AMD Polaris: Kleiner, schneller, sparsamer und mehr Features?

Sechs Monate vor der erwarteten Verfügbarkeit geht AMD einen sehr ungewöhnlichen Schritt und stellt schon jetzt mit Polaris die Grafik-Architektur vor, die mittels FinFET neue Maßstäbe bei der Effizienz setzen soll. Was aber können wir wirklich erwar...

Doch werfen wir zunächst einen Blick zurück. Es war kurz vor Weihnachten im Jahre 2011, als AMD mit dem Launch der Radeon HD 7970 und des verbauten Tahiti-Chips versuchte, ein Gegenstück zur GeForce GTX 580 mit der zweiten Generation des Fermi-Chips auf dem Markt zu bringen.

Das war vor immerhin vier Jahren ein sehr bedeutender Schritt für AMD in Bezug auf die aufzuholende Performance und Effizienz. Doch zwischenzeitlich gerät AMD - vor allem bei der Performance-Ausbeute pro Watt - langsam, aber kontinuierlich ins Hintertreffen. Am Schluss standen oft nur noch Re-Brands statt neuer Architekturen bei den Launches im Vordergrund - zu wenig, um mit dem Mitbewerber ernsthaft konkurrieren zu können.

Die Radeon R9 Fury X, Radeon R9 Fury und Radeon R9 Nano als einzige echte Neuerungen konnten letzendlich auch nicht darüber hinwegtäuschen, dass AMD mit der aktuellen Strukturbreite und dem genutzen Fertigungsprozess an einer echten Grenze angekommen war. Was blieb, war ein Wettbewerb über den Preis, der schmerzlich und zudem wenig förderlich war und ist.

Nun also soll es Polaris als Vorreiter der neuen Technologien richten. Mal abgesehen davon, dass im Fokus vieler Anwender die Effizienz und die damit verbundenen Dinge wie Abwärme, Kühlung und und letztendlich auch die Geräuschentwicklung stehen - es gibt auch neue und interessante Anwendungsgebiete, die sich mit einer effizienteren Architektur wie Polaris noch einfacher erschließen lassen könnten.

Dazu gehört auch die gerade erst beginnene Welle der VR-Technologie. Oculus wird Rift wohl in den nächsten drei Monaten ausliefern und die Leistungshürden für die Grafik-Hardware sind denkbar hoch. Nur wenige der aktuellen Grafikkarten von AMD und Nvidia sind derzeit überhaupt in der Lage, die volle VR-Erfahrung befriedigend sicherzustellen. Den Einstieg dürften erst Karten wie eine AMD Radeon R9 390 oder eine Nvidia GeForce GTX 970 markieren - und die Grenzen nach oben hin sind offen.

Doch die Verkleinerung der Strukturbreite und ein verbesserter Fertigungsprozess sind noch lange keine Garanten für eine zukunftssichere und kundenorientierte Archtitektur. Neben dem Effizienzgedanken spielen natürlich auch neue Features und die Implementierung aktueller Standards eine sehr wichtige Rolle.

So wird die vierte Generation der GCN-Architektur endlich auch HDMI 2.0a sowie DisplayPort 1.3 unterstützen, was Grundlage für die hochqualitative Wiedergabe samtlicher Inhalte - von Spielen über Fotos bis hin zu Filmen - ist. Doch nicht nur die Anwender- sondern auch die Entwicklerseite soll noch besser von AMD unterstützt werden, was ja am Ende auch die Basis für eine größere Verbreitung darstellt.

Dafür steht die neue, strategische Ausrichtung des Unternehmens, allen Interessenten einen breiteren Zugang zu bieten, was die Bereitstellung nützlicher Source-Tools, einfach einzubindender Bibliotheken und das GPUOpen-Portal betrifft. Geld verdient man natürlich auch (vor allem im professionellen Sektor) und so verwundert es kaum, dass AMD mit der Boltzmann-Initiative auch im HPC-Bereich wieder verstärkt Fuß fassen möchte.

Einblicke in die neue Architektur

Durch AMDs unerwartete Offenheit erhalten wir bereits heute einen ersten, tieferen Blick in die neue Architektur. Was sich AMD hier vorgenommen hat, kann man durchaus bereits als eine kleine, nicht nur AMD-bezogene Revolution betrachten: Die laut SVP und Chief Architect Raja Koduri größte Performance-pro-Watt-Sprung in der Geschichte des Unternehmens (einschließlich ATI) überhaupt!

Auch wenn AMD bisher (noch) nicht auf alle genaueren Details eingegangen ist: Die vorgenommenen Design-Optimierungen sollen eine gravierende Verbesserung des Performance-pro-Watt-Verhältnisses garantieren und somit eine wesentlich effizientere Architektur schaffen. Neben dem Primitive Discard Accelerator, der die Geometrieleistung durch ein effizienteres Handling deutlich erhöhen soll, sind es vor allem der verbesserte Hardware Scheduler, die optimierte Vorausschau (Instruction Pre-Fetch), deutlich effizientere Shader und natürlich die Texturkomprimierung, die diese Performace-Steigerung möglich machen sollen.

Neu ist auch die Hardware-unterstütze Implementierung des H.265-Codecs, was die Dekodierung bis hin zu einer echten 4K-Wiedergabe erlaubt. Laut AMD soll hierbei auch das Main-10-Profil (High Tier) für qualitativ hochwertige Inhalte unterstützt werden (Level 4 bis 6.3), was einer Bitrate von immerhin maximal 800.000 KBit/s entspricht. Über niedrigere Level (Main Tier) konnte bisher keine Aussage verifiziert werden.

Immerhin werden acht bzw. 10 Bits pro Abtastwert unterstützt, wobei letzteres auch der ITU-R-Empfehlung BT.2020 folgt, die 10 bzw. sogar 12 Bit vorschreibt. Der genaue Umfang der Codec-Implementierung und was davon letzendlich direkt als vorverdrahtere Funktion zur Verfügung steht oder über die Shader berechent werden muss, geht aus AMDs Folie und den Aussagen leider nicht hervor.

Erstelle einen neuen Thread im Artikel-Forum über dieses Thema
Dieser Thread ist für Kommentare geschlossen
19 Kommentare
    Dein Kommentar
  • Thomas Worchel
    Schöner Artikel. Das lässt ja insbesondere im mobilen Segment auf ordentliche Leistungssprünge hoffen. 2016 wird es wohl Zeit für ein Hardware-Upgrade.
    0
  • FormatC
    Könnte gut sein, wass wir dieses Jahr echte Überraschungen erleben werden. Zen kommt ja auch noch...
    0
  • mareike
    Mhh man hofft dann mal das der Silberschweif nicht zum Rohrkrepierer wird, weil zu spät, zu wenig oder NV deutlich besser ist. DDR5 Speicher steht in rauhen Mengen zur Verfügung und wäre die zweckmäßige Ergänzung für einen nicht Full Size Chip. Mainstream wäre die Zielgruppe für 1 bis 2x HD. Da könnte AMD auch ohne den knappen HBM2 Speicher Geld verdienen.
    0
  • mareike
    Zen kommt erst wenn er da ist. *gg*
    0
  • Thomas Worchel
    Ich hoffe ja auf eine APU mit Zen Cores, Polaris GPU und HBM, bei der angepeilten Effizienz könnte man im Bereich von 75-90W TDP einen netten HTPC für alle Lebenslagen basteln.
    0
  • FormatC
    Genau DAS meinte ich. AMD fokussiert sich aber bei den Portables zunächst auf dedizierte Grafikeinheiten, leider. Kommt aber sicher noch. Allerdings ist Intel mit Iris Pro ähnlich gut dran, will aber offensichtlich nicht so recht. Die Iris Pro 6200 im Broadwell ist jetzt schon in etwa so effizient, wie Polaris es gern sein möchte.
    0
  • Uranus
    Interessantes Marketing von AMD schon recht früh die Details der Karte zu veröffentlichen. Weiß jemand was dahinter stecken könnte? Will man vermeiden, dass sich einige Unentschlossene jetzt eine Konkurrenzkarte kaufen und diese zum Abwarten bringen?
    Die Infos klingen auf jeden Fall gut und ich würde mich über einen Showdown auf Augenhöhe der neuen Kartengenerationen auf jeden Fall freuen!
    0
  • Derfnam
    Wie schonmal geschrieben: wenn Intel nur mal wollte, dann könnten AMD und nVidia auf gar nicht mal so lange Sicht einpacken.
    Was jetzt Polaris angeht: davon ausgehend, dass nVidia ja letztlich auch nix groß anderes anbieten wird isses letztlich nur ne sehr frühe Form der Ankündigung dessen, was von beiden kommen wird (Nuancen mal beiseite) und AMD dürfte diese Art Frühwerben deutlich nötiger haben als der Rest.
    0
  • Thomas Worchel
    Iris wäre ebenfalls interessant, wenn Intel den Treiber in den Griff bekommt und man durch Konkurrenzdruck von AMD die Preise für die Hardware etwas nach unten korrigieren müsste.
    0
  • FormatC
    Zitat:
    Iris wäre ebenfalls interessant, wenn Intel den Treiber in den Griff bekommt und man durch Konkurrenzdruck von AMD die Preise für die Hardware etwas nach unten korrigieren müsste.

    Durchaus...

    Ich schriebs übrigens im Artikel, warum meiner Meinung nach das Datum so früh liegt. Erstens setzt man die Grünen unter Druck, Zweitens will man den Vorlauf bei den Portable-OEM nutzen, um vielleicht wieder Marktanteile abknabbern und Drittens läuft das Ding ja.
    0
  • Michalito
    Danke für diese auch für Laien gut vertsändlichen Ausblick auf kommendes. Mal abwarten was dabei durch 16nm/14nm bei beiden herauskommt. Ich denke das man Polaris / Zen schneller zu Gesicht bekommt als einige erwarten. Polaris Ende April bis Anfang Mai, Zen August? Ich persönlich warte aber auf eine Ablösung meines Pitcairns bis Anfang nächsten Jahres, gerne mit HBM..
    0
  • amd64
    Geht das schon wieder los ... AMD Marketing arbeitet wieder an möglichst überzogenen Erwartungen *nerv*
    0
  • Michalito
    @amd64.. Falls deine Ausage in meine Richtung geht bist du etwas zu empfindlich, und interpretierst da zuviel in meine Ausage. Auf Polaris und den NV Konter bin ich echt gespannt, eine Pitcairn GPU ist in 1080p noch o.k. aber in 2017 bestimmt nicht mehr. Und ZEN finde ich alleine schon spannend und wichtig damit Intel mal aus dem Koma aufwacht. Wenn ich mir die jetztigen Preise eine Skylake CPU anschaue wird mir schwindelig. Gut, mit einem 4770k habe ich keinerlei Aufrüstdruck, bemitleide aber alle die sich z.Z. ein System zulegen.. Aleine schon deswegen drücke ich AMD sowohl im GPU und CPU Markt ganz fest die Daumen, im Sinne des Wettbewerbs. Sonst kann ich mir mein Hobby Pc in die Haare schmieren, denn ich bin kein Freier der Intels Zuhälterpreise zahlt.. Alleine schon die Abschaffung des Xeon v5 auf normalen Chipsätzen zeigt was sich Intel so vorstellt..
    0
  • FormatC
    @amd64:
    Dass GF den 14nm FinFET-Prozess von Samsung lizensiert hat und AMD gleichzeitig noch auf den 16nm von TSMC zurückgreifen kann, lässt AMD hier sicher ganz gut aufgestellt ins Rennen gehen, zumal Polaris mehr als nur ein Designupgrade ist. NV nutzt für Pascal einen eigenen Prozess, der sich erst noch beweisen muss.

    Zumindest hatte AMD bereits eine funktionierende Karte. Das ist schon mal etwas und allemal besser als ein laubgesägtes Mockup. :D
    0
  • Michalito
    Die Zeit wird zeigen was so kommt, und dann geht.. Amd vs. NV. die X'te bitte.. :-)
    0
  • amd64
    Ich freue mich auf die neuen AMD Produkte und besonders würde mich freuen, wenn diese auch wieder richtig Konkurrenz machen können. Dann bin ich auch ohne zögern bereit von AMD zu kaufen. Ich befürchte allerdings, dass das Marketing bis dahin schon wieder einige Superlativen bemüht um im Gespräch zu bleiben, wenn jetzt schon dermaßen viele Details veröffentlicht werden. Da kommt dann am Ende gern so Schwachsinn wie "Traum für Overclocker" bei raus.
    0
  • mareike
    Die stehts reißerischen Marketing Ergüße von AMD richten sich wohl mehr an die Investoren um zu überleben. Das Problem was dabei entsteht ist die Unglaubwürdigkeit gegenüber den Kunden. Sowohl was Eigenschaften der Produkte sowie deren Erscheinungstermin angeht. Wenn hier von Revolution die Rede sein kann, dann doch nur deshalb weil vorher lange Zeit Stagnation angesagt war.
    0
  • kleinstblauwal
    Das mit HBM ist schon eine spannende Sache. Das ist ja etwas langsamer als Intels EDRAM aka L4 Cache, dafür aber viel größer. Wenn die Programmentwickler den auch noch intensiv benutzen wäre das schon nicht schlecht.

    Hoffentlich denken die bei AMD nicht, dass man mit gesteigerter Effizienz sich keine Mühe mehr bei dem Kühlsystem geben muss, oder sie lassen zumindest von Anfang an Custom Kühler zu. Wir sind ja von AMD einiges gewohnt.

    Auch bei den Notebooks muss ein überzeugendes Gesamtpaket rauskommen, nur eine AMD-APU reicht nicht zum Glück, ohne gescheites Display und sinnvolle Anschlüsse oder was auch immer auf der Soll-Liste für den Einzelnen steht.

    Nur gemein, dass Igor dass mal wieder ein paar Tage früher als wir wissen wird.
    0
  • FormatC
    Dieser Vorlauf hält sich in Grenzen ;)
    0