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MSI ertappt: mehr Boost durch absichtlich eingebauten Schaltungsfehler?

MSI ertappt: mehr Boost durch absichtlich eingebauten Schaltungsfehler?
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In den Benchmarks ganz oben stehen will jeder, keine Frage. Entscheidend bleibt jedoch, wie man dies realisiert. Bestimmte Bauteile außerhalb der Spezifikationen zu betreiben ist dabei sicherlich keine gute Idee, selbst wenn man hofft, es merkt keiner.

Anlass für den heutigen Test waren unser Roundup zur GTX 660 Ti (7 x GTX 660 Ti - Roundup und Bandbreitenanalyse), die darauf folgenden Reaktionen unserer Leser, sowie das Feedback durch beteiligte Hersteller. Konkret für Aufsehen sorgten in diesem Test der überdurchschnittlich hohe Boost-Takt der MSI GTX 660 Ti Power Edition und der Umstand, dass diese sehr hohen Taktraten selbst unter Last auch dann noch gehalten werden konnten, wenn alle anderen (zum Teil viel höher getakteten Karten) bereits die Segel streichen mussten. Wunder der Technik oder doch nur irgendein Trick? So ganz von allein kann ja ein derartig großer Unterschied kaum zustande kommen, so dass man bereits seit einiger Zeit Gerüchten nachhängt, das eine oder andere könnte dabei nicht mit rechten Dingen zugehen. Ganz so einfach wollten wir uns es aber nicht machen und sind den Dingen einmal auf den Grund gegangen. Aus genau diesem Grund wollen wir auch eine wichtige Vorbemerkung voranstellen, um einerseits im Vorfeld mögliche Emotionen einzubremsen und andererseits auch nicht in Richtung Boulevard abzudriften.

Die von uns getesteten Karten haben im Testsystem bis auf einige Ausnahmen, auf die wir im Artikel genauer eingehen werden, ohne weitere Probleme funktioniert. Sie haben alle Stresstests und Dauerlast-Durchläufe gemeistert und weder Grafikfehler noch sonstige Ausfälle verursacht. Wir halten es aufgrund des herausgefundenen und von mehreren unabhängigen Beteiligten bestätigten Fehlerbildes jedoch für absolut wichtig, diese Informationen nicht zu deckeln, sondern zu veröffentlichen. Wir haben MSI als betroffenen Hersteller informiert, die notwendigen Informationen übergeben und eine Stellungnahme abgewartet, bevor den vorliegenden  Artikel heute veröffentlicht haben.

Das Fazit, die Folgen und die Bewertung stellen wir bewusst ans Ende dieses Artikels bzw. ziehen an den betreffenden Stellen ein erklärendes Zwischenfazit, denn das, was wir am Ende herausfanden, muss man wirklich etwas tiefgreifender erklären, ohne ins Fachchinesisch zu verfallen.

35 Kommentare anzeigen.
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  • Brat , 28. September 2012 10:21
    starcraft spieler sind doch die klügeren menschen
  • FormatC , 28. September 2012 10:53
    :D  vor allem, wenn sie Gott spielen....
  • Hinagiku , 28. September 2012 11:28
    Wäre es möglich ein Diagramm der Taktraten bei überbrücktem Kondensator zu bekommen? Wäre interessant wie stark die Abweichungen bei Betrieb innerhalb der Spezifikation sind.
  • FormatC , 28. September 2012 11:39
    Nach ersten Messungen etwas unterhalb der Gigabyte-Karte. Die Lötarbeiten erledigt momentan ein unanhängiger Dritter zur Gegenkontrolle, vorher geht nichts online ;) 
  • amd64 , 28. September 2012 14:27
    @THG: Schön was ihr da wieder aufgedeckt habt :) 

    --

    @MSI
    Heimlich mit dirty hacks ein paar % rauskitzeln, auf Kosten der Stabilität und damit zum Nachteil des Kunden ... ganz großes Kino! So macht man sich seinen Ruf kaputt! Military class? Military fake triffts wohl eher! Schämt euch! Ach und Nvidia wird sich sicher auch freuen, wenn sie von der Sache Wind bekommen.
  • klomax , 28. September 2012 15:32
    Im Krieg ist (fast) alles erlaubt.^^ - Das militaristische Gedöhns passt da ja ganz gut.

    Schöne Investigation!

    Je nachdem, wie schwerwiegend sich ein solch mutwilliges "Feature" auf die Lebenserwartung auswirkt, ist es für den Kunden ein zweischneidiges Schwert: Entweder, die Karte hält trotzdem locker über ein halbes Jahrzehnt durch, oder sie geht ausgerechnet kurz außerhalb der Garantie langsam aber sicher flöten.
  • BlackX , 28. September 2012 20:18
    Cool das die GPU sich bei höherer Spannung selbst "Übertaktet". Wie ich mich kenne würd ichs gleich selber Löten
  • Big-K , 28. September 2012 22:22
    Soweit ich den US Schaltplan lesen kann hätte man nicht eine höhere Ausgangsspannung durch ändern des Spannungsteiler Verhältnisses R1/R2 verändern können ohne die Regelung wirkungslos zu machen?
    Vorausgesetzt V ist das Formelzeichen der Spannung und nicht die Einheit, oder beides? Bitte um Erläuterung der Schaltung.
  • FormatC , 28. September 2012 22:39
    Klar hätte man das, was ja auch logisch gewesen wäre. Die Schaltung ist ja nun wirklich eine triviale Geschichte. Aber das wäre ja dann eher aufgefallen. Genauso hätte man auch die Pins am 8802A anders verdrahten können, aber auch das wäre eher aufgefallen. Dass die Schummelei eigentlich ganz clever gelöst war sieht man daran, dass es bisher keinem aufgefallen ist. Ich möchte sogar meinen, das würde erst nachträglich so gemacht, denn Boards und BIOS werden zunächst von Nvidia abgenickt und gehen dann in die Produktion. Ertappt eben... :) 
  • blackice81 , 1. Oktober 2012 13:58
    Ihr zieht mir mit MSI etwas zu schnell vor Gericht.
    Ich komme von der HF- und Impulstechnik und frage mich ob dieser Kondensator nicht auch nur ein
    10-100nF Keramik-EMV-Schutzkondensator gegen Masse sein könnte.
    Wenn ja würde ich MSI keinesfalls böse Absichten hinterstellen.
    Zudem schreibt MSI in ihrem Antwort-Email, dass sämtliche Bauteile "Military Class III" sind und zudem nochmals selektiert werden. Jetzt stellt sich die Frage wieviel Spannung am VDD verträgt der RT8802A MCIII mehr als die standard-Version. Üblicherweise sind MCIII Toleranzen sehr sehr viel höher als die üblichen vorgaben.
    Wenn er es aushält entspricht das ja auch ihrer Erfahrung das die Karte keinerlei Fehlfunktionen im Betrieb mit den höheren Spannungen hatte.
  • amd64 , 1. Oktober 2012 14:27
    Ich hab mir jetzt nicht den MIL-STD-810G Standard komplett durchgelesen, aber bei allen Bespielen die ich gesehen habe, konnte ich keine Spannungserhöhung entdecken.

    Auch auf den MSI Seiten taucht nichts der gleichen auf http://mc3.msi.com/page_mc3info.php
  • FormatC , 1. Oktober 2012 17:09
    @blackice81/amd64:
    Der RT8802A auf dem Brett ist, soweit ich das analysieren konnte, eine ganz ordinäre Ausführung, so wie sie auf Tausenden anderen Boards auch verbaut wird. Zweitens ist durch den Nicht-Anschluss der Anode (galvanische Trennung!) das komplette Bauelement absolut wirklungslos! Die resultierenden 9V hätte man auch als normale, stabilisierte Ausgangsspannung über das ändern R1 /R2 lösen können. Lies einfach Seite5 - überbrückt und schon läuft es, wie es zu laufen hat. Schau Dir einfach die Verschaltung an, das ist doch ein trivialer Spannungsregler. Früher hat man sowas diskret mit Transisoren und/oder Zener-Diode erledigt. Stützkondensatoren braucht man dort nun wirklich nicht.

    Military Class III heißt nicht Übervoltung, sondern erhöhte Standzeiten unter erschwerten Bedingungen.
  • Mario Bachmann , 1. Oktober 2012 22:06
    Hallo! Ich bin seit kurzer Zeit stolzer Besitzer so einer Grafikkarte von MSI samt neuem Rechner (Core i7 770, 16 GB RAM). Nun frage ich mich, was ich tun soll. Kann ich irgendwie herausfinden, ob meine Karte "betroffen" ist? Bisher läuft alles stabil.

    Über Tipps würde ich mich freuen!
  • blackice81 , 2. Oktober 2012 02:12
    @FormatC
    "Military Class III heißt nicht Übervoltung, sondern erhöhte Standzeiten unter erschwerten Bedingungen. "
    Nein ... Bauteile nach MIL-STD-810G müssen innerhalb extremen Tolerancen funktionieren.
    Wenn man mal nur die Temperatur hernimmt so müssten es -68°C bis +49°C Umgebungstemp. sein die das Bauteil 6 stunden lang fehlerfrei aushalten muss.
    Die 9,3V am VDD führen letztendlich zu einer erhöhten Betriebstemp des Bauteils.
    Wenn diese Betriebstemp. aber nicht höher ist als es bei +49°C Umgebungstemp. der Fall wäre, dann hält dies ein nach MIL-STD-810G zertifiziertes Bauteil aus, wärend ein Bauteil mit standard spezifikationen längst das zeitliche segnet.

    Gerade im Bereich des bewussten werkseitigen overclockings wo man sich generell weitab der Vernunft an die Grenzen der Bauteiltoleranzen orientiert machen mich 9,3V an einem Versorgungspin eines 0815 Spannungsreglers der oben drein MIL-STD sein könnte nicht im geringsten nervös.

    GPU und RAM all dieser Grafikkarten sehe ich bei den vorhandenen Taktraten 100mal früher sterben als diesen Spannungsregler mit 9,3V.
  • FormatC , 2. Oktober 2012 09:43
    Die zu hohe VDD führt zwar zu einer erhöhten Verlustleistung, aber nicht zum direkten thermischen Overkill. Wohl aber zu einem nicht kalkulierbaren Verhalten der gesamten Schaltung und zur Gefahr der Zerstörung durch Überspannung (Durchschlag). Der RT8802A. so wie er verbaut ist, schafft -40 bis 85°C (Lagertemperatur -65 bis 150°C) und entspricht definitiv nicht MC III. Im Übrigen behauptet ja MSI noch nicht mal, dass wirklich alle Bauteile ausnahmlos MC III wären, geht ja gar nicht. Dass der Chip in diesem Modus noch nicht mal mehr sicher ein stabiles PowerGood hinbekommt, sollte einem schon zu denken geben.
  • Crass Spektakel , 2. Oktober 2012 10:28
    Sieht für mich eher nach Pfusch denn Absicht aus aber der Shitstorm ist trotzdem gerechtfertigt - ich meine was spart man denn mit dieser Wurmschaltung gegenüber dem korrektem Ansatz? Nichts, es ist sogar teurer. Ich kaufe mir aus Prinzip nie Bauteile die ausserhalb der Spezifikationen betrieben werden einfach weil Hardware bei mir immer bis ultimo laufen muß - selbst mein 2001er Athlon hat noch seinen Job. 5% Leistung hin oder her interessiert doch angesichts der Entwicklunggeschwindigkeit niemanden ernsthaft.

    PS, kann sich noch jemand an die verkehrtherum eingelötete SCSI-Diode im Amiga3000 erinnern? Ist halt Pfusch, so what. War damals allerdings einfacher zu reparieren weil kein SMD.
  • FormatC , 2. Oktober 2012 12:18
    Zufall, dass man auf der Platine die Masseleitung der Anode extra unterbricht, um einen unnützen Kondensator einzulöten, der noch nicht mal als Stützkondensator gereicht hätte, wenn man ihn anders verschaltet hätte? Zudem ist die 680 richtig verschaltet und diese Trivialschaltung kann man eigentlich ja noch nicht mal falsch machen, es sei denn, mit purer Absicht. Dass es ohne geht, hat MSI selbst schon vorgemacht. Das ist sicher kein Zufall.
  • Anonymous , 3. Oktober 2012 17:49
    Ist davon nur die TwinFrozr Karte betroffen, oder auch die MSI GTX 670 OC mit Referenzlüfter? Haben "Referenzkarten" von Herstellern wie MSI immer das Referenzplatinenlayout? Ich hab nämlich so eine, und
    bei mir ist der Boost dauerhaft bei 1149,7 Mhz - Obwohl bei GPU-Z als vorgesehener Boost 1046 steht.
  • FormatC , 3. Oktober 2012 18:59
    Nur die 2 aufgeführten Karten der Power Edition (soweit es bisher überprüft werden konnte).
  • Florp , 4. Oktober 2012 13:26
    Ich würde den Kondensator entfernen und einen Micro DIP Schalter mit zwei dünnen Drähten dranhängen und an die Boardoberseite verlegen.

    Voilá - Schnell und einfach ein "zusätzliches Feature" ermöglicht ohne das unmittelbare Abrauchen zu fördern.

    Dass der Chip (oder evtl. auch andere, beteiligte Chips) kein sauberes "Power Good" Signal bei > 12V aber gerade noch innerhalb der Spezifikation der ATX-Netzteile hinbekommen, ist doch schon einmal ein Zeichen dafür, dass es mit dem "Abrauchen" im Standardbetrieb nicht soooweit her sein kann - die Hardware wird vielleicht nach einem Viertel der Nutzdauer sterben, 1/10el der Karten auch noch früher, aber wozu gibt es Garantiezeit und letztendlich ist es MSIs Problem, die Unkosten zu decken.

    Wieviele RAM-Module werden heutzutage als > 1600 MHz angepriesen, obwohl simple 1333 / 1600erter Chips verlötet sind? Same game, different story..

    Ich als Kunde würde mich freuen: 3 Jahre Garantie, mit Microschalter kann man den PC (durch Brücken des Kondensatorplatzes) jederzeit hochfahren und ein simples Ausschalten nach dem Booten der Verbindung durch den Schalter ermöglicht höhere/längere Boosts. Wunderbar, so muss das.

    Geschummelt wird, kritisch gesehen, immer in der Branche: Ein "neuer, ach so toller" Mobile i7 3840qm oder der bald kommende 3940xm sind letztendlich exakt das Gleiche wie die 3820/3920er DIEs - nur etwas höher getaktet, um die Kunden zu melken. So sei es, so wird es auch immer sein.

    Das Ganze "unterschwellig" zu designen (gerade, weil nVidia auf Fairness und solche Schummeleien auch achtet), ist nur der logische Schluss, der daraus resultiert.

    Ich bin mir nicht sicher, wie sie es geschafft haben (komplettes Eigendesign des PCBs?), aber EVGA hatte bei der GTX 580 Classified 3 GB ebenfalls einen Killswitch, welcher einige Schutzfunktionen deaktivierte (u.A. auch die Tiefkühlproblematik entschärfte).

    Was solls - sollen sie ebenso einen Schalter dranklatschen, 100€ mehr verlangen und es als "Exklusives, neues Dunktionsdesign" verkaufen - die Leute würden sich drum schlagen und die Geldbörsen auf den Ladentischen ausschütten. Ich hingegen werde mir einfach zwei der "fehlerhaften" GTX 660 Ti's zulegen und einen Minischalter dranlöten - fertig ists mit nVidias kritischer Boostlimitierung. Auch null Differenz zum "geheimen Overclocking" über Afterburner o.Ä. - und dann, wenn die Karte doch abraucht/Fehler ausspuckt, ganz schnell wegen Garantie zum Händler rennen und behaupten, man habe nichts gemacht, wie es doch die Meisten tun werden.

    So gesehen: Danke fürs Aufdecken, es ermöglicht so gesehen nämlich eine noch geilere Möglichkeit ohne großartiges Experimentieren: Man trennt die Masseverbindung einfach auf einer der -noch- höher getakteten Alternativkarten und Voilá - Noch mehr Leistung. ;) 
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