Naturkatastrophe: Schweres Erdbeben in Japan führt zu Tsunami und Atom-Notfall

Brennende Öl-Raffinerie in der Nähe von Chiba (Quelle: Reuters).Brennende Öl-Raffinerie in der Nähe von Chiba (Quelle: Reuters).

Das Beben wurde heute morgen um 6:45 Uhr (MEZ, 14:45 Uhr Ortszeit) mit einer Stärke von 8,9 auf der Richter-Skala registriert (laut japanischen Behörden das stärkste jemals registrierte), das Epizentrum lag etwa 80 km vor der japanischen Ostküste. Japan liegt in einer der seismisch aktivsten Regionen der Welt, hier werden rund 20 Prozent aller Erdbeben der Stärke 6+ registriert.

Das Beben und die von ihm ausgelöste Flutwelle, die am Hafen von Sendai im Norden Japans Höhen von bis zu 10 m erreicht haben und die komplette Ostküste der japanischen Hauptinsel Honshu überspült haben soll, führten zu verheerenden Schäden, Erdrutschen und Bränden mit Todesopfern in bislang unbekannter Höhe. Laut dem Spiegel haben Überland- und Nahverkehrszüge sowie U-Bahnen den Betrieb eingestellt, Häfen sowie der Tokioter Flughafen Narita wurden geschlossen.

Der vom Beben ausgelöst Tsunami breitet sich derzeit auf dem Pazifik aus und wird laut Heiko Woith vom GeoForschungsZentrum Potsdam noch bis Samstagvormittag (MEZ) unterwegs sein. Woith: "Ein Beben dieser Stärke gab es in Japan das letzte Mal vor 180 Jahren." Laut Woith liegt hier eine ähnliche Bebenstärke vor wie 2004, als ein Beben vor Sumatra im indischen Ozean einen verheerenden Tsunami auslöste. Diese Naturkatatrophe kostete rund 230.000 Menschen das Leben. Wie damals hatten auch diesmal die nahen Küstenregionen kaum eine Vorwarnzeit, bevor der Tsunami einschlug.

Das japanische Tsunami-Frühwarnsystem verfüge zwar über eine dichtes seismologisches Netz, dank dem die Behörden innerhalb von drei Minuten jedes Beben orten und betroffene Küstenabschnitte warnen können, aber für nahe gelegene Regionen sei selbst die dreiminütige Vorlaufzeit schon zu lang.

Der Hafen von Hachinohe im Nordosten des Landes nach dem Tsunami (Quelle: AFP).Der Hafen von Hachinohe im Nordosten des Landes nach dem Tsunami (Quelle: AFP).Woith: "Derzeit rast die Flutwelle mit 800 Stundenkilometer auf dem Pazifik in Richtung der Westküste Nord- und Südamerikas. Sie ragt dabei nur einen Meter aus dem offenen Meer, wird aufgrund der Tiefe jedoch selbst durch die großen Distanzen nicht abgeschwächt."

Sobald die Flutwelle bei seichteren Stellen abgebremst wird, kann sie aufsteigen und Schäden anrichten. "In Alaska, wo die Welle bereits ankam, war das mit einer Wellenhöhe von nur 40 Zentimetern nicht der Fall. Entscheidend für die Wirkung beim Auftreffen ist jedoch allein die Beschaffenheit des Bodens", so Woith. Kalifornien wird die Tsunami-Welle um etwa 19 Uhr (MEZ) erreichen, Südamerika teilweise erst bis zu elf Stunden später.

Gleichzeitig musste Japan laut dem Spiegel zum ersten Mal in der Geschichte des Landes den nuklearen Notfall ausrufen: Mehrere AKWs wurden abgeschaltet, bei zweien kam es zu schweren Zwischenfällen. Im aus sechs Siedewasserreaktoren bestehenden AKW Tepco Fukushima Daiichi fiel aufgrund des Versagens der Notstrom-Generatoren bei dreien der Reaktoren das Kühlsystem aus, was im schlimmsten Fall zu einer Kernschmelze führen kann.

Radioaktive Lecks wurden zwar bisher nicht festgestellt, aber eine Evakuierung des Umlands im Umkreis von 3 km wurde dennoch eingeleitet. Derzeit wird fieberhaft versucht, die Kühlung wiederherzustellen, da selbst ein abgeschaltetes AKW noch heiß ist – laut Experten sieben Prozent der Kraftwerksleistung - und gekühlt werden muss. Die Notkühlung läuft derzeit nur mit Batteriestrom, die Akkus sollen ab er nur Saft für wenige Stunden haben. Gelingt die Wiederherstellung der Kühlung nicht, befürchten Experten eine Kernschmelze – den GAU.

Wer Angehörige, Freunde oder Bekannte vermisst, wird vielleicht mittels der folgenden Links fündig:

Das auswärtige Amt hat außerdem eine Hotline (030/ 5000 3000 ) für besorgte Angehörige von in Japan lebenden Bundesbürgern geschaltet.

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108 Kommentare
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  • klomax
    Ich bin ziemlich besorgt. Die jp. AKWs sind im "Idealfall" (und je nach Geographie) bis zu einer Stärke von 8,2 geschützt. - Aber nicht 100%, wie bei dieser Technologie üblich, und da der Faktor menschliches Versagen auch noch hinzukommt.

    Ich hoffe sehr, der Reaktor in Fukushima kühlt noch genügend runter.

    Mein Mitgefühl für die Menschen vor Ort, die durch das Beben und die Flutwelle Angehörige verloren haben.

    Bin kein AKW-Gegner, aber in Anbetracht der Tektonik und fast 50 aktiven Reaktoren über das Land verteilt, immer sehr kritisch.
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  • bluray
    Was heute in Japan passiert ist, ist kaum vorzustellen. Wenn man die Videos sieht, wird einem so richtig bewusst, wie gefährlich solche Tsunamis sein können.

    Ich hoffe sehr, dass die Zahl der Toten (derzeit ca. 30) nicht noch weiter ansteigt. Allerdings wird das Land Monate brauchen, um wieder zum Alltag zurückzufinden.

    Leider hat Japan nicht all zu viele Möglichkeiten der Energieerzeugung. Man hat sich daher der Nuklearenergie gewidmet. Da viele AKW dort nach westlichem STandard gebaut sind, sollte die Gefahr einer Kernschmelze nicht ganz so gross sein, aber man kann es auch nicht ausschliessen!
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  • gst
    Die Frage ist halt, von WANN dieser westliche Standard datiert. ;)

    Gerade in Japan würden sich im Bereich "grüner" Energierzeugung ja auch Gezeitenkraftwerke, Offshore-Windparks, Geothermal-Kraftwerke usw. anbieten.
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