Interview mit Marco Grimm: »LANs sind für die breite Masse«
Wenn es um riesige LAN-Partys in Deutschland geht, steckt meist ein Name dahinter : InnovaLan Entertainment. Mit der Dimension6 in Bremen, der Summit in Osnabrück und der NorthCon in Neumünster hat die Firma bereits einige Mammut-Events mit jeweils mehr als 1.000 Gästen gestemmt. Geschäftsführer Marco Grimm kümmert sich seit 2004 hauptberuflich um LAN-Partys und organisiert sie seit vielen Jahren an vorderster Front. Wir sprachen mit ihm über die Zukunft der LAN.
Wie siehst Du die Zukunft der klassischen LAN-Party ?
Grimm Ich habe schon im Herbst letzten Jahres gesagt, dass es neue Partys sehr schwer haben werden. Es wird immer Partys geben, die immer voll werden und die eine treue Stammkundschaft haben. Aber etwas komplett neu zu etablieren, ist heutzutage nicht mehr möglich. Darüber hinaus werden auch Partys Probleme bekommen, bei denen die Qualität nicht stimmt. Die Auswahl ist heute groß genug.
In den Jahren nach der Jahrtausendwende gab es einen regelrechten LAN-Boom, der inzwischen ziemlich abgeflacht ist. Woran liegt das ?
Der offensichtlichste Grund ist wohl, dass es dank DSL nicht mehr nötig ist, zum gemeinsamen Zocken auf eine LAN zu fahren. Dies führt wiederum dazu, dass auf LANs generell weniger gezockt wird. Das Rahmenprogramm und das gesellige Beisammensein haben deutlich an Bedeutung gewonnen. Dies wiederum führt dazu, dass die, die auf eine LAN fahren, um zu zocken, sich eher von den Nicht-Zockern gestört fühlen und so auch unzufrieden werden. Ein kleiner Teufelskreis, könnte man fast sagen.
In der Tat beklagen sich viele darüber, dass LANs immer mehr zu Sauf-Events verkommen. Was sagst Du als Veranstalter dazu ?
Also, Alkohol wurde immer schon getrunken. Das war früher nicht anders. Da kamen auch die Leute mit drei Kisten Bier auf die LAN-Party. Aber klar ist, dass gemeinsames Feiern an Bedeutung gewonnen hat. Als Veranstalter kann man da nur genau hinschauen, wer einen zu viel hatte und den dann entsprechend entfernen. Das machen wir auch.
Wie wichtig ist das Rahmenprogramm mittlerweile ?
Das ist verschieden. Es gibt natürlich Klassiker, die auf jeder LAN viele Leute interessieren, aber so was wie das Konzert einer Indie-Band auf der Dimension6 wird es in der Form sicher nicht wieder geben. Dafür werden wir das Messeangebot weiter ausbauen. Wenn auf der LAN auch noch ein paar Hersteller einen Stand haben, wo es Neuheiten zu bestaunen und Preise zu gewinnen gibt, dann interessiert das die meisten Gäste.
Welche Auswirkungen hatten MMOs wie World of Warcraft auf die LAN-Szene ?
Das war schon deutlich spürbar. Auf dem ersten großen Event nach dem Release, der Sommer NorthCon 2005, hatten wir einen deutlichen Einbruch, der seitdem nie wieder komplett verschwunden ist. Obwohl wir inzwischen auch WoW anbieten, wohlgemerkt. Aber es besteht einfach kein echter Vorteil, wenn man WoW von einer LAN aus spielt. Außer, dass man sich mit seinen Gildenkollegen vielleicht besser verständigen kann.
Auf der shgOpen in Kopenhagen spielte WoW gar keine Rolle, alles drehte sich um die eSport-Turniere. Ist dieses Konzept auch für Deutschland denkbar ?
Das wäre schwierig. LAN-Partys sind für mich vor allem Massenprodukte. Das heißt, dass man die benötigte Größe nur dann erreicht, wenn man was für alle macht. Und ich höre immer wieder, dass Leute sagen, sie kommen nicht, weil ihr Turnier nicht angeboten wurde. Ob das nun America’s Army oder Empire Earth ist. Aber in Deutschland kommen eben viele Leute auf eine LAN, um Gleichgesinnte für Spiele zu finden, die im Internet nicht so populär sind. Eine künstliche Beschränkung auf eSport halte ich daher für wenig sinnvoll. Zudem wollen wir insbesondere auf der nächsten Dimension6 den Stellenwert der Top-Turniere noch einmal ausbauen. Vielleicht können wir da bald sogar Preisgeld ausschütten.
Diesen Artikel präsentieren wir in Zusammenarbeit mit eGames.