Apple iPhone 7: Mehr Evolution als Revolution

Verarbeitung, Ausstattung und Bedienung

Verarbeitung

In diesem Kapitel gilt weitgehend das bereits im Test des Apple iPhone 7 Plus Gesagte. Daher gehen wir nur noch kurz auf das Wesentliche und die Unterschiede ein. Die Verarbeitungsqualität hat sich gegenüber dem iPhone 6S nicht geändert - aber das war angesichts der hohen Materialanmutung und der einwandfreien Verarbeitung auch gar nicht erforderlich.

Ebenso wenig hat sich bei Gewicht und Abmessungen getan. Das iPhone 7 wiegt wie sein Vorgänger angenehme 138 Gramm, fällt aber für ein 4,7-Zoll-Smartphone vergleichsweise groß aus. Dies fällt allerdings nicht so stark auf wie beim großen Bruder, der schon ein veritabler Klotz ist. Dennoch dürfte ein modernes Smartphone mit 4,7-Zoll-Bildschirm eine Ecke kompakter sein. An der Bauhöhe von 7,1 Millimetern gibt es indes nichts auszusetzen – die Kamera steht allerdings weiterhin aus den Gehäuse hervor.

Ausstattung

Im Apple iPhone 7 werkelt das neueste SoC von Apple. Der A10 trägt erstmals einen Beinamen: "Fusion" soll wohl auf den Sachverhalt der beiden Rechenkern-Cluster hinweisen, die sich mit je zwei Kernen um anspruchsvolle oder alltägliche Aufgaben kümmern. Getreu dem big.LITTLE-Konzept von ARM besitzt der Prozessor zwei Hochleistungsrechenkerne mit bis zu 2340 MHz Arbeitstakt. Dazu gesellen sich zwei Stromspar-Kerne, die mit lediglich rund einem GHz getaktet sind.

Alle vier Kerne scheinen beim Apple A10 Fusion nicht gleichzeitig zu arbeiten. Bei den aktuellen ARM-Prozessoren sind unter hohen Lastanforderungen mittlerweile auch alle Kerne parallel aktiv.

Bei der Größe des Arbeitsspeichers verharrt das Apple iPhone 7 mit zwei Gigabyte auf dem Niveau des Vorgängers und muss gegenüber dem großen Bruder, der mit drei Gigabyte daherkommt, klar zurückstecken. Gleichstand herrscht indes wieder bei der Grafikeinheit. Die stammt höchstwahrscheinlich erneut von PowerVR, besitzt wohl sechs Kerne und dürfte die derzeit schnellste GPU im Smartphone-Sektor sein.

Ebenfalls weniger Zuwendung von Apple erhielt das iPhone 7 beim Thema Kameras. Während das Plus-Modell mit seinen beiden Kameras auf der Rückseite protzt und jetzt auch ein kleines Teleobjektiv mit Festbrennweite im Gepäck hat, muss sich das kleine Flaggschiff mit nur einer 12-MP-Kamera begnügen.

Diese wurde im Vergleich zum Vorgänger aber wenigstens ein bisschen aufgebohrt: Mit f/1.8 wurde die Lichtstärke des Objektivs leicht erhöht, sodass mehr Licht auf den Sensor fallen kann. Das bringt vor allem bei schlechten Lichtsituationen Vorteile. Auch die Frontkamera wurde etwas aufgepeppt: Sie löst jetzt mit sieben Megapixeln auf und dreht erstmals Full-HD-Videos. An der Offenblende von f/2.2 hat sich indes nichts geändert.

Auch das Display hat auf den ersten Blick ins Datenblatt keine Änderungen erfahren. Es misst weiterhin 4,7 Zoll und zeigt die eher ungewöhnliche Auflösung von 1334 x 750 Pixel. Die Pixeldichte liegt bei 326 PPI. Das reicht für eine scharfe Darstellung, liegt aber mittlerweile weit entfernt von echten Auflösungsmonstern wie etwa dem Samsung Galaxy S7 Edge.

Schaut man sich die technischen Daten des Displays etwas genauer an, fallen zwei Dinge besonders auf: Apple gibt jetzt eine maximale Helligkeit von 625 cd/m² an, also etwa 25 Prozent mehr als beim Vorgänger. Zudem soll das Panel den aus der amerikanischen Filmindustrie bekannten P3-Farbraum weitgehend abdecken. Das war es dann aber auch mit den Neuerungen beim Display.

Weitere Änderungen und Verbesserungen zeigen sich auch bei der übrigen Ausstattung. Wir zitieren unseren Test des Apple iPhone 7 Plus: "Leicht verbessert zeigen sich auch die kabellosen Kommunikationsmöglichkeiten des neuesten Smartphones von Apple. Neben schnellem ac-WLAN und Bluetooth 4.2 beherrscht das iPhone 7 Plus auch LTE Cat.9  mit bis zu 450 MBit/s im Downlink. Erfreulich ist die Unterstützung zahlreicher LTE-Bänder, was das iPhone zu einem veritablen World-Phone macht. Erstmals bringt ein iOS-Gerät Stereolautsprecher mit."

Bedienung und Handhabung

Zwei Tage vor Erscheinen des iPhone 7 hat Apple sein neuestes Mobilbetriebssystem veröffentlicht. iOS 10 sei das bisher größte Update seit Bestehen des Systems, so Apple. Dass sich so einiges verändert hat, merkt man schon beim Anheben des Smartphones. Das Display geht dabei jetzt automatisch an – was sich aber in den Einstellungen deaktivieren lässt.

Zudem ist der Slider zum Entsperren weggefallen; diese Aufgabe übernimmt nun der Home Button. Wer dennoch auf dem Sperrbildschirm wischt, gelangt nach rechts zu den neuen Notification Widgets. Ein Wisch nach links öffnet die Kamera-App. Das Control Center erreicht man weiterhin durch ein Wischen vom unteren Bildrand nach oben. Es wurde allerdings optisch ein wenig verändert und besteht jetzt aus zwei Seiten, zwischen denen man per seitlichem Wisch wechseln kann.

Zu den weiteren Neuerungen zählen neue Emojis und eine stark überarbeitete Nachrichten-App. Auch Siri und die Karten-App will Apple verbessert haben. Zudem hat die App "Home" nun in iOS Einzug gehalten: Sie soll die Zentrale der Hausautomation darstellen und alle Home-Kit-Geräte steuern und überwachen.

Worauf einige User schon seit Jahren warten, ist die Möglichkeit, Apple-eigene Apps wie Mail zu löschen. Mit iOS 10 ist Apple dieser Forderung nun endlich nachgekommen. Wer allerdings eine App entfernt, verliert auch alle damit zusammenhängenden Daten wie Mails oder Kalendereinträge.

iOS läuft erst ab iPhone 5, ältere Geräte werden mit diesem großen Update nicht mehr versorgt. Beim iPod muss es mindestens Generation 6 sein, und ein iPad 3 ist schon zu alt für iOS 10.

Seit neun Jahren begleitet uns der Home Button als zentrales Bedienelement. Verändert hat sich in dieser Zeit kaum etwas daran. Zwar ist mit dem iPhone 5S die Funktionalität eines Fingerabdrucklesers hinzugekommen, der Home Button selbst ist sich aber stets treu geblieben ... bis zum iPhone 7 jedenfalls.

Denn ab sofort verbaut Apple keinen mechanischen Knopf mehr. Vielmehr handelt es sich jetzt um eine berührungsempfindliche Fläche, die in ihrer Form exakt aussieht wie der bisherige mechanische Button. Die Möglichkeit, hier Platz zu sparen, hat Apple nicht genutzt. Gerade beim großen Bruder hätte das so mancher Nutzer sicher begrüßt.

An der Funktion des neuen Home Buttons gibt es kaum etwas zu bemängeln. Dank der überarbeiteten Taptic Engine erhält man ein sehr definiertes einstellbares haptisches Feedback, das das bisherige "Drückerlebnis" gut ersetzen kann. Lediglich wenn das Smartphone auf dem Tisch liegt, klappt die Bedienung mit dem sensitiven Button nicht ganz so zuverlässig wie beim mechanischen Urahn.

Weiterhin mechanisch funktionieren die Tasten für Power, Lautstärke und Stummschaltung. Deren Funktion ist absolut einwandfrei, die Verarbeitungsqualität und Passgenauigkeit sehr hoch. Der Touchscreen steht dem in nichts nach.

Mit der Sprachqualität hält es das Apple iPhone 7 wie sein großer Bruder: Insgesamt völlig in Ordnung, für ein High-End-Smartphone dennoch nicht ganz zufrieden stellend. Der leicht blecherne Klang unserer Stimme auf der Gegenseite trübt das Telefonvergnügen ein wenig. Zumindest trägt die Nebengeräuschunterdrückung ihren Namen zurecht - und die neuen Stereolautsprecher machen beim Freisprechen eine gute Figur.

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