Anno 2205 im Spieletest: Anno'chens Mondfahrt

Mit 'Anno 2205' verlässt Blue Byte heimische Gefilde und führt neben der heiß erwarteten Mondkolonisation auch einige neue interessante Spielkonzepte ein. Warum uns der zweite Abstecher in die Zukunft so gut gefiel, verraten wir in unserem Test.

Anno und die Zukunft

Mit Anno 2070 wagten die Entwickler von Blue Byte Mainz 2011 den Sprung in die Zukunft, der zunächst nicht allen Fans gefiel. Ein Anno ohne Fachwerkhäuser und Marktkarren – stattdessen mit Kohlekraftwerken und fliegenden Autos?

Nichtsdestotrotz erhielt das Studio viel positives Feedback für Anno 2070, was sich nicht zuletzt auch in den Verkaufszahlen widerspiegelte: Der erste Zukunftsableger mutierte zu einem noch größeren kommerziellen Erfolg als das bereits sehr erfolgreiche Anno 1404.

In Anno 2205 erfüllt Blue Byte einen großen Wunsch der Community – nämlich die Erde verlassen zu können und die Besiedlung des Alls in Anno einfließen zu lassen. Nun steht uns unter anderem die Mondoberfläche zum Bebauen zur Verfügung, neben einer klassischen Inselwelt in einer klimatisch gemäßigten Zone und der frostigen Arktis.

Jedes dieser Spielgebiete spielt sich komplett anders, was eine der großen neuen Herausforderungen von Anno 2205 ist.

Ebenso anders ist das neue Kampfsystem, welches die nun optionalen Seegefechte erstmals auf separate Schlachtfelder verfrachtet. Damit wird der Fokus von Anno 2205 auf den Aufbau-Part deutlich.

Gewohnt gut ist die Präsentation von Anno 2205, das auf dem Rechner des Testers auf hohen Grafikeinstellungen rundum hübsch und flüssig lief – für einen genaueren Vergleich schaut doch einmal bei unserem Benchmark-Check zu Anno 2205 vorbei.


Minimal
Empfohlen
Testsystem
Betriebssystem
Windows 7, 8, 10
Windows 7, 8, 10Windows 7
Prozessor
Intel Core i5 750 @ 2,6 GHz oder AMD Phenom II X4 @ 3,2 GHz
Intel Core i5 2400s @ 2,5 GHz oder AMD FX 4100 @ 3,6 GHz
Intel Core i5 2400 @ 3,1 GHz
Arbeitsspeicher
4 GByte RAM
8 GByte RAM
8 GByte RAM
Grafik
Nvidia GeForce GTX 460 oder AMD Radeon HD 5870 mit 1024 MB VRAM
Nvidia GeForce GTX 680 oder AMD Radeon HD 7970 mit 2048 VRAM oder mehr
AMD Radeon HD 7850
Freier Speicherplatz
35 GByte
17,4 GByte belegt
Internetverbindung
für Uplay und Onlinefunktionen erforderlich

Energie für alle

Eine richtige Geschichte erzählt Anno 2205 nicht, die Rahmenstory um das Mondlizensierungsprogramm ist in das Endlosspiel integriert. Als CEO eines großen Konzerns ist man ersucht, die Energiekrise der Welt abzuwenden.

Dazu ist es unser Hauptziel, Fusionsreaktoren auf dem Mond zu bauen. Hin und wieder stellt sich uns Bösewicht Virgil Drake mit seiner Orbital Watch entgegen, was aber schwach inszeniert ist.

Der Fokus des Games liegt klar auf dem Endlosspiel und nicht auf einer spannenden Story. Die einzelnen Aufgaben wirken eher wie ein roter Faden für das weitere Vorgehen im freien Spiel, den das Spiel zwar vorschlägt, aber nicht vorgibt.

Endloses Endlosspiel

Das Endlosspiel ist allerdings so komplex geworden, dass auch ohne Erzählung für wochenlangen Spielspaß gesorgt sein sollte. Dafür sorgen nicht nur die neuen Gebiete, sondern auch die Gameplay-Änderungen.

Zunächst wirkt alles wie beim Alten: Wir starten in der gemäßigten Zone und ziehen in gewohnter Anno-Manier unsere erste kleine Metropole hoch. Hier fallen direkt erste Neuerungen auf – zum einen die bis zu fünfmal größere Spielwelt, die riesige Städte ermöglicht; zum anderen das neue Logistik- und Warensystem.

Produzierte Waren landen nämlich automatisch ohne Transportweg in unseren Lagerhäusern. Sofort wird ersichtlich, woran es gerade hapert: Minus Vier bei Biokost? Kein Problem: Fix eine Farm gebaut, schon verbessert sich unsere Biokost-Rate in den positiven Bereich, Problem gelöst.

Manche Traditionalisten werden bei dieser Vereinfachung die Nase rümpfen – wir dagegen fanden diese Umstellung gerade für Anno 2205 sinnig, da wir nicht nur eine, sondern mehrere Siedlungen gleichzeitig managen müssen.

Abfallwärme in der Arktis

Sehr früh lernen wir nämlich die Arktis, die erste neue Region, kennen - und hier müssen wir gehörig umdenken, alte Städtebau-Muster funktionieren hier nicht mehr. Wegen der eisigen Kälte dürfen wir Wohnzelte nur in der Nähe von Fabriken bauen, die Wärme erzeugen und unsere Siedler warm halten.

Dieses neue Wärmesystem führt dazu, dass die Polarsiedlungen zu zusammengewürfelten Außenposten mutieren – die Anno-klassische Einteilung in Wohn- und Industriegebiete funktioniert hier nicht. Der Atmosphäre tut das keinen Abbruch, ganz im Gegenteil: Die industriellen Außenposten haben ihren ganz eigenen, kolonialen Charme.

Durch die Besiedlung der Polarregionen kommen wir endlich an die begehrten Ressourcen, um einerseits die Mondkolonisation voranzutreiben, andererseits Waren herzustellen, die auch unsere Hauptstadt benötigt.

Global Acting

Alle Regionen sind über Handelsrouten miteinander verzahnt. Diese stellen wir auf der Strategiekarte ein, die all unsere Handelswege und Gebiete anzeigt. Mit wenigen Klicks verbinden wir die Regionen untereinander, während sie simultan weiter arbeiten und produzieren.

Mit den neuen Ressourcen bewirken wir einen Aufstieg unserer Bürger zur nächsten Stufe und den Ausbau unseres Raumhafens, um endlich den Mond erschließen zu können.

Die Abhängigkeiten der einzelnen Regionen untereinander hat Blue Byte Mainz sehr gelungen integriert; das Ganze fühlt sich realistisch und motivierend an. Sie führen sogar zu einem regelrechten Flow, wenn man zwischen den Regionen hin und her springt, um die Warenkreisläufe zu optimieren.

Durch das Multi-Session-Gaming hat man stets das Gefühl, nicht nur popeliger Bürgermeister einer mittelgroßen Siedlung, sondern als wichtiger Konzernchef für "das große Ganze" verantwortlich zu sein.

Als kleine Dreingabe können wir via Raumstation der Global Union im Spiel und einer Internetverbindung zu Hause überschüssige Waren verkaufen, wobei sich der Preis der Ware nach Angebot aller verbundener Spieler richtet. Auch können wir wie im Vorgänger wieder an Abstimmungen teilnehmen. Beides ist zwar nett, aber spielerisch irrelevant.

Völlig losgelöst von der Erde…

Nach etwa vier Stunden erreichen wir den Mond – und abermals müssen wir unsere zuvor angewandten Strategien modifizieren, denn auf dem Mond herrschen ganz eigene Gesetze.

Grundlegend ist der Bau von Schildgeneratoren, da Gesteinsbrocken aus dem All ansonsten ungehindert auf die Mondoberfläche krachen und unsere Siedlung direkt dem Erdboden gleichmachen würden. Ziemlich sorglos bauen wir unsere kleine, aber feine Mondsiedlung, nur um zu bemerken, dass wir auf einmal pleite sind.

Die Mondkolonie frisst buchstäblich unsere Geldressourcen auf, so dass wir zuerst unsere Hauptsiedlung weiter ausbauen müssen, um wieder mehr Geld zu scheffeln. Wieder springen wir zwischen den Regionen hin und her und merken gar nicht, dass wir wieder einige Stunden am Rechner verbracht haben.

Groß, größer, und immer größer

Derweil wächst unsere Hauptstadt und übernimmt die anfangs noch grünen Landstriche. Riesige Wohngebiete sorgen für Geld, unzählige Fabrikanlagen stillen den immensen Warenbedarf.

Um nicht tausende von Fabriken bauen zu müssen und somit den Überblick nicht zu verlieren, können wir unsere Produktionsstätten mit Modulen weiter ausbauen, die wahlweise beispielsweise die Produktionsrate erhöhen oder die Betriebskosten senken.

Dieses neue System gefällt uns sehr gut, weil es einerseits Platz und Nerven spart, andererseits unseren Tüftlergeist weckt und für herrlich individuelle Lösungen beim Städtebau sorgt.

Für das Errichten dieser Fabrikmodule brauchen wir spezielle Rohstoffe, die wir allerdings nicht selbst produzieren können. Um an sie zu kommen, können wir simple Nebenaufgaben für diverse, ziemlich langweilig inszenierte Charaktere erfüllen - oder wir ziehen in den Kampf, wo wir gleich mehrere Materialien absahnen können.

Einmal Simple Seegefechte Spezial, bitte!

Das neue Kampfsystem entkoppelt die Seegefechte von den Siedlungen und findet komplett auf eigenen, darauf ausgerichteten Konfliktzonen statt. Bisher sind es sehr wenige, so dass die Kämpfe schnell repetitiv werden.

Mit unserer Handvoll Schlachtschiffe bekämpfen wir Virgil Drakes' Streitkräfte und erfüllen Missionen à la "Zerstöre dies und übernehme das". Genauso simpel und arcadig gestalten sich die Seegeplänkel an sich - meistens zerstören wir einfach alles, was unseren Weg kreuzt.

Für etwas Pepp sorgen die Spezialfähigkeiten, mit denen wir beispielsweise unsere Schiffe reparieren oder einen Nuklearschlag ordern können. Manche Aktionen stehen nur begrenzt zur Verfügung, andere kosten Treibstoff, den wir in Form von Treibstoff-Orbs von zerstörten Feinden aufsammeln.

Nach einem Sieg winken die gewünschten Ressourcen und Erfahrungspunkte, die wir zum Upgraden unserer Flotte benötigen. Eigene Flotten dürfen wir aber nicht bauen.

Mit dem neuen Militärkonzept in der Anno-Reihe dürfte nicht jeder warm werden. Die Kämpfe sind komplett optional, was reine Aufbau-Freunde freuen dürfte. Spieler, die dagegen den bisherigen Stil des Militärs in der Serie schätzten, werden trotz der knalligen Explosionen und ansehnlichen Effekte schnell den Spaß daran verlieren.

Schön ist's im Jahr 2205

Die Ansehnlichkeit gilt nicht nur für Gefechte, sondern auch für den gesamten Rest des Spiels. Nie sahen Anno-Städte schöner, vitaler und epischer aus.

Durch die schiere Größe und den modernen Stil scheint Anno nun wahrlich in der Zukunft angekommen zu sein. Riesige Wolkenkratzer schmücken das Stadtbild in der gemäßigten Zone, es wimmelt von fliegenden Autos und die Produktionsstätten sind schön animiert, so dass man ihnen gerne beim Schaffen zuschaut.

Dies gilt ebenso für die neuen Gebiete Arktis und Mond. Visuell sind sie mit ihrer rauen Schönheit atemberaubend. Durch den anderen Look der Städte kommt koloniales Flair auf, auch hier macht es Spaß, einfach ein paar ruhige Minuten lang zuzuschauen.

Der gelungene Soundtrack trägt zum positiven Gesamtbild bei: Epische, orchestrale Stücke in unserer Hauptstadt wechseln sich mit minimalistischen Melodien auf der Mondoberfläche ab.

In Sachen Bedienung macht Anno 2205 ebenfalls alles richtig, mit wenigen Klicks ist viel erreicht. Besonders toll ist die frei einstellbare Kamera, so dass wir stufenlos rein- und rauszoomen sowie die Kamera frei drehen können.

Einige Komfortfunktionen wie das Verschieben bereits bestehender Gebäude erleichtern den Städtebau ungemein – wir müssen nicht mehr umständlich und ressourcenintensiv abreißen und neu errichten.

Fazit: Zukunft Ahoi!

Blue Byte Mainz verschiebt mit Anno 2205 nicht nur das Zukunftsszenario um 135 Jahre in die Zukunft, sondern erweitert auch das Gameplay um zahlreiche innovative Ideen, die sich gut in das Anno-Spielgefühl einfügen.

Trotz des neuen Multi-Session-Konzeptes hatten wir stets das Gefühl, ein waschechtes Anno vor uns zu haben. Die vereinfachte Logistik stört uns nicht, denn als wichtiger CEO sind wir nicht nur für eine Siedlung verantwortlich, sondern gleich für mehrere gleichzeitig.

Zwar steht weniger Mikromanagement auf dem Programm, aber das ist aber auch gut so, denn auch so sind wir ständig mit zahlreichen neuen Herausforderungen beschäftigt, um unsere Bürger glücklich zu machen. Schnell vergisst man die Zeit, wenn man zwischen Hauptwelt, Arktis und Mond umherspringt und es an allen Fronten etwas zu tun gibt.

Das neue, vom Hauptspiel etwas entkoppelte Kampfsystem störte uns persönlich nicht, da wir uns lieber auf den Aufbau-Part von Anno 2205 konzentrieren. Wer aber den Kampf zu Lande, zu Wasser und zu Luft mochte, der wird mit dem eigenwilligen Konzept nicht so recht warm werden. Enttäuschend ist aber definitiv die geringe Anzahl an Konfliktzonen.

Richtig gelungen ist die Präsentation von Anno 2205 – so stellen wir uns die Zukunft vor. Während Anno 2070 eher sowas wie eine moderne Variante der Gegenwart darstellte, macht Anno 2205 noch viel mehr aus der Zukunftsthematik. Riesige Metropolen mit modernen, gläsernen Wolkenkratzern, fliegende Autos, futuristische Waren, Mondkolonisation, Fusionsenergie – das ist die Zukunft.

Fazit

Houston, wir haben kein Problem: Mit Anno 2205 schlägt die Serie ein neues Kapitel in der Zukunft auf – mit mutigen und innovativen Ideen sowie frischen Konzepten. Der Sprung in den Weltraum bringt genug Stoff für wochen- und monatelangen Spielspaß.

Wer wissen will, wie sich aktuelle Hardware im Spiel schlägt: Hier geht's zu unserem großen Benchmark-Parcours: Anno 2205: 35 Grafikkarten im Performance-Check - von Ultra bis Low.

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8 Kommentare
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    Dein Kommentar
  • tadL
    Abwarten. Dem Test traue ich erst mal gar nicht. Ihr habt doch nicht wieder technische probleme vergessen um nur ein beispiel zu nennen
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  • moeppel
    Zitat:
    Abwarten. Dem Test traue ich erst mal gar nicht. Ihr habt doch nicht wieder technische probleme vergessen um nur ein beispiel zu nennen


    Wäre damit wohl auch meines Wissens der 1. Ubisoft Titel der Rund läuft, trotz UPlay und ohne zig Patches ;)
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  • Tesetilaro
    klingt alles sehr gut - kann man das ohne uplay account spielen?
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  • gst
    Soweit ich weiß nicht - zumindest nicht legal. :/
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  • Tesetilaro
    schade... damit ist das thema für mich erledigt - ich sehe einfach nicht ein für "offline spiele " einen always on zwang zu unterstützen...

    und bevor mich einer scheinheilig nennt, ja ich akzeptiere daß steam auch gerne online sein will, das hindert mich aber eben nicht daran ältere offline titel im offline mode zu spielen ;)
    For MMOs ist die Frage nach offline ohnehin egal *g*
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  • Derfnam
    Ich hoffe doch sehr, dass die Antarktis besiedelt werden soll. Spätestens 2205 wird man um diesen berechtigten Einwand wissen^^.
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  • Mateusz Warszawski
    Bzgl. Uplay: Für Start und Aktivierung braucht man ein Uplay-Konto, danach ist das Spiel aber auch offline spielbar. Eine Internetverbindung ist nur für die Online-Handelsfunktion und andere Onlinefeatures erforderlich, aber für das Gameplay ist das völlig unnötig, das alles wirkt sich kaum bis gar nicht aus.

    Bzgl. technischer Probleme: Auch nach stunden- bzw. tagelangem Spielen von Anno 2205 lief das Spiel tadellos, ohne einen einzigen Fehler oder Absturz oder dergleichen.
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  • Tesetilaro
    och menno, bring mich doch nicht in versuchung - egal, ist wenn überhaupt ein kadidat für die sales aktionen, vorher warte ich auf das erste angebot für fallout 4... noch kann ich mich beherrschen *g*
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