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Benchmarks: PCMark 7

AMDs A8-3850 im Test: Llano mischt die Einsteigerklasse auf
Von , Chris Angelini

Wie kürzlich bekannt wurde, sind mit AMD, Nvidia und sogar VIA die neben Intel drei größten Halbleiterfirmen aus der BAPCo ausgestiegen, die für den x86-Markt relevant sind. Wir hatten zwar ohnehin nicht vor, SYSMark in unseren Testparcours aufzunehmen, fühlen uns aber nun umso mehr verpflichtet zu erklären, warum wir unsere Performance-Betrachtungen immer mit synthetischen Benchmarks wie PCMark 7, 3DMark Vantage und SiSoftware Sandra beginnen.

Synthetische Performancemessungen sind immer dann hilfreich, wenn man nur eine bestimmte Systemkomponente betrachten will, denn so kann man sie gezielt auf eine Art und Weise belasten, wie es zumeist mit realen Anwendungen nicht möglich ist. Es wäre ja auch fatal, wenn dem so wäre, denn  Anwedungen sollen ja im Regelfall eben nicht einen bestimmten Flaschenhals provozieren. Derweil kann es sich ein synthetischer Benchmark aber sehr wohl zum Ziel machen, so viele Daten wie möglich über einen bestimmten Bus zu verschieben, die Effizienz eines parallelisierten Prozessors zu messen oder zu analysieren, wie gut eine Komponente mit einem bestimmten Algorithmus zurecht kommt.

Genau für diesen Einsatzzweck ist PCMark 7 ein durchaus probates aber gleichzeitig nur bedingt nützliches synthetisches Messinstrument. Weil seine Komponenten sich zu großen Teilen auf Windows selbst stützen, ist es praktisch von hause aus ein praxisnaher Test. Außerdem lässt Futuremark die Tests per Skript auf eine Weise laufen, die für uns sowohl schwer nachzustellen als auch zeitaufwändig wäre.

Der Benchmark versucht eine Basis für Vergleiche herzustellen, indem jede Disziplin drei Mal durchgeführt wird. Im Anschluss wird eine Bewertung in Zahlenform generiert, indem der Mittelwert der Teilergebnisse mit einem Koeffizienten  mulitpliziert wird. Ein Ergebnis von um die 5000 Punkten bedeutet, dass man in etwa die Performance des Referenzsystems erreicht, das Futuremark aus einem Core i7-980X, einer GeForce GTX 580 und Crucials C300 zusammengestellt hat.

Dass keines unserer Testsysteme die 5000-Punkte-Marke erreicht zeigt gut, wo man sie leistungsmäßig einordnen kann: Bei ihnen handelt es sich durchweg um Mainstream-Konfigurationen, nicht um High-End-Systeme.

Klar zeigt sich in den PCMark-7-Ergebnissen, dass dieser Benchmark die CPU schwerer als die GPU gewichtet. AMDs Fusion-Initiative mag den Schwerpunkt auf Entertainment und Grafikanwendungen (sowie OpenCL/GPGPU) legen, doch die PCMark-Suite ist mehr auf Anwendungen ausgerichtet.

Schaut man sich Futuremarks Whitepaper genauer an, erkennt man, dass der allgemeine Benchmark-Parcours aus den Teilbereichen Storage (Festplatte usw.), Video-Wiedergabe und Transcoding, Bildbearbeitung, automatisiertem Surfen im Netz, Entschlüsselung und DirectX 9 Grafiktests besteht. Ehrlich gesagt sind wir schlicht perplex, warum man hier ausgerechnet im Grafikteil auf DX9 setzt, wo andere Komponenten des PCMark 7 bereits auf DirectX 10 setzen und Futurmarks Vorzeige-Benchmark, der 3DMark 11, sogar auf DirectX 11 ausgerichtet ist.

Und genau das meinen wir, wenn wir sagen, dass PCMark bedingt nützlich ist. Er liefert uns aussagekräftige Ergebnisse für die Tests, die er ausführt. Doch wer sich nur diese eine Benchmark-Seite anschaute, dem würden sich AMDs Beweggründe für einige Design-Entscheidungen komplett verschließen.

Die Lightweight Suite ist nochmals CPU-lastiger und bringt die Teildisziplinen Storage, Textverarbeitung, Bilbearbeitung und Websurfen in drei Tabs mit. In keiner der Aufgaben kann der A8-3850 seine Grafikstärken anbringen, und so fällt der Llano-Chip hier noch weiter zurück.

Der etwas teurere Phenom II X4 965 kann aber das AMD-Banner hochhalten, investiert aber all seine Schaltkreise in die vier CPU-Kerne (plus Cache). Damit kommt er fast an den Core i3-2105 mit zwei Kernen und Hyper-Threading heran, aber nicht ganz.

Aufgrund der Ergebnisse des PCMark-7-Durchlaufs und der Lightweight-Suite hatten wir nicht erwartet, dass Llano plötzlich in der Productivity-Suite einen großen Sprung nach vorn machen würde. Immerhin kommen hier erneut nur stark Anwendungslaste Disziplinen vor: Storage, Websurfen, Enschlüsselung und Textverarbeitung.

So kommt es denn auch, und der A8-3850 belegt den letzten Platz. Allerdings muss man sich auch einmal ehrlich die Frage stellen, wie viel Performance man wirklich zum Websurfen braucht. Oder anders: Kann man wirklich so schnell tippen, dass der Prozessor einen beim Schreiben ausbremst? AMD hofft, dass sich potentielle Kunden genau diese Fragen stellen werden bevor sie sich entscheiden, wie viel Geld sie jeweils für CPU und Grafikkarte ausgeben wollen – und am Ende überlegen, ob sie mit einem Chip, der beides in ausreichendem Maße bietet, nicht ebenso gut beraten sind.

Auch wenn der A8-3850 den Core i3-2105 auch hier nicht überholen kann, zeigt der Entertaiment-Test, dass Unterhaltungs-Aufgaben AMDs Fusion-APUs deutlich mehr liegen.

Man sollte auf keinen Fall vergessen, dass der PCMark nur einer von vielen Benchmarks in unserem Parcours ist, und als solcher nur ein Puzzleteil bei der Einschätzung der Performance dienen kann. Das Gesamtbild ergibt sich erst nach und nach durch Tests in anderen Teilbereichen. Das ist eine gute Überleitung, denn als nächstes wollen wir mit 3DMark Vantage einen ersten Blick auf die Grafikperformance werfen. Wir verraten wohl nicht zu viel wenn wir sagen, dass das Bild dort ein ganz anderes ist.

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