Arbeiten mit Stil? Radeon Pro Software Adrenalin Edition im Hands-On

AMDs Software-Initiative trägt mittlerweile auch im Pro-Bereich Früchte, die vielen schmecken dürften, wenn die Software auch hält, was der Hersteller uns verspricht. Stabilität, Planung und mehr Features - im Enterprise-Segment ticken die Uhren anders.

Das jährliche, große Update steht wieder einmal an und so waren wir auch gespannt, was AMD diesmal aus dem Hut zaubern kann. Dass noch längst nicht alles rund läuft, zeigte uns bereits die Installation, denn das für die reinen Workstation-Karten gedachte Paket ließ sich wegen falscher Referenzen in der Config-Datei nicht komplett installieren. Trotz unseres sofortigen Feedbacks an AMD erfolgte keine direkte Reaktion auf das geschilderte Problem. Schade.

Update vom 21.12.2017, 15:30 Uhr

AMD hat vor zwei bzw. drei Tagen sowohl das Enterprise- als auch das Adrenalin-Treiberpaket geupdatet und zum Download bereitgestellt. Beide Pakete findet man direkt auf AMDs Treiber-Download-Seite. Die geschilderten Probleme traten nun nicht mehr auf und es waren sowohl ein Update, als auch eine komplette Neuinstallation problemlos möglich.

Wir werden uns natürlich zunächst mit einigen Goodies der neuen Treibersoftware beschäftigen, am Schluss jedoch auch noch prüfen, ob die von AMD im Reviewers-Guide aufgelisteten Performance-Verbesserungen auch in dieser Form zutreffen. Auch das wird sicher spannend, doch erst einmal zurück zur Installation!

Pech beim ersten Versuch? Nun ja, es gibt wohl Schlimmeres. Dafür lief dann die mit mit dem Kürzel CWG im Dateinamen versehene Installationsdatei komplett und problemlos durch. Was CWG bedeutet bzw. wo der Unterschied liegt, konnte (oder wollte) uns im Vorfeld zwar niemand sagen, aber es steht als Abkürzung für "CreatorWhoGames". Interessanterweise standen uns dann automatisch auch unsere Spieleprofile zur Verfügung, obwohl sich mit der Radeon Pro WX 7100 ja eigentlich eine reine Workstation-Karte im System befand. Doch AMD folgt hier einer gewissen Logik, wie wir gleich noch sehen werden und es sollte somit eben auch mehr als nur ein Zufall sein.

Das hat durchaus seinen eigenen Charme, keine Frage. Außerdem fragt man sich dann natürlich schon, wo letztendlich der Unterschied zwischen der Vega Frontiers Edition und einer WX 9100 liegen soll, wenn die Grenzen hier noch mehr verwischt werden. Preislich ist die WX 9100 nämlich fast doppelt so teuer, wenn man die Straßenpreise vergleicht. Wer mit einer WX 9100 spekuliert und mit dem Feature-Set der Frontiers Edition klarkommt, der sollte jetzt (noch schnell) zuschlagen, denn die Karte dürfte wohl bald auslaufen.

Update-Turnus und Planungssicherheit

Doch kommen wir zunächst auf den Treiber zurück. Enterprise heißt ja in erster Linie auch, dass man sich als Nutzer im Produktivbereich planbar auf die Software verlassen können muss, was Stabilität, Anpassungen an die Systemumgebung und die wichtigsten Standardapplikationen betrifft. Zertifiziert oder nicht, spielt dabei sicher eine Rolle, aber es geht auch um Investitions- und Planungssicherheit, sowie den stabilen und verlustfreien Betrieb der jeweiligen Arbeitsplätze. AMD wechselt auch deshalb zu einem vierteljährlichen Turnus und festen Terminen für die Treiberveröffentlichung, so dass die für Updates nötigen Ressourcen beim Kunden fest im Voraus geplant werden können.

Radeon ProRender

Wir haben zu ProRender bereits Einiges veröffentlicht, so dass wir uns auf die wichtigsten Neuerungen beschränken können. Das herausragende Feature ist dabei ohne Frage das Denoising, also das Entfernen des üblichen "Bildrauschens" im Vorschaufenster des Rendervorgangs. Hierbei werden echte Renderinhalte mit 3D-Echzeitinhalten so vermischt, dass das finale Bild bereits von Anfang an in gewissen Grundzügen unverpixelt sichtbar wird und sich dann mehr und mehr verfeinert. Der Vorteil liegt auf der Hand, denn man muss nicht jedes Mal ewig warten, um einen Ersteindruck zu erhalten und um mögliche Fehler bzw. Unzulänglichkeiten zu erkennen.

Auch der Game Engine Importer wurde aufpoliert, so dass sich CAD Inhalte sehr einfach so exportieren lassen, dass sie auch als VR-Projekt in der Visualisierung einsetzbar sind. So verschwimmen die Grenzen zwischen Konstruktion und Visualisierung bis hin zur Virtual Reality noch mehr. Es ist beileibe keine Spielerei, sondern nutzt Features und die gute Performance moderner Game Engines nicht etwas für Shooter, sondern auch im produktiven Einsatz. Womit nun auch klargeworden wäre, warum auch Workstation-Grafikkarten auf Wunsch den "Gaming"-Part spielen dürfen. Denn nicht alles, was z.B. aus einer Unreal Engine herauskommt, muss zwingenderweise auch ein Spiel sein.

PBR, also das Physical Based Rendering, erlaubt es, z.B. statt des statisch und künstlich wirkenden Phong-Shadings realistische Material- und Beleuchtungsmodelle zu verwenden, die eine deutlich realistischere Ausgabe der Echtzeit-Vorschau ermöglichen. Als Plugin bzw. Addin lässt sich das Feature einfach in die Software implementieren - eine passende AMD-Grafikkarte vorausgesetzt. Am PC stehen neben Blender noch 3ds Max und Maya 2018 zur Verfügung, unter macOS ist es neben Blender immerhin noch Maya. Außerdem muss man in diesem Zusammenhang auch Cinema4D erwähnen, wo AMDs Radeon ProRender eine interessante Rolle spielt. Content Creation mit ordentlicher Beschleunigung.

ReLive und Overlay

Mit ReLive hat auch im Workstation-Bereich ein Feature Einzug gehalten, was bisher oft genug nur mit Drittanbietersoftware gelöst werden konnte. Das Speichern von Bildschirminhalten als Screenshot oder Video, mit oder ohne Ton, sowie die Möglichkeit, diese Inhalte zu speichern, zu verwalten und sogar online zu teilen, eröffnet auch im Produktivbereich völlig neue Möglichkeiten. Das neue Overlay, bis hin zur Einblendung der eigenen Kamera samt Chroma-Key, lässt viele dieser Optionen noch einfacher und komfortabler handhaben.

Virtualisierung

Auch in diesem Bereich will AMD neue Maßstäbe setzen und bietet mit der MxGPU Technologie eine echte GPU-basierte Hardwarevisualisierung an. Mal abgesehen von der dann möglichen Datensicherheit, eröffnen sich interessante Felder für den Einsatz. Und man packt einige weitere Features in den Open-Source-Kosmos, bis hin zu den offenen Treibern für die einzelnen KVM Host Betriebssysteme. Das kann einerseits natürlich für den Nutzer Kosten sparen und trägt andererseits auch ein wenig zur Transparenz bei. Bleibt zu hoffen, dass die Performance mit der proprietärer Lösungen mithalten kann.

Performance-Entwicklung von 2016 bis heute

Es ist mal wieder Zeit für eine kleine Reminiszenz und so haben wir unseren Test vom 1. Dezember 2016 "Polaris auf Jobsuche: AMD Radeon Pro WX 7100 im Workstation-Test" mit dem Treiber 16.40 noch einmal hervorgeholt. Dann haben wir auf dem aktuellen Testsystem (Intel Core i9-7900X, 32 GB DDR4 3200) die neuen Ergebnisse zunächst mit dem Treiber 16.40 ermittelt und diese neuen Werte dann mit einem Halbjahres-Zwischenstand in Form des 17.30 vom Sommer 2017 und den neuen Treibern 17.50 verglichen.

Die Vega-basierte Frontiers Edition haben wir außer Konkurrenz ebenfalls mit zwei Treibern gegengetestet und bereits da gemerkt, dass sich zwischen dem Launch der Frontiers Edition im Sommer 2017 und dem heutigen Tag eigentlich nichts Wesentliches geändert mehr hat. Der ältere Treiber von 2016 läuft zudem nicht mit der Vega FE, leider. Die eigentlichen Verbesserungen müssen also in der ersten Hälfte von 2017 passiert sein.

Die weiteren Benchmarks haben dann auch offengelegt, dass AMD laut Reviewer-Guide zwar beim SPECviewperf-Benchmark in einigen Bereichen nachlegen konnte, die anderen Änderungen zwischen 2016 und 2017 aber eher überschaubar ausfielen. Schwankungen von ca. einem Prozent sind normal und fallen damit schon unter die Messtoleranzen.

Wir finden den Einsatz von Vollversionen der Applikationen zudem deutlich interessanter, denn vor allem die frei zugänglichen, kostenlosen Standardbenchmarks wie der SPECviewperf neigen stets dazu, von den Herstellern über den Verlauf der Zeit geradezu totoptimiert zu werden, weil sich auch der Aufwand dafür in überschaubaren Grenzen bewegt und man trefflich damit werben kann.

Zusammenfassung und Fazit

Bis auf den Lapsus bei der Installation kann man dem Treiber und der Oberfläche eine überdurchschnittlich gute Entwicklung und eine sinnvolle Tendenz bei der Weiterentwicklung des Feature-Sets bescheinigen. Es muss also nicht immer der Big Bang sein, um einen Treiber noch stabiler, vielseitiger einsetzbar und auch bedeutend anwenderfreundlicher zu gestalten. Und genau das ist AMD nämlich weitgehend gelungen. Die Konzentration des Personals auf die Treiber- und Softwareentwicklung trägt erste, süße Früchte. Und das ist an sich schon auch als Meldung etwas wert: es geht voran.

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