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Reifen Prozessoren wie Wein? Die A8-3870 APU und der Pentium G630, ein Jahr später

Reifen Prozessoren wie Wein? Die A8-3870 APU und der Pentium G630, ein Jahr später
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Vor gut einem Jahr verschmolz AMD CPU-Kerne und Grafikhardware das erste Mal zu APUs. Wie sieht die Performance einer A8-3870-APU (Llano) heute aus? Was bringen neue Treiber, neue Programmversionen und OpenCL-Beschleunigung? Das zeigt der Test.

Vor gut einem Jahr haben wir anlässlich der Markteinführung von AMDs ersten Consumer-APUs den Artikel AMDs A8-3850 im Test: Llano mischt die Einsteigerklasse auf veröffentlicht. Es war für uns das erste Prozessordesign, das ein stärkeres Augenmerk auf die Grafikhardware legte als auf die x86-Cores. Bei Intel lag die Priorität immer klar auf den CPU-Kernen und nicht auf der integrierten Grafikeinheit. Damals lautete unser Fazit denn auch: "So kommt es, dass Llano in einer von 3D-Inhalten bestimmten Welt das ausgewogenere Gesamtpaket darstellt."

Das heißt aber keineswegs, dass auf Llano basierende APUs in irgendeiner Form eine ernsthafte Konkurrenz für preiswerte PCIe-Grafikkarten darstellen. Immerhin gab uns die erste Desktop-APU einen Vorgeschmack darauf, wie es ist, wenn man ein typisches PC-Spiel mit niedrigen Qualitätseinstellungen und relativ geringer Bildschirmauflösung ohne dedizierte Grafikkarte spielt. Es war nur ein kleiner Schritt vorwärts, aber immerhin ein erster Schritt. Das Gesamtkonzept der Fusion-Initiative von AMD, das wir kürzlich im Beitrag AMD Fusion: Wie alles begann, wo die Entwicklung hingeht und was es bedeutet beleuchtet haben, war endlich Realität geworden.

AMD hätte keinen besseren Zeitpunkt für die Verlagerung des Schwerpunkts auf Grafik wählen können. Während der letzten Jahre hat die Firma aus Sunnyvale bei den allermeisten CPU-Performancevergleichen gegenüber Intel immer mehr an Boden verloren, wenn man die Modelle beider Hersteller bei gleicher Kernzahl und identischer Taktfrequenz miteinander verglich. Dieser Trend begann bereits mit der Intel Core-Architektur und verstärkte sich mit der Markteinführung von Sandy Bridge, wie von uns im Artikel Intels Core-CPUs der zweiten Generation: Das Sandy Bridge Review beschrieben. Die Markteinführung des Nachfolgers Ivy Bridge (Intel Core i7-3770K im Test: Wie Sandy Bridge, nur etwas mehr) verschärfte die Situation noch zusätzlich. Was aber bedeutet diese Entwicklung für den Endanwender?

Durchschnittsanwender vs. Enthusiast

Abhängig vom Anwendungsprofil kann ein PC mit Intel-CPU die bessere Wahl darstellen. Doch wie wir zeigen werden, kann bei anderen Anwendungen durchaus AMD vorne liegen. Ein PC der Einstiegsklasse mit Dual-Core Intel-CPU kostet etwa gleich viel wie ein vergleichbarer PC mit Quad-Core von AMD. In Anwendungen, die Multithreading kaum oder gar nicht verwenden, hat Intel die Nase vorn. Bei parallel ablaufenden Berechnungen kann AMD den Erzrivalen hingegen oft abhängen.

Diese analytische Sichtweise ist ganz typisch für Enthusiasten – kein Wunder, genau in diese Gruppe ordnen wir uns ja auch ein. Aber nicht jeder erstellt Listen darüber, welche Hardware am besten für eine bestimmte Aufgabe geeignet ist oder welche Detaileinstellungen man in Spiele damit bei flüssigen Bildraten erreichen kann. Unabhängig davon, ob man sich letztendlich für Intel oder AMD entscheidet, sind heutzutage auch Einstiegsmodelle für normale Anwendungen wie Internet-Surfen, Büroanwendungen und die Wiedergabe eines hochauflösenden Videos mehr als schnell genug. Sobald man einen modernen Pentium, Celeron oder eine A8/A6/A4-APU im Rechner stecken hat, hat man das Performanceniveau eines Alt-PCs oder eines Atom-Netbooks meilenweit hinter sich gelassen.

Heute wollen wir uns mit Mainstream-PCs beschäftigen. Wenn man zumindest gelegentlich die Marktentwicklung und unsere Berichterstattung zu neuen CPUs und Grafikkarten verfolgt, dann wird einem schnell klar, dass wir Grafikkarten ab einen Preisniveau von rund 100€ für spieltauglich halten, und dass dasselbe für CPUs um die 100€-Marke gilt. Dass ein Hardwareenthusiast sich keinesfalls mit einer GPU oder CPU im zweistelligen Euro-Bereich zufriedengeben wird, liegt auf der Hand. Aber vielen Freunden, Familienmitgliedern und Bürokollegen ist es herzlich egal, ob das Rippen eines Songs in iTunes 40 oder 55 Sekunden dauert. Alles, was sie wollen, ist einen funktionierenden Computer, mit dem sie die anfallenden Aufgaben erledigen können. Die neuesten Hardwarebenchmarks werden solchen Anwendern nur ein Gähnen entlocken. Um das Interesse eines Durchschnittsanwenders zu wecken, bedarf es schon deutlich mehr.

Die Anwendungssoftware zeigt die Unterschiede auf

Wenn man einem Normalanwender einen PC mit einer um 25% schnelleren CPU gibt, wird er den Unterschied kaum merken. Aber was passiert, wenn man eine neue Version seiner Lieblingssoftware aufspielt – eine Version, die bestimmte Hardwarefeatures nutzen kann und somit einen typischen Arbeitsvorgang drastisch verbessert bzw. beschleunigt? Nehmen wir als Beispiel die Intel Quick-Sync-Technologie, die Videos in kürzester Zeit für die Wiedergabe auf mobilen Media-Playern konvertiert. Hardwareunterstützung für Verschlüsselungsoperationen, 64-Bit-Instruktionen und Advanced Vector Extensions (AVX) – alle diese Features wurden zunächst zögerlich von Softwareentwicklern aufgegriffen,  doch ihre Implementierung zahlt sich in modernen Anwendungen auf eindrucksvolle Weise in Form von höherer Geschwindigkeit aus.

Als wir uns erstmals mit der Llano-Architektur von AMD beschäftigten, stellten wir fest, dass diese Architektur in eleganter Weise die Rechenleistung eines Athlon-II-Prozessors mit einer Einstiegsgrafikkarte der HD-6000-Serie kombiniert. Was wir damals allerdings noch nicht testen konnten, waren Anwendungen, die die Fusion-Architektur unterstützen und somit sowohl x86- als auch Grafikressourcen verwenden können. Nach knapp über einem Jahr ist derartige Software aber von bekannten (und von weniger bekannten) Softwareherstellern verfügbar.

Wir haben zwei typische PCs im Test gegeneinander antreten lassen - einer mit einem auf Llano basierenden Prozessor von AMD und der andere mit einer Sandy-Bridge Intel-CPU. Haben sich in diesem Jahr irgendwelche Performanceänderungen mit den in unserer Benchmark-Suite enthaltenden Anwendungen ergeben? Wir sehen uns an, ob und wie sich diese Anwendungen im Hinblick auf Threadoptimierung, OpenCL-Unterstützung und indirekt durch verbesserte Systemtreiber weiterentwickelt haben.

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  • musthavebrain@guest , 5. September 2012 07:57
    Wie lange gibt es schon Dual-Core-CPUs? Und immer noch sind teilweise Single-Thread Anwendungen im Umlauf? Wie lange wird es dann dauern bis tatsächlich eine APU dann Sinn macht? Fragen über fragen...
  • crazymath , 5. September 2012 09:42
    Das hatte im Desktopmarkt glaube ich vor 8 Jahren mit PentiumD und Athlon X2 begonnen.

    Für Office reichen die Dinger eigentlich auch heute noch problemlos:-)

    Schön ist, dass inzwischen doch viele Anwendungen mit 4 Kernen besser als mit 2 Kernen laufen...da musste man zu Zeiten von Q6600 und Q9550 richtig gut suchen, um Programme zu finden, die alle 4 Kerne verwenden.

    Betreffend 65W TDP vs 100W TDP: Also so ineffizient finde ich die APU nicht, da dort ja auch noch die GPU dazu kommt und so gesehen braucht der 3870er seine 100W-Grenze auch nicht immer. Auch wenn der Pentium die 65W wohl nie brauchen wird und wohl real bei der Hälfte rumdümpeln dürfte.
  • borizb , 5. September 2012 15:11
    Den G630 durch einen Benchmarkparkour mit 3dsmax und Photoshop zu jagen, ist wie einen VW Lupo auf den Nürbürgring zu schicken. Es führt beides zu nix, weil das nicht die Einsatzgebiete sind, für die sie konstruiert worden sind. Das sind Office CPUs für Stromsparrechner und sollten auch als solche behandelt werden.
  • Anonymous , 5. September 2012 17:26
    Zitat :
    Wie lange gibt es schon Dual-Core-CPUs?

    Warum dies auf Dual-Core beschraenken? Auf x86-Basis kann man mit Intel-CPUs spaetestens seit der Einfuehrung des ersten Pentiums, also seit Anfang der 90er Jahre, Dual-CPU-Systeme bauen. Das ist beinahe 20 Jahre her! I.a. waren diese auch nur geringfuegig teurer als die Single-Sockel-Variante (z.B. GA-586ID). Das aenderte sich erst, als Intel ploetzlich die Multi-CPU-Faehigkeit auf Server-CPUs beschraenkte. Von AMD gab es aequivalentes dann in diesem Jahrtausend mit dem Athlon MP. Und ein paar Jahre spaeter kam dann endlich auch Multicore auf den Endkundenmarkt.
  • Fehlerfuchs@guest , 5. September 2012 17:46
    "Die Performance nimmt stetig zu, während der Strombedarf eher im Sinken begriffen ist. Deshalb tendieren Hardwareenthusiasten dazu, Core i5- und i7-Prozessoren zu verwenden.

    Aber nicht jeder Anwender ist ein Hardwareenthusiast, und die Argumente für Intel-CPUs verlieren desto mehr an Glanz, je weiter unten man im Prozessorportfolio (und Preis) angelangt."


    Ziemlich schwer verständlich - ist das Absicht?

  • Gaensebluemchen , 5. September 2012 18:33
    Hallo :) 
    Mal ernsthaft hinterfragt (in der Hoffnung, dass der Autor hier auch mal antwortet, sonst ist das ja eh fürn A....): die Aussage, 'der Preis eines Komplettsystems ist bei diesen Prozessoren sehr ähnlich' ist nachrechenbar falsch. Der AMD kostet mindestens 94 Euro, das Board 80.- oder mehr, auf die paar Kröten beim RAM-Vergleich 1866er vs. 1333er sei mal gepfiffen. Der G630 liegt hingegen bei etwa 55 Euro, das nicht mehr verfügbare H67-Board wird gegen ein H77er für maximal 80.- getauscht und schon ist das Intelsystem 40.- günstiger. Und wenn genau diese 40.- (und noch 3.- dazu) in den Kauf einer 6570 investiert werden, kommt das Intelsystem auch bei auch OpenCL in Fahrt, oder?
  • ich55555@guest , 5. September 2012 20:45
    Fehlerfuchs@Guest
    Wie geht dir?
    Die ersten DC kamen Mitte 2000er also 2005 und nicht Anfang 90er.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Mehrkernprozessor
  • crazymath , 6. September 2012 10:00
    Er meinte wohl, dass Systeme mit 2 Prozessoren (Und 2 Sockeln) im Desktop Segment schon damals recht günstig war. z.B. war das GigaByte GA-586DX (Das bei mir noch im Einsatz ist:-) ) kaum teurer als das Ein-Sockel-Dings. Oder das Berühmte Asus P2P-DS oder das Ding Abit mit 2x Celeron 300MHz, usw...hach das war noch viel lustiger früher.

    2 Kerne auf einem "Die" gab es im Consumerbereich in der Tat erst 2004/2005.

    Edit: Ich dachte, du meinst toudoku's Beitrag.
  • Voyager , 6. September 2012 14:07
    @Gaensebluemchen

    Seh ich genauso , eine AMD APU kann sich im besten Fall mit einer Entry CPU des Gegners messen und die ist dann sogar günstiger zu haben... Mit dem Grafikpart kann man auch 2012 bei normalen Aufgaben noch nicht wirklich rechnen so wie es sich AMD eigentlich wünscht! THG sagt es ja selber das es nur ein paar vereinzelte Video und Foto Programme sind wo die Grafik mitrechnet und das nützt nur wenigen etwas , der Rest der Ottonormal Verbraucher merkt dann trotzdem nur das die Intels beim täglichen Arbeiten schneller sind.
  • bigmolly , 10. September 2012 09:52
    hi ich55555@Guest ,
    mit der hardware haste es wohl nicht so toll. ein AMD system mit AMD A6 Series A6-3670K und Asus F1A75-M LE AMD A75 So.FM1 mainboard nicht mehr als 125 € , so ist es möglich einen MultimediaPC
    auf zu bauen der mit allem ( 8GB Ram, 500gb HDD, Brenner, Desktop und einem Guten Midi Tower)
    so um die 300 € kostet. damit kaste kein gleichwertiges Intel System aufbauen.
  • Oberst , 9. August 2013 21:20
    Zitat :
    Der AMD kostet mindestens 94 Euro, das Board 80.- oder mehr


    Und wie genau kommt man auf diese Preise?
    Bei den üblichen Preisvergleichen ist die hier genannte APU als Auslaufmodell für ab 70€ zu haben, passende Boards gibt's ab 38€. Und inzwischen bekommt man natürlich auch aktuelle Modelle (Richland) erheblich günstiger als Llano Auslaufmodelle.

    @Voyager:
    Es gibt mehr als nur Video und Foto Programme, die OCL nutzen. WinZip nutzt z.B. auch OpenCL, selbst von Java gibt es OpenCL beschleunigte Versionen und LibreOffice ist aktuell auch dabei, OCL Beschleunigung einzubauen (kommt wohl Anfang 2014). Intel sieht das ja inzwischen ähnlich und bohrt ihre IGPs entsprechend auf.

    Die Erfahrung, dass die Intel CPUs deutlich schneller sind, habe ich auch bisher nicht gemacht. Mein Arbeitsrechner ist ein i5 2400, und der ist bei üblichen Programmen nicht schneller als mein Server mit AMD X4 810. Es kommt eben nicht nur auf die CPU alleine an, das gesamte System muss harmonieren, sonst hilft einem auch kein Intel Prozessor...
  • Iraklis , 12. August 2013 14:31
    ha ha ha oh man ist euch langweilig mit solchen alten billigheimer chips zu beschäftigen