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Intel SSD 520 im Test: Mit SandForce zurück ins High-End

Intel SSD 520 im Test: Mit SandForce zurück ins High-End
Von , Andrew Ku

Wer glaubt, Intel hätte den High-End-Markt der SSDs kampflos aufgegeben, der irrt. Die neue SSD 520 basiert auf dem performanten SandForce-Controller SF-2281, nutzt Spitzen-NAND von IMFT und bringt sogar eine fünfjährige Garantie mit.

Lange Zeit galten Intels SSD-Controller als das Nonplusultra, und die darauf basierenden Laufwerke waren der Maßstab, an dem sich alle Anderen orientierten. Ging es um die Postville-Modelle alias X25, bekamen Enthusiasten glänzende Augen. Es schien, als sei die Kombination aus Intel-Controller und Intel-Flashbausteinen unschlagbar. Warum sollte Intel also auf einen anderen Controller-Hersteller zurückgreifen?

Offenbar verstand Intel seine Rolle aber anders, nämlich als die des Starthilfegebers. Nachdem andere Firmen mit eigenen Entwicklungen zu Intel aufgeschlossen oder den Chipriesen sogar überholt hatten, tat der etwas Unerwartetes: Er zog sich praktisch aus der Controller-Entwicklung zurück. Zwar kam in der SSD 320 eine überarbeitete Variante des bisherigen Controllers in Verbindung mit 25-nm-Flash zum Einsatz, es blieb aber beim SATA-II-Interface mit maximal 3 Gb/s. Dieselbe Kombination findet sich übrigens beim Enterprise-Modell SSD 710, über das wir kürzlich berichteten. Das High-End-Modell SSD 510 hingegen setzte weiter auf 34-nm-Flash und konnte mit einem 6-Gb/s-Interface aufwarten – nutzte dafür aber einen Controller von Marvell. Im Vergleich zu Crucials m4, die den gleichen Chip einsetzt, konnte die Intel-Variante allerdings nicht vollends überzeugen.

Mit der neuen SSD 520 nimmt Intel nun erneut Anlauf, um im High-End-Segment wieder mitmischen zu können, und erneut sitzt auf der Platine nicht ein Intel-Controller. Wer nun eine ausgefallene, speziell entwickelte High-End-Lösung erwartet hat, dürfte überrascht sein, denn Intels Wahl fiel bei seinem neuen Spitzenmodell auf – SandForce! Konkret verbaut Intel den gleichen Steuerchip, der seit einem Jahr OCZs Vertex 3 zu extrem guter Performance verhilft und inzwischen auch die meisten anderen SSDs antreibt. Vielen werden diese Chips allerdings aufgrund der Firmware-Probleme in Erinnerung geblieben sein, die teils „nur“ zu einem Bluescreen führten, teils das gesamte Laufwerk unbrauchbar machten. Dabei hatte Intel bislang immer mit der Schnittmenge aus Qualität, Geschwindigkeit und Zuverlässigkeit gepunktet. Passt das also zusammen?

Laut Intel schon, denn für den Einsatz auf der SSD 520 wähle man nur die allerbesten Flash-Bausteine der 25-nm-Generation aus, die dem mit Micron zusammen betriebenen Joint-Venture IMFT entstammen. Diese Variable hat man also vollends unter Kontrolle. Auch bei der Firmware habe man besonders sorgfältig gearbeitet und an vielen Stellen selbst Hand angelegt. Die Aussage: Bei Intel bekommt man nach die beste Kombination aus Speicher und Controller, wobei die Sicherheit der Daten jederzeit gewährleistet ist.

So gesehen haben wir es heute also mit einem interessanten Zwitter zu tun, der die hohe Performance eines SandForce-Controllers mit Intels extremem Schwerpunkt beim Thema Datensicherheit verbinden will. Für Anwender, denen beide Aspekte wichtig sind, ist das eine hoch attraktive Mischung – zumal sich wohl fast alle zu dieser Gruppe zählen dürften.

Doch nicht umsonst heißt es “Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser”, und ohne Intels Behauptungen selbst zu prüfen, werden wir weder der Firma unser Geld bzw. diesem Laufwerk unsere sensibelsten Daten anvertrauen. Was macht Intel anders, als andere SandForce-Kunden? Wie umschifft die Firma die Probleme, mit denen sich andere nach wie vor herumplagen? Genau das wollen wir heute herausfinden.

Intels SSD 520

Aufgrund der Entscheidung, als Controller den SandForce SF-2281 Controller einzusetzen, hat die SSD 520 bei der Hardware mehr Ähnlichkeiten mit vielen konkurrierenden Produkten als mit anderen aktuellen Laufwerken aus eigenem Haus. Im Innern finden wir also, wenig überraschend, ein Acht-Kanal-Design, das in 25 nm Strukturbreite hergestellte ONFi-2.2-NAND-Bausteine von IMFT nutzt. Das Intel/Micron-Joint-Venture hat zwar bereits 20-nm-Dies mit einer Speicherdichte von 64 Gb angekündigt, doch wird es noch ein Weilchen dauern, bis diese ihren Weg in SSDs finden.

Während Intels letztes Performance-Laufwerk, die SSD 510 mit Marvells 88SS9174-Controller, in den Größen 120 und 250 GB verfügbar war, wird es die SSD 520 in den Kapazitäten 60, 120, 180, 240 und 480 GB geben. Man darf davon ausgehen, dass die Performance mit zunehmender Kapazität besser ausfällt. Genau das hatten wir bereits bei Crucials m4-Familie und Samsungs 470-Serie beobachtet.

Aufgrund der Ähnlichkeiten darf man zudem erwarten, dass die theoretische Spitzenperformance von Intels SSD 520 mit der anderer SandForce-SSDs in etwa gleichauf liegt. Beispielsweise soll die Vertex 3 mit 240 GB laut OCZ mit 550 MB/s sequentiell lesen und mit 520 MB/s sequentiell schreiben. Intel gibt exakt die gleichen Zahlen an. OCZ gibt für zufälliges Lesen und Schreiben bei einer Blockgröße von 4 KB 60.000 bzw. 80.000 IOPS an, bei Intel sind es mit 50.000 und 80.000 IOPS etwas weniger.

Klar sind diese Werte niedriger als bei OCZ  - aber sie liegen dennoch weit höher, als bei allen bisherigen Intel-SSDs. Außerdem behauptet die Firma wie erwähnt, dass die Firmware komplett selbst implementiert wurde, was möglicherweise den Nachteil bei den Papierwerten erklärt. Hat Intel noch an anderer Stelle Hand angelegt? In der Tat.

Nutzbarer Speicher: Unterschiede bei 120 GB

ModellNAND-Bruttokapazität
IDEMA
RAISE
OP effektiv
Nutzbarer Speicher (laut Windows)
OCZ Vertex 3 60 GB
Intel SSD 520 60 GB
64 GB
60 GB0 GB4 GB
55,9 GiB
Crucial m4 64 GB
Samsung 830 64 GB
64 GB
64 GB
-
-
59,63 GiB
OCZ Vertex 3 120 GB128 GB
120 GB8 GB0 GB
111,79 GiB
Intel SSD 520 120 GB128 GB
120 GB0 GB8 GB
111,79 GiB
Crucial m4 128 GB
Samsung 830 128 GB
128 GB128 GB-
-
119,24 GiB
OCZ Vertex 3 240 GB
Intel SSD 520 240 GB
256 GB
240 GB8 GB
8 GB
223,57 GiB
Crucial m4 256 GB
Samsung 830 256 GB
256 GB
256 GB-
-
238,47 GiB

Der tatsächlich nutzbare Speicherplatz rückte vergangenes Jahr jäh in den Mittelpunkt des Käuferinteresses als herauskam, dass OCZ ohne weitere Ankündigung den Speicher einiger Vertex-2-Modelle von 3x nm Größe auf 2x-nm-Speicher umgestellt hatte – ohne dabei die Bezeichnung zu ändern. Wir berichteten darüber in unserem Artikel OCZ Vertex 2 25nm: Kleiner und langsamer? 

Die SSD 520 folgt dem gleichen Muster, das wir bei SandForce-SSDs inzwischen als Normalfall ansehen, denn bei der gesamten Serie reserviert Intel 7 Prozent des Bruttospeichers und stellt ihn als Reserve fürs Overprovisioning ab. So stecken im 60-GB-Modell beispielsweise eigentlich sogar 64 GB Flash-Speicher, doch für den Nutzer sind unter Windows 55,9 GB nutzbar (nachdem man von der dezimalen auf die binäre Kapazitätsangabe umgerechnet hat). Laufwerke von Crucial und Samsung verzichten hingegen auf Overprovisioning, weshalb sie auch 64 GB als Kapazität angeben können, wenngleich Windows auch hier eine geringere nutzbare Kapazität von 59,6 GB anzeigt.

Darüber hinaus muss man aber noch SandForces RAISE-Technologie  (Redundant Array of Independent Silicon Elements) berücksichtigen, mit der Intel ebenfalls das erste Mal zu tun hat. RAISE sorgt dafür, nicht korrigierbaren Speicherfehlern vorzubeugen, die ECC nicht verhindern kann. Um es zu aktivieren, müsste Intel einen kompletten NAND-Die an Kapazität dafür reservieren. Bei einer 60-GB-SSD wären das bei einem Die immerhin 8 GB. Deshalb entscheiden sich die meisten Anbieter dagegen, dieses Feature auf den kleineren Modellen bereitzustellen. Dafür findet man RAISE fast durchweg bei den 240-GB-Modellen, und selbst bei einigen 120-GB-Versionen ist es aktiviert.

Im obigen Screenshot zeigt Windows 7 an, dass sowohl Intels 120 GB große SSD 520 als auch OCZs ebenso große Vertex 3 jeweils über 111,79 GiB an Kapazität verfügen. Dennoch gibt es trotz identischer Speicherkapazität zwischen den beiden einen Unterschied. Indem OCZ bei seinem Modell RAISE aktiviert, stellt die Firma 8 GB des Bruttospeichers für dieses Feature ab, verzichtet aber dafür auf Overprovisioning. Intel geht den umgekehrten Weg, lässt RAISE beim 120-GB-Modell deaktiviert und knapst lieber 8 GB für Overprovisioning ab.

Ist es nun problematisch, dass Intels SSD 520 bei 60 und 120 GB ohne RAISE auskommen müssen? Laut Intel nicht. Die Firma argumentiert, dass SandForce das RAISE-Feature entwickelt hat, um Anbietern in Verbindung mit den besseren Controllern der SF2xx-Familie die Verwendung preiswerterer NAND-Chips von niedrigerer Qualität zu erlauben, ohne dabei bei der Lebenserwartung der Laufwerke Abstriche machen zu müssen. Weil Intel aber beim Flash-Speicher ohnehin nur das Beste vom Besten verwendet, sei RAISE nicht nötig. So zumindest Intels Sicht der Dinge.

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3 Kommentare anzeigen.
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  • kmueho , 21. Februar 2012 11:47
    Eins ist klar zu sehen: Macs ziehen aus SSDs keinen so deutlichen Leistungsgewinn, wie Windows-Rechner. Wird Apple nicht gefallen.....
  • Anonymous , 21. Februar 2012 18:37
    Schöner Test, vielen Dank!

    Habe mir die 180GB Version der Intel SSD 520 bestellt. Ich war bereit den Aufpreis zu zahlen, da die Geschwindigkeit des Laufwerks gleichauf mit der Konkurrenz und der Glaube besteht, dass das Laufwerk tatsächlich sehr zuverlässig sein wird.

    Mal hoffen, dass ich nicht enttäuscht werde...
  • TumTum , 28. März 2012 13:17
    Habe jetzt nicht ganz verstanden wo der Unsterschied zwischen RAISE und Overprovisioning. Das ist doch beides das selbe, oder? Kann mir jemand den Unterschied erklären.
    Mit bestem Dank im Voraus