Unangenehme Buchkritik: Autor will Bloggerin verklagen

John Asht (Quelle: http://john-asht.blogspot.com)John Asht (Quelle: http://john-asht.blogspot.com)

Ein Autor schreibt ein Buch, eine Leserin liest es und verfasst in ihrem Blog eine Kritik dazu. Das ist so weit nichts Ungewöhnliches, und solange die üblichen Grenzen des guten Geschmacks gewahrt werden, dabei also dass niemand diffamiert wird, keine Unwahrheiten verfasst werden oder der Autor seinen Text mit Anstößigkeiten ausschmückt, sind Vorgänge wie dieser eigentlich durch das Recht auf freie Meinungsäußerung von unserem Grundgesetz gedeckt - es sei denn, es handelt sich dabei um eine Verleumdung.

Mit diesem Argument geht nun der bayrische Autor John Asht gegen einen Eintrag auf dem Blog Bücherzeit vor. Stein des Anstoßes ist Ashts 900-Seiten-Werk "Twin-Pryx. Zwillingsbrut", zu dem Bloggerin Myriel eine wenig schmeichelhafte Kritik auf eben jenem Blog verfasste. Ihrer Meinung: Der Text sei von einer derart schlechten Qualität, dass sie es auch beim zweiten Versuch nicht über die ersten 90 Seiten schaffte und sich deshalb bei der Inhaltsaufgabe auf den Klappentext verlassen müsse.

Natürlich sahen das sowohl der Autor als auch der Verlag anders und kommentierten diesen Blogeintrag selbst – und zwar gleich an erster und zweiter Stelle. Schon hier fiel der Ton nicht gerade freundlich aus, und Herr Asht sprach Myriel die Qualifikation zu einer Rezension generell ab. Der Wortlaut:

„Na ja, von einer 23-jährigen Fantasy-Leserin, die mit gehobener Literatur überhaupt nichts anfangen kann, erwarte ich auch nicht mehr als eine solch’ unqualifizierte Pseudo-Rezi. (…) Also, tu uns allen einen Gefallen und bleib bei deinen Zwergen und Elfen – für mehr reichts nicht!“

Offenbar wittert er darüber hinaus noch eine Verschwörung gegen ihn; es handle sich um eine bezahlte Rezension, um ihn (und sein Werk) schlecht dastehen zu lassen:

„… außerdem werde ich „Myriel“ und „Bücherzeit“ von meinem Rechtsanwalt gerichtlich ahnden lassen – denn mir sieht diese Einrichtung sehr suspekt aus – etwa so, wie von gewissen Leuten bezahlt, um einem Autor zu vernichten. Das wird teuer, Lady!“

Seine Meinung führte er auf seinem Blog noch weiter nach ähnlichem Muster aus, beschwert sich über „falsche Rezensenten und Möchtergern-Literaturkritiker“ und vermutet, dass hinter alldem eine "Rezensenten-Mafia für geistig Arme" stecke.

Nun will Asht seine Drohung offenbar wahr machen und gegen die Bloggerin eine Klage wegen "geschäftlicher Verleumdung" nach §15 UWG anstrengen. Am Ende wird wohl ein Gericht darüber entscheiden müssen, inwieweit hier tatsächlich der Tatbestand einer geschäftlichen Verleumdung erfüllt ist und ob man wirklich eine bestimmte Qualifikation vorweisen muss, bevor man als Privatperson im Internet seine Meinung zu einem bestimmten Thema veröffentlichen darf. Alle, die selbst ihre Meinung bloggen oder schon mal eine Käufer-Rezension bei einem Online-Shop abgegeben haben, dürfen also gespannt bleiben.

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37 Kommentare
    Dein Kommentar
  • m.h.itman@guest
    "Schon ein Blick auf den Klappentext reiche aus, um auf die Qualität des Buches zu schließen."
    Das ist nicht wahr. Ich habe Myriels Kommentar zu diesem Buch soeben gelesen. Die oben zitierte Aussage geht daraus auf keinste Weise hervor.

    Darüber hinaus ist John Ashts Verhalten armselig. Wer so allergisch auf Kritik reagiert, sollte sich vorher überlegen, ob er ein Buch veröffentlicht. Offensichtlich sieht er sich selbst als herausragenden Autor: "Na ja, von einer 23-jährigen Fantasy-Leserin, die mit gehobener Literatur überhaupt nichts anfangen kann, erwarte ich auch nicht mehr als eine solch’ unqualifizierte Pseudo-Rezi."

    Ob sein Werk nun zu "gehobener Literatur" zählt, wird sich noch zeigen. Folgender Auszug aus seinem Buch lassen mich ernsthaft daran zweifeln: „Der Arsch der Henne, diese wunderbare Erfindung der Schöpfungskraft, nennt sich Kloake. Ein ziemlich blödes Wort für diesen wunderbaren Quell von Frühstückseiern, Ostereiern, Backeiren und Eierköpfen.“
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  • benkraft
    @ m.h.itman Danke, das stimmt. Die entsprechende Passage ist jetzt korrigiert.
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  • FormatC
    Der Typ schreibt so eine gequirlte Kacke... Der ganze Blog ist verschwurbelt genug, um als normal denkender Mitteleuropäer einen Lachkrampf zu bekommen. Man kann Literaturkritik nur an Literatur üben.
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