AMD Radeon Pro Duo: Doppelter Fiji für die virtuelle Realität

Ein Grafikkarten-Launch ist natürlich immer interessant. Allerdings müssen wir diesmal auf eine reine Papierform ausweichen. Denn so virtuell wie die Realität, die als Hauptziel für diese Karte definiert wurde, ist leider auch ihre Existenz - noch.

So homöopathisch die Verfügbarkeit des entsprechenden VR-Equipments Wie Oculus Rift, HTC Vive & Co. aktuell noch ist: Die Radeon Pro Duo getaufte neue AMD-Grafikkarte toppt all dies locker. Denn weder Board-Partner, die laut AMD diese Karte labeln und für eine UVP von 1499 USD anbieten sollen, noch ausgewählte Systemintegratoren waren bisher in der Lage, uns hier reale Produkte zu liefern oder zumindest für die nahe Zukunft anzubieten.

Deshalb haben wir aus der Not eine Tugend gemacht und versuchen zumindest aus dem, was wir an Informationshäppchen zugeteilt bekommen haben, noch irgendetwas zu machen.

AMDs Radeon Pro Duo im Detail

Beginnen wir mit den reinen Äußerlichkeiten, denn auf etwa 27 Zentimetern Außenlänge in einem echten Dual-Slot-Design bietet die reichlich 10 cm hohe Dual-BIOS-Karte dann doch einige interessante Ansichten.

Zum Einsatz kommt erneut eine All-in-One-Kompaktwasserkühlung von Cooler Master, auf die wir gleich noch näher eingehen wollen. Was jedoch auffällt sind die nunmehr auf 54 Zentimeter verlängerten Schläuche, die eine flexiblere Montage des knapp vier Zentimeter dicken 12-m-Radiators ermöglichen sollen.

Der verwendete Nidec-Lüfter ist identisch zu dem der Radeon R9 Fury X und somit auch nicht ganz frei von Vibrationen. Da AMD erneut auf eine Enkopplung bei der Lüftermontage verzichtet, sollten hier auch ähnliche Körperschalleffekte auftreten, die sich dann wegen der starren Montage bis auf den Body des Gehäuses übertragen könnten.

Wir halten einen derart kleinen Radiator für eine kommunizierte TDP von 350 Watt zwar für nicht sonderlich zweckmäßig, aber AMD hat mit der R9 295X2 schon bewiesen, dass es durchaus auch noch höher geht, selbst wenn dann schon recht ordentliche Lüftergeräusche entstehen. Aber das Hauptaugenmerk liegt hier wie immer auf der stabilen Kühlperformance und weniger auf Geräuschenwicklung bzw. -vermeidung.

Werfen wir nun einen Bluck unter die geöffnete obere Abdeckung des vernickelten Gehäuses, die schon bei der Fury X durch Rubber-Coating eine bessere Optik und Haptik liefern soll. Viel interessanter ist jedoch die diesmal gewählte Kühllösung von Cooler Master, die wieder bei AVC gefertigt worden sein dürfte.

Neben den nunmehr zwei Heatsinks, von denen einer auch die Pumpe trägt (die Platine besitzt jedenfalls nur eine Buchse für die entsprechende Spannungsversorgung), setzt Cooler Master diesmal jedoch auf echte Wasserkühlblöcke für die restlichen Komponenten und nicht nur auf plattgedrückte Heatpipes. Neu ist auch der zu öffnende Stutzen des eigentlich geschlossenen Systems.

Betrachtet man nun die Führung der drei separaten Kühlköper und vergleicht sie mit der Platinenbestückung auf der Oberseite, dann wird dies sehr gut erkennbar. Gekühlt werden diesmal nämlich alle Phasen - einschließlich des VR-Chips, der bei der Fury X sehr stiefmütterlich behandelt worden war.

Diese großflächigere Kühlung sollte nun auch in der Lage sein, die durch die thermisch unzweckmäßige Positionierung der Gate-Treiber-Chips direkt auf der Rückseite unterhalb der VRM entstandenen Hotspots besser in den Griff zu bekommen.

AMD setzt für diese Dual-Grafiklösung erneut auf einen PLX-Chip zur Verbindung beider Einzelkarten, der im Übrigen auch aktiv durch den zentral gelegenen Kühlkörper mit gekühlt wird.

Der in 40-nm-Prozesstechnik gefertigte PEX 8747 unterstützt PCIe 3.0 und bietet insgesamt 48 Lanes. Diese Lösung fanden wir auch schon auf den älteren Multi-GPU-Lösungen von AMD - mit allen Vor- und Nachteilen. Aber irgendwie müssen beide GPUs ja schließlich kommunizieren.

Inwieweit dann - vor allem unter DirectX 12 - messbare Unterschiede gegenüber den normalen Mainboard-Lösungen existieren (können), müssen dann später echte Tests zeigen.

Der bereits erwähne IOR 3567B ist ebenfalls ein alter Bekannter, den wir schon von diversen Karten kennen. Er verwaltet als PWM-Controller die gesamte Spannungsversorgung und steuert die Spannungswandler über die Gate-Treiber an.

Abschließend werfen wir noch kurz einen Blick auf die technischen Daten, die mehr oder weniger einer verdoppelten Fury X entsprechen.

Nimmt man jedoch die kommunizierten 350 Watt TDP als Maßstab, dürfte hier eine ähnliche Firmware-Lösung wie schon bei der AMD Radeon R9 Nano zu finden sein, die deutlich feiner, jedoch auch etwas zurückhaltender agiert als noch die Radeon R9 Fury X. Das wird natürlich auch durch ein mit Sicherheit deutlich niedrigeres Power Limit erreicht und den etwas niedrigeren Maximaltakt der Shader-Einheiten.

Zwischenfazit

Über den Sinn einer solchen Dual-GPU-Grafikkarten ließe sich nun trefflich streiten. Immerhin schafft man es, zwei Fiji-GPUs gemeinsam auf einem PCB zu platzieren und anscheinend auch ganz gut gemeinsam zu kühlen. Nach außen hin sieht es dann aus wie eine Einzelkarte, was sie zwar im eigentlichen Sinne gar nicht ist, aber in dieser Wahrnehmung dem Marketing natürlich galant in die Hände spielt.

Die Aussage, mit der Radeon Pro Duo die schnellste Grafikkarte der Welt gelauncht zu haben, ist im Hinblick auf den bald anstehenden Launch der kolportierten GeForce GTX 1080 dann eigentlich auch nur folgerichtig. Der kluge Mann baut vor und selbst ein Performance-Krönchen - so klein es auch sein mag - ist immer noch besser als eine Haarklammer aus Blech.

Wie die Karte dann letztendlich performt und was man alles damit anstellen kann bzw. besser soll das hat uns AMD auch verraten. Also bitte weiterblättern!

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6 Kommentare
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    Dein Kommentar
  • Plitz
    Und wo genau sind jetzt die Benches? Ich sehe leider nur Werbefolien von AMD, die niemand nachvollziehen kann.
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  • FormatC
    Seite Zwei: GTA V, Ashes und VR Bench :D

    Zur Wertung solcher Folien bitte Brain einschalten und individuell normaliseren ;)
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  • mareike
    Als virtuelles Angebot finde ich die Karte sogar besser. ;)
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  • Plitz
    Sehe auch auf Seite 2 nur Werbefolien. Werden richtige Benches wenigstens nachgereicht?
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  • FormatC
    Wenn sich die Karte irgendwann mal materialisiert.... ich kann ja schließlich nicht ins Holodeck reisen und mir dort mit Scotty die VR schön saufen. :D
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  • echoez
    Wo ein Wille ist... ;) Schöne Zusammenfassung, wäre gut wenn das alles auch so aufgeht. Die Benchmarks wirken auch nicht übertrieben optimistisch. Sogar den AotS Bench find ich realistisch, ebenso die Einschätzung der Leistungsaufnahme. Auch, und eigentlich vor allen finde ich die Verwendung der Firepro-Treiber genial. Damit alleine dürfte die Karte ein unschlagbares P/L für professionelle Anwender darstellen. Für 1600€ bekommt man noch nichtmal ne FirePro S7150, mit 1x Tonga Pro GL...
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