Wo steht VIA? Ein Interview mit Christian Caldarone

Vor einigen Wochen erwähnten wir im Rahmen einer Tom's Timeline, dass man von VIA heute nicht mehr viel höre. Prompt folgte eine Reaktion der Firma, und man bot uns ein Interview an, um diesen Eindruck zu widerlegen. Wir fragten also nach.

Tom’s Hardware: Guten Tag Herr Caldarone. Würden Sie sich unseren Lesern kurz vorstellen?

Christian CaldaroneChristian CaldaroneChristian Caldarone: Gern. Ich heiße Christian Caldarone, Jahrgang 1972, und bin aktuell in Deutschland als Unternehmenssprecher für VIA Embedded tätig. Zudem bin ich auch für das Channel Business verantwortlich.

TH: Unsere jüngeren Leser kennen VIA vielleicht nur als Hersteller von Audio-Chips oder Firewire-Controllern. Könnten Sie die Firma also vielleicht kurz vorstellen?

CC: VIA wurde 1987 in Kalifornien gegründet. 1992 verlegte die Firma ihr Hauptquartier nach Taipeh, Taiwan. Gegen Ende der 1990er Jahre kam es zur Akquise des Prozessorherstellers Cyrix/Centaur, und auf der Basis des eingekauften Knowhows entwickelte man im Laufe der folgenden Jahre die C3-CPUs. 2002 wurde die VIA Embedded Platform Division gegründet. Seitdem konzentrieren wir uns  zunehmend auf den Embedded-Markt [VIA EPIA Embedded Plattform, Anm. d. Red.]. Als Zukunftsanforderungen hat man bei VIA vor allem eine geringe Leistungsaufnahme, hohe Performance pro Watt, lüfterloses und leises Design und die Miniaturisierung ausgemacht. Im von VIA entwickelten Mini-, Nano- und Pico-ITX-Design findet sich aus Herstellersicht die Synthese dieser Faktoren.

Aktuell beschäftigt VIA weltweit etwa 2000 Mitarbeiter. Der Großteil von ihnen arbeitet in der Embedded Division sowie im Bereich Chipsets/CPUs.

TH: Eine Zeitlang galten VIA-Chipsätze als echte Alternative zu Angeboten von AMD, Intel und Nvidia. Heute ist man in diesem Segment abseits der eigenen Plattformen nicht mehr vertreten, und auch da passiert verglichen mit den Produktzyklen bei den genannten Mitbewerbern eher wenig. Tritt VIA auf der Stelle?

CC: Nein, auch VIA präsentiert immer wieder Innovationen, beispielsweise den kürzlich vorgestellten QuadCore Processor. Er läuft mit 1,2 GHz, unterstützt 64-Bit-Befehlssätze, verwendet adaptives Overclocking und erreicht dank seines Low-Power-Designs eine TDP von nur 27,5 Watt. Dabei handelt es sich zudem um eine Out-of-Order-Architektur. Im Gegensatz zu den Produkten einiger Mitbewerber stecken in ihm vier echte Kerne, und Systeme mit QuadCore Processor + VX11 können bis zu 16 GB RAM verwalten. Der VX11-Chipsatz enthält darüber hinaus eine DirectX-11-kompatible GPU namens VIA Chrome 645.

TH: Wird aktuell an neuen x86-CPUs gearbeitet? Der Nano/Nano X2 ist inzwischen immerhin 5 Jahre alt und wird in 40 nm gefertigt, und auch der QuadCore Processor ist eigentlich nur eine Abwandlung dieses Designs – zwei Nano X2 auf einem Die.

VIAs Nano-DesignVIAs Nano-DesignCC: Natürlich wird es neue, weiter entwickelte und verbesserte Prozessoren geben, das ist logisch, aber aktuell gibt es noch nichts anzukündigen.  Unsere aktuellen Produkte können in ihrem Segment der Konkurrenz auch gut die Stirn bieten. [Anm. d. Red.: Im Artikel Scharmützelchen auf dem Desktop: Nettop-Plattformen im Vergleich schlug sich VIAs Nano X2 in der Tat sehr gut und konnte in mehreren Fällen Intels damals aktuellen Atom D2700 klar abhängen.]

xUnsere Kunden schätzen an unserem Portfolio aber nicht zuletzt auch den langen Produktlebenszyklus von fünf bis sieben Jahren. Um die Pin-Kompatibilität zu wahren und damit die Plattformen entsprechend lange unterstützen zu können, ist es deshalb nicht einfach möglich, beispielsweise einen Die-Shrink durchzuführen. Das hört sich so simpel an: „Die Strukturgröße wird verfeinert.“ Fakt ist aber, dass ein Die-Shrink sehr viel Nacharbeit an den Plattformen erfordern würde.