikel von unseres US-Schwestermagazins bietet alle Schlüsselinformationen einschließlich eines umfassenden, englischsprachigen Videos über die Technologie und verfügbaren Motherboards. Kurz gesagt: Der neue Prozessor verspricht höhere Performance als mit dem Core 2 Quad. Allerdings behauptet Intel auch, dass die Leistungsaufnahme merklich abnimmt. Wir haben uns das genau angesehen.
Die Core i5-Innovation
Die neue P55-Plattform und die Lynnfield-Prozessoren hinterlassen einen guten Eindruck, allerdings wollen wir die Situation auch aus einem anderen Blickwinkel betrachten. Als Basis für die LGA 1156-Plattform bleibt die Nehalem-Architektur, die vor fast einem Jahr vorgestellt wurde. Damit ist das Maß an Innovation etwas weniger revolutionär als es zunächst erscheint. Intel hat geschickt an mehreren Stellschrauben gedreht: Technologisch gesehen bietet der Core i5 mehr Integration hin zu einer SoC-Zukunft (System-on-Chip), indem PCI Express direkt auf die Prozessor-Die gepackt wird. Turbo Boost 2.0 bringt zudem Performance für konventionelle Anwendungen mit geringer oder keiner Thread-Optimierung. Angesichts der Tatsache, dass Intel in den kommenden Monaten mit Clarkdale auch Grafik in den Prozessor integrieren will, könnte das auch als notwendiger Schritt angesehen werden und Turbo Boost 2.0 demzufolge lediglich als eine weitere Schraube, mit welcher dynamisches Übertakten plötzlich zum Feature wird: Die großen Motherboard-Hersteller bieten ähnliche Funktionen bereits seit einigen Jahren auf ihren Spitzenprodukten an.
Wir sehen zwei wesentliche Vorteile für die neuen LGA 1156-Prozessoren: Zunächst wäre da die eindeutig niedrigere Leistungsaufnahme dank des integrierten Speicher-Controllers und des eingebauten PCI Express 2.0-Interfaces. Desweiteren steigt für viele Anwendungen die Performance durch die Turbo-Boost-Funktion auf das bisher nur vom Core i7 gekannte Niveau (LGA 1366). Beide Vorteile wurden in unserem Artikel Intels Mainstream-Magnum Opus deutlich.
Hohe Performance auf Abruf
Der Turbo Boost 2.0 beschleunigt einen einzelnen Kern um vier 133 MHz-Schritte bei einem Core i5-700 und um ganze fünf Schritte bei einem Core i7-800. Das entspricht einer Erhöhung der Taktrate von 533 bzw. 667 MHz. Zwei Kerne können um vier Geschwindigkeitsstufen beschleunigen, während drei und vier Kerne weiterhin einen 133 MHz-Boost erhalten (bis zu 266 MHz für das Spitzenmodell Core i7-860). Dabei erklärt sich fast von selbst, der neue Prozessor die Performance des Core 2 Quad (und die Kontrahenten von AMD) durch diese bedarfsgerechten Taktsteigerungen locker übertreffen kann. Wir widmen uns allerdings auch der Frage, wie der neue Core i5/i7 ohne die Turbo-Boost-Funktion abschneiden würde. Es ist auch offensichtlich, dass die neuen Chips ihre maximale Leistungsaufnahme eher erreichen sobald Turbo Boost anläuft, was weitere Fragen bezüglich der Effizienz aufwirft.
Leistung herunter?
Wir wollen nun einige grundlegenden Fragen beantworten: Wie groß ist die tatsächliche Verringerung der System-Leistungsaufnahme im Vergleich zu den Core 2 Quad-Plattformen? Wie genau ist die Effizienz (Performance pro Watt) der neuen LGA 1156-Generation? Worin unterscheiden sich die Effizienz eines LGA 1156-Systems mit und ohne aktiviertem Turbo Boost?

Die Northbridge ist beim LGA 1156
direkt auf dem CPU-DIE, du Held!
Die (ehemaligen) TDP-Klassen sind eh nur ein grober Anhaltspunkt. Fakt ist, dass ein mit 95 Watt angegebener Phenom II X3 unter Volllast auf dem selben Board und mit den selben verbauten Komponenten statt 6 Watt immerhin knapp 20 Watt mehr verdonnert, als ein mit 89 Watt angegebener alter Athlon 64 X2 6000+ (Brisbane). Wobei letzterer durchaus kein Kostverächter ist und die Leistungsangabe locker erreicht werden dürfte. Deswegen gilt auf vielen älteren AM2+ Boards wohl mittlerweile auch die (nachträgliche) Beschränkung auf 95 Watt, was eigentlich den alten Auslegungen bis 125 Watt entsprach.
Die ACP bei AMD ist im Vergleich zu Intel noch großzügiger ausgelegt, was dem normalen Anwendungsfall im Mix durchaus entsprechen mag. Die maximale Aufnahme hingegen schießt bei einigen CPUs echt durch die Decke. So gesehen lohnt das Studium der Datenblätter, so wie es derGhostrider erwähnte, in jedem Fall. Wobei die Infos bei Intel einfacher zu erlangen sind. AMD mauert da ein wenig.
Ich benutze für die Leistungsmessung des Gesamtsystems ein Teil von Zalman, das wirft mir je nach PC im Schnitt 20-40 Watt mehr aus, als das billige Brennenstuhl-Verbrauchsmeßgerät und sollte ganz gut hinkommen. Wenn ich ein nacktes Intel-System messe und die Angaben zu den Komponenten mit einbeziehe, dann stimmen die Angaben auch der alten 65nm CPUs ziemlich genau. Ein Q6600 liegt im Originaltakt sogar drunter.
AMD gibt die TDP als maximal möglichen verbrauchswert im schlimmsten Fall an.
Die AMD ACP ist hingegen genauso ein durchschnittlicher Verbrauchswert unter definierten Bedingungen wie Intel TDP.
LG