Abo-Falle: Amazon Music Unlimited trotz Kindersicherung buchbar

Sowohl die Fire-TV-Box als auch der Stick setzen auf eine Kindersicherung, die Kinder und Eltern vor ungewollten Inhalten schützen soll. Besser sollte - denn seit der Einführung von Amazon Music Unlimited gilt dies so nicht mehr.

Konnte man früher bei Fire-TV die Musikinhalte noch genauso einfach aus dem Startemnü heraus aufrufen wie Filme oder Serien, funktioniert das seit der Einführung der kostenpflichtigen Zusatzoption 'Amazon Music Unlimited' Ende letzten Jahres leider nicht mehr.

Amazon Music, das man als Bestandteil seiner Prime-Mitgliedschaft kostenlos nutzen kann, erscheint nun als eine Art App im Musik-Eintrag des Startmenüs. Diese App muss als Zwischenschritt explizit auch erst einmal als solche gestartet werden. So weit, so gut - doch es lauern auch Fallstricke in Form ungewollter Abos.

Vor allem Eltern, die ihren Kindern nach Einrichtung der Kindersicherung vertrauensvoll die Fernbedienung überlassen haben, werden nicht schlecht staunen, wenn plötzlich Abbuchungen für digitale Inhalte auf dem Kontoauzug erscheinen, die man sich so nicht erklären kann.

Wir sind bereits im Dezember 2016 auf diese Problematik gestoßen und haben Amazon auf diesen Umstand bereits auch mehrmals hingewiesen - leider vergeblich.

Natürlich bekamen wir auch Rückmeldungen von Amazon, die aber eher einen nichtssagenden Charakter hatten. Wir haben Amazon sogar das Recht eingeräumt, die Logfiles unserer beiden Geräte auslesen zu lassen und gemeinsam mit einem Techniker das unberechtigte Zubuchen des Abos nachgestellt. Mails wie diese haben dann schon fast einen unterhaltenden Charakter:

...es tut mir leid, dass Sie Schwierigkeiten mit Ihrem Amazon Fire TV und dem Abschluss der Unlimited Mitgliedschaft bzw. der Kindersicherung hatten. Ich habe den Fehler an unser technisches Team weitergeleitet und dieses untersucht das Problem genauer. Wir sind stets bemüht, Schwierigkeiten jeglicher Art so schnell wie möglich zu beheben. Fälle wie dieser treten allerdings selten auf...

Doch was steckt hinter dieser Geschichte, bei der man sich immer auch fragen kann, ob es nun einfach nur eine programmiertechnische Schlamperei oder vielleicht doch pure Absicht ist? Denn die Beträge sind geschickterweise klein genug gewählt, um nicht sofort aufzufallen.

Doch einfach der Reihe nach, denn viele Wege führen nach Rom bzw. zum ungewollten Abo, wenn der Nachwuchs mit der Fernbedienung in den klicktechnischen Blutrausch verfällt und den Finger nicht mehr vom Ok-Button wegbekommt.

Eine Kindersicherung, die nicht mehr greift

Ausgereift und durchdacht ist dies alles nicht wirklich, denn wir zeigen nun, wie einfach es für Kinder ist, durch einfaches Bestätigen mit dem Ok-Button kostenpflichtige Inhalte als Abo zu buchen, obwohl dies anhand der Einstellungen ja eigentlich unmöglich sein sollte. Doch zunächst überprüfen wir erst einmal die Optionen der Kindersicherung.

Wenn alles richtig eingestellt und aktiviert ist (und das ist es seit Anschaffung von Box und Stick), wird man zur Pin-Eingabe aufgefordert (was ja Sinn und Zweck der Sache ist).

Zunächst aktiviert man alle Optionen, die man mit "An" aktivieren kann. Das allein sollte eigentlich genügen, um alle nicht gewünschten Inhalte für Nutzer zu sperren, die nicht über die Pin verfügen.

Doch wir gehen sogar noch einen Schritt weiter und sperren sogar alle Apps. Dies funktioniert bei allen Apps perfekt, denn man kommt nicht mal mehr ins App-Menü. Ein kleines gallisches Dorf hat sich allerdings bis heute erfolgreich wiedersetzt: Die Amazon Music App!

Wechseln wir nun zurück ins Hauptmenü und wählen "Music". Dieser Bereich ist nach wie vor auswähl- und klickbar. Kann man so aus Bequemlichkeit akzeptieren - oder eben auch nicht. Nur: Warum gilt für Music nicht das Gleiche, wie für alle anderen Streaming-Dienste? Ach so, ist ja von Amazon selbst.

Ab diesem Moment ist die Kindersicherung komplett entschärft. Mal abgesehen davon, dass der Zugriff auf alle Inhalte unbegrenzt möglich ist und man nichts der Alterbeschränkung unterwerfen kann (andere Dienste können dies, sogar Entertain der Telekom), kann nun der Filius schalten und walten wie er möchte!

Abo ohne jegliche Sicherheitsabfrage

Wer eine Prime-Mitgliedschaft besitzt und Amazon Music ohne Zusatzabo nutzt, bekommt seit Dezember bei der Suche nach Titeln oder Interpreten ungefragt auch die Inhalte aus Music Unlimited angezeigt.

Klickt man diese an - kleinere Kinder können ja noch nicht lesen oder das gelesene auch verstehen -, wird sofort die Mitgliedschaftsbuchung angezeigt, auf die wir gleich noch kommen werden. Das klappt übrigens auch mit der Options-Taste auf der Fernbedienung, so dass man noch nicht einmal etwas gesucht haben muss.

Während beim Anklicken der Suchergebnisse sofort das Buchungsfenster erscheint, bietet das Options-Menü wenigstens noch einen Zwischenschritt, der sich mit einem Druck auf "Ok" aber sofort überspringen lässt.

Kommen wir nun zu dem was passiert, wenn man etwas gefunden bzw. sich ins Options-Menü begeben hat. Die Option "Jetzt Starten" ist standardmäßig vorausgewählt, man muss also nur noch den "Ok"-Button drücken.

Nun erscheint erst einmal viel Text mit vier Optionen: Drei verschiedenene Zahlweisen und einmal "Nein, Danke" in klein und unauffällig. Die Monatsoption mit dem kleinen Betrag ist automatisch vorausgewählt.

Doch was ist eigentlich mit der Kindersicherung, die genau diesen Kauf eigentlich verhindern sollte? Erinnern wir uns: Suchen, finden, dreimal mit "Ok bestätigen - und jetzt?

Drei, Zwei, Eins... Meins!

Keine Pin-Abfrage, alles einfach und bequem so voreingestellt, dass man in weniger als drei Sekunden alles durchgeklickt hat! Und das soll so etwas wie eine Kindersicherung und "Fälle wie dieser treten allerdings selten auf" sein? In der Bestellhistorie macht sich auch dieser völlig simple OK-Dreisprung wie folgt sichtbar:

Als wir zusammen mit Amazon diese Aktion reproduziert haben, wurde unser Konto natürlich gleich noch einmal belastet. Dreimal dann deswegen, weil wir beide Geräte (Box und Stick) noch einmal getestet haben und noch einmal den Techniker am Telefon mit einbezogen:

Nachdem wir Amazon sogar den Zugriff auf insere Infrastruktur und die Log-Files der Endgeräte gestattet hatten, erfolgte bis heute: Exakt nichts. So bleibt gestressten Eltern (es ist ja kein Einzelfall) nur eines: Stornieren bis der Arzt kommt. Allerdings - das verriet uns ein Amazon-Mitarbeiter - ist eine fortwährende Stornierung des Dienstes nicht wirklich gut für unsere intern einsehbare Vita...

Man erinnert sich als eigentlich treuer Kunde bei einer solchen Aussage dann vielleicht (ungern) an Kündigungen, die Amazon unlängst unliebsamen Kunden mit zu vielen Rücksendungen bzw. Stornierungen ausgesprochen hat. Kindle-Nutzer werden dies bestimmt besonders zu schätzen wissen.

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7 Kommentare
    Dein Kommentar
  • thr2d2
    ein klarer Fall für die Stiftung Warentest oder den zuständigen Behörden!
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  • FormatC
    Leider interessiert sich niemand dafür, währscheinlich sind die Beträge zu popelig, um aufzufallen.
    Der Stiftung Warentest ist so etwas komplett egal, das ist (trotz Stiftungsstatus) ein Unternehmen,
    das mit Tests Geld verdient.
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  • robberlin
    So Seriös wie amazon ist werden die das wohl hoffentlich von selbst beheben.
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  • thr2d2
    Anonymous sagte:
    So Seriös wie amazon ist werden die das wohl hoffentlich von selbst beheben.


    Hast du da die Ironietags vergessen? :)
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  • FormatC
    Sie fummeln jetzt angeblich seit 8 Wochen daran rum, aber solange die Abo-Zahlen steigen....
    Ein Schelm, der...
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  • robberlin
    Anonymous sagte:
    Anonymous sagte:
    So Seriös wie amazon ist werden die das wohl hoffentlich von selbst beheben.


    Hast du da die Ironietags vergessen? :)


    Nö, ich bin rundum zufrieden mit allem von Amazon. Super Services....super Abwicklungen. Kann nicht klagen
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  • Tesetilaro
    Naja, hinter den Kulissen bei Amazon steppt der Bär - und diese Schlamperei ist nur eine von sehr, sehr vielen...

    Es ist schade, das entgegen aller Beteuerungen nur das Geld im Vordergrund steht und Service + Kundenfreudnlichkeit an mittelmäßig bezahlten und überlasteten "call-Center-Agents" hängen bleibt... Die noch dazu nicht mal Mittel und Möglichkeiten haben, das System als ganzes auch nur im Ansatz zu verbessern.
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