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Unangenehme Buchkritik: Autor will Bloggerin verklagen

Von , Benjamin Kraft - Quelle: Tom's Hardware DE | B 37 kommentare
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Wo hört die freie Meinung auf und fängt Verleumdung an? Das fragt sich John Asht und versucht einen kritischen Blog-Eintrag zu einem seiner Bücher per Gericht verbieten zu lassen. Blogger Maulkorb oder legitimes Anliegen?

John Asht (Quelle: http://john-asht.blogspot.com)John Asht (Quelle: http://john-asht.blogspot.com)

Ein Autor schreibt ein Buch, eine Leserin liest es und verfasst in ihrem Blog eine Kritik dazu. Das ist so weit nichts Ungewöhnliches, und solange die üblichen Grenzen des guten Geschmacks gewahrt werden, dabei also dass niemand diffamiert wird, keine Unwahrheiten verfasst werden oder der Autor seinen Text mit Anstößigkeiten ausschmückt, sind Vorgänge wie dieser eigentlich durch das Recht auf freie Meinungsäußerung von unserem Grundgesetz gedeckt - es sei denn, es handelt sich dabei um eine Verleumdung.

Mit diesem Argument geht nun der bayrische Autor John Asht gegen einen Eintrag auf dem Blog Bücherzeit vor. Stein des Anstoßes ist Ashts 900-Seiten-Werk "Twin-Pryx. Zwillingsbrut", zu dem Bloggerin Myriel eine wenig schmeichelhafte Kritik auf eben jenem Blog verfasste. Ihrer Meinung: Der Text sei von einer derart schlechten Qualität, dass sie es auch beim zweiten Versuch nicht über die ersten 90 Seiten schaffte und sich deshalb bei der Inhaltsaufgabe auf den Klappentext verlassen müsse.

Natürlich sahen das sowohl der Autor als auch der Verlag anders und kommentierten diesen Blogeintrag selbst – und zwar gleich an erster und zweiter Stelle. Schon hier fiel der Ton nicht gerade freundlich aus, und Herr Asht sprach Myriel die Qualifikation zu einer Rezension generell ab. Der Wortlaut:

„Na ja, von einer 23-jährigen Fantasy-Leserin, die mit gehobener Literatur überhaupt nichts anfangen kann, erwarte ich auch nicht mehr als eine solch’ unqualifizierte Pseudo-Rezi. (…) Also, tu uns allen einen Gefallen und bleib bei deinen Zwergen und Elfen – für mehr reichts nicht!“

Offenbar wittert er darüber hinaus noch eine Verschwörung gegen ihn; es handle sich um eine bezahlte Rezension, um ihn (und sein Werk) schlecht dastehen zu lassen:

„… außerdem werde ich „Myriel“ und „Bücherzeit“ von meinem Rechtsanwalt gerichtlich ahnden lassen – denn mir sieht diese Einrichtung sehr suspekt aus – etwa so, wie von gewissen Leuten bezahlt, um einem Autor zu vernichten. Das wird teuer, Lady!“

Seine Meinung führte er auf seinem Blog noch weiter nach ähnlichem Muster aus, beschwert sich über „falsche Rezensenten und Möchtergern-Literaturkritiker“ und vermutet, dass hinter alldem eine "Rezensenten-Mafia für geistig Arme" stecke.

Nun will Asht seine Drohung offenbar wahr machen und gegen die Bloggerin eine Klage wegen "geschäftlicher Verleumdung" nach §15 UWG anstrengen. Am Ende wird wohl ein Gericht darüber entscheiden müssen, inwieweit hier tatsächlich der Tatbestand einer geschäftlichen Verleumdung erfüllt ist und ob man wirklich eine bestimmte Qualifikation vorweisen muss, bevor man als Privatperson im Internet seine Meinung zu einem bestimmten Thema veröffentlichen darf. Alle, die selbst ihre Meinung bloggen oder schon mal eine Käufer-Rezension bei einem Online-Shop abgegeben haben, dürfen also gespannt bleiben.

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  • m.h.itman@guest , 23. Januar 2012 18:06
    "Schon ein Blick auf den Klappentext reiche aus, um auf die Qualität des Buches zu schließen."
    Das ist nicht wahr. Ich habe Myriels Kommentar zu diesem Buch soeben gelesen. Die oben zitierte Aussage geht daraus auf keinste Weise hervor.

    Darüber hinaus ist John Ashts Verhalten armselig. Wer so allergisch auf Kritik reagiert, sollte sich vorher überlegen, ob er ein Buch veröffentlicht. Offensichtlich sieht er sich selbst als herausragenden Autor: "Na ja, von einer 23-jährigen Fantasy-Leserin, die mit gehobener Literatur überhaupt nichts anfangen kann, erwarte ich auch nicht mehr als eine solch’ unqualifizierte Pseudo-Rezi."

    Ob sein Werk nun zu "gehobener Literatur" zählt, wird sich noch zeigen. Folgender Auszug aus seinem Buch lassen mich ernsthaft daran zweifeln: „Der Arsch der Henne, diese wunderbare Erfindung der Schöpfungskraft, nennt sich Kloake. Ein ziemlich blödes Wort für diesen wunderbaren Quell von Frühstückseiern, Ostereiern, Backeiren und Eierköpfen.“
  • benkraft , 23. Januar 2012 18:42
    @ m.h.itman Danke, das stimmt. Die entsprechende Passage ist jetzt korrigiert.
  • FormatC , 23. Januar 2012 18:48
    Der Typ schreibt so eine gequirlte Kacke... Der ganze Blog ist verschwurbelt genug, um als normal denkender Mitteleuropäer einen Lachkrampf zu bekommen. Man kann Literaturkritik nur an Literatur üben.
  • Alle 37 Kommentare anzeigen.
  • Derfnam , 23. Januar 2012 19:09
    Moinsen.
    Ich kann den Streisandeffekt kaum erwarten.
    Wer über Eier schreibt, sollte auch tunlichst welche haben^^.
  • Haribo_74 , 23. Januar 2012 19:10
    ??? hört sich eher nach eigenPR an ... wahrscheinlich ist das Buch wirklich mies und ein Ladenhüter :D 

    Amazon-Rezensionen sprechen wohl für sich

  • Katharina_Ulbrich , 23. Januar 2012 19:17
  • Hunchback , 23. Januar 2012 19:22
    @ Derfnam
    Ich wollte auch gerade den Streisand-Effekt erwähnen ...

    @all
    Besonders gut finde ich die Bewertungen bei Amazon zu diesem Buch.
    Die ersten vier loben das Buch als sei es der cellulose-gewordene Messias (allerdings werden diese als nicht sonderlich hilfreich bewertet) und alle anderen geben ein anderes Bild ab. Komisch das ausgerechnet Herr Asht von gekauften Bewertungen und Rezensionen spricht ... wobei die 4 TOP-Bewerter allesamt genau einmal etwas bewertet haben (davor und danach nie wieder) ... Wirklich komisch :-)
  • Hunchback , 23. Januar 2012 19:35
    ich muss mich verbessern: nur drei der vier TOP-Bewerter sind Einmal-Bewerter
  • Derfnam , 23. Januar 2012 19:45
    Niemand, der noch einigermaßen Hirse in der Birne hat, gibt irgendwas auf Kundenrezensionen bei Amazon. Das mag etwas zu verallgemeinert sein, aber jedwede gehaltvolle, aussagekräftige und glaubwürdige Kundenrezension dort mußte mit der Lupe suchen, Nadel im Heuhaufen und so.
  • FormatC , 23. Januar 2012 20:06
    Zitat :
    Seid gegrüßt, liebe Freunde und Fans - aber auch ihr erbarmungslosen Kritiker und Feinde. Schauet rein und lobet mich, oder schießet mich auf'n Mond - möget und schätzet meine Werke oder bindet mich auf den Scheiterhaufen. Hauptsache: Fair! Egal wie, ich werde mein Haupt neigen vor euch ... mitunter, um besser zu sehen auf welch' Schusters Rappen ihr denn so daher kommt. Willkommen! Schau rein und urteile fein - oder lies und schieß!
    Peng!

    So ein Labersack...
  • QuFu , 23. Januar 2012 20:32
    also wenn das alles echt ist, frage ich mich nur eins: wie kann ein gebildeter mensch von 50 jahren nur so dermassen von der wand bis zur tapete denken?

    selbst wenn an seinen verschwörungstheorien "rache" oder "wirtschaftskriminalität" was dran sein sollte, hätte er oder seine verlegerin doch den verstand aufweisen können, diese sache "etwas" diskreter zu behandeln.
  • FormatC , 23. Januar 2012 20:58
    Der Typ ist durchgeknallt. Wer in diesem Alter noch so eine Grütze verzapft und seine Verbalkotzereien für Literatur hält, der gehört in die Geschlossene. Typischer Fall von Selbstüberschätzung und Traumwelt.
  • shodan , 24. Januar 2012 08:12
    hmm...ist es nicht eher verleumdung wenn er davon spricht dass ihre Bewertung gekauft wurde? Abgesehen davon, dass er sie in dem Blog persönlich beleidigt, sie jedoc nur über das Buch schreibt..Wenn er Pech hat, dann dreht sie aufgrund von seiner Bemerkung den Spiess um, und das wäre wohl eher gar nicht gut für den Autor....
  • FormatC , 24. Januar 2012 08:40
    Ich sehe in seinem Rachefeldzug auch ein kleines juristisches Problem. Diese Art von Cyber-Mobbing hat mit Rechtfertigung nichts mehr zu tun.
  • Emanuel Oster , 24. Januar 2012 10:27
    Ich empfehle jedem, die Kommentare am Ende des Blogeintrags zu lesen, diese sind wirklich Gold wert. Lange habe ich mich nicht mehr so amüsiert, auch wenn mir Myriel schon ein wenig Leid tut. Sowohl Herr Asht als auch der Verlag argumentieren wirklich jenseits jeglicher Vernunft und Verhältnismäßigkeit, so wird zum Beispiel (wie auch im Artikel erwähnt) dieser einzelne Blogeintrag (welcher wirklich sehr freundlich formuliert ist, aber lest selbst) als "Wirtschaftskriminalität" bezeichnet. Ich kann mich FormatC nur anschließen: ab in die Geschlossene mit denen!
  • Derfnam , 24. Januar 2012 10:49
    Kommt mir so langsam immer mehr vor wie Onlineguerillabrutaoegalomarketing, außerdem ist ja auch ne schlechte 'Presse' erstmal Presse und macht in diesem Fall Buch nebst Autor bekannt. Und die Bloggerin kriegt auch ihre Klicks.
    Dem kann es ja nur recht sein, wenn sich andere daran versuchen, rekordverdächtige 107 Seiten des Buches zu lesen.
  • FormatC , 24. Januar 2012 11:18
    Ist jeder Unsinn, den man heute so zusammenheftet, schon als "Buch' zu bezeichnen? Ich werde mir den Schund mal im Buchladen ansehen, falls überhaupt ein Buchhändler diese Aufzeichnungen eines gepeinigten Hirns führt.
  • Derfnam , 24. Januar 2012 11:32
    Naja, per Definition kommt das wohl hin. Und wenn du es in ne Tasche gesteckt bekommst, isses n Taschenbuch. Und wenn das dann von Disney ist, isses zudem noch lustig :D 

    Viel Spaß, FormasoC :p 
  • benkraft , 24. Januar 2012 12:57
    Zitat :
    Ist jeder Unsinn, den man heute so zusammenheftet, schon als "Buch' zu bezeichnen? Ich werde mir den Schund mal im Buchladen ansehen, falls überhaupt ein Buchhändler diese Aufzeichnungen eines gepeinigten Hirns führt.


    Kleiner Tipp: Bei Amazon gibt es wohl eine Leseprobe. Spar dir also Zeit und Geld. :) 
    http://www.amazon.de/TWIN-PRYX-Zwillingsbrut-John-Asht/dp/3940932094/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1327406163&sr=8-1#reader_3940932094
  • FormatC , 24. Januar 2012 13:08
    OMG, der Müll liest sich ja wie Hedwig Courths-Mahler für ganz Arme.
    Riesen Aufmachung, drin ist ein billiger Groschenroman.

    Das ist kein Buch, sondern Klopapier in Form eines Abreißblocks.
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