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Kinderporno-Sperren: Vorwand für Internetzensur?

Kinderporno-Sperren: Vorwand für Internetzensur?
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Die Bekämpfung von Kinderpornographie ist derzeit ein wichtiges Ziel der Politik. Die Wichtigkeit ist unumstritten, die angestrebten Maßnahmen dagegen populistisch. Sachlichkeit und Fakten bleiben auf der Strecke. Wir geben einen Überblick.

Der Aufschrei war groß als der Internet-Anbieter Arcor im September 2007 den Zugriff auf diverse Porno-Webseiten im Ausland zuerst auf eine Aufforderung hin freiwillig, später dann auf Grund einer einstweiligen Verfügung gesperrt hat. Auslöser der der damaligen Zensurmaßnahmen war das Unternehmen Kirchberg Logistik GmbH, das diverse Sex-Webseiten in Deutschland betreibt und verschiedene Internet-Provider dazu aufforderte, den Zugang zu ausländischen Seiten mit Erotik-Inhalten zu sperren. Die Kirchberg Logistik GmbH prangerte an, dass ausländische Sex-Webseiten sich nicht an die in Deutschland geltenden gesetzlichen Bestimmungen zum Jugendschutz halten, die den Zugriff auf derartige Angebote regeln.

Schlagwort: Jugendschutz

Vordergründig waren der Kirchberg Logistik GmbH somit die nicht vorhandenen Jugendschutzmaßnahmen der ausländischen Sex-Webseiten ein Dorn im Auge. Bei genauerer Betrachtung stellte sich jedoch heraus, dass der in Deutschland ansässige Anbieter von Internet-Seiten mit erotischem Inhalt seine wirtschaftlichen Interessen durchsetzen wollte und sich in seiner Existenz bedroht sah. Denn viele potenziellen Kunden gingen zur ausländischen Konkurrenz, deren Inhalte man ohne eine vorherige Registrierung und der damit einhergehenden und in Deutschland gesetzlich vorgeschriebenen Altersprüfung abrufen kann.

Kollateralschäden

Die Aufregung in der Internet-Gemeinde war groß ob der durchgeführten Zensurmaßnahmen des Providers Arcor. Denn der Internet-Provider sperrte die von der Kirchberg Logistik GmbH angeprangerten Seiten zuerst auf IP-Ebene. Hierdurch gab es nicht unwesentliche "Kollateralschäden", denn bei dieser Maßnahme wurden auch Internet-Angebote von Organisationen und Unternehmen gesperrt, die keine Erotik-Inhalte auf ihren Servern anboten.

IP- oder DNS-Sperre?

Im Oktober 2007 hob Arcor die Sperrung auf IP-Ebene für kurze Zeit auf, um sie kurze Zeit später durch eine Sperre auf DNS-Ebene zu ersetzen. Der Erfolg der Porno-Anbieter-Sperre im Arcor-Netz auf IP- wie auch auf DNS-Ebene war jeweils nur von kurzer Dauer.

Durch das große Medienecho wurden auch die im Ausland sitzenden Erotik-Anbieter auf das Thema aufmerksam und reagierten entsprechend. Die Anbieter änderten einfach die IP-Adressen der auf der Filterliste stehenden Server. Dadurch war der Zugang aus dem Arcor-Netz trotz bestehender Sperre möglich, denn die auf der Sperrliste eingetragene IP-Adresse stimmte durch die Adressänderung nicht mit der IP-Adresse des (eigentlich zu sperrenden) Porno-Servers überein.

Kinderleicht: Anwender umgehen Sperrlisten

Auch die Änderung des Sperrsystems auf DNS-basierte Sperrlisten, bei denen nicht die IP-Adresse eines Servers, sondern dessen Domänenname gesperrt wird, bescherte Arcor nur einen kurzfristigen Erfolg. Denn Anwender, die trotz bestehender DNS-Sperre auf die gesperrten Inhalte zugreifen wollten, mussten nichts weiter machen, als den am PC oder im Router eingetragenen DNS-Server zu ändern. Ein Vorgang, der keine tiefgreifenden Computerkenntnisse voraussetzt. Diejenigen, die bislang nicht wussten, wie die Änderung des DNS-Servers am eigenen Computer handwerklich umzusetzen ist, fanden schnell in Foren, Blogs und Videoportalen entsprechende Anleitungen dazu.

Die von Arcor durchgeführten Sperrmaßnahmen waren de facto also wirkungslos. Auch Arcor setzte sich gegen die einstweilige Verfügung, Porno-Anbieter im Ausland sperren zu müssen, zur Wehr und hatte vor dem Landgericht Frankfurt Erfolg (Az. 3-12 O 171/07). Arcor hob die Sperren am 20. Februar 2008 auf. Etwas mehr als ein Jahr später sieht die Internet-Gemeinde jedoch neuen Sperrmaßnahmen ins Auge. Lautete 2007 das Schlagwort noch "Jugendschutz" wird nun mit dem "Kampf gegen Kinderpornographie" argumentiert.

15 Kommentare anzeigen.
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  • f1delity , 14. Mai 2009 15:14
    Zensur ist nie eine Lösung egal für was, wie einfach man die paar Server abstellten kann zeigte in letzter Zeit ja die Organisation Carechild.
  • mbinder , 14. Mai 2009 15:39
    Ich vermute du meinst diese Aktion hier? http://www.carechild.de/news/politik/internetzensur_carechild_versuch_blamiert_deutsche_politiker_566_1.html
  • f1delity , 14. Mai 2009 16:58
    Yo, genau den meinte ich, wie einfach es wäre und wofür die Internetzensur in Wirklich gebraucht wird ist ja einfach zu offensichtlich.
  • chuber , 14. Mai 2009 18:04
    Hier,
    schöööön Petition unterzeichnen...

    https://epetitionen.bundestag.de/index.php?action=petition;sa=details;petition=3860
  • Erdenkind , 14. Mai 2009 19:27
    Danke THG! Sehr schön die Fakten aufgezählt. Ich hoffe das dieses Thema noch viel öfter in der Presse so offen dargestellt wird. Vielen Dank!
  • neth , 15. Mai 2009 08:07
    klar Heise berichtet rund um die uhr darüber es gibt bestimmt schon 20 artikel von heise über dieses thema.
  • Smartengine , 15. Mai 2009 08:45
    China lässt grüßen....
  • hanssprungfeld , 15. Mai 2009 10:14
    In Ya face, ihr fucking kinderporno leecher!
  • SKollmann , 15. Mai 2009 10:42
    Ich glaube, daß das größte Problem darin besteht, daß nicht die richtige Presse darüber berichtet. Für "die da oben" sind doch Forenmitglieder und Heise-Leser wahrscheinlich mindestens im Ansatz verdächtig, weil sie es wagen, kritisch zu den Vorhaben unserer Regierung zu sein.
    Und da können noch so viele Fachleute sagen, daß die Sperren nix bringen. Kommen werden sie so oder so. Da wird schon für gesorgt werden. Ist ja schließlich Wahljahr...
    Warum wird nichts gegen die Betreiber der Seiten gemacht? Sitzen die nicht auch in D? Hausdurchsuchung beim Serverbetreiber, Server beschlagnahmen, Wohnungsdurchsuchung beim Seitenbetreiber, Beweise finden, einbuchten, Kundenliste finden und abarbeiten. Kann doch so schwer nicht sein. Oder hat das zu viel mit klassischer Polizeiarbeit zu tun und ist deshalb nicht mehr "in"? Mal ganz davon abgesehen, daß sie auf diesem Wege wohl auch noch ein paar von denen abgreifen, die es über ftp oder klassisch per Post beziehen.
  • Anonymous , 15. Mai 2009 10:49
    Da Ende vom Lied wird sein, das Herr Schäuble und die Rechteverwerter-Lobby in Ruhe unliebsame Seiten sperren können, die breite Masse glaubt, etwas gegen Kinderpornographie getan zu haben und die Kinderpornoindustrie in Ruhe und im Verborgenen ihr perverses Geschäft betreiben können. Danke Frau von der Leyen !! Wer ernsthaft etwas gegen Kinderpornographie tun möchte, sollte lieber die entsprechenden Ermittlungsbehörden mit mehr Mitteln ausstatten oder z.B. Prostitiution illegalisieren, was in den von Frau von der Leyen zitierten Ländern so ist. Es gibt durchaus einen signifikanten Zusammenhang zwischen Prostitution, Frauenhandel und so auch Kinderhandel. Aber eine technisch einfach durchführbare Sperrung mit "angenehmen" Nebeneffekten ist sicherlich einfacher durchzusetzen als eine moralisch und gesellschaftlich mutige Aktion, die bestimmt auch gerade in den männlichen Politikerkreisen nicht unbedingt auf Begeisterung stoßen würde. Wer sich an den Fall Dutroux erinnern kann, erinnert sich evtl. auch, welche Kreise in diesen Fall verwickelt waren.
    Manchmal wird mir wirklich schlecht ...
  • neth , 15. Mai 2009 15:53
    SKollmann du bist echt sehr schlecht informiert mach dich mal schlau ;) 
  • evoluzzer , 15. Mai 2009 22:42
    SKollmann schrieb: "Ich glaube, daß das größte Problem darin besteht, daß nicht die richtige Presse darüber berichtet."

    Ja. Es wäre wirklich hilfreich, wenn neben der "Zeit" (leider nur Online Ausgabe) auch "Der Spiegel" das Thema in seiner Print-Ausgabe akribisch recherchieren und objektiv und ausführlich berichten würde.
  • f1delity , 18. Mai 2009 10:12
    Strafverfolgung oder Sperren, beides geht nicht, hoffe wir mal das Recht behalten wird.
  • mareike , 21. Mai 2009 12:17
    ....Ich glaube, daß das größte Problem darin besteht, daß nicht die richtige Presse darüber berichtet....
    Du erwartest doch nicht das Schäuble TV ihre eigenen überwachungswahn offenlegt. Die sache funktioniert ganz einfach. sie stellen eine behauptung auf , der bürger kann mangels freier medien nicht widersprechen, und dann nimmt man die behauptung als vorwand für irgendwas.. in dem fall beginn der offenen zensur.
    Aber damals in der DDR hat sich die stasi auch für allmächtig gehalten , genutzt hats ihnen am ende nichts ..
  • wuselsurfer , 22. Mai 2009 17:58
    1. Die meisten Politkasper haben von der IT eine ahnung wie die Kuh von der Atombombe.

    2. Die Spackos können sich doch nicht einmal gegen die Hand voll Waffenproduzenten durchsetzen und endlich private Schußwaffen verbieten, die unsere Kinder TÖTEN.