Temperaturentwicklung im laufenden Betrieb
Eine geringere Leistungsaufnahme vespricht natürlich auch eine geringere Temperatur der GPU unter Last, sowie eine einfachere und leisere Kühlung.
Soweit die Theorie - doch wie sieht es in der Praxis aus?
Infrarot-Messungen mit der Optris PI450
Jetzt wird es interessanter als das, was wir normalerweise in einem Kurvendiagramm darstellen können, denn wir verwenden zum Gegentest dessen, was uns die Sensoren soewieso schon liefern, mit der PI450 eine von Optris speziell für die Prozessüberwachung entwickelte Infrarotkamera.
Mit einer Rate von 80 Hz liefert sie uns Echtzeit Wärmebilder in Höchstgeschwindigkeit, die via USB auf ein separates System übertragen werden, so dass wir diese Vorschau auch als Video aufzeichnen können. Mit einer thermischen Empfindlichkeit von 40 mK eignet sie sich speziell zur Erkennung minimaler Temperaturunterschiede, was uns natürlich sehr entgegenkommt.
Aufwärmprozess in Bild, Video und Zahlen
Die Raumtemperatur betrug bei jeder Messung 22 °C. Im Idle liegen wir bei der GPU im offenen Aufbau bei durchschnittlich 29 °C, beim Gaming bei 64 °C und im Stresstest dann bei 65 bis 66 °C.
Wie sehen sehr deutlich, dass selbst bei konstanter Last nur der Bereich der Spannungswandler wirklich heiß wird. Der Kühlkörper meldet an der Oberfläche knapp 72°C, was durchaus akzeptabel ist.
Die Rückseite hingegen offenbart die Stellen, wo es nicht mehr ganz so schön aussieht. Niedrige Lüfterdrehzahlen sind gut für die Ohren, aber nicht so gut für die Kühlung der Spannungswandler. Man kann davon ausgehen, dass die Rückseite der Platine um die Spannungswandler herum nach der längeren Aufwärmphase in etwa auch die gleichen Temperaturen aufweist, wie die auf der anderen Seite befindlichen Bauelemente. Deshalb sind die gemessenen knapp 90 °C realistisch.
Zu Schaden kommen wird hier natürlich nichts, denn sowohl die betroffenen aktiven Baulemente, als auch die Platine sind für noch höhere Temperaturen ausgelegt. Allerdings sehen wir auch, wie sich die Temperaturen quer über die Platine ausbreiten und auch Bereiche erfassen, wo die Anschlussdrähte empfindlicherer Bauelemente fest verlötet wurden. Das Ganze haben wir deshalb zur Veranschaulichung als Zeitraffer-Video in nur zwei Minuten Länge (Original 20 Minuten) noch einmal zusammengefasst:
Im Übrigen betrifft diese Feststellung nicht allein diese Karte, denn fast alle Platinen der aktuellen, leistungssarken Grafikkarten werden so übermäßig heiß. Da hilft am Ende auch keine Backplate, ganz im Gegenteil. Wir fassen alle Temperaturen noch einmal tabellarisch zusammen:
| Idle | 3D-Workload - offener Benchtable | 3D-Workload - geschlossenes Gehäuse | |
|---|---|---|---|
| Gigabyte R9 285 Windforce OC: | 29 °C | 64 °C | 66-67 °C |
| Gigabyte R9 280X Windforce: | 30 °C | 73 °C | 75 °C |
Messung der Geräuschentwicklung
Wie messen die Geräuschentwicklung der Grafikkarte mit einem kalibrierten, sehr hochwertigen Studiomikrofon (Super-Niere) in einem Abstand von 50 cm lotrecht zur Grafikkartenmitte. Dieser Abstand ist zusammen mit der sehr ausgeprägten Nierencharakteristik des Mikrophons ein notweniger Kompromiss zwischen der Vermeidung von Windgeräuschen durch den Lüfter einerseits und den störenden Einflüssen der Nebengeräusche andererseits, die nie völlig auszuschließen sind. Auch wenn unsere Schallschutzmaßnahmen helfen können, Letzeres zu minimieren - ganz ausschließen kann man es eben nie. Deshalb werden diese Messungen auch überwiegend nachts durchgeführt.
Um mehr Praxisnähe zu zeigen, nutzen wir ja zusäzlich noch den Einbau in ein geschlossenes Gehäuse. Dort ermitteln wir nach dem abgeschlossenen Aufwärmprozess nicht nur die Temperaturen, sondern auch die Drehzahlen der Lüfter. Diese stellen wir dann im offenen Aufnau manuell fest ein, um eine echte Vergleichsmessung unter identischen akustischen Bedingungen zu ermöglichen.
Doch wie sieht es mit der Geräuschentwicklung der Gigabyte Radeon R9 285 nun genau aus? Nicht schlecht, würden wir meinen. In Zahlen drückt sich dies nämlich dann so aus:
| Idle | 3D-Workload - offener Benchtable | 3D-Workload - geschlossenes Gehäuse | |
|---|---|---|---|
| Gigabyte R9 285 Windforce OC: | 30,9 dB(A) | 35,5 dB(A) | 36,8 dB(A) |
| Gigabyte R9 280X Windforce: | 31,4 dB(A) | 42,7 dB(A) | 44,9 dB(A) |
Unsere US-Kollegen haben mit ihrer Asus Strix- Radeon R9 285 auch ein paar Vergleichsmessungen angestellt. Die Messbedingungen: Offenes Gehäuse, drei Zoll (knapp 8 cm) hinter der Slot-Blende und das Ganze nach 10 Minuten Battlefield 4.
Obwohl die Referenzkarte der Radeon HD 7870 die lauteste ist, arbeiten letztlich all diese Karten mit einem akzeptablem Schallpegel. In diesem Kurzvergleich stach die neue, Tonga-basierte Asus-Karte aber dennoch als leiseste positiv heraus.
- Ein Update für AMDs GCN-Architektur: Die Tonga-GPU
- Asus Strix Radeon R9 285
- Gigabyte R9 285 WindForce OC
- Test-Setup and Benchmark-Suite
- Benchmarks: Synthetische Benchmarks
- Benchmarks: Titanfall und Battlefield 4
- Benchmarks: Thief und Arma 3
- Benchmarks: Grid Autosport und Assassin's Creed IV
- Benchmarks: Watch Dogs und Far Cry 3
- Leistungsaufnahme: Idle
- Leistungsaufnahme: Gaming
- Leistungsaufnahme: GPGPU (Torture)
- Temperaturen und Lautstärke
- Fazit: Die Radeon R9 285 behauptet sich für 250 US-Dollar







zumal hier quasi standardisierte Bedingungen geschaffen werden!!! Danke!
Und dieses Auslagern von Rechenvorgängen auf die GPU ist auch immer interessant. Kann es sein das Creed das als einziges Spiel unterstützt oder was ist hier passiert?
Haben wir tatsächlich. Hat schon einen Grund, warum auch die Amis auf die deutschen Daten zurückgreifen
Ich rüste morgen noch einmal gehörig auf. Ich werde nämlich zwei dieser Oszillographen miteinander koppeln (Trigger, Master-Slave) und habe dann faktisch 8 analoge Eingänge, die ich gleichzeitig nutzen und aufzeichnen kann. Also insgesamt 4 Rails, für die ich parallel Strom UND Spannung gleichzeitig messen kann. Das hat dann außer uns keine andere Redaktion. Weltweit.
Da geht mein Dank auch an den Industriepartner, der mittlerweile einen guten Kompaktwagen im Lab versenkt hat
Wo ihr grad so am Aufrüsten seid...
Große Lob an Igor, tolle Schreibe, lustig, aber immer sehr sachlich. Und dazu viel Sachverstand, hat schon seinen Grund warum die Industriepartner soooo spendabel sind. Mein Bruder ist Elektroniker für Geräte und Systeme und ist ganz beeindrukt von dem was du da machst..
P.s. Wenn du dabei bist neue Maßstäbe zu setzen, dann hast du halt das Pech die Erwartungshaltung des hungrigen Publikums auch erfüllen zu müssen (noch mehr Arbeit...)
Ab jetzt will ich von jeder Graka die Infrashots..
Wie Tesetilaro schon sagt: Sehr aufschlussreich, und Standatisiert..
Ich war schon auf ein paar Inseln in Asien - aber noch nie auf Tonga!
Die R9 280X bringt 10-15% mehr Leistung, kostet aber mindestens 50 Euro mehr - also knapp 30% Aufpreis.
Die Leistungsunterschiede sind einfach zu gering, diesen Preisunterschied zu rechtfertigen.
Ich stelle einmal eine Annahme auf:
Die GCN 1.2 Architektur wird durch ihre Farbkompression und damit effizientere Speichernutzung auch in den kommenden Carizzo-APUs zu einem ordentlichen Leistungsschub führen. Besonders, weil bei den APUs die Speicherbandbreite ja von CPU & GPU gleichzeitig genutzt und damit besonders knapp ist.