Premiere zieht wieder mal die Reißleine: Der Bezahlsender wird eine neue Verschlüsselungs-Technik einführen, da immer mehr Schwarzseher mittlerweile an Geschäftseinbußen Schuld sein sollen.
»Ein Gutachten, das der TÜV Rheinland im Auftrag von Premiere erstellt […] hat, kommt zu dem Schluss dass es kriminellen Hackern gelungen ist, mit modifizierten Digital-Receivern Pay-TV-Programme illegal zu empfangen« heißt es auf der Premiere-Homepage. Für die Feststellung, dass das Manipulieren von Receivern und Smartcards in Hacker-Kreisen auf gut Deutsch zum beliebten Sport geworden ist, dafür hätte der Abo-TV-Sender sicher kein TÜV-Gutachten gebraucht. Seit Jahren ist ein Katz-und-Maus-Spiel zu beobachten: Premiere ändert — mittlerweile täglich — seine digitalen Schlüssel, die Hacker passen ihre Entschlüsselungs-Systeme ruckzuck an. Passiert dies kurz vor einem Film, ist das auch kein Problem, dann wird der Streifen eben als Wiederholung etwas später geguckt. Die Manipulation der Schlüssel verärgert eher die zahlende Premiere-Kundschaft, die mit einem schwarzen Bildschirm Vorlieb nehmen muss, bis sich die Smartcard auf die aktuellen Schlüssel umgestellt hat.
Der nächste Schritt, für einen Pay-TV-Sender an sich ein Super-GAU, ist die Umstellung des kompletten Verschlüsselungs-Systems. Dies geschah bereits 2003. Damit soll auch den hoch gehandelten manipulierten Decodern und Software-Knacktools der Garaus gemacht werden. Ein für Premiere nun weit wichtigerer Grund für die Umstellung sind im Ausland hergestellte und in Deutschland mittlerweile recht verbreitete Receiver. Die Geräte nutzen eine Lücke im Nagravision-System aus und bieten freie Sicht auf den Premiere-Content. Die Receiver finden einen derart hohen Anklang, dass Premiere rückblickend sogar ein schlechtes Weihnachtsgeschäft meldet und auch »Auswirkungen auf den Geschäftsverlauf und das Wachstum« befürchtet.
Vom zweiten Quartal 2008 an werden nun also die Smartcards von über 4 Millionen Premiere-Kunden ausgetauscht. Hatte sich Premiere vor vier Jahren auch gleich einen neuen Verschlüsselungs-Experten geleistet — man wechselte von Betacrypt zu Nagravision — so bleibt man diesmal dem derzeitigen Anbieter treu. Für die Schweizer Entwickler des Nagravision-Codes, Kudelski, sind Schwarzseher im Übrigen nicht das Problem: »Das liegt im normalen Verlauf des Geschäfts«, wird Kudelski-Finanzchef Mauro Saladini auf Digitalfernsehen.de zitiert: »Wir haben das System bei Premiere vor vier Jahren eingeführt, insofern ist es keine Überraschung, dass die Karten ausgetauscht werden«. Die Kosten für die Smartcard-Umtauschaktion werden auf unter zehn Millionen Franken geschätzt. Im Vergleich zu Umsatz (2006 geschätzte 756 Millionen Franken) und Gewinn (139 Millionen Franken, ebenfalls 2006) des Schweizer Unternehmens ist das tatsächlich nicht viel.
Mehr zu Premiere bei Tom’s Hardware:
- DBox 2 im Debug-Modus: Öffnung für alternative Linux-Software (Juni 2006)
- Mythos D-Box2: Einspielen von Linux-Betriebssystemen (Juni 2006)
- Kurz vor der Fussball-WM: Premiere wieder geknackt (Mai 2006)
- Premiere erwirkt einstweilige Verfügung ... (19. März 2003)
- D-Box 2 vernetzt: Timer-gesteuerte Filmaufnahme auf Festplatte (Juli 2002)
- Attacke gegen Premiere und Co.: Pay-TV ohne Smartcard (Januar 2002)
- Mit Kartenleser zu PremiereWorld & Co. (November 2001)
- Sucht nach Pay TV: Ein Hacker packt aus (September 2006)
- PremiereWorld-Server gehackt zum Jahreswechsel (Januar 2000)
- Premiere World Digital gehackt (Dezember 1999)
Wenn du Premiere empfangen kannst, dann musst du auch GEZ zahlen. Es gibt kein Receiver wo man ARD oder ZDF nicht einzustellen kann. Oder schaust du schwarz? ;-)
Das letzte Mal hat der neue Schlüssel zirka 8 Monate gehalten. Mal schauen wie lange diesmal. Die Häcker schlafen ja auch nicht. Die freuen sich sicherlich schon darauf.:-)
Ein neues Verschlüsselungsverfahren einzuführen, welches ungleich Videoguard ist, erscheint mir relativ sinnfrei. Das stellt lediglich eine kurzzetige Steigerung der Gängelung der Schwarzseher dar, auf welche Premiere seit geraumer Zeit setzt, anstatt das System dicht zu bekommen. Die Schwarzseher werden solange mit Schlüsselwechseln kurz vor Sendungsbeginn etc. genervt, bis sie wohl irgendwann aufgeben und zu einem Abo greifen. Da das nun garnicht mehr zieht, muss eine neue Basis dafür geschaffen werden. Andererseits ist ein Verzicht auf Videoguard sehr positiv, da weiterhin auch mit TV-Karten Premiere geschaut werden kann, anstatt auf einen Receiver versteift zu sein. Ich drücke Premiere die Daumen, dass eine langfristige Besserung erzielt wird, ohne den Kunden im gleichen Zuge zu bestrafen.
Der ist wirklich gut. Dann werden also auch die ganzen Sprayer gegängelt, weil ihre Graffitties immer wieder übermalt werden. (Die Tags pur sehen wirklich häßlich aus. Gegen ein schickes Bild sollte keiner was haben!) Oder die armen Ladendiebe, weil die Kaufhäuser in bessere Kameratechnik und Security investieren. So habe ich das noch gar nicht gesehen.
Wenn ich etwas nicht bezahlt habe, habe ich auch nicht das Recht, es zu benutzen. Und welche Mittel Premiere anwendet, bleibt letztendlich ihnen überlassen. Geknackt wird jedes System früher oder später irgendwann mal. Das wissen die auch. Und wenn den Schwarzsehern das Schauen für ein paar Monate unmöglich gemacht wird, haben sie selber Schuld. Wenn sie es nutzen wollen, sollen sie auch dafür bezahlen. Geiz ist geil zählt in dem Fall nicht. Und Filme kann man sich auch günstig ausleihen. Da lohnt sich für zwei Filme im Monat auch schonmal die Fahrt in die nächste Videothek. Wer nur am Sportabo interessiert ist, kennst bestimmt noch ein paar Kumpels, mit denen er sich die Gebühren teilen kann. Macht auch viel mehr Spaß.
Ist nur meine Meinung.
Es gibt nämlich nichts schöneres wie Fußball im Radio oder im Stadion ohne einen blödquatschenden Reporter im Fernsehen.