AMD Radeon RX 470 4GB: Flotter Einstieg ins Mainstream-Gaming

Taktraten, Temperaturen und Lautstärke

Erreichte Boost-Taktraten und Spannungen

Betrachten wir zuerst die Boost-Taktraten, also das, was uns im Messzyklus beim Doom-Run tatsächlich zur Verfügung stand. Von den 1270 MHz Vorgabewert bleibt nicht mehr wirklich viel übrig. Im Mittelwert waren es knapp 1150 MHz, wobei der Boost-Takt stellenweise sogar bis auf 1050 MHz einbrach. Dies schieben wir auf das doch sehr restriktive Power-Limit, welches die Karte, egal was wir auch getestet haben, stets deutlich unter 150 Watt Gesamtleistungsaufnahme gehalten halt (Board-Power).

Die Taktsprünge sind am Ende ja auch den Bemühungen geschuldet, möglichst sparsam mit der einzusetzenden Energie umzugehen. Dies sieht man am ehesten, wenn man sich die Spannungen dazu betrachtet. Wir haben noch nie eine Karte gesehen, die die GPU-Spannungen so extrem hin- und herschaltet. Während die Spannung beim Stresstest durchgehend limitiert wird, bewegt sie sich im Rahmen des deutlich abwechslungsreicheren Spielverlaufes zwischen 1.18 und 0.975 Volt.

Temperaturentwicklung

Die Asus Radeon RX 470 Strix kühlt nicht schlecht, was sich in einem Endwert von jeweils 59°C im Gaming-Loop und stellenweise 60°C im Torture-Loop äußert (61°C bzw. 63°C im geschlossenen Gehäuse). Um in Doom über so viele Minuten nicht den Heldentod zu sterben, nutzen wir eine speziell "abgeräumte" Szene, die bereits von allen Gegnern gesäubert wurde, sowie eine gescriptete Bewegung (Tastaturmakro).

Was jedoch nicht so angenehm auffiel, war das sehr sprunghafte Anspringen der Lüfter, auf das wir später noch genauer eingehen werden. Bis hierher ist jedenfalls alles erst einmal in Ordnung.

Die GPU liegt mit ihrer Temperatur unterhalb des Sockels ungefähr noch dort, was auch die GPU-Diode im Inneren als Sensorwert ausgibt. Allerdings ist die Platine wärmer als die GPU selbst, denn zum einen sind es die enormen Hotspots. Wenn wir uns nämlich an die schokoladentafelartige Anordnung der High- und Low-Side MOSFETS und den kleinen Extra-Kühlkörper zurückerinnern, wird uns das Problem schnell klarer.

Das betrifft auch die vielen Kupferbahnen von den Spannungswandlerzügen bis hin zur GPU, die ideale Wärme(ab)leiter sind. Leidtragendes Objekt ist ein Speicherbaustein, der zwischen den Spannungswandler und der GPU liegt. Auch hier liegen die Temperaturen noch bei ca. 96°C und damit mit Sicherheit auch oberhalb der Spezifikationen.

Im Stresstest werden im Bereich der vier GPU-Spannungswandler noch knapp 94°C erreicht, wobei auch hier der eine Speicherbaustein mit etwas über 95°C noch knackig heiß wird.

Lüfterkurven und Geräuschemission

Kommen wir jetzt zu der bereits angesprochenen Lüfterkurve. Diese ist, wenn man sie genau anschaut, eher sinnlos gestaltet. Der Semi-Passiv-Modus nutzt keine langsam steigende Kurve nach einem Anschub-Impuls samt Hysterese, sondern die Karte bollert gleich mit ca. 1150 U/min los, als gäbe es kein Morgen mehr, steigert sich in kurzer Zeit auf etwas über 1400 U/min, um sich dann geschäftsmäßig bei ca. 1350 U/min einzupendeln.

Doch wenn wir ehrlich sind - die niedrigen 59°C sind durch solch hohe Drehzahlen eine wohl doch recht teuer erkaufte Niedrig-Temperatur, denn wo hohe Drehzahlen regieren (müssen), wird auch viel Wind gemacht. Was nun die Frage aufwirft, wie laut die Karte am Ende wirklich agiert und vor allem auch, wie man das entstehende Betriebsgeräusch selbst rein subjektiv empfindet.

Gemessen wird wie immer in unserem reflexionsarmen Raum auf einem wassergekühlten, speziellen Silent-System. Die praktische Untergrenze unseres Raum-im-Raum-Konzeptes liegt bei circa 22 dB(A) - bedingt durch die laufende Hardware.

Wer weitere Details zu unseren Messungen wissen möchte, sei auf den Grundlagenartikel Tom's Hardware intern: So testen wir Geräuschemissionen verwiesen.

Testsystem und Hardware
Mikrofon:
NTI Audio M2211 (mit Kalibrierungsdatei, Low Cut bei 50 Hz)
Verstärker:
Steinberg UR12 (mit Phantomspeisung für die Mikrofone)
Hardware:Grafikkarten-Testsystem mit optimierter Wasserkühlung:
- Intel Core i7-5930K @ 4,2 GHz, wassergekühlt
- Crucial Ballistix Sport, 4x 4 GByte DDR4-2400
- MSI X99S XPower AC
- 1x Crucial MX200, 500-GByte-SSD (System)
- 1x Corsair Force LS, 960-GByte-SSD (Anwendungen, Daten)
- Be Quiet! Dark Power Pro, 850-Watt-Netzteil
Wasserkühlung:
- Alphacool VPP655 Pumpe (abgeregelt)
- Alphacool NexXxos-CPU-Kühler
- Phobya Balancer
- Alphacool 24-cm-Radiator
- 2x 12 cm Noiseblocker eLoop-Lüfter @400 U/min
Software:Smaart v.7
Messraum:
eigener reflexionsarmer Messraum, 3,5 x 1,8 x 2,2 m (LxTxH)
Kontrollmessungen:Axialmessungen, lotrecht zur Mitte der Schallquelle(n), Messabstand 50 cm
Ausgabewerte:
- Geräuschentwicklung in dBA (Slow) als RTA-Messung
- Frequenzspektrum der emittierten Geräusche (Grafik)

Die 37,1 dB(A) fallen dann auch relativ hoch aus, vergleicht man diesen Wert mit vielen ähnlichen schnellen Karten. Etwas mildernd ist allerdings der Umstand, dass das doch sehr breitbandige Geräusch nur sehr dezent vom Lager- und Motorgeräusch geprägt ist. Auch die Spannungswandler verhalten sich hör- und messbar eher unauffällig, wobei der etwas vorlaute Lüfterbetrieb so manches auch elegant überdecken könnte.

Man könnte natürlich auch auf eine eigene Lüfterkurve setzen, die bei noch vertretbaren Temperaturen deutlich niedrigere Geräuschemissionen garantiert. Auch hier ist Asus gut beraten, noch etwas mehr Feintuning zu wagen, denn Spielraum ist genügend vorhanden. Vor allem der Teillastbetrieb könnte davon profitieren, denn nach nicht einmal einer Minute Blu-ray hat man die Lüfter völlig unnötigerweise störend im Ohr, was auch beim Mehrmonitor-Betrieb sogar schon im Idle arg nervig sein kann.

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11 Kommentare
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  • moeppel
    DIe 470 liegt bedenklich nahe an der 480, was zum einen die Frage stellt, warum sie die 480 so beschnitten haben (ROPs, CUs, Speicherbandbreite) und zum anderen dessen Verkäufe kanabilisieren dürfte.

    Drüben bei Guru wurden bereits AIBs getestet und oftmals nehmen die Karten sich nur einige FPS - in einem Maße, dass der Aufpreis einer 480 kaum gerechtfertigt ist.

    Besteht prinzipiell die Chance early 470s in 480s zu unlocken? ;)

    In der Vergangenheit hat AMD ja oftmal geschludert in der Hinsicht.

    An sich eine fantastische Karte für Endverbraucher, vor allem wenn der Preis unter 200€ liegt. Nichtsdestotrotz rückt die 470 die 480 in ein nur noch merkwürdigeres Licht.
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  • klomax
    Es überrascht nicht, dass unter FHD die Karte ihren großen Schwester nicht all zu sehr unterlegen ist. - Und die R9 380(X) wird klar übertrumpft.

    Preislich sollte sie, wie ich gerade bei mf sehe, zwischen 220 und 250 liegen. - Also im Endeffekt die preisliche Wachablösung der 380er.

    Für 220 € im Costumer-Design an sich ein guter Preis, wie ich finde. - 8 GB Varianten hauen dagegen rein, wie immer.

    Danke für den Test! - Jetzt noch die RX 460, und der Teststress ist vorbei. :)
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  • ShieTar
    Für kapp 250€ gibts inzwischen schon die ordentlich übertaktete Sapphire RX 480 Nitro+ mit 4GB. Da wird die RX 470 spürbar drunterbleiben müssen.
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  • Ressorator
    Hatten die beiden Modelle von Sapphire ihren Stromanschluß hinten oder an der Seite?
    Auf Geizhals waren die laut Fotos hinten direkt bei den Bildschirmausgängen.
    Das stelle ich mir die Frage warum.
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  • TenDance
    Anonymous sagte:
    Für kapp 250€ gibts inzwischen schon die ordentlich übertaktete Sapphire RX 480 Nitro+ mit 4GB. Da wird die RX 470 spürbar drunterbleiben müssen.


    Derzeit startet die sehr gute Powercolor bei 219€.
    http://geizhals.de/powercolor-radeon-rx-470-red-devil-axrx-470-4gbd5-3dh-oc-a1488318.html?hloc=at&hloc=de

    Ich denke das ist ein ganz guter Startpreis. Die Preise der sehr guten Sapphire-Umsetzung - die profitiert enorm vom PCB und Kühler der RX480 sowie dem vollen Speichertakt - sind derzeit noch jenseits von Gut und Böse.
    Wenn das Produkt nicht verfügbar ist, laufen die Preise eben Amok.

    Mitelfristig sehe ich die RX470 um die 200€ und die 8GB-Version bei 220€. Wenn die 480er mit 4GB bei 240€ und die 8GB customs bei 270€ liegen, sollte das passen.

    Derzeit sind die Preise aber einfach noch zu hoch, der Markt ist recht aufgeheizt.
    Sieht man auch an den GTX1080 u.v.a. 1070, die fangen jetzt langsam an im Preis zu sinken wo es auch mal Lagerware gibt :)
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  • ShieTar
    Anonymous sagte:
    Hatten die beiden Modelle von Sapphire ihren Stromanschluß hinten oder an der Seite?
    Auf Geizhals waren die laut Fotos hinten direkt bei den Bildschirmausgängen.
    Das stelle ich mir die Frage warum.

    Ähm, hinten, aber nicht "bei den Bildschirmausgängen", das wäre ja außerhalb des Gehäuses?
    http://gzhls.at/p/7762/1477762/1477762-3.jpg

    Ungewöhnlich, sollte aber bei einer 240mm kurzen Karte kein Problem darstellen.
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  • Ressorator
    Richtig. Es ist ungewöhnlich. Hatte wohl die Seiten vertauscht. ;)
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  • Elkarlo
    Die RX 470 ist für meinen HTPC interessant der an einen 1080p Monitor hängt. Ich habe dort nur ein beschränktes Hitzbudget. Und ich glaub in diese Nische schlägt auch die RX470 dann voll: Systembuilder die ein festes Hitze und Geldbudget bei den PC aufbau haben. Also wirds demnächste einige Dell'en und Medion's evtl mit dieser Karte geben. Dort wird sie für unter 200 eingekauft und vertickert. Und das ist nun mal der Massenmarkt. Sie wird die gtx960 als die Standard Systembuilder Karte ablösen. Solange Nvidia nicht eine 1050 nachschiebt oder die 1060 massiv im Preis reduziert.
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  • kleinstblauwal
    Es wäre schön, wenn am Ende noch mal ein Spielübergreifendes Leistungsrating erstellt wird, auch wenn es für einzelne Spiele die Abfolge des Leistungsrankings schon stark einem Durchschnitt über alle Spiele wiederspricht.
    Ist bei eurer Webseitenarchitektur prinzipiell möglich so ein System wie bei ComputerBase zu machen, wo man Spiele aus dem Durchschnitt rausnehmen kann, weil sie einen entweder nicht interessieren oder es für Wettbewerbsverzerrung aufgrund nicht ganz balancierter Optimierung (PCars, AotS) hält?

    Fehlt da nicht eigentlich eine 370/270X als Zahlenmäßiger Vorgänger? Oder kommt die beim RX460 Launch noch, wo dann die Qualitätseinstellungen noch mal ein bisschen reduziert werden, um praxisnahe FPS zu erhalten.
    Mich würde auch ein Test interessieren, bei welchen Qualitätseinstellungen 4GB gut sind, während es bei 2GB Karten "unspielbar" unrund läuft.
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  • KalleWirsch
    Ja ein Update der GPU charts für die neue Genration wäre super.

    Die 270X ist etwa eine halbe RX470 die 370 etwa 40% der RX470. Bei der 270X Tendenz nach oben bei größere Auflösungen, da die Speicherbandbreite etwa 75% der RX470 ist.
    Die spielen also nicht in der selben Liga. Klar das die hier nicht mit auftauchen.
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  • ShieTar
    Was mir gerade auffällt ist das die R9 380 in den meisten Benchmarks die R9 280X ja deutlich abhängt. Dabei hat die ältere Karte mit dem X ja auf dem Papier mehr Rechenleistung und mehr Speicherbandbreite.

    Ist da der Videospeicher von 3GB schon in allen Spielen überfüllt, oder sind das tatsächlich schon Unterschieden in der Architektur und dem Feature-Level (DirectX 12 statt 11.2)?
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