Im Selbstbau: Workstation mit AMD Threadripper und Vega Frontiers Edition

Referenzsystem für Workstation-Tests bei Tom's Hardware

Da wir keine reine Xeon-Workstation aufbauen wollten (was natürlich auch immer eine Kostenfrage ist), wollen wir einen Kompromiss eingehen und Consumer-Hardware so auswählen, dass es später auch mit zertifizierter Software möglichst wenig Probleme gibt. Wir haben uns deshalb intern beraten und am Ende gegen eine Lösung mit einem Intel Core i9 entschieden. Für unser Referenzprojekt setzen wir somit auf AMDs aktuelles Flaggschiff Ryzen Threadripper 1950X.

Wir sind uns aller aktuellen Probleme bewusst, vertrauen aber auf eine kontinuierliche Reifung unseres Systems, denn gerade beim BIOS und AMDs AGEA-Code wurde seit dem Launch sehr Vieles verbessert. Die mögliche Performance stieg, gerade auch im Hinblick auf die Speicheranbindung, sehr deutlich. Was wir aber vermeiden wollen, ist die manuelle Übertaktung irgendwelcher Komponenten, denn das wiederum widerspricht dem Stabilitätsdenken bei Arbeits- und Produktivsystemen sehr deutlich.

Mainboard und Speicher

Mit dem ASRock X399 Taichi nutzen wir zudem ein X399-Mainboard, das uns einen brauchbaren Kompromiss aus Preis, Funktionalität und Support bietet. Es ist nicht das bunteste, auffälligste oder am besten ausgestattete X399-Mainboard auf dem Markt, aber wohl eines der vernünftigsten. Wir haben insgesamt drei verschiedene Modelle getestet und uns letztendlich exakt für dieses Board entschieden. Die Spannungswandler waren auch im Dauerlastbetrieb stets im grünen Bereich und der Verzicht auf eine aktive Kühlung schont unsere Ohren und Nerven.

Beim Speicher haben wir auf insgesamt 32 GB DDR4 zurückgegriffen und somit zwei Dual-Channel-Kits mit insgesamt vier 8GB-Modulen Apacer Blade Fire DDR4 3200 verbaut. Die aktuelle Bestückung erlaubt nach allen BIOS-Updates auch einen Betrieb bei 3200 MHz, aber mehr Speicher lässt sich dann bei dieser Taktrate nicht mehr stabil zu betrieben. Eine Testbestückung mit insgesamt 8 Modulen lief noch mit 2866 MHz stabil durch, aber mehr ging dann einfach nicht mehr. Wir haben uns letztendlich für die 32GB-Variante entschieden, weil nur wenige unserer Anwendungen von noch mehr Speicher profitiert hätten. Immerhin setzt Apacer auf Samsung-Speichermodule und nicht die von SK Hynix.

Die Systeminstallation und Datenspeicherung erfolgt auf zwei 1TB großen Crucial MX300 SSDs, sowie einer optional verwendeten Western Digital WD Red 4TB für die extremeren Workloads.

Die Grafik-Lösung: AMD Radeon Vega Frontier Edition

Diese Lösung ist sicher etwas tricky, besitzt aber auch ihren ganz besonderen Charme. Die Radeon Vega Frontier Edition ist eine Wanderin zwischen den Welten und will beides sein - Arbeitstier und hochpreisiges Spielzeug in einem. Doch während Nvidias Titan XP keine zertifizierten Quadro-Treiber unterstützt, fährt AMD mangels Alternativen das volle Radeon Pro Programm. Genau das haben wir natürlich auch im Hinterkopf.

Denn während nämlich Nvidia aufpassen muss, nicht die eigene Schwesterkarte, die Quadro P6000, zu kannibalisieren, hat AMD keine hausinterne Schwester, die man damit schwächen könnte. Im Gegenteil, denn so versucht AMD recht elegant, die Lücke des Spitzenmodells in der fast schon aufgegeben scheinenden Radeon Pro-Reihe mit einem passenden Modell endlich irgendwie zu füllen.

Denn anders als Nvidias Titan XP, setzt die Radeon Vega Frontier Edition nämlich auf die Möglichkeit, auf Wunsch auch die zertifizierten Radeon Pro Treiber nutzen zu können, was bei einigen Software-Paketen überhaupt erst die Grundvoraussetzung für einen Programmstart ist. Ob man sich nun im Kunstwort Prosumer wiedererkennt, was nichts anderes als einen professionellen Consumer beschreibt, oder sogar direkt aus der Workstation-Ecke kommt und gern eine blaue Karte der roten Fraktion hätte - die Karte kann bzw. soll es bieten. Also haben wir einfach einmal zugeschlagen. Immerhin konnte diese Karte in unserem Launchartikel "AMD Radeon Vega Frontier Edition im Test: Wandern zwischen den Welten" bereits ganz gut punkten und die Treiber sind mittlerweile nicht schlechter geworden.

Gehäuse und Netzteil

Eine solide Workstation schreit geradezu nach einer Trutzburg von Gehäuse und da wir diesen Boliden auch ab und an mal bewegen müssen, haben wir uns für etwas sehr Griffiges entschieden, auch wenn das Cooler Master Cosmos C700P eine eher schwergewichtige Angelegenheit ist. Doch einerseits können wir Dank der aufklappbaren Seitenwände sehr schnell und einfach Komponenten für die jeweiligen Tests tauschen und andererseits hat uns die Verwindungssteifigkeit positiv überrascht. Zusammen mit einer ordentlichen Verarbeitung und einer sehr positiven Materialanmutung sollte das ganze Konstrukt also auch erst einmal für eine längere Zeit halten. Denn das muss es auch, weil wir nicht ständig die Basis wechseln möchten.

Das Gleiche gilt auch für den Stromversorger, den wir gleich mit aus dem Regal von Cooler Master entnommen haben. Wobei der eigentliche Hersteller natürlich ein anderer ist. Das Cooler Master V850 basiert auf einer altbewährten Plattform: Seasonic KM3. Abgesehen vom wirklich stabilen und ordentlich verarbeiteten Kabelmanagement, ist dieses Netzteil überdurchschnittlich spannungsstabil, hat keinerlei Probleme mit Rippleströmen und bietet ausreichende Reserven, um auch andere oder mehrere Grafikkarten (auch miteinander) zu betreiben.

In der aktuellen Konfiguration benötigen wir sekundärseitig maximal 600 Watt im Stresstest, aber ein paar Reserven sind durchaus angemessen und erwünscht.

Grafikausgabe: Eizo EV3237-BK

Der Monitor macht am Ende genau das, was wir benötigen und bietet eine wirklich angemessene Darstellungsqualität, wie man sie sich im professionellen Bereich einfach wünscht. Das sehr blickwinkelstabile IPS-Panel mit 32 Zoll Bildschirmdiagonale löst nativ mit 3840 x 2160 Pixeln auf und bietet zudem auch den im CAD/CAM-Bereich benötigten Farbraum, ist aber am Ende doch ein gewollter Kompromiss. Für sehr farbkritische Arbeiten sieht Eizo nämlich die Color-Edge-Produktlinie vor, während unser Modell mit einer weißen LED-Hintergrundbeleuchtung auskommen muss, was den Farbraum naturgemäß etwas einschränkt. Trotzdem ist dies natürlich Jammern auf höchstem Niveau.

Der Monitor bietet uns Ultra-HD samt 60 Hz Bildwiederholrate im SST-Modus (Single-Stream-Transport), was die MST-Probleme unseres alten Dell-Monitors Gott sei Dank beseitigt. Für Hardcore-Spieler fällt die Reaktionszeit subjektiv etwas groß aus, für unsere Zwecke ist der Monitor jedoch ausreichend schnell genug.

Für alle, die sich nicht alles merken konnten (oder wollten), gibt es zum Abschluss noch einmal die Tabelle mit den verbauten Komponenten.

Komponentenübersicht
Hardware:
AMD Threadripper X1950X
ASRock X399 Taichi
32 GB Apacer Fire Blade DDR4 3200 (4x 8GB)
AMD Radeon Vega Frontier Edition
2x Crucial MX300 1TB SSD
Western Digital Red 4 TB
Kühlung:
Thermaltake Floe Riing RGB 360 AiO-CPU-Kühler
Gehäuse und Netzteil:
Cooler Master Cosmos C700P
Cooler Master V850 80+ Gold
Monitor:Eizo EV3237-BK
Betriebssystem
Windows 10 Pro (alle Updates)
Radeon Pro Software

Zusammenbauen mussten wir alles natürlich selbst und auch diverse Tests standen natürlich noch mit auf dem Programm. Also bitte umblättern!

Erstelle einen neuen Thread im Artikel-Forum über dieses Thema
21 Kommentare
Im Forum kommentieren
    Dein Kommentar
  • Derfnam
    Yoah, lecker. Hübsches Brett, auch wenn ich jemanden kenne, der die Wahl eher - naja, egal.
    Was ich fragen möchte: sind die verbauten Lüfter so mau?
    Und für die Faulpelze unter der Leserschaft: was kost der Trumm, so Pi x Daumen?
  • FormatC
    Die Lüfter gehen gerade so, sind aber schon etwas laut. Aber so etwas ist ja auch immer Auslegungssache :)

    Man wird, je nach Ausstattung zwischen 3.5 und 4K hinlegen dürfen, könnte aber sicher noch da und dort sparen. Wenn man bei solchen Summen von Sparen sprechen kann. Meine eigene Xeon-Workstation mit P6000 kostet allerdings fast das Doppelte und bringt im direkten Vergleich nicht mal den doppelten Nutzen.
  • Derfnam
    Ja, nu, ein 1900X liegt fast 500.- unterm Flaggschiff, der 1920X sparte davon immerhin noch die Hälfte, beim Gehäuse sind die 280.- sicher auch noch zu bequemst zu unterbieten (zumal der potentielle Normalonutzer seine Kiste ja eher einmal hinstellt und gut is); da geht einiges, wenn die Berechnerei nicht allzu sehr eilt.
    Als Blaupause mit Sparvarianten allemal ne prima Sache :)
  • MyRunner
    @FormatC: Der TR Link am Anfang des Artikels bei "Für unser Referenzprojekt setzen wir somit auf AMDs aktuelles Flaggschiff Ryzen Threadripper 1950X." verlinkt auf den Artikel selbst. Sollte der auf den reinen CPU Test verlinken? Ziel waere evtl. http://www.tomshardware.de/threadripper-gaming-workstation-leistungsaufnahme-temperaturen,testberichte-242381.html sinnvoller.

    Ansonsten kann auch auch Google fragen, was "Rekursion" ist. ;)
  • Tesetilaro
    jo, der finanzielle aspekt würde den Test deutlich aufwerten - klar kann ich jetzt selber raus suchen, was board + CPU der alten und neuen station kosten - aber wie ist das verhältnis - grad im Hinblick auf ~ 10 % Unterschied bei der Leistung ;)

    mach doch mal für Faule bitte *hundeblick*
  • erma
    Threadripper --> NVMe Raid <3
  • FormatC
    NVMe RAID geht ja mittlerweile, aber... Wer in dem Sektor ein RAID baut, der setzt auf echte Hardware-Lösungen und nicht so ein Onboard-Gefrickel. Ich habe hier ordentliche Karten in zwei Systemen, das ist mir deutlich lieber. Und gut, falls man mal umziehen will/muss. Ich hatte auch schon RAID Verluste nach einem BIOS-Update... Und nein, strippen macht man in der WS nicht.

    Komponentenübersicht + Preise ist drin. Knapp 4K, wie bereits oben kurz angedeutet. Aber man kann locker fast einen 1000er sparen.
  • Bertl96
    Wieso verbaut ihr die MX300 und nicht die neue MX500, gibts irgendwas das gegen die spricht?
  • FormatC
    Ich verbaue generell erst einmal das, was ich hier habe. Es spricht sicher auch nichts gegen eine MX500, allerdings hat die MX300 den täglichen Einsatz in den Systemen bisher sehr gut überstanden, im Gegensatz zu so manch anderer Enntäuschung. Es is zudem ja nur eine Orientierungshilfe, kein Dogma. :)
  • Bertl96
    Danke für die Info :)
    Wenn du die noch rum liegen hattest dann macht es natürlich Sinn die auch gleich zu verwenden.
    Wenn man die SSD neu kauft kann man also bedenkenlos zum neueren Modell greifen.
  • FormatC
    220 Euro für 1 TB sind wirklich fair. :)
  • drno
    Zitat:
    Strippen macht man in der WS nicht


    Bingo! (Mit Raptoren zumindest nie ohne separates Plattenbackup!)

    Hm, schon ein interessantes Projekt. Zu den Lüftern frage ich mich: Mangelhafte Entkoppelung und Dröhnfrequenzen aus dem Gehäuse? Oder sind die verbauten Püster selbst echte Brummer? Mit den mir aus den früheren Hyper und Gemini II bekannten Lüfterlingen hatte ich selbst nie Probleme.
    Das Gehäuse selbst ist nun so billig nicht, daß CM hier unten aus dem Regal nehmen müßte, oder ist deren Spanne so derart eng geworden? Habe iwo was von 1200 Touren und "Silent" gelesen.

    Mag es oberhalb akustischer Belastungsgrenze sein, oder sind es gar mögliche Produktionsmängel - wobei mich die auf der CM Website bebilderte Antriebstechnik stark an SilenX Ixtrema und deren
    revolutionäre Turbinengeometrie erinnert.

    Die revolutionären Turbinengeometriker damals bei 2 Fertigern - in stark unterschiedlicher Güte - labeln lassen, und der Pechkunde hatte dann - zu Preisen um 20 Ocken - früher oder später Nietenlotto. Der SilenX Nachfolger "Effizio" ist dagegen ein LED Brummer über dem Wind, und es ist keine Frage, daß deren Motor stets jedes Windgeräusch souverän überdecken kann. Vielleicht wissen - als deren Ansprechpartner - die freundlichen Nortorfer Agrarmetropolisten von PC-Cooling was konkretes zur CM Auftragsfertigung beitragen.

    Meine Idee: könnten die guten Noiseblocker Einsteiger auf Spätzle hier Abhilfe schaffen - wenn es denn kein ausschließliches Coolermaster Projekt wäre? Nur als Überlegung.
  • FormatC
    Gute 140er sind auch heute noch Mangelware. Ich würde die originalen Lüfter jetzt nicht als billige Krachbolzen bezeichnen, aber wirklich leise geht nun mal anders. Die teile sind mir einfach too much.

    Auf der anderen Seite überdeckt die Vega FE so ziemlich alles, wenn sie mal gefordert wird. Da sind die fast 300 Watt des TR an der AiO noch leise aus der Welt zu schaffen und die Zuspielung der Frontluft eine Nebenepisode.
  • drno
    In der Tat, ich hatte noch nie was mit 140 er Püstern.
  • alterSack66
    Ist das abgeschnittene Zahnrad am MB zur Kühling da?
  • drno
    Die Klingonen haben letzlich einen Chaplin Film erbeutet, nun gibt es das "Modern Times Design" auch auf deren Mainboards.
    http://wallpaperbackgrounds.com/Content/wallpapers/movie/modern%20times/black-and-white-movie-37057.jpg
  • FormatC
    Taichi... Tai Chi (Taijiquan) steht eigentlich für Schattenboxen. Das in eine logische Relation zum Zahnrad zu bringen, fiel mir auch reichlich schwer :D
  • Derfnam
    Die hams einfach falsch geschrieben. Thaiski ist richtig und das ist symbolisch für die großen Zahnräder, die in Thailands Alpingebieten in den Skilifts verbaut sind.
  • Tesetilaro
    Anonymous sagte:
    In der Tat, ich hatte noch nie was mit 140 er Püstern.


    die 140er die als serie bei fractal drin sind klingen auch erst mal so lala... ABER - man nehme die gummi ringe die eh beim gehäuse dabei sind für die festplattenentkopplung, schneide den doppelring zu einfach ringen durch, entkopple die lüfter damit und die welt wird leise...

    ansonsten - die corsair teile mit diesem magnetschwebelager sind nur kurz beim anlaufen zu hören, danach gar nicht mehr...
  • FormatC
    Anonymous sagte:
    Die hams einfach falsch geschrieben. Thaiski ist richtig und das ist symbolisch für die großen Zahnräder, die in Thailands Alpingebieten in den Skilifts verbaut sind.
    Tsatsiki FTW. :D