Apple iPhone 6s mit 3D Touch: Kleiner, aber genauso gut

Verarbeitung, Ausstattung und Bedienung

Über vieles, was das neue Apple iPhone 6s betrifft, haben wir bereits im Test des großen Bruders iPhone 6s Plus berichtet. Daher werden wir uns beim kleinen iPhone an den betreffenden Stellen etwas kürzer halten, ohne jedoch wichtige Aspekte aus den Augen zu verlieren. Auch das iPhone 6s hat in allen Dimensionen minimal zugelegt, um die Technik für 3D Touch in der Beleuchtungsschicht unterzubringen und um Platz zu schaffen für den neuartigen Vibrationsgenerator Taptic Engine.

Die beiden Komponenten drücken zudem ein wenig aufs Gewicht, sodass das iPhone 6s mit jetzt 143 Gramm gut zehn Prozent gegenüber der 6er Generation zugelegt hat. Optisch hat sich indes nichts getan, auch wenn Apple auf stabilere Materialien zurückgreift. Das Gehäuse besteht jetzt aus festerem Aluminium 7000, einer auf Zink basierenden Legierung, und einer neuen Glasgeneration namens Ion X. Letzteres soll laut Apple das widerstandsfähigste Glas überhaupt sein, das bei Smartphones zum Einsatz kommt.

Wir begrüßen diese Maßnahmen sehr, denn das in der Redaktion vorhandene iPhone 6 sieht nach einem Jahr der Nutzung nicht mehr gerade wie neu aus. Vielmehr ist es vorne wie hinten nur so von Mikrokratzern übersät. Im Vergleich zum großen Bruder liegt das iPhone 6s deutlich leichter in der Hand und lässt sich auch mit normal großen Händen noch komfortabel mit einer Hand bedienen. Das wird beim Plus schon sehr schwer.

Der neue Apple-Chip A9 hat es erwartungsgemäß auch in das kleine iPhone geschafft. Aufgrund der geringeren Auflösung dürfte vor allem die GPU - eine PowerVR GT7600 mit sechs Clustern - noch etwas bessere Resultate erzielen als beim iPhone 6s Plus. Der Performance-Gewinn gegenüber dem Vorgänger soll laut Apple zwischen 70 und 90 Prozent betragen.

Beim A9 handelt es sich weiterhin um ein SoC mit zwei Rechenkernen, allerdings mit um 500 MHz höherer Taktrate als noch beim A8 der Vorgängergeneration, dessen Kerne mit 1,3 GHz getaktet waren. Für eine bessere Energieeffizienz sorgt die von 20 Nanometer auf jetzt 14 bis 16 Nanometer (je nach Hersteller - Samsung oder TSMC) verringerte Strukturbreite. Den Arbeitsspeicher hat Apple verdoppelt und verbaut jetzt zwei Gigabyte LPDDR4-RAM.

Deutlich aufgebessert hat Apple das kleine iPhone auch in Sachen Datenkommunikation. Das WLAN-Modul arbeitet zwar weiterhin nach dem 802.11ac-Standard, dank MIMO-Technik ist jetzt aber theoretisch ein Datendurchsatz von bis 866 MBit/s möglich. Die LTE-Verbindung hat Apple obendrein etwas aufgeputzt: Mit LTE Cat.6 lassen sich Downloads mit maximal 300 MBit/s erreichen. Positiver Nebenaspekt des neuen 4G-Moduls: Mit der Abdeckung von 23 Frequenzbändern dürfte man in weiten Teilen der Erde eine gute Datenverbindung hinbekommen.

Bluetooth 4.2 findet man bis dato in den wenigsten Smartphones, handelt es sich doch um die jüngste Version des Kurzstreckenfunks, von der in erster Linie Verbindungen zu Wearables profitieren. Ebenfalls an Bord sind natürlich der Apple-eigene Lightning-Port, aGPS und ein NFC-Modul, das weiterhin nicht für Drittanbieter zugänglich ist.

Während sich beim Display laut Datenblatt nichts geändert hat (es handelt sich weiterhin um ein IPS-Panel mit 1334 x 750 Pixel Auflösung), hat Apple bei den Kameras deutlich nachgebessert. Die Hauptkamera besitzt jetzt mit 12 Millionen Pixel eine um 50 Prozent höhere Auflösung als noch der Vorgänger. An der Front ersetzt Apple den 1,2-MP-Sensor gar durch ein Modell mit fünf MP – und das Display soll bei Selbstportraits als Blitz dienen. Ebenfalls neu sind die so genannten Live Photos. Dabei zeichnen die Kameras auf Wunsch zusätzlich zum Foto eine kurze Videosequenz auf. Das soll beim Betrachten für mehr Lebendigkeit sorgen.

Bedienung und Handhabung

Das Apple iPhone 6s kommt wie sein großer Bruder mit dem jüngsten Release des Mobilbetriebssystems iOS daher. Während des Tests waren bereits zwei kleine Updates verfügbar, sodass wir das iPhone 6s schon mit iOS 9.0.2 nutzen konnten. Beim Plus war es noch Version 9.0. Die beiden Minor Updates beheben einige Bugs, unter anderem den Sicherheitsfehler, dass sich die iPhones auch ohne Kenntnis des Entsperrcodes nutzen ließen, wenn man Siri auch für den Sperrbildschirm aktiviert hatte.

Manch anderer Fehler besteht indes weiterhin. So schaltet sich unser iPhone 6s selten, aber wiederholt einfach aus. Es lässt sich nur mit langem Drücken von Home und Power wieder zum Leben erwecken. Mit Version 9.0.3 oder gar 9.1 ist daher wohl bald zu rechnen.

Die Neuerungen von iOS 9 betreffen in erster Linie die Bedienlogik 3D Touch, die Funktion "Hey Siri" und den Stromsparmodus. Während es letzterer auch in frühere iPhone-Generationen geschafft hat, bleiben 3D Touch und "Hey Siri" vorerst der 6s-Generation vorbehalten. Denn nur die neuen iPhones bringen die entsprechenden Voraussetzungen mit - also Sensoren in der Beleuchtungsschicht und die Taptic Engine für 3D Touch sowie den Motion-Coprozessor M9 für Siri, der jetzt auch im Standby-Zustand auf Befehle lauscht.

Wir haben diese Funktion während des Testzeitraums ausgiebig genutzt. Die Erkennungsrate der eigenen Stimme ist sehr hoch, fremde Stimmen werden zuverlässig ignoriert. Auch der Stromsparmodus funktioniert, wie er soll: Er verlängert die Laufzeit des iPhone 6s spürbar. Dauerhaft aktivieren lässt er sich indes nicht. Denn bei Erreichen eines Ladestandes von 80 Prozent – beim Laden, versteht sich – schaltet das System den Stromsparmodus selbststätig wieder ab.

Drücken statt Tippen – so funktioniert 3D Touch, vereinfacht gesagt. Apple führt mit der iPhone-6s-Serie neue Bedienfunktionen ein, die zu den bisherigen Wisch- und Tipp-Gesten hinzukommen. Daraus ergeben sich neue Möglichkeiten der Bedienung.

Ein Druck auf das Symbol einer kompatiblen App etwa öffnet ein kleines Menü direkt auf dem Homescreen. Aus diesen Quick Actions lässt sich dann die gewünschte Funktion sofort ausführen. Zudem lässt sich in entsprechenden Apps wie etwa Fotos oder Mail mit einem leichten Druck eine Vorschau eines Bildes oder einer Webseite erzeugen. Möchte man das Bild dann in voller Größe sehen oder dem Link folgen, genügt ein festerer Druck auf das Display.

Die 3D Touch-Eingaben werden stets von einem kurzen Vibrationsfeedback begleitet. Auch wenn 3D Touch die Bedienung eines iPhones nicht dramatisch beschleunigt, haben wir gerade die Quick Actions sehr gerne genutzt.

Auch Peek und Pop - das leichte und feste Drücken - gehen einem recht schnell in Fleisch und Blut über. Zusammen mit dem hervorragenden Touchscreen und den tadellosen Gehäusetasten kann man die Bedienung des Apple iPhone 6s getrost als äußerst gelungen bezeichnen.

Wie schon beim Apple iPhone 6s Plus können wir auch dem 6s keine Premiumqualität beim Telefonieren attestieren. Auf unserer Seite klangen die Anrufer zwar sehr natürlich und waren stets gut zu verstehen. Auf der Seite der Gesprächspartner kam unsere Stimme aber stets etwas verfremdet an, zudem funktioniert die Nebengeräuschfilterung nicht immer zuverlässig, sodass die Stimme bisweilen in den Hintergrund tritt. Der Lautsprecher eignet sich nur für ruhige Umgebungen.

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1 Kommentar
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  • Restlessmind
    Sorry, aber 12 Megapixel sind nicht 50% mehr als 8 Megapixel. 16 Megapixel wären 50% Zuwachs an Auflösung, 32 Megapixel dann die doppelte Auflösung (100 Prozent).
    Auflösung berechnet sich im Quadrat.
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