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Gute Laune kontra Übermotivation

Burnout-Syndrom: Need for Speed Most Wanted 2 - 18 Grafikkarten im Test und ein Urteil
Von

Gretchenfrage und eine heillos offene Welt

Was kommt eigentlich dabei heraus, wenn man "Burnout Paradise" mit Verfolgungsjagden, einer strunzdummen Polizei, der obligatorischen "Most-Wanted-Liste", Autolog und einem Schuss Nostalgie mixt? Genau das habe ich mich gefragt, nachdem ich das Spiel nach zwei Stunden das erste Mal unterbrochen hatte. Was ich vorfand, war (und ist) ein riesiges Open-World-Areal mit jeder Menge Dinge zum Entdecken und auch Kaputtfahren. Kennen wir aber schon, denn sehr viele Objekte und Gestaltungselemente hat EA bei Criterion im Mega-Burnout-Recycling-Mix sicher recht günstig erstanden. Warum der barocke Hintern des Benz im folgenden Video eine Art Booty-Shake aufführt, erkläre ich später noch, zunächst lasse ich erstmal was springen:

Need For Speed Most Wanted 2 - Jumps

Mit Criterion im Hinterkopf wundert es mich auch kaum, dass an jeder Ecke Werbetafeln zum Zerbrettern einladen, irrwitzige Sprünge die fahrerische Eleganz verdrängen, Sicherheitszäune immer wieder zum Durchfahren animieren und überhaupt so ziemlich alles zerstörbar ist, was man auch auf Um- und Abwegen vor die virtuellen Reifen bekommt. Und so bin ich nach nur wenigen Stunden von der Piste geschüttelt und von den vielfältigen Möglichkeiten gerührt - schade, dass es nach einer gewissen Zeit dann leider kaum noch Steigerungen gibt. Ein fettes Plus verdient auf alle Fälle das neue Easy-Drive-Menü, das sich sehr intuitiv bedienen lässt und auch im Spiel selbst alle Konfigurationen erlaubt.

Und es hat Bums gemacht....Und es hat Bums gemacht....

Ja, es macht Spaß, und ich bin genauso gefangen wie seinerzeit bei "Burnout Paradise". Wer sich nicht nur stur an den Rennen orientiert und sich auf kürzestem Wege durch die "Most-Wanted"-Liste hangelt, hat sogar so etwas wie Langzeitspaß. Jedenfalls habe ich insgesamt mindestens 4 Stunden verdaddelt, nur um die Hälfte der Fahrzeugwechselpunkte zu finden, die meisten der Sicherheitszäune zu killen, Werbetafeln zu vernichten und so genügend Punkte zu sammeln, um mit nur 3 gefahrenen Rennen automatisch bis auf Platz 9 der Liste vorzudringen. Man kann sich also Zeit nehmen, sollte es sogar.

Steuerung

Daumen runter, leider. Ich spiele nicht mit der Tastatur, so dass die Umsetzung für Lenkrad und Gamepad meine Meinung geprägt haben. Arcade hin oder her - das, was man im Spiel abliefert, ist höchstens Mittelmaß. Da wäre zunächst die Einstellerei. Die Konfiguration der Gamepad-Tasten geht mir ständig mit irgendwelchen Fehlermeldungen auf den Keks. Entweder soll ich die Taste zu schnell gedrückt haben (ermutigend, in meinem Alter noch so gute Reflexe bescheinigt zu bekommen) oder doch bitte erst ins Einstellungsmenü wechseln, weil mein Controller noch nicht konfiguriert sei, obwohl ich ja exakt dort bereits angelangt bin. Das betrifft übrigens auch den Spielanfang als solchen, denn ich muss ja erst mal ins Spiel, um auch nur die klitzekleinste Option ändern zu können.

Tunnelblick mit kleinen HindernissenTunnelblick mit kleinen Hindernissen

Nachdem ich all dies gemeistert habe, geht's raus auf die Piste. Hibbelig und irgendwie auch ein wenig schwammig - so stellt sich mir die Steuerung der einzelnen Fahrzeuge dar. Gut, eine Rennsimulation habe ich ja auch nicht erwartet, aber ein wenig mehr Feingefühl in den analogen Joysticks hätte es dann schon sein dürfen. Irgendwie fährt sich alles ziemlich im Entweder-Oder-Stil und einen differenzierten Radeinschlag sucht man vergebens. Fahrphysik ist hierbei so etwas, was im Arcade-Genre den Hauch eines Schülergespräches über die Finite-Elemente-Methode in einer Hauptschul-Klasse besitzt: Sie findet nicht statt. Um das zu veranschaulichen, habe ich einfach mal eine Stadtsequenz im Video festgehalten, in dem man auch sieht, wie schnell man den Verfolgern entkommt, wenn man nur mutig genug auf dem Gas bleibt.

Need For Speed Most Wanted 2 - City Run

Manche Dinge hat man allerdings auch zu gut gemeint, was ich bereits als Übermotivation bezeichnet habe. Wer so opulent mit Lichteffekten um sich wirft, sollte sich nicht wundern, dass sogar HighEnd-Hardware an ihre Grenzen stößt (siehe im Bild unten). Lief "Burnout Paradise" faktisch noch auf jedem übertakteten Lockenwickelstab, so kurbelt man mit diesem Spiel nun die Konjunktur noch einmal an, denn der PC-Markt lahmt ja bekanntlich ein wenig. Doch zur Hardware später mehr.

Blender? Nein, sonnige Zeiten für GrafikkartenBlender? Nein, sonnige Zeiten für Grafikkarten

Tuning? Fehlanzeige

Jedes gefundene Auto lässt sich exakt für ganze 5 Rennen verwenden, die komplett fahrzeuggebunden sind. Alle Teile, die man sich durch Siege freischalten kann, zählen jedoch nur für dieses eine Auto. Dann geht der Spaß (oder die Nerverei) wieder von vorn los. Wer es will, der kann probieren, ohne nachgerüstete Teile die 5 Rennen zu absolvieren. Geht sogar. Sogar die Listen-Rennen kann man mit den ungetunten Boliden gewinnen, wenn man nicht ganz unfähig daherkommt. Aber, das sollte man jetzt fett hervorheben, es ist eine glatte Entmündigung des Spielers, wenn einerseits bereits von Anfang auch die Supersportwagen zur Verfügung stehen und diese andererseits im "ungetunten" Zustand dann weit unterhalb der realen technischen Möglichkeiten bleiben. Gut, die KI ist dann auch nicht besser, aber ich komme mir glatt verschaukelt vor, wenn ich selbst mit einem Supersportler auf einer langen Geraden keine 250 km/h erreiche. Fahrzeuge, die selbst zum Stehen noch 500 Meter Anlauf brauchen sind geradezu absurd. Das ist kein Balancing, das ist Horror. Einstellen kann man an den Teilen und Fahrzeugen auch nichts, und wer einzig und allein einen Arcade-Racer mit Tuning-Feeling sucht, der sollte besser die Finger vom Spiel lassen.

Neue Karre, neue Aufgaben, keine TeileNeue Karre, neue Aufgaben, keine Teile

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  • 3DKing , 5. November 2012 09:57
    "Früher war alles besser" - zumindest hat mich NFS da noch unterhalten. Aber Rennspiele sind eh nicht meins und im Allgemeinen sehe ich in dem Genre 0 Weiterentwicklung. Aber schön zu lesender Test. :) 
  • borizb , 5. November 2012 11:24
    Burnout-Syndrom... wo habe ich dieses Wortspiel schon mal gelesen.... ah ja, auf Golem.de wars, am Samstag: http://www.golem.de/news/test-need-for-speed-most-wanted-klassiker-mit-burn-out-syndrom-1211-95485.html
  • FormatC , 5. November 2012 11:29
    @borizb
    Burnout-Syndrom... wo hat wohl Golem dieses Wortspiel schon mal gelesen.... ah ja, auf tomshardware.de wars, am Montag, 22. November 2010:
    http://www.tomshardware.de/NFS-Hot-Pursuit,testberichte-240676.html

    Erst informieren, dann beschweren :) 
  • Virtuose , 5. November 2012 12:27
    Schließe mich an, geiler Artikel. Ich finde das Hardwareverhalten sehr seltsam. Framelimiter bei 60, ok. Bei mir nagelt sich das Spiel nach dem Intro komplett auf 30 fest und geht weder drunter noch drüber. Optisch läuft es sehr flüssig, wundert mich trotzdem. Alles hoch, nur Schatten auf mittel. 560ti auf 925/2225Mhz, PII auf 3,6Ghz und 8GB RAM im Rücken unter Win7 64. Die 560 läuft dabei dauerhaft auf 70-80%, der PII langweilt sich fast. Muss ich das verstehen?
  • texas , 5. November 2012 12:49
    Schon heftig, dass eine "eigentlich" deutlich langsamere Radeon 7770 mit den neuen Treibern bei neuen Spielen inzwischen eine Radeon 6870 deutlich schlägt.
  • Virtuose , 5. November 2012 13:02
    Nach ein wenig rumprobieren klebt er nur an den 60fps durch die Geometrieeinstellung. Finde es aber nach wie vor flüssig und es sieht auch nicht schlechter aus... Denke da wird bald ein Update fällig, oder SLI ;-)
  • FormatC , 5. November 2012 14:21
    @Texas:
    Die 7770 hätte theoretisch schon immer schneller sein müssen als eine 6850 und auf Augenhöhe mit der 6870. Schlimm, dass man die GCN-Architektur bis dato nicht ausgereizt hat. Langsam stimmt die Spieleleistung auch mit der Rohleistung überein.

    @Virtuose:
    Du könntest auch die Hintergrundverdeckung niedriger setzen und dafür die Geometrie lassen. Die CPU-Leistung geht nur hoch, wenn die KI gefordert wird. Mach mal höchste Fandungsstufe und lasse eine Horde Polizei um Dich kreisen ;) 
  • texas , 5. November 2012 16:09
    Hätte ich jetzt nicht gedacht, schließlich hat die 6870 ja fast doppelt so viele Stream Prozessoren wie die 7770. Auch wenn das natürlich eine neue Architektur ist und damit nicht wirklich vergleichbar.
  • FormatC , 5. November 2012 16:21
    Die VLIW-Architektur kannst Du mit der GCN-Architektur nicht vergleichen. GCN ist jetzt ähnlich wie Nvidia strukturiert, so dass man die Anzahl wirklich nicht als Maßstab setzen kann. Im Gegenteil, die 7770 müsste eigentlich sogar noch deutlich schneller sein.
  • oXe , 5. November 2012 16:23
    @FormatC
    Was hast du nur mit dem armen R8 auf dem letzten Bild gemacht???
  • FormatC , 5. November 2012 16:25
    Audi-Fahrer dürfen das :) 

    Das sind normale Kampfspuren, leider ist das Schadensmodell nur optischer Natur.
  • bruder tac , 6. November 2012 00:13
    Ich finds einfach nur traurig, was EA aus Need for Speed gemacht hat. Ich habe alle Teile von NFSII bis Shift. NFSII bis Porsche sind für mich die einzigen NFS Teile, die sich Need for Speed nennen dürfen sollten. Damals gabs im Vergleich für die damaligen Arcaderacer noch eine ausgesprochen gute Fahrphysik, nicht ganz gehirnamputierte Gegner und generell noch zu den Autos passendes Fahrverhalten. Hot Pursuit 2 war der erste Bauchklatscher für NFS. Im Rückblick hat uns EA 2002 schon gezeigt, welche Zukunft auf NFS wartet. Die beiden Underground Teile gingen so und Most Wanted von 2005 war auch irgendwie nicht schlecht. Dann kam Carbon mit der drängenden Frage, welche minderbemittelten Hinterhofprogrammierer aus Usbekistan das verbrochen haben. Und ab hier gehen mir dann langsam die Steigerungen an entsprechenden Ländern langsam aus. Als bisherige Krönung emfpand ich diesen BurnOut Klon Hot Pursuit von 2010. Aber wenn ich mir den Test so durchlese, war meine Entscheidung als langjähriger Fan von Need for Speed die Serie in Frieden ruhen zu lassen und mein Geld dafür nicht mehr auszugeben, absolut korrekt.
    Alles nur noch Grafikblender.

    Bitte liebes EA Managment. Hackt den Typen von BlackBox und Criterion die Flossen ab, sucht euch ein talentiertes Team von Programmierern, sperrt sie 6 Monate mit Need For Speed Porsche, dem besten NFS Teil, ein und gebt ihnen danach 2-3 Jahre Zeit zum programmieren und sagt ihnen, das die Hauptplattform der PC sein soll.
  • jake_b , 7. November 2012 02:49
    Hey, einfach GEILER Artikel. War auch NFS Fan, aber seit dem ich NFS Shift blind gekauft habe, war's aus.
    Das alte MW und MW2 haben mir noch am besten gefallen und das neue ließ Hoffnung in mir aufkeimen. Aber sowas kommt mir nicht auf die SSD. Nee, nee!

    Noch was: Was ist denn bitte "Kantenververschönerung". 2-fach-fache Kantenglättung? ;-)

    Gute Nacht
    Jake_B

  • FormatC , 7. November 2012 08:26
    Nene, da stand im Original "Kantenverdeckung". Da hat es ein Bot bestimmt verhunzt. Ohne AO laufen auch die kleineren Karten recht ordentlich.
  • kayvoss123 , 8. November 2012 12:29
    @bruder tac, bin völlig deiner Meinung. NFS5 war der Beste Teil. Dann kommen die Underground Teile und Most Wanted. Shift(1), ist in super Spiel in richtiung realismus. Man Hätte es aber nicht mit NFS in verbindung bringen sollen.

    Verstehe nicht wieso keine Firma peilt das die ein alters Spielkonzept z.b. NFS5 oder Siedler 4 oder oder oder nur ausgreifen müssen und die Grafik anpasst....fertsch. Also nichts am Konzept ändern. Gleiche Strecken event. noch n paar neue, gleiches Bau/Wirschaftssystem. Einfach nur allein die Grafik ändern. Dadurch geht 0 Spielespass verlohren.

    Irgendwie sind so ziemlich alle neuen Spiele langweilig. Keine herausforderungen mehr. Die KI hat sich im gegensatz zur Hardware total rückentwicket. SEIT 2005!!! gibs kein Spiel mehr mit guter KI. Bei Echtzeit strategie gabs noch nie gute KIs. Ich wette die neuen Schwirigkeitsgrade wirkein sich nicht aufs KI Fahrverhalten aus, sondern nur auf das was die KIs dann lenken. War schon in Most Wanted so, das eine normale Level 1 Bullenkarre an mein Porsche GT mit MAX TUNING locker drangeblieben ist. Bis 340Kmh!!!!!!! Und so wiers auch wieder werden! Auf Schwer fährt dann der KI VW Golf halt mal locker 400+KMh und 0-200 in 3Sec.
  • FormatC , 8. November 2012 13:06
    Sagen wir es mal so:
    Dass eine barocke Ami-Bullen-Seifenkiste auf der Interstate 92 einen getunten Lambo vernascht und überholen kann, gehört echt in den Bereich Unterhaltung und Comic. Leider. Aber dadurch machts auch Spaß. Bullen-Corvette und Oldschool-Streifenkarre sind nämlich gleich schnell. :D