Wavemaster Two Pro: Das Bessere ist des Guten Feind (2.0 Audio-Test)

Man nehme das sehr erfolgreiche Wavemaster Two BT oder Two Neo, spende ihm mehr Volumen sowie Verstärkerleistung - fertig ist ein aktives Lautsprecher-Paar, das klanglich von neutral ausgewogen bis Mainstram-basslastig alles kann und sogar auf dem Desktop punkten kann.

Die Wavemaster Two BT waren bereits schon einmal ein Testgegenstand (Wavemaster Two BT: Aktives 2.0-Soundsystem mit Bluetooth), doch mit den gewachsenen Ansprüchen hat auch das neue aktive Lautsprecherpaar noch einmal optisch, akustisch und technisch zugelegt. Das aktive Boxenpaar gibt es jetzt übrigens nicht mehr in Schwarz, sondern mit einem matten Finish in Stone Gray und in Weiß. Wie gut bzw. ob diese Vergrößerung gelungen ist, wird der heutige Test klären.


Natürlich ist eine UVP von 550 Euro bereits eine dicke Kampfansage, denn billig ist dies nicht mehr. Solange aber auch die Leistung stimmt, kann man zumindest noch von preisgünstig sprechen. Denn wirklich gute Beschallung kostet leider auch überproportional viel Geld. Gegenwert oder Geldschneiderei? Genau das müssen wir jetzt herausfinden.

Lieferumfang und Zubehör

Der Lieferumfang fällt unspektakulär aus wie immer. Man erhält neben dem  zweiadrigen Netzanschlusskabel und einem reinen 3,5-mm-Klinkenkabel, einem Handbuch und dem Lautsprecherkabel noch acht runde, 4 mm hohe Silikonaufkleber für die Aufstellung, die einerseits richtig schön rutschfest sind und andererseits auch etwas elastisch, um so eine gewissen Dämpfung und akustische Entkopplung zu bieten.


Eine vollwertige Fernbedienung bekommt man auch noch geboten, was leider bei vielen anderen Anbietern in dieser Preisklasse nicht wirklich  selbstverständlich ist. Neben dem Standby-Taster finden sich der Bereichsumschalter, die Lautstärke-, Klang, und Balance-Regler, sowie eine Mute-Taste auf dem Bedienfeld. Darüber gibt es noch eine Loudness-Funktion und eine Art Neutralmodus ("Tone Defeat"), der die Höhen- und Tiefen-Regelung temporär komplett außer Kraft setzt (umgeht).

Optik, Haptik und Konnektivität

Wie schon bei den kleineren Modellen sind alle Ecken und Kanten richtig schön "rundgelutscht". Das ist letztendlich nicht nur eine optische Spielerei, sondern hat auch einen akustischen Hintergrund. Natürlich kann man nun trefflich über das Phänomen sogenannter Kanten-Dispersionen (Kantenbeugung in Kombination mit diffuser Kantenstreuung) diskutieren, aber gerade, wenn man direkt vor der Box sitzt (Nahfeld) und/oder diese so gedreht sind, dass man direkt auf der Achse hört, dann kann sich so etwas durchaus bei einem geschulten Gehör bemerkbar machen. 

Man muss dazu wissen, dass der Hochtöner im Bereich ab ca. zwei Kilohertz seine Energie nicht nur in Richtung des Hörenden, sondern eben auch entlang der der Boxenfront bis hin zu den Kanten der Box abstrahlt. Trifft er dann auf eckige Kanten, kommt es zu einer Art Streuung, die ähnlich wie ein Sprühnebel aussehen würde, als wären es keine Schall- sondern Wasserwellen. Hört man nun direkt von vorn, bekommt man einerseits den Direktschall und andererseits noch einen zeitverzögerten, diffusen Schall ab.

Um diesem Phänomen zu begegnen, hat Wavemaster zusätzlich die 2,8-cm-Seidenkalotten in eine Kunststoffmulde gesteckt (sogenannter Wave-Guide), um die Abstrahlung etwas besser zu fokussieren und um Dispersionen noch weiter vorzubeugen. Der Treiber für den Bass und Mitteltonbereich fällt mit seinen 16 cm schon recht ordentlich aus und besitzt zudem einen recht ordentlichen Hub.

Die verwindungssteife Kevlar-Membran liegt leider - genauso wie die Hochtöner auch - frei und ungeschützt. Abdeckungen sind keine vorhanden und auch nicht optional anzustecken, so dass neugierige Kinderhände an den Dust Caps (gewölbte Menbranabdeckungen in der Mitte) sicher ihre Freude haben werden. Eltern werden dieses Problemchen sicher kennen.

An der Frontseite findet man links sie Empfänger-Diode für die IR-Fernbedienung und rechts den Lautstärkeregler., der gleichzeitig noch als Taster für die Bereichsauswahl fungiert. Letzterer ist mit einem elektronisch umgesetzten Ein-/Aus-Schalter kombiniert, was die Leistungsaufnahme in diesem Zustand in kaum noch messbare Bereiche absenkt. Darüber sitzt dann eine Status-LED (RGB), die durch verschiedene Farben Auskunft über die gewählte Schaltstufe, die Bluetooth-Verbindung und den Bereitschaftszustand gibt.

Die Verarbeitungsqualität ist in jedem Bereich auf sehr hohem Niveau. Das reicht von der Verstrebung und Verleimung im Inneren bis hin zu den sauber abgerundeten Kanten und der recht haltbaren und auch einigermaßen schlag- und kratzfesten Lackierung im Außenbereich.

Das Lautsprecherkabel der passiven Box wird auf beiden Seiten angeschraubt, was gegenüber einfachen Klemmen auf jeden Fall vorzuziehen ist. Die Enden des Kabels sind alle bereits ab Werk verzinnt, was zwar optisch gut und auch praktisch, aber akustisch nicht ganz optimal ist, solange kein Silberlot verwendet wird. Kabelhülsen wären hier wohl der bessere Weg gewesen, denn man reduziert so die Übergangswiderstände vor allem für die höheren Frequenzen. Da wir aber letztlich alle keine Goldohren haben, freuen wir uns eben über die nicht ausfransenden Kabelenden.


Auf der Rückseite befindet sich die übliche Bassreflexöffnung. Somit gilt auch für die Wavemaster Two Pro, dass man auf einen Mindestabstand zur Wand achten muss, wenn man sich nicht den sauberen Bass in den Orbit schießen will. Die Röhre besitzt außen und innen jeweils eine trichterförmige, sich nach außen hin erweiternde Öffnung. Im Vergleich zu vielen Mitbewerberprodukten ist die Röhre komplett aus Kunststoff und nicht aus getränkter Pappe gefertigt.

Der USB-Ausgang zur Speisung von Audio-Zubehör ist diesmal gestrichen worden, da er wohl in den seltensten Fällen gebraucht wird. Geblieben ist jedoch die durchgeschleifte Netzbuchse, in die man sich passendes Apple-Zubehör für ein wenig Airplay stecken kann. Das mag ein nettes Gimmick am Rande sein, ist aber für den Audio-Freak wohl eher eine Spielerei und am PC geradezu überflüssig. Audioengine hat dieses Feature seinerzeit übrigens bei der Evolution von den A5 auf die 5+ glatt wieder weggelassen - es wird wohl auch niemand vermisst haben.

Die Eingänge sind vielseitig und reichen von den Digitaleingängen (optisch, USB) bis hin zu den kombinierten Analogeingängen (3,5mm-Klinke und Cinch). Neu ist auch der Subwooferausgang, der das volle und nicht über einen Tiefpass gefilterte Mono-Signal bietet. So vermeidet man redundante Filterungen an Box und Subwoofer.


Neben den Ein- und Ausgängen findet man noch einen Schraubeinsatz für die Schmelzsicherung, einen echten Netzschalter, sowie den kleinen Kippschalter für die Abschaltautomatik im signalfreien Zustand.




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4 Kommentare
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    Dein Kommentar
  • JottHaa
    Danke für die aufschlussreiche rezension.
    Macht diese doch deutlich: auf jedem scheibtisch ist ein "runder" sound jenseits der Logitech-tröten machbar zu einem vertretbaren monetären einsatz. Welcher sich dann wieder in einem breiten lächeln spiegelt bei der wiedergabe seiner favoriten-playlist.
    Bei mir nur noch flac-files. Was ich jedem musikaffinen computeruser empfehlen kann.
    Abschließend eine frage: ab welchem signalfreien zeitraum greift die standbyschaltung?
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  • FormatC
    Es sind ca. 15 Minuten.
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  • sepp.freimann
    Welcher passende Subwoofer kann empfohlen werden ?
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  • FormatC
    Kommt auf den Raum und die Kriegskasse an. Er sollte zumindest ein einstellbares Low-Pass-Filter haben und dort bis ca. 50 Hz als Crossover runtergehen können. 100 bis 150 Watt reichen mehr als aus. Damit könnte man auch locker unter 200 Euro bleiben oder mit einem Hunderter leben können. Ein Magnat BetaSub 20A würde auch gut passen, oder ein Magnat Monitor Supreme Sub 202 A. Je nach Gusto auch was ganz anderes oder eben billiger.
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