AMD Radeon Software Crimson ReLive Edition: Mehr als nur ein Treiber

Seit 2014 schickt AMD am Jahresende die große Treiber-Überraschung ins Rennen - wir dürfen gespannt sein, was diesmal alles neu sein wird. Marketing-Gag oder echte Innovationen? Wir werfen einen ersten Blick auf das wirklich umfangreiche Softwarepaket.

AMD packt nach dem Omega-Treiber aus dem Jahr 2014, der sich überwiegend als Performance-Update verstand, und Crimson von 2015, der ja mehr eine optische Verbesserung darstellte, noch eine ordentliche Schippe drauf und in die neue Radeon Software so ziemlich alles rein, was in diesem Jahr an Innovationen und Neuerungen angefallen ist und dem Anwender gefallen könnte.

Dies ist allerdings nicht nur die Sichtweise von AMDs Marketing-Abteilung, sondern auch unser erster Eindruck, nachdem wir uns mit den neuen Treibern in einem ersten Hands-on-Test beschäftigt haben.

Das ganze Thema ist sogar so umfangreich, dass wir zwei Themen ausgekoppelt haben und als eigenen Test veröffentlichen, denn der Einsatz lohnt sich auf alle Fälle. Ganz nebenher hat AMD auch die professionelle Treiber-Seite aufgewertet und alles auf eine gemeinsame Basis gestellt. Doch dazu später mehr.

Doch bevor Treiber auf das System kommen, müssen sie erst einmal installiert werden. AMD nutzt zwar nach wie vor selbstentpackende Archive für das eigentliche Treiberpaket, aber der Rest ist neu. Der native Installer kommt im Look & Feel der Crimson-Software daher und kann durchaus gefallen.

Die offerierte echte Neuinstallation auf Basis einer kompletten Treiberentfernung samt Neustart hakt allerdings noch etwas. Mal abgesehen von den trotzdem im System verbleibenden Treiberresten war es nicht möglich, auf diesem Weg die Consumer-Version sauber über eine ältere Radeon-Pro-Software zu installieren. Aber Abhilfe ist schon im Anmarsch.

Doch kommen wir zurück zur Radeon-Software und Crimson. Wie bereits im Sommer vor der Computex in Macau von AMD angekündigt liegt einer der neuen Schwerpunkte auf der Software, die aus Sicht AMDs 50 Prozent der Erfogsgrundlage ausmachen soll. Mit GPUOpen öffnet sich AMD deshalb bewusst der OpenSource-Gemeinde und investiert(e) hier Manpower, Geld und Know-How in verschiedenste Projekte.

Egal ob Radeon Loom, OCAT, Depth of Field, Tress FX 4.0, AMF (Advanced Media Framework) 1.4 und viele andere - AMD hat sich jede Menge Partner und Entwickler mit ins Boot geholt, um neben der eigentlichen Hardware auch die passenden Softwarelösungen anbieten zu können.

OCAT ist ein frei zugängliches und kostenloses Benchmark-Tool, das neben DirectX 9 bis DirectX 12 auch APIs wie OpenGL und Vulkan unterstützt und zudem keine Probleme mit UWP-Anwendungen kennt. Wer genauer hinschaut, wird jedoch schnell feststellen, dass AMD hier lediglich ein intuitives GUI über PresentMon gebastelt hat, was bisher als Kommandozeilen-Programm eher sperrig und unhandlich war.

Mit Liquid VR sieht sich AMD voll im VR-Trend und offeriert mit Multi-GPU-Nutzung (L/R), MultiView & MultiRes Rendering sowie TrueAudio Next die dazu passenden Angebote.

Doch auch die Radeon Pro Software kommt nicht zu kurz: Neben den Enterprise-Features wie einem quartalsweisen Treiber-Update samt Optimierungen hinsichtlich Performance und Stabilität, aktuellen Zertifizierungen sowie einem speziellen Kunden-Support erweitert sich auch die eigentliche Feature-Liste dieses Treiber-Paketes.

AMD hat sich zudem sichtbar bemüht, mit bedeutenden Ambietern professioneller Standardsoftware zu kooperieren, und hat in einigen Bereichen auch die Performance der Radeon-Pro-Grafikkarten deutlich steigern können, wie unser Test zur Readeon Pro WX 7100 deutlich zeigt.

Neben der VR-Unterstützung einer Game-Engine-Integration sind es Offerten wir Prorender, wo AMD eine große Bandbreite an Programmen mit passenden Plugins und Programmerweiterungen unterstützen möchte.

Auch bei den Linux-Treibern möchte AMD unter anderem mit Vulkan und FreeSync nachlegen, wobei wirklich passende proprietäre Treiber gerade im professionellen Bereich immer eine Schwachstelle waren.

Doch es sind oft auch die zu Unrecht wenig beachtete Aspekte, die einem das Leben im Zusammenspiel von Hard- und Software erleichtern. So setzt AMD einen der Schwerpunkte auf die Verbesserung von Ausgabequalität, Konnektivität und Zusammenspiel von Grafikkarte und Display. Da all dies Seiten füllen könnte, haben wir uns auf das Wesentlichste beschränken müssen, werden aber bei passenden Themen die Neuerungen noch einmal im Detail aufgreifen.

Zu AMDs neuen Feature Chill haben wir jedoch bereits jetzt einen ersten, ausführlichen Test gemacht, weil wir meinen, dass dieses Stromspar-Feature eigentlich recht gut gelungen ist. Die Benchmarks in diesem Test haben wir natürlich auch gleich mit OCAT erstellt (siehe oben) und mit unserer hauseigenen Software inhaltlich und grafisch weiterverarbeitet.

Und weil wir gerade bei der Leistungsaufnahme waren: Das Treiber-eigene Tool Wattman steht nun nicht nur exklusiv den Polaris-Karten zur Verfügung, sondern auch einigen älteren GCN-Karten des Herstellers bis hin zur Radeon R7 260 als ältere Einsteigskarte.

Mit ReLive bietet AMD ein recht mächtiges Werkzeug für Dauer-Streamer, Selbstdarsteller und sonstige Zeigefreudige an. Dabei will AMD auch Wert darauf gelegt haben, möglichst ressourcenschonend zu Werke zu gehen. Der Hersteller verspricht beispielsweise, die Frameraten bei Spieleaufzeichnungen nicht allzusehr zu drücken. H.265 ist ebenfalls kein Thema und so wird es sicher genügend Inhalte geben, um später einen gesonderten Artikel mit ersten Erfahrungswerten zu veröffentlichen.

So bleibt uns am Ende dieser ersten Vorstellung als Zwischenfazit nur die Erkenntnis, dass AMD ganz offensichtlich gewillt ist, mit einem ausgewogenen Mix aus Hard- und Software-Innovationen die eigene Position im hart umkämpften Grafikmarkt auszubauen.

Indem AMD Lücken füllt und neue Felder erschließt, kann man letztendlich auch einholen, ohne ständig hinterherlaufen zu müssen. Und wie AMDs Chill ganz gut zeigt, kann man bestimmte Nachteile mit etwas Kreativität zumindest ausgleichen, während man mit kreativen Zusatz-Features noch anderweitig punkten kann.

Der Crimson ReLive ist mit Sicherheit nicht DIE Sensation des mittlerweile fast abgelaufenen Jahres, aber dennoch eine Art besonderer Meilenstein. Bei aller Begeisterung wird sich AMD aber letztendlich an dem messen lassen müssen, was in naher und entfernterer Zukunft unterm Strich dabei herauskommt - und zwar für das Unternehmen selbst und für die Endanwender.

Müssten wir das alles jetzt zu einem abschließenden Satz zusammenfassen, würde wohl hier stehen: "Durchaus vielversprechend, aber erst der Anfang".

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