Russischer Tracker TorrentReactor kauft sich ein Dorf
Amtlich oder nicht? Der russische Torrent-Tracker "TorrentReactor" soll für die Umbenennung eines kleinen russischen Dorfes eine Stange Geld hingelegt haben. Wahr oder nicht? Während die Internet-Gemeinde noch rätselt, betrachten wir die Hintergründe.

Es sieht auf den ersten Blick aus wie ein genialer Werbestreich. Das Dorf Gar, in der Region Tomsk gelegen, erhielt laut verschiedenen Meldungen und Blogeinträgen 150.000$ dafür, dass es dauerhaft in "Torrentreactor" umbenannt wird. Welche Motive nun die Eigentümer der Website zu einem solchen Schritt veranlasst haben, ist schwer zu erraten. Die Seitenbetreiber argumentieren jedenfalls, dass sie nur einen schönen Namen verewigen und im Gegenzug dafür den Einwohnern mit dem Geld den Bau einer Schule ermöglichen wollen. Der Rest soll dann als als persönliche Zuwendungen ausgezahlt werden. Das durchschnittliche Einkommen je Einwohner liegt derzeit bei umgerechnet 42$ pro Jahr. Allerdings leben in Gar aktuell nur 250 Personen, man hoffe jedoch durch die Popularität des Namens auf vermehrten Zuzug. Es ist sicher auch ein Gerücht, dass die Einwohner dann in Seeder umbenannt werden sollen. Das Internet spielt in der russischen Provinz jedoch keine Rolle - denn Festnetzanschlüsse sind rar und das Funknetz nicht ausgebaut. Das Dorf wurde angeblich nach dem Zufallsprinzip ausgewählt, wobei es nur eine wichtige Bedingung zu erfüllen galt: Es muss in der Nähe eines Atomreaktors liegen, so dass der Name auch inhaltlich einen Bezug erhält.

Wahrheit oder nicht? Die russische Verfassung sieht derartige Umbenennungen nicht vor, jedoch besitzen lokale Funktionäre und Verwaltungen genügend Freiheiten, um das Ganze zumindest im Ansatz glaubhaft erscheinen zu lassen. Clever ist die Wahl des Dorfes Gar allemal, da derzeit die Suchanfragen zu Waldbränden auch diese Region verstärkt betreffen. Und da ist dann eine zufällige Häufung der Ergebnisse zu Torrentreactor als Folge auf diese Meldung sicher kein ungewollter Nebeneffekt, sondern eher gut kalkulierte Absicht. Wir neigen deshalb dazu, das Ganze als verspäteten oder verfrühten Aprilscherz abzutun, denn vor Ort nachkontrollieren konnte oder wollte es noch niemand. Schließlich gibt es für Gar noch nicht einmal einen Telefonbucheintrag. Trotzdem, möglich ist in Russland so einiges. Warum also nicht einmal ein eigenes Dorf?
Verschiedene Quellen bestätigen die Meldung, andere versuchen sie zu widerlegen. So widersprechen sich in verschienenen Meldungen die Einwohnerzahlen zwischen 214 und 380, die Leiterin des übergeordneten Kreises (Asinsker Rayon) weiß offiziell von nichts. Aber angeblich besitzen die Betreiber der Internetseite beglaubigte Dokumente. Man wird also abwarten müssen. Eines hat Torrentreactor jedoch schon jetzt erreicht: einen Werberummel ohnegleichen.
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Und schon haben wir die ultimative Story für Stalker 4, per Gedankenübertragung Internetkriminalität betreibende Mutanten bekämpfen in atomar verseuchter russischer Provinz.
Was heisst hier Story ???
Bei einem authentisch nachgestellter Schauplatz mit Statisten á la "Reallife Roleplaying" bleibt nur ein Frage offen: Bist Du der Stalker oder der Mutant ??? *ggg*
Ähhhh, wirklich nur 42$ im JAHR?
Das erscheintlich dann doch ein wenig wenig...
Laut der "Neue Züricher Zeitung" lag das Durchschnittseinkommen in Rußland (ohne Moskau) 2005 bei 385$ im MONAT (Moskau: 600)
ich glaub da habt ihr euch in der Zeiteinheit vertan :-)
Quelle:
http://www.nzz.ch/2006/02/11/fw/articleDKAGH.html
Nein, die Zahl stimmt schon.
Rechne bitte die Industriearbeiter und Städter raus. Die einfachen Leute auf dem Land exsitieren von dem, was auf dem eigenen Feld und im Garten wächst und im Stall Gülle produziert. Die leben teilweise noch im Mittelalter mit Ziehbrunnen & Co. Laut eigener Regierung leben derzeit 41% der Landbevölkerung unter dem Existenzminimum. Und dieses ist in Russland für die Landbevölkerung sehr niedrig angesetzt. So ein Dorf in der Pampas ist wirklich schlimmer als Einzelhaft.
In der Ukraine sieht es nicht besser aus. Meine Schwiegermutter lebt als Lehrerin nach 35 Berufsjahren von umgerechnet 40€ pro Monat, ihre Nachbarin als ehemalige Bäuerin von noch weniger. Wer nur ungelernt oder als Erntehelfer gearbeitet hat bzw. Hausfrau war, bekommt faktisch nichts. In dem Dorf gibt es Leute, die kommen mit 5 Euro pro Monat aus. Möglich nur, weil sie im Prinzip alles selbst anbauen, einlagern und essen.
Ja, das ist leider noch immer die traurige Wahrheit...
Hmm, also immer noch Subsistenzwirtschaft. Und das außerhalb Afrikas...
Hätt ich nicht gedacht, aber wenn sie so "glücklich" werden solls mir recht sein
Sie haben einfach keine andere Wahl. Die Jungen ziehen fast alle in die Stadt, die Alten bleiben. Und dann? Geisterdörfer gibts mittlerweile genug.
Schlimmer als Einzelhaft? Ich denke nicht das es vergleichbar ist - viele mögen ja ein einfaches Leben. Solche Orte können sich schließlich größtenteils selbst ernähren während die großen Städte von solchen abhängig sind. Geld ist schließlich nicht alles ...
Letztlich ist es aber egal wie die Stadt heißt, wenn durch das Geld eine Schule gebaut werden kann ist das doch eine gute Sache. Torrentreaktor würde mir jedenfalls besser gefallen als Schweinfurt & Co.
Ich wäre froh über ein einfaches Leben auf einem Hof ...
Als Städter muss man dafür allerdings gut was hinlegen und "Chancen" mir dies zu erarbeiten habe ich persönlich keine.
Zwischen selbstauferlegtem einfachen Leben und bitterer und ständiger Armut liegen Welten. Wenn Du wüstest, WIE hart das Leben dort ist, Du würdest Dich umgucken... Schon mal im Winter bei minus 30 Grad und darunter vom Frost süß gewordene und von Ratten angefressene Kartoffen gegessen? Oder tagelang Kascha gelöffelt (eine Art Grießbrei, oft nur mit Wasser und etwas Salz gekocht)? Das ist kein einfaches Leben, das ist eigentlich gar kein Leben. Wer es nicht selbst erlebt hat, kann darüber wirklich nicht urteilen.
@ FormatC: Schon klar, war auch eher ironisch gemeint. Ich selbst studiere "Geographische Entwicklungsforschung" und weiß daher wo die Problematik darin liegt :-)
Schön isses nicht, aber ich hätte eben nicht gedacht, dass es dort SO peripher ist...
Der Fokus meines Studienganges liegt eben stark auf Afrika. Von daher verzeih mir meine Unwissenheit.
Ach, das ist nicht so wild
Schade ist eben, dass es sich keiner als Außenstehender wirklich vorstellen, wie krass dort die Unterschiede zwischen den Regionen und Stadt und Land sind. Das ist einfach unvorstellbar, wenn man nicht selbst mal Staub gefressen hat.
Hy,
nun Afrika ist eben nicht alles, wenn es um Armut geht, wird aber leider nur allzu oft so dargestellt.
Teilweise geht es den Ärmsten Afrkanern schon besser als einigen in Europa lebenden Menschen. Hier finden sich Hilfsorganistationen die ausschließlich Afrika "betreuen".
Wenn ich die Bilder derzeit im Fernsehen verfolge, von der bitteren Armut in Pakistan, dann vermag ich gar nicht zu sagen, weshalb ein solch armes Volk über Atomwaffen verfügt, von der Gefahr die von einem solchen Land ausgeht ganz zu schweigen.
Du weißt alles besser, ist mir schon mehrmals aufgefallen und mir egal - schau aber einfach mal vor deiner Haustür da findest du genug Menschen die leiden oder sogar Hungern.

Für mich seit ihr jedenfalls die Außenseiter, unfähig zu sehen, unfähig zu verstehen. Aber ist wohl sowieso das einfachste ...