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PC-Einzelhandel: “Viel hilft viel”

Wir stellen vor: Der Tom's Hardware PC
Von , Achim Roos

Fast die gesamte PC-Branche krankt unserer Meinung nach am Irrglauben, dass Zahlen nicht lügen können. Daraus ergibt sich oft, dass PC-Konfigurationen zusammengestrickt werden, die mit großen Zahlen glänzen, welche aber oftmals nicht auch für hohe Performance oder Sinnhaftigkeit stehen.

Ein paar Beispiele:

  • Quatsch: Einsteiger- oder Mittelklasse-Grafikkarten mit sehr viel Grafikspeicher

    Das ist ein beliebter Trick, um eine Grafikkarte besser aussehen zu lassen, als sie eigentlich ist. Beispiele sind AMD’s Radeon HD 6450         oder Nvidia GeForce GT430 bzw. GT520-Karten mit 2 GB Speicher. Nicht nur sind die Grafikchips für höchste Auflösungen oder Detailtiefen bei aktuellen Spielen kaum brauchbar. Problematisch ist oft auch die Anbindung des Speichers, denn Datenpfade mit 128 Bit oder gar nur 64 Bit resultieren in zu geringer Speicherbandbreite. Hier gilt: ein besserer Grafikchip mit weniger Speicher bringt in fast allen Fällen mehr.
  • Quatsch: Maximaltakt bei Prozessoren

    Wie oft im Leben kosten die letzten 5% an Leistung erheblich mehr als die 95% zuvor. Gerade bei Prozessoren ist das zutreffend. Dabei wollen wir noch nicht einmal auf die Extreme Edition-Prozessoren von Intel eingehen, für die etwa 1000 Euro fällig werden.

    Schon bei Sockel LGA 1155 reicht die Preisspanne bis über 300 Euro, doch wer statt des Core i7-2700K mit 3,5 GHz zu einem Core i5-2500 greift, bezahlt lediglich 180 Euro und erhält dafür 6 statt 8 MB L3-Cache sowie 200 MHz weniger Maximaltakt. Ist das schlimm? Nein, den Unterschied merken Enthusiasten und alle anderen Anwender nur im konkreten, direkten Vergleich.
  • Quatsch: Mit Gewalt eine SSD

    Grundsätzlich sind Solid State Drives heute deutlich schneller als Festplatten und somit für die Windows-Installation besser geeignet. Das System und Anwendungen starten viel schneller, da mit SSDs viel mehr Lese- oder Schreiboperationen pro Sekunde (I/Os) ausgeführt werden können. Das Problem: Speicherplatz ist wertvoll und teuer, so dass 128 GB schnell 150 Euro und mehr kosten.

    Laufwerke mit 60 GB sind nur bedingt empfehlenswert, da nach der Installation zahlreicher großer Anwendungen und Spiele schnell nur noch wenig Speicherplatz bleibt. Zudem sind diese Laufwerke oft hinsichtlich der Leistungsfähigkeit beschnitten, da nicht alle möglichen Kanäle des Flash-Controllers mit Speicher bestückt sind, um so die geringe Kapazität günstigst möglich zu erreichen.

    Unser Tipp: 128 GB sollten es mindestens sein, auch wenn dies etwas mehr kostet. Außerdem gehören selten verwendete Daten nach wie vor auf Festplatten, so dass die Kombination aus SSD und HDD derzeit klar die beste Wahl ist.
  • Quatsch: Mit Gewalt höchste Netzteileffizienz

    Um nicht falsch verstanden zu werden: Netzteile mit höchster Effizienz nach 80 PLUS Gold oder gar Platin-Standard sind eine feine Sache, verhindern sie doch unnötigen Stromverbrauch.

    Wenn der Anschaffungspreis für ein Netzteil allerdings in dreistellige Bereiche wächst, bewegen wir uns schnell in einem Bereich, der vor allem für Enthusiasten relevant ist. Ob zuhause nun ein 500-W-Netzteil nach 80 PLUS Gold, Silber oder Bronze arbeitet, macht einen verschmerzbaren Unterschied.

    Gerade aktuelle Systeme mit Core i5 auf Basis von Intels Sandy Bridge Architektur brauchen nur noch 50-60 W bei Untätigkeit (Idle), und dieser Wert ändert sich zwischen 80 PLUS Bronze und Gold lediglich um wenige Watt.

    Dieser Punkt kann freilich heiß diskutiert werden, aber wir würden die Entscheidung mitunter auf den Anschaffungspreis eines Netzteils ausrichten, und hier sind mehr als 50-70 Euro für Normalanwender zu viel.
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