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Hilfe vom Fachmann: AMDs A8-3870K optimal übertakten

Hilfe vom Fachmann: AMDs A8-3870K optimal übertakten
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Bei einem Treffen gab uns OC-Spezialist Sami Mäkinen Tipps, wie man AMDs A8-3870K am besten übertaktet. Wir besorgten uns fünf 3870K im Handel, tunten sie nach seinen Vorgaben und verglichen ihre übertaktete Gaming-Performance mit einer Radeon HD 6670.

Höchste Zeit, einmal wieder AMDs Flaggschiff ins Trockendock zu fahren und die Llano-basierten APUauf Herz und Nieren zu testen. Nachdem der A8-3780K mit offenem Multiplikator inzwischen schon für 95 Euro zu haben ist, 2000+ MT/s-Speicher auf einem Rekordniedrigpreis ist, und die Performance-Verbesserungen beim Catalyst-Treiber ebenfalls die Leistung beflügeln, müsste doch eigentlich die Zeit des A8-3870K gekommen sein. Außerdem erwarten wir immer noch die Desktop-Version der AMD Trinity APU-Serie.

Nicht zum ersten Mal übertakten wir einen Llano-Chip, diesmal aber wollten wir noch einen Schritt weitergehen und das Maximum aus dem Speichercontroller herausholen. Immerhin hat der Speichertakt immense Auswirkungen auf die Performance der APU-Grafik. Wir wollten wissen: Können wir genug Performance aus dem A8-3870K herauskitzeln, um ihn zu einem echten Herausforderer für eine Einsteiger-Grafikkarte zu machen? Ist das zu viel verlangt, oder kann sich eine APU mit einer Radeon HD 6670 DDR3 messen, die wir als Referenzkarte für Otto-Normal-Gamer ansetzen?

Dazu trafen wir uns mit Sami Mäkinen, einem weltbekannten Übertakter, der mehrere Weltrekorde hält. Wir fragten ihn, wie er das Maximum aus einem Llano herauskitzelt.

Don Woligroski: Hallo, Sami, schön dich zu treffen. Lass uns gleich loslegen: Welche Empfehlungen kannst du unseren Lesern geben, die ein Motherboard zum Übertakten eines A8-3870K suchen?


Sami Mäkinen: Hi, Don. Die wichtigsten Komponenten dafür sind die Stromversorgungs-Logik und das Speicher-Subsystem. Ich habe mit Asus´ F1A75-M Pro gute Erfahrungen gemacht, weil die Northbridge und die GPU-Stromversorgung etwas mehr Reserven haben als bei anderen Herstellern. Und ein aggressiver GPU-Takt ist natürlich die Voraussetzung für Gaming-Performance.

Don Woligroski: Ich habe gelesen, was du zum Übertakten von APUs veröffentlicht hast, und das Speicher-Übertakten bei Llano ist auch eine deiner Spezialitäten.

Sami Mäkinen: Auf dieser Plattform haben Übertakter mit Speicher schon sehr viel erreicht. Wenn ich mich nicht irre, ist der Weltrekord beim Speicherübertakten mit Llano aufgestellt worden. Auf jeden Fall ist ein hoher Speichertakt enorm wichtig für die optimale Performance, besonders wenn die GPU übertaktet werden soll.

Don Woligroski: In welcher Reihenfolge legen wir nun los? Speicher? GPU? CPU-Kerne?

Sami Mäkinen: Beim Speicher ist es ziemlich kompliziert, und es dauert seine Zeit, schnelle und gleichzeitig stabile Einstellungen zu finden. Deswegen beginne ich normalerweise damit, die Llano-GPU zu übertakten. Der GPU-Takt leitet sich vom Referenztakt ab; im BIOS-Menu finden sich die verschiedenen Teiler, anhand derer sich dir verfügbaren Taktraten ergeben. Ich beginne mit der GPUund lote dann deren Limit aus. Dabei behalte ich zunächst mit der Standardspannung und hebe sie dann in kleinen Schritten an.

Don Woligroski: Was ist die ideale Spannung zum Übertakten der GPU einer A8-3870K?

Sami Mäkinen: Wenn wir bei Luftkühlung bleiben wollen, liegt die optimale Spannung zwischen 1,2 und 1,3 V für die Northbridge, was auch die Spannung für die GPU festsetzt. Die Voreinstellung sollte bei 1,1 V liegen, also sollte man da beginnen und, um es nicht zu übertreiben, in 5 mV-Schritten nach oben gehen. Man erreicht dann einen Punkt, ab dem die Stabilität schlechter wird. Manchmal helfen wiederum höhere Spannungen, aber ab 1,4 V kann die APU beginnen, Schaden zu nehmen, besonders wenn noch der Original-Kühler verwendet wird.

Don Woligroski: Was kommt nach der GPU?

Sami Mäkinen: Die CPU ist schnell übertaktet,  und es ist wichtig, die Grenzen jedes Subsystems zu kennen; deswegen geht es jetzt hier weiter. Die CPU-Kerne einer 3870K-APU, die mit einem Standardtakt von 3 GHz laufen, erreichen nicht selten zwischen 3,5 und 4,0 GHz. Damit hat man also schon mal einen Anhaltspunkt, was gehen sollte. Wenn man den CPU-Teil aufs stabile Maximum gebracht hat, werden die Kerne auf ihre Standardwerte (oder niedriger) gesetzt, und dann wird der Speicher getunt.

Speicheroptimieren ist eine weit komplexere Angelegenheit, denn es spielen viele Faktoren mit hinen: Es kommt darauf an, welche Speichermodule verwendet werden, ob sie 2 oder 4 GB groß und Single- oder Dual-Sided sind.

Außerdem muss man dabei auf den Referenztakt aufpassen. Um über 1866 MT/s zu kommen, muss der angehoben werden. Folgendes gilt es zu beachten: Die Takte des Llano sind mit einander gekoppelt. Wenn man also den Referenztakt anhebt, übertaktet man praktisch alles andere auch ebenfalls, also leider auch PCI Express, Serial ATA und USB. Das macht es etwas kompliziert. Wir haben herausgefunden, dass man bei einer Festplatte im AHCI- oder RAID-Modus die Grenzen recht schnell findet, und die liegen in der Regel zwischen 105 und 110MHz. Im altbewährten IDE-Modus ist 133MHz normalerweise kein Problem. So wird also der Referenztakt und alles was mit dranhängt ausgelotet. Das brauchen wir, wenn der Speicher optimiert werden soll. Dabei gehen wir übrigens hier mal davon aus, dass High-End-Speicher zum Einsatz kommt, der auch über 2 GT/s schafft.  

Auch die Display-Outputs muss man im Auge behalten, bevor es an den Referenztakt geht, weil VGA auch an diesen Taktmechanismus gebunden ist. Bei einem schnelleren Referenztakt, kann auch mal das VGA-Signal verloren gehen. Daher empfiehlt sich auf jeden Fall DVI oder HDMI, was die meisten ohnehin schon benutzten.

Fassen wir also zusammen: Um alle Grenzen auszuloten, sollte man den IDE-Modus verwenden und entweder HDMI oder DVI-Ausgänge benutzen. 133MHz sollten dabei leicht drin sein und von dort aus geht es nach oben, je nachdem wie viel die jeweilige Konfiguration schafft.



Don Woligroski: Speicheroptimierung ist also etwas komplizierter. Was sind konkrete Empfehlungen, wenn wir wirklich das letzte herausholen wollen?

Sami Mäkinen: Wenn es um Performance geht, sollten wir auf jeden Fall dual-ranked (also effektiv dual-sided, beidseitig bestückte) DIMMs nehmen. Single-ranked Module sind für Memory-Controller etwas leichter, sie lassen aber auch etwas Leistung auf der Strecke, weil das Interleaving nicht so effizient ist. Ich würde zwei dual-ranked Sticks mit 2 GB nehmen, also 4 GB zusammen. Damit kommt vermutlich der Memory-Controller am besten zurecht, und 4 GB reichen heute gut aus.

Um den Speicher zu tunen, lässt man die meisten Settings im BIOS auf "auto" und passt die wichtigen Parameter abhängig von den technischen Daten des DIMM an. Zu erreichen sind Fein-Tunings mit bis zu etwa 50MHz. Generell sollten die meisten Speicher-Einstellungen auf "auto" gut laufen. Was die Spannung anbelangt, kommen die meisten DIMMs mit einer kleinen Erhöhung von 1,5 auf 1,6 oder 1,65 V ganz gut klar.

Wenn dann erst einmal klar ist, wie weit die GPU, die CPU und der Referenztakt und der Speicher getunt werden können, geht es darum, die optimale Kombination der einzelnen Werte zu finden. Wenn es um 3D-Performance gehen soll, sollten GPU und Speicher im Vordergrund stehen. Die CPU sollte dabei auf dem Standardtakt oder sogar darunter bleiben (Spannung absenken). Es geht insgesamt darum, die Datenmenge auf dem Motherboard auszubalancieren. Wenn wir bei der CPU Energie sparen können, bleibt die vielleicht für die GPU zur Verfügung.

Vielen Dank an Sami für die Tipps zum Übertakten von Llano. Mit diesen Expertentipps geht´s nun ab ins Labor.

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  • tinkiwincki , 20. August 2012 10:38
    Das sich so eine Llano-Konfig nicht lohnt hätte ich euch gleich sagen können, ein Pentium + dedizierte besser und stromsparender, ohne OC läuft es gleich ohne stundenlange Übertaktungs- Einstellungen zu testen incl den genialen Stromverbrauch dabei - Konzept Llano für den heimischen kleinen HTPC vllt. noch bedingt empfehlenswert, aber für den ambitionierten Spieler Fluch und Segen und somit durchgefallen .....

    P.S. Für Bencher natürlich 1A :D 
  • crazymath , 20. August 2012 15:11
    Hm bei geringem Budget würde ich eigentlich immer etwas gebrauchtest empfehlen (z.B. HD5850/HD6850; Bei CPU z.B. immer noch einen 9XX BE, usw.). Damit ist man meistens immer deutlich besser beraten. Da beim Übertakten die Garantie sowieso flöten geht, ist das dann auch kein Argument mehr:-)
  • first , 30. August 2012 23:57
    Ich finds ein bischen arg, dem CPU-Teil hier 1,5 V aufzudrücken. Die Temperatur wurde auch nicht bei Compined-CPU-GPU-Load angegeben. 68° sind auch nicht grad angenehm, zumal man nicht sicher sein kann, dass man damit auch den Peak-Wert – der nie überschritten wird – ermittelt hat. Die Leistungsaufnahme ist – u.a auch wegen der krassen Spannung – dann total inakzeptabel, eig schade.
    Llano in Standardeinstellung – gut, aber übertaktet – nich so der Bringer.

    Aber danke für den Test.

    btw, sieht ein Apostroph so aus: »’«.
    Wikipedia hilft: http://de.wikipedia.org/wiki/Satzzeichen
  • morepower , 3. September 2012 18:12
    Wozu soll das Ganze gut sein? Um 1-2 Frames mehr zu haben und vor seinen Kollegen angeben zu können?
    Also ich verfolge die ganz OC Geschichte schon seit 286er Tagen und noch nie hat sich das wirklich gelohnt. Denn was man in Mehrverbrauch und bessere Kühlung ausgibt, kann man gerade so gut in einen stärkeren Rechner investieren. Es mag ja sein, dass es ein Hobby ist. Aber wirklich sinnvoll ist OC mit der heutigen Hardware schlicht nicht. Wer wirklich MEHR Leistung braucht muss schlicht andere Hardware kaufen.
  • crazymath , 4. September 2012 10:56
    Also für viele, die sich einen Q6600 gekauft hatten, lohnte sich das OC auf 3GHz. Auch nach 6 Jahren noch. Ohne OC wäre das Ding nie zum Verkaufsschlager geworden. Oder beim E21xx. Der lief fast immer mit 3GHz und war dann fast so schnell wie der 6-10mal teurere E6850.

    Klar, nur eine Minderheit betreibt OC, aber es bietet eben viele Möglichkeiten. Dazu noch der Markt, der sich dadurch etabliert hat. Sonst gäbe es kein Gigabyte, EVGA, usw.

    Im Spielebereich ist es aber wirklich so, dass aktuelle CPUs eigentlich genug Leistung bieten. Das hat aber eher damit zu tun, dass die Spiele auf die neuen Konsolen warten.

    Im Anwendungsbereich (Videobearbeitung, usw.) merkt man dann schon, ob die CPU übertaktet ist oder nicht. Und eine CPU ist wirklich die letzte Komponente, die im Rechner abraucht (Bei normaler Behandlung).
  • daumenkino123 , 6. September 2012 12:14
    Der Q6600 ist ein gutes Beispiel. Noch besser: Pentium II 266/66 auf 400/100... ;) 
  • crazymath , 6. September 2012 12:24
    Genau. Den (Oder den Celeron) konnte man dann dank OC gut 2-3 Jahre länger brauchen (Vor allem für Spiele). Danach gab es je nachdem das Problem mit den AGP-Standards:-)