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Singlecore-SoC bei Singlethread-Anwendungen kaum zu halten

Test Motorola RAZR i: Kann Intel Smartphone?
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Neben seiner attraktiven Außenhülle ist auch das Innenleben des Motorola RAZR i von besonderem Interesse, denn der Hersteller setzt nicht, wie sonst üblich, auf einen ARM-SoC, sondern vertraut auf die Leistungsfähigkeit der x86-Architektur. Im Inneren sitzt ein Atom Z2480, dem überdies ein Arbeitsspeicher von 1 GB zur Seite steht. Und damit stellt sich unweigerlich die Frage: Kann Intel auch Smartphone?

Der Intel-SoC besitzt zwar - anders als vergleichbare Konkurrenten - nur einen einzelnen Kern, der arbeitet allerdings mit einer Taktfrequenz von 2 GHz und ist von dieser Perspektive her betrachtet der schnellste SoC, der momentan in einem Smartphone verbaut wird. Zudem ist die CPU mit Intels Hyper-Threading-Technologie ausgestattet, sodass dem Betriebssystem ein zweiter, virtueller Kern präsentiert wird.

Mit diesen Parametern versucht der weltgrößte Chiphersteller den leistungsstarken ARM-Chips das Wasser abzugraben - was allerdings nicht ganz gelingt. Die Leistungsfähigkeit des SoCs ist zwar so schlecht nicht und stellt eine deutliche Steigerung zur letzten RAZR-Generation dar. Der TI OMAP 4430, der im ersten RAZR mit einer Taktgeschwindigkeit von 1,2 GHz arbeitete, sieht im Vergleich zum RAZR i kein Land. Doch wenn schon nur die Anzahl der ARM-Cortex-A9-CPU-Kerne von zwei auf vier erhöht werden, etwa beim Nvidia Tegra 3 oder dem Samsung Exynos 4412, kann der Intel-SoC schon kaum noch mithalten. Smartphones, deren Prozessoren auf einer neueren Architektur bei den CPU-Kernen aufsetzen, etwa Qualcomms S4 Pro oder der ARM Cortex A15, der zwar bisher nur in Form des Samsung Exynos 5250 im Google-Tablet Nexus (und einem hierzulande nicht erhältlichen Chromebook) 10 verbaut wird, dürften die Grenzen des Z2480 in Benchmarks noch deutlicher aufzeigen.

Dabei fühlt sich der Intel-SoC im Alltag gar nicht schlecht an und meistert alle Aufgaben bis hin zum Gaming klaglos. Auch die in den Benchmarks erreichten Werte sind so schlecht nicht. Der Singlecore-Prozessor zeigt gerade in Benchmarks, die ausschließlich die Leistungsfähigkeit der CPU bewerten, eine hohe Leistungsfähigkeit. Dennoch wird deutlich, dass die ARM-SoCs längst nicht mehr die lahmen Gurken sind, als die sie Intel gerne hinstellt. Im Gegenteil. Das Chipschwergewicht findet sich in einer für ihn ungewohnten Rolle wieder: Er läuft den Konkurrenten hinterher - trotz der an anderer Stelle so leistungsfähigen x86-Architektur. Mit einem Einkern-SoC ist bei Smartphone eben kein Blumentopf mehr zu gewinnen, wenn um die Leistungskrone gerungen werden soll. Hier bleibt abzuwarten, wie sich die fürs kommende Jahr anstehende Dualcore-Variante schlägt. Dann dürfte aber auch der ARM Cortex A15 öfters in mobilen Telefonen anzutreffen sein, und das sollte das Rennen zwischen den beiden Plattformen weiterhin offen halten - aktuell mit leichten Vorteilen für ARM.

Der Antutu-Benchmark gibt einen deutlichen Unterschied zwischen dem Motorola RAZR des letzten Jahres und dem aktuellen RAZR i aus. Das Intel-Smartphone ist etwa 25% schneller. Allerdings bleibt die an Leistung dieser Stelle hinter der aktueller Highend-Boliden zurück.

Das Potential des Intel Atom Z2480 in einem Smartphone wird mit Blick auf die Einzelkern-Leistung im Linpack-Benchmark deutlich.

Auch im Multicore-Teil des Linpack-Benchmarks schlägt sich der Atom-SoC respektabel und erreicht Werte, die auf dem Niveau aktueller Quadcore-CPUs liegen.Der Intel-SoC besteht den Quadrant-Benchmark mit Bravour und erreicht eine Punktzahl, die nicht weit von der Leistung aktueller Tegra-3-Smartphones wie dem HTC One X oder dem LG Optimus 4X HD entfernt ist.

Dass der Atom in seiner jetzigen Form jedoch noch kein Chip für einen Highend-Boliden ist, zeigt sich beim Smartbench 2012. Zwar erreicht das RAZR i mehr Punkte als das erste RAZR, der Wert ist jedoch längst nicht auf dem Niveau, das aktuelle Quadcore-ARM-Architekturen erreichen.

In dem Productivity genannten Bereich kommt das RAZR i gerade einmal auf die Hälfte der Punkte des im letzten Jahr erschienenen Modells der Baureihe.Der Vellamo-Benchmark setzt auf HTML5-Code um die Leistung eines SoCs zu bewerten, und das schmeckt Intels Atom, der sich auch hier deutlich vor den OMAP 4430 setzt.

Neben der Atom-CPU sitzt eine schon etwas angestaubte GPU

Dass Intel offfenbar selbst nicht so ganz an die Konkurrenzfähigkeit seines SoCs mit den Highend-ARM-Boliden glaubt, zeigt die Wahl der GPU. Denn der Chiphersteller lötet neben den CPU-Kern einen PowerVR-SGX540-Grafikchip auf das Die, der sich auch schon vor einem Jahr zusammen mit dem TI OMAP 4430 im ersten RAZR wiederfand und mit der aktuellen Leistungsspitze nicht mehr mithalten kann.

Aufgrund der gleichen GPU ist wenig verwunderlich, dass RAZR und RAZR i im Basemark-Benchmark dicht beieinander liegen. Allerdings ist die Anbindung des Grafikchips bei Intel einen Tick besser gelungen, denn das Motorola RAZR liegt knapp zurück.

Ähnlich das Bild beim Nenamark. Auch hier liegt der Unterschied zwischen den beiden Smartphones bei zwei Frames in der Sekunde. Für Anwender, die hohe Grafikleistung beim Gaming erwarten, sind die erreichten Werte dennoch sehr niedrig.

RAZR i: Bei Javascript kaum zu Bremsen

Gerade die Browser-Benchmarks zeigen die Stärken der Intel-CPU deutlich. Der Z2480 ist wenn es darum geht Javascript-Code auszuführen z.T. doppelt so schnell wie der TI OMAP4430 des Vorgängers.

Wie schon im Linpack-Benchmark zeigt die Atom-CPU die Potentiale der x86-Architektur und lässt den TI OMAP 4430 links liegen, als wäre es ein schlichter Einsteiger-Prozessor.

Das Bild bei Googles V8-Benchmark ist zu dem des Octane v1 fast identisch...

...erst der Rightware Browsermark rückt die Verhältnisse wieder gerade, nicht zuletzt weil hier wiederum die Grafikleistung des SoCs in die Bewertung mit einfließt.

Der Sunspider-Benchmark verdeutlicht noch einmal mehr die enorme Stärke des Intel-Atom-SoCs, wenn es darum geht Javascript-Code zu verarbeiten.

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