Testbericht AMD A10-4600M: Trinity gibt sein Debüt, mobil

Mit ihren überarbeiteten Piledriver-Kernen und einer GPU im VLIW4-Design stellt AMDs neue Trinity-APU einen beeindruckenden Fortschritt gegenüber Llano dar. Doch reicht das, um Intel endlich wirklich gefährlich zu werden?

Vor knapp einem Jahr brachte AMD mit dem Llano-Chip seine erste echte Desktop-APU heraus, und in unserem Testbericht AMDs A8-3850 im Test: Llano mischt die Einsteigerklasse auf fühlten wir der Verschmelzung von klassischem x86-Prozessor und Einsteigergrafikkarte auf den Zahn. Obwohl der Begriff „Desktop-APU“ gewisse Erwartungen hinsichtlich der Performance weckt, gefiel uns der neue Chip als Notebook-Version am besten. Wir sind immer noch von der performanten integrierten Grafiklösung und den guten Akkulaufzeiten beeindruckt, und wir sind uns sicher, dass Llano einer der Gründe dafür ist, dass AMD Intel im Mobilbereich derzeit wieder Marktanteile abluchst.

Laut IDC steckten im vergangenen Jahr in 16 Prozent aller verkauften Laptops AMD-Chips, was also ein Plus von etwa 2,5 Prozent seit Vorstellung dieser APU bedeutet. Intel dominiert diesen Bereich allerdings weiterhin mit etwa 84 Prozent. Wenn Llano also so ein Volltreffer war, warum schlägt sich das dann nicht auch in den Verkaufszahlen nieder?

Zwar kommt der APU-Ansatz im Mobilbereich langsam in Rollen, allerdings braucht es auch Zeit, den Status Quo zu ändern und dafür zu sorgen, dass angepasste Software entwickelt wird. Erinnern wir uns: Genau die gleiche Situation herrschte auch, als Dual- und Quad-Core-CPUs nach und nach ihre jahrelang dominierenden Single-Core-Vorfahren ablösten. Außerdem erwiesen sich Llanos x86-Kerne als Schwachpunkt, und Intel dominierte in fast allen praxisnahen Anwendungsbenchmarks. So hieß es im letzten Absatz unseres Llano-Testberichts dann auch: „Erst Trinity wird zeigen, ob AMD eine APU herstellen kann, die Intel gleichzeitig bei der Anwendungsperformance herausfordert und die stärkere Grafiklösung mitbringt. Unsere Meinung? Ein Modell, bei dem keine Kompromisse eingegangen werden, wird unter Garantie erfolgreicher sein als ein Chip wie Llano, der von allem ein Bisschen ist.“

Nun ist es soweit, und AMD hat mit Trinity seine nächste APU vorgestellt. Natürlich erwarten wir, dass AMD den Vorsprung im Bereich Grafikleistung gegenüber Intel weiter ausgebaut hat, doch am meisten interessiert uns die Performance der x86-Rechenkerne. Trinitys CPU-Architektur basiert nämlich auf der sogenannten Piledriver-Architektur, einer überarbeiteten Version von AMDs Bulldozer. Wie wir schon in unserem Artikel AMD FX-8150 im Test: Der Bulldozer rückt an feststellen mussten, zieht das in der Theorie sinnvolle Modul-Konzept gegen die Konkurrenz in Form von Intels Sandy-Bridge-CPUs, die inzwischen von Ivy Bridge abgelöst worden sind, den Kürzeren. Nicht zuletzt dank der offiziellen Roadmap wissen wir schon, welche (Weiter-)Entwicklungen bei AMDs Bulldozer in nächster Zeit anstehen, und es scheint eher unwahrscheinlich, dass man den Rückstand zur Intel-Konkurrenz wird schließen können.

Auf dem Trinity Tech Day, den AMD vergangenen Monat in Austin, Texas, veranstaltete, zeigte uns AMD allerdings noch eine andere Perspektive. Natürlich formuliert die Firma ihre offiziellen Aussagen so, dass die eigenen Stärken beeindruckender und die Schwächen weniger nachteilig erscheinen. So funktioniert das nun einmal. Dennoch müssen wir zugeben, dass AMDs Marketing-Mitarbeiter mit ihrer Kernaussage durchaus Recht haben: Benchmarks zeigen nur einen Teil des Gesamtbildes.

Nun könnte man kühl anmerken, dass man von einer Firma, deren CPUs in vielen Anwendungstests nicht mit der Konkurrenz mithalten können auch keine andere Aussage erwarten könne. Und natürlich stehen wir der Aussage, objektive Vergleiche aufgrund von Messwerten seien nicht so wichtig, sehr skeptisch gegenüber. Im Gegenteil sind wir der Meinung, dass nur objektive Vergleiche auf der Grundlage eben solcher Messwerte einen aussagekräftigen Testbericht ermöglichen. Dennoch blieben einige der angesprochenen Punkte in unseren Hinterköpfen hängen. Was ist beispielsweise mit Features, die sich nicht im klassischen Sinne per Benchmark prüfen lassen und deren Auswirkungen und tatsächlicher Mehrwert für den Nutzer deshalb in Tests wie diesem unter den Tisch fallen? Und: So klar die nackten Zahlen manchmal zu sprechen scheinen, dürfen wir bei einer abschließenden Bewertung doch nicht aus den Augen verlieren, wie der normale Anwender seinen Computer wirklich nutzt.  

Wir sind der Meinung, beides sind Punkte, die Hardwaretester ohne größeren Aufwand berücksichtigen können. Jedenfalls ergibt sich aus ihnen keine Bevorzugung eines bestimmten Herstellers. Im Fazit werden wir sehen, ob AMDs Denkanstöße uns bei der Einschätzung der neuen APU letztlich helfen oder nicht.

Aber eins nach dem anderen. Fangen wir von vorne an und kommen gleich zu dem Teil, der wohl die meisten Leser interessieren wird: den neuen Piledriver-Kernen.