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• Kurztest: Ein Satz heiße Ohren - Roccat Kave

Von - Quelle: Tom's Hardware DE | B 8 kommentare

Surround für lange Winterabende

Passend zur kalten Jahreszeit sollte man sich, schon im Interesse des guten Einvernehmens mit seinen Nachbarn, getrost einen Satz heiße Ohren gönnen und mal auf Subwoofer und Satelliten verzichten. Wer keine Nachbarn hat, dafür jedoch ein eigenes Haus, denkt eben ersatzweise an seine Mitfamilie, Hund, Katze und Kanarienvogel. Am besten gelingt so eine geschlossene akustische Ohrenspülung noch immer mit einem leistungsstarken Kopfhörersystem - Gamer werden hier natürlich zu einem leistungsstarken Headset greifen wollen. Natürlich ist Headset nicht gleich Headset und auch als Autor erinnert man sich ungern an Zeiten zurück, wo man eines Abends ein über 100€ teures 5.1. Headset entnerft in Richtung Fußboden beförderte, weil permanent wackelige Kontakte und kaputte Kabel am Ende für Frust statt Lust gesorgt haben. Wir haben deshalb das Kave über einen Monat im täglichen Einsatz gestresst, nicht geschont und abschließend beurteilt, ob und warum sich dieser Einsatz für uns als Spieler gelohnt hat - oder eben vielleicht auch nicht.

Verpackung, Lieferumfang und erster Eindruck

In der Roccat-typischen Verpackung befindet sich neben dem Headset eine kurzgefasste Ein- und Anleitung, sowie eine CD, die zusätzlich ein 5.1 Demo-Programm enthält. Die Kabel sind relativ steif, machen aber einen sehr haltbaren Eindruck. Der setzt sich auch über die einzelnen Klinkenstecker (die zusätzlich mit Schutzkappen versehen sind) und den USB-Stecker fort. Die Steuerungseinheit für die Lautstärkeregelung macht im Gegensatz zu so manchem Mitbewerber fast schon den Eindruck einer massiven Schaltkonsole. Neben den Kanälen kann die Lautsärke des gesamten Systems mit einem großen Knopf in der Mitte geregelt werden. Die Besonderheit: dieser Summenregler ist kein als Passivregler ausgeführtes Potentiometer, sondern regelt den Mixer-Kanal für das Summensignal von Windows. Damit werden Klangverfälschungen und Verzerrungen clever vermieden. Das Mikrofon kann einfach angesteckt bzw. abgezogen werden. Haptisch und optisch gibt sich das Gerät somit als relativ preiswertes Feinschmeckermenü.

Tragekomfort, Details und Haltbarkeit

Das recht schwere 5.1-Sytem lässt sich überraschend einfach verstellen und damit eigentlich fast jeder Kopfgröße anpassen. Selbst Autoren mit Hutgröße 60 finden nach etwas Verstellen einen angenehmen Sitz. Der Bügel enthält auf der Unterseite offene Polster in Kassettenform - eine gute Idee, denn trotz des hohen Gewichtes liegt das System angenehm weich auf. Das ganze System lässt sich auch platzsparend zusammenklappen, ohne dass sich Kanten berühren und aneinander schleifen. Die Polsterung der Ohrmuscheln ist lederartig, sehr luftig und lässt sich leicht auch einmal feucht abwischen. Hygiene und Style statt biederer Plüschoptik im Stil von Omas Sofabezug. Auch hier also ein guter Eindruck, der am Ende in die Aufrechnung mit einfließt. Das Material zeigte nach dem intensiven Einsatz über mehrere Wochen kaum Gebrauchsspuren, die Kontakte waren genauso sicher wir die Kabel. Natürlich können einige Wochen keinen Jahrestest ersetzen, aber man erhält schon einen gewissen ersten Eindruck über Materialanmutung und -haltbarkeit.

Subjektiver Klangeindruck und Beurteilung

Neben der Qualität und der Haltbarkeit spielen natürlich Klangeindruck, erreichbare Lautstärke und der Klirrfaktor bei Vollaussteuerung eine wichtige Rolle. Wir trauen prinzipiell keinen aufgedruckten Daten und was am Ende für die Zufriedenheit als Einziges zählt, ist der individuelle Eindruck der jeweiligen Testpersonen. Audiophile werden das Headset außerhalb des Spielesektors und expressiver Popmusik unter Garantie nicht mögen. Um letztendlich den Kompromiss zwischen U- und E-Musik auszuloten, haben wir Gershwins "Rhapsody in Blue" und das "Klavierkonzert in F" probegehört. Dazu kamen noch Pink Floyds "Ummagumma", eine direkte Einspielung von "U96-Das Boot" von LP mit einem extremen Dynamikumfang und mehrere Spiele auf verschiedenen EAX-Leveln. Die aufsummierte Einschätzung eines männlichen Jugendlichen (17), einer unserer Frauen (30) und des Autors (46) liest sich dann auch so, wie es Susi nicht besser zusammenfassen könnte: trockener und klar differenzierter Bass trifft auf ein ausgewogenes Mittelfrequenzspektrum und einen etwas zu schrillen und leicht schwammigen Diskant bei recht ordentlicher Straßen- bis Baustellenlautstärke. Was sich zunächst in diesem einen Satz als Kritik am Klangcharakter liest, ist mit Sicherheit dem Anwendungsziel fürs 5.1-Gaming geschuldet und relativiert sich damit sehr schnell wieder. Als 5.1 System ist der Kopfhörer in Spielen erste Wahl, für anspruchsvolle Stereo-Aufnahmen fehlt jedoch die Differenzierung. Das Mikrofon ist empfindlich und ausgerichtet genug, um auch leise Sprache gut und ohne Störgeräusche zu übertragen. Auch laute Ausrufe übersteuern nicht. Die Sprachqualität ist gut, enthält für unseren Gesachmack aber etwas zu viele Tiefen und wirkt damit sehr voluminös. Hier hätte eine restriktivere Begrenzung des Frequenzgangs sicher ein noch besseres Ergebnis geliefert. All dies ist natürlich Jammern auf höchstem Niveau, denn wir wollen ja keine HiFi-Hardware im HighEnd-Bereich testen, sondern ein Headset im Preissegment von weit unter 100€.

Fazit

Womit wir letztendlich beim Preis angelangt wären. Ein Straßenpreis ab ca. 70 Euro aufwärts ist aus unserer Sicht angemessen für ein Produkt, das sich kaum Schwächen leistet. Einzig das Gewicht, das sehr spieleorientiert designte Klangspektrum und die etwas zu voluminöse Sprachübertragung könnten das Gesamtbild etwas trüben. Aber wir haben es schon erwähnt: Kritik auf so hohem Niveau ist für den Einzelnen sicher nur eingeschränkt relevant. Aufsetzen und sich im Nu einen Satz heiße Ohren holen - mit dem Roccat Kave eine wirklich leicht lösbare Aufgabe.

 

 

 

 

Kommentarbereich
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  • shadowzed , 16. November 2010 21:02
    meine Ohren sind auch ohne dem Ding heiß ;) 
  • FormatC , 16. November 2010 21:06
    Dann würde ich weniger dran reiben :D 
  • MrAtlas , 17. November 2010 13:00
    Ich hatte dieses Headset schon im Einsatz, habs allerdings wieder weiter verkauft, weil mir gerade der Bass zu matt war und insgesamt der Klangeindruck etwas schlaff wirkte. Ich bin dann auf das Logitech G35 umgestiegen und mit dem bin ich sehr zufrieden. Naja, da sieht man mal wieder wie subjektiv der Eindruck gerade bei Headsets/Kopfhörer sein kann.
  • FormatC , 17. November 2010 14:48
    Ich würde das Headset auch nicht an einer Onboard-Lösung betreiben. An einer X-Fi Titanium kommt der Bass vom Feinsten rüber.
  • p37e , 17. November 2010 15:56
    habe das headset jetzt fast ein Jahr vom Sound her passts gut zum Preis und die Ortung ist gut. Was allerdings stört ist der Teil vom Bügel der auf dem Kopf liegt. Nach einer gewissen Zeit drückt das Gewicht vom Kopfhörer den Schaumstoff so weit zusammen das Plastik auf den Kopf drückt. Unangenehm und ich muss ihn dann umsetzen oder kurz abnehmen. Mehrere Leute die den Kopfhörer hier probiert haben bestätigen das.
    Also bei längeren Zockorgien besser noch was drunterlegen (mütze oder kapuze) sonst drückts
  • FormatC , 17. November 2010 15:59
    Ich empfand das als luftig, habs aber eben nur einen Monat getestet. Danke für den Tip, ich gebs gern an Roccat weiter.
  • MrAtlas , 19. November 2010 14:02
    @formatc:
    Ich hab eine X-Fi Titanium, also daran mag es nicht gelegen haben, daß der Bass so blass blieb.
  • FormatC , 19. November 2010 14:45
    @MrAtlas:
    Wenn man eine Digitalaufnahme eines Konzertes mit der selbst erlebten Qualität des Originals vergleichen kann, weil man zufällig beim Aufnahmetag dabei war, dann ist man erstaunt, wie viel mehr Bass man bedarfsweise noch erhält, als es in Wirklichkeit war. Was ich damit sagen will: Hörgewohnheiten und tatsächlicher Klang sind meist zwei Paar Schuhe. :)