Die Festplatte wird 50: Interview mit Seagate

Ob PC, Server, Notebook, Navi oder Handy, überall stecken inzwischen Festplatten drin und bieten Speicherplatz in Hülle und Fülle für relativ wenig Geld. Selbst in typischen Geräten der Unterhaltungselektronik wie MP3-Player und Videorekorder haben die kleinen und großen magnetischen Massenspeicher längst Einzug gehalten.

Wie werden die nächsten 50 Jahre der Festplatte aussehen? Werden neue Technologien die Kapazitäten durch die Decke schießen lassen oder die Platter zukünftiger Festplatten noch schneller rotieren? Wird die liebgewordene magnetische Aufzeichnungstechnik mit rotierenden Plattern und mechanisch bewegten Schreib-Leseköpfen eventuell von lautlosen Solid-State-Discs ohne jegliche bewegliche Teile abgelöst? Oder gehört gar neuen Aufzeichnungsverfahren wie Heat Assisted Magnetic Recording, Probe Storage oder SOMA die Zukunft?

THG hat nachgefragt und Henrique Atzkern, seines Zeichens Senior Field Applications Engineer bei Seagate, zur Zukunft des "rüstigen Rentners" Festplatte befragt.

THG: Die Festplatte wird heute 50 Jahre alt. Können Sie aus Sicht von Seagate einen Ausblick auf die nächsten 50 Jahre geben?

Atzkern: Neue Märkte werden die Einsatzbereiche und das Design von Festplatten noch weiter verändern: Festplatten sind heute nicht mehr nur in Desktop- und Server-Systemen zu finden, sondern auch in Unterhaltungselektronik-Anwendungen wie MP3-Playern, Handys, Navigationssystemen, digitalen Videorekordern etc. Dadurch ändern sich auch die Anforderungen an Festplatten in punkto Energieverbrauch, Erschütterungsresistenz und Zuverlässigkeit. Hinzu kommt, dass immer mehr digitale Inhalte - beispielsweise von Musik-Downloads aus dem Internet, Video on Demand oder Digitalkameras - auf Festplatten gespeichert werden müssen.

THG: Das heißt der Trend geht in Richtung immer kleinerer Platten mit höheren Speicherdichten?

Atzkern: Ja der Trend geht eindeutig hin zu kleineren Festplatten mit höherer Speicherkapazität. Dank Perpendicular Recording, der vertikalen Magnetaufzeichung, gehen wir in den nächsten 10 Jahren von einem 40-prozentigen Wachstum der Speicherdichte aus. Bei der Momentus 5400.3, unserer ersten Notebook-Festplatte mit Perpendicular Recording, erreichte Seagate eine Speicherdichte von 130 Gbits/in2 (Gigabits pro Quadratzoll) auf zwei Plattern. Bei einer Perpendicular-Demonstration im August 2005 waren es im Labor schon 240 Gbits/in2. Wir gehen davon aus, dass wir in den nächsten Jahren dank Perpendicular Recording die Speicherkapazität alle 2 Jahre verdoppeln können. Das heißt, in 2 Jahren hätten wir ein 1-Zoll-Festplatte mit 24 GB und eine Notebook-Festplatte mit 320 GB. Seagates' Ziel ist es, mit Perpendicular Recording innerhalb der nächsten vier bis sechs Jahre die Speicherdichte auf 500 Gbits/in2 sukzessive hochzuschrauben, also die Speichrdichte zirka alle zwei Jahre zuverdoppeln.

Bis dahin macht es keinen Sinn, auf neue Technologien zu setzen, denn neue Technologien verursachen hohe Kosten da sie eine neue Fertigungsinfrastruktur benötigen. Danach werden voraussichtlich andere Technologien wie beispielsweise HAMR, Bit Patterned Media oder SOMA eingesetzt werden müssen, um die Speicherdichte zu erhöhen.

Bis zum Jahre 2012 wollen wir dann Platten anbieten, die bis zu 1.3 Terabyte fassen könnten und über eine Speicherdichte von 1000 Gbits/in2 verfügen sollen.

THG: Wie lange werden Magnetische Speicher Ihrer Einschätzung nach noch DAS Hauptspeichermedium sein? 5,10, 20 Jahre oder vielleicht noch länger?

Atzkern: Magnetische Speicher werden noch recht lange das Hauptspeichermedium sein. Im Moment scheint es, dass herkömmliches Perpendicular Recording eine Speicherdichte von 500 Gbits/in2 nicht überschreiten wird. Bei einem angenommenen Wachstum der Speicherdichte um jährlich vierzig Prozent wäre also das Limit im Jahr 2010 erreicht.

Seagate arbeitet im Moment an einer neuen Technologie, dem Heat Assisted Magnetic Recording, einem thermischen Aufzeichnungsverfahren, das mit der magnetooptischen Aufzeichnung vergleichbar ist. Hier erhitzt ein Laser das hartmagnetische Medium an der zu schreibenden Stelle auf die Curie-Temperatur, so dass das Medium leicht magnetisch beschrieben werden kann. Dies ermöglicht eine deutlich höhere Stabilität gegen Superparamagnetismus. Hierbei handelt es sich um ein Phänomen, bei dem die Bits ihre magnetische Ausrichtung verlieren und spontan und plötzlich ihre Polung verlieren - mit der Folge, dass der Schreiblesekopf die gespeicherten Daten nicht mehr lesen kann.

THG: Das heißt nach 2010 werden Festplatten mit vollkommen neuartigen Aufzeichnungstechnologien aufwarten können?

Atzkern: Seagate ist vorsichtig mit Vorhersagen über neue Aufzeichnungstechnologien. Denn: Für den Einsatz neuer Technologien werden deutlich härtere Materialien für die Aufzeichnung auf dem Medium benötigt, wie zum Beipiel Eisenplatin. Diese Materialien können die Speicherdichte verzehnfachen.

Allerdings sind diese härteren Materialien schwerer herzustellen - Technologien zur Herstellung gibt es noch nicht, man versucht es im Moment mit chemischen Verfahren, doch die sind noch nicht ausgereift.

Das Material ist im Festplattenbereich generell sehr wichtig, denn der Kopf muss auch bei hohen Drehzahlen auf der Spur gehalten werden. Eine weitere Herausforderung ist der Abstand zwischen Medium und Schreib-/Lesekopf: Dieser muss noch deutlich runterskaliert werden. Heute beträgt die Flughöhe ca. 30 nm, in Zukunft hoffen wir einen Abstand von nur 10 nm durch dünnere Schutz- und Gleitschichten zu erreichen.


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8 Kommentare
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  • Anonymous
    Was stimmt hier nicht:

    59 Lesermeinungen im Forum: Diskutieren Sie mit!

    Der Text steht unter dem Seagate-Interview!
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  • Uwe
    In wenigen Minuten haben die Server synchronisiert. Dann stimmt auch die Anzahl wieder
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  • realsmasher
    Zitat:
    Geschwindigkeit lässt sich leichter über den Einsatz mehrerer Laufwerke erzielen als über höhere Drehzahlen.


    ich hoffe damit ist nicht raid 0 gemeint.

    Zitat:
    Ebenso ist unsere Hybrid-Festplatte bei der Wiederaufnahme der Operationen nach dem Hibernate-Status um zwanzig Prozent schneller als herkömmliche Modelle, da häufig abgerufene Daten in den Flash-Cache geschrieben werden, bevor das System in den Ruhezustand geht.


    sagenhaft ! nurnoch 4 statt 5 sekunden beim laden des speicherabbildes nach dem ruhezustand. na wenn das kein fortschritt ist :D
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  • Anonymous
    Naja, die Anzahl war eher weniger das Problem.eher der Ort wohin verlinkt wurde! :)

    Aber auch das wurde ja jetzt synchronisiert.
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  • Saty
    Ups. da müsste wohl mal jemand an den Avatar-Einstellungen schrauben.


    lol
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  • patjaselm
    ähm .

    Zitat:
    Die Festplatten wird 50


    :lol: :lol: :lol:
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  • realsmasher
    vielleicht sollten wir demnächst alles falsch schreiben. so wird es wenigstens nicht von intellitext erfasst :D
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  • a_thunder
    adblock macht das auch bei richtiger Rechtschreibung ;)
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