Apple iPhone 7 Plus: 2 Kameras, doppelter Speicher & wasserdicht

Im Testlabor und Fazit

Erstmals stattet Apple seine Smartphones mit einem Vierkernprozessor aus. Dennoch arbeiten allem Anschein nach immer nur zwei Kerne gleichzeitig. Das Vorgehen ähnelt sehr dem von ARM entwickelten big.LITTLE-Konzept, wo verschiedene Kerncluster bestimmte Aufgaben übernehmen. Aktuelle High-End-Smartphones verfügen allesamt über mehrkernige Prozessoren, von denen oft nur ein Teil gleichzeitig arbeitet.

Bei der Apple-Konkurrenz ist aber mittlerweile auch der parallele Einsatz aller Rechenkerne möglich. Ob sie sich damit einen Vorteil erarbeiten können, zeigt unser Benchmark-Parcours. Als Mitstreiter stehen Samsung Galaxy S7 Edge, das OnePlus 3 und das HTC 10 bereit. Den Vorgänger, das Apple iPhone 6s Plus ziehen wir stellenweise ebenfalls für Vergleiche heran.

Synthetische Benchmarks

Um es vorwegzunehmen: Der neue Apple-Chip A10 Fusion ist das aktuell schnellste Mobil-SoC auf dem Markt. Das gilt sowohl für den CPU- als auch für den GPU-Teil.

Aber der Reihe nach: Beginnen wir mit dem Geekbench 4. Da haben wir zwar nur aktuelle Ergebnisse für das iPhone 7 Plus und das OnePlus 3. Die Aussagekraft ist dennoch hoch, zumal die Anforderungen gegenüber dem Geekbench 3 gewachsen sind. Das Apple Flaggschiff kommt auf 3479 Punkte beim Einsatz eines Rechenkerns.

Nur knapp mehr als die Hälfte erreicht das 3 von OnePlus. Dessen Ergebnis beim Geekbench 3 liegt etwa 30 Prozent höher. Das belegt, dass die Resultate der übrigen Mitbewerber ebenfalls nicht ansatzweise an die des iPhone 7 Plus herankommen.

Im Multicore-Betrieb wird der Vorsprung für Apple geringer, allerdings arbeiten im iPhone wohl auch nur zwei Kerne zugleich, während es bei Samsung, HTC und OnePlus gleich deren vier bzw. sogar acht (Samsung) sind. Mit seinen 5633 Punkten überflügelt das iPhone 7 Plus das OnePlus 3 (4099) ebenfalls deutlich. Das HTC 10 ist nicht stärker einzustufen als das OnePlus 3.

Lediglich das Samsung Galaxy S7 Edge hat beim Geekbench 3 multicore deutlich besser abgeschnitten als das OnePlus 3. Zieht man die um 30 Prozent höheren Ergebnisse des Geekbench 3 ins Kalkül, kommt aber auch das Edge nicht wirklich an das Apple Smartphone heran.

Diesen Eindruck untermauern die Ergebnisse beim AnTuTu v6: Satte 190.369 Punkte stehen hier für das Apple iPhone 7 im Protokoll. Der stärkste Verfolger ist auch hier das OnePlus 3 – mit fast 50.000 Punkten Rückstand.

Nicht ganz so dominant gibt sich das Apple iPhone bei den Grafik-betonten Tests. Beim 3DMark 2013 SlingShot 3.0 Unlimited muss es sich sogar dem OnePlus 3 mit 3371 zu 3595 Punkten geschlagen geben. Hier spielen aber auch die Prozessorkerne mit rein.

Geht es nur um die GPU, ist gegen die 6-kernige PowerVR kein Kraut gewachsen. So spuckt der anspruchsvolle GFXBenchmark 3.1 stattliche 42 fps aus - onscreen wie offscreen. Wieder kommt das OnePlus 3 mit 30 bzw. 31 fps dem neuen iPhone am nächsten. Der Abstand ist aber schon deutlich.


Apple iPhone 7 Plus HTC 10OnePlus 3Samsung Galaxy S7 Edge
Geekbench 3 single/multicore-2291/51062402/56542138/6500
Geekbench 4 single/multicore3479/5633-1750/4099-
AnTuTu v5



AnTuTu v6190.369131.812141.995129.108
3DMark - Ice Storm Unlimited37.76126.96530.22126.479
3D Mark - Sling Shot ES 3.03377303834192304
3D Mark - Sling Shot ES 3.1-235226202143
GFXBenchmark 2.7 (T-Rex HD, Fixed Timestep, Offscreen)92 fps73 fps89 fps81 fps
GFXBenchmark 2.7 (T-Rex HD, Fixed Timestep, Onscreen)58 fps43 fps60 fps51 fps
GFXBenchmark 3.0 (Manhattan, Offscreen)59 fps39 fps47 fps38 fps
GFXBenchmark 3.0 (Manhattan, Onscreen)55 fps24 fps46 fps25 fps
GFXBenchmark 3.1 (offscreen)42 fps24 fps31 fps26 fps
GFXBenchmark 3.1 (onscreen)42 fps14 fps30 fps14 fps
GFXBenchmark 4.0 (offscreen)-18 fps18 fps15 fps
GFXBenchmark 4.0 (onscreen)-10 fps18 fps7,8 fps

Browser- und Storage-Benchmarks

Dass bei der Browser-Performance für die Mitstreiter kein Land in Sicht sein würde, stand von vornherein fest. Wie groß der Vorsprung des Apple iPhone 7 Plus jedoch tatsächlich ausfällt, ist schon ein wenig verblüffend - denn noch nie hat ein mobiles SoC beim Google Octane v2 ein höheres Ergebnis erzielt als der Apple A10 Fusion.

Mit 26.051 Punkten überflügelt es die versammelte Smartphone-Elite bei Weitem. Der beste Verfolger? Das iPhone 6S Plus mit 16.001 Punkten. Dann erst reiht sich das Galaxy S7 Edge von Samsung mit 12.800 Punkten ein. Nicht viel anders sieht es bei den übrigen Browser-Tests aus. Als erstes Smartphone überspringt das neue große iPhone die 1000-Punkte-Hürde beim WebXPRT 2013. Ebenso stark sind 205 Punkte beim WebXPRT 2015, und wiederum kann nur der Vorgänger ansatzweise mithalten.

Aufgrund des fehlenden AndroBench überprüfen wir die Leistung des internen NVMe-Speichers mithilfe des Benchmarks Passmark PerformanceTest Mobile. Dabei erreicht unser 128-GByte-Modell 800 MByte/s lesend und 225 MByte/s schreibend. Das sind Top-Werte, allerdings soll die 32-GByte-Variante schlechtere Ergebnisse liefern. Der schnellste Speicher ist laut einschlägiger Foren im Top-Modell mit 256 GByte verbaut.

Übrigens: Das "alte" iPhone 6s Plus kann in jedem Test mit der Konkurrenz mithalten. Nur mit seinem Nachfolger nicht.


Apple iPhone 7 Plus HTC 10OnePlus 3Samsung Galaxy S7 Edge
AndroBench 3 (sequential read/write)-276/117 MByte/s410/155 MByte/s479/143 MByte/s
AndroBench 3 (random read/write 4K)-30,5/15,6 MByte/s136,9/18,1 MByte/s86,1/15,7 MByte/s
Google Octane v226.0519343913312.800
Browsermark 2.1
2307
3225
Browsermark 3.0371
DNF-
SunSpider 1.0.2189674610322
Peacekeeper6041151011592209
WebXPRT 20131000568497-
WebXPRT 2015205119118172

Display

Keine großen Neuerungen gibt es beim Thema Display. Es handelt sich weiterhin um ein IPS-Panel – Apple spricht von "Retina HD" – mit 5,5 Zoll Diagonale und einer Auflösung von 1920 x 1080 Bildpunkten. Apple geht also das Auflösungsrennen vorerst nicht mit und verharrt bis auf Weiteres bei Full-HD. Das reicht für eine scharfe Darstellung auch völlig aus.

Verbessert hat Apple das Display dennoch - nicht nur auf dem Papier, sondern auch messbar. Da wären zum einen die mit jetzt 595 cd/m² (bei automatischer Helligkeitsregelung) höhere Leuchtkraft als beim Vorgänger (566 cd/m²) und der bessere Schwarzwert von 0,39 cd/m² (iPhone 6S Plus: 0,44 cd/m²), der zu einem hervorragenden Kontrast von 1526:1 führt.

Zum anderen will Apple den Farbraum vergrößert haben und verspricht eine weitgehende Abdeckung des in der Filmindustrie gebräuchlichen P3-Farbraums. Tatsächlich überzeugt das Display mit lebendigen, satten Farben, ohne dabei ins Plakative oder gar Kitschige abzurutschen. Zusammen mit der hohen Blickwinkelstabilität liefert Apple in diesem Bereich eine tolle Leistung ab.

Kameras

Viel getan hat sich bei den Kameras des neuen iPhone. Apple verbaut zwar weiterhin eine 12-MP-Kamera auf der Rückseite, gegenüber dem Vorgänger wurde allerdings die maximale Blendenöffnung auf f/1.8 und damit die Lichtstärke erhöht. Die wesentliche Neuerung ist aber, dass sich zum Weitwinkelobjektiv jetzt ein weiteres im Telebereich gesellt.

Genau genommen handelt es sich um zwei vollwertige Kameras mit eigenem Objektiv und Sensor. Die Brennweite des Teleobjektivs entspricht der Zoomstufe 2x im Vergleich zum Weitwinkel, dem auch der optische Bildstabi vorbehalten bliebt. Dabei würde gerade die längere Brennweite, die zudem mit Blende f/2.8 auskommen muss, deutlich mehr von der Stabilisierung profitieren.

Das schlägt sich auch sichtbar in der Bildqualität nieder: Bei mäßigem Licht tritt deutlich früher ein Bildrauschen zutage als bei der Weitwinkelkamera mit OIS. Obendrein kommt es leichter zu Verwacklern. Ein Gewinn für den User ist das Teleobjektiv dennoch. Jetzt kommt er näher ans Motiv heran, ohne den verlustbehafteten Digitalzoom nutzen zu müssen.

Passen die Lichtverhältnisse, schießen beide Kameras sehr scharfe, farbenfrohe Bilder. Ganz auf den Fotothron reicht es dennoch nicht - da sitzen aktuell das Samsung Galaxy S7 und das LG G5.

Ach ja: Die Frontkamera wurde ebenfalls ein wenig aufgebohrt und löst ihre Aufgaben Selfie und Videochat prima. Bei Bewegtbildern zählt das iPhone 7 Plus mit zu den Allerbesten. Die Teleoptik kann hier nicht ganz überzeugen und bei Schwenks zittert das Bild.

\"Selfie" mit der Frontcam

 

Drinnen: WeitwinkelDrinnen: WeitwinkelDrinnen: TeleobjektivDrinnen: Teleobjektiv

  

Draußen #1: WeitwinkelDraußen #1: WeitwinkelDraußen #1: TeleobjektivDraußen #1: Teleobjektiv

  

Draußen #2: WeitwinkelDraußen #2: WeitwinkelDraußen #2: TeleobjektivDraußen #2: Teleobjektiv

 

Videoaufnahmefunktion des Apple iPhone 7 Plus mit Weitwinkel

Videoaufnahmefunktion des Apple iPhone 7 Plus mit Teleobjektiv

Akkulaufzeit

Der Wegfall des Audioanschlusses bringt Platz - und ein Teil davon kommt wohl dem Akku zugute. Zumindest ist die Kapazität der Litium-Ionen-Batterie auf 2915 mAh angestiegen - kein Wunder, dass Apple längere Laufzeiten verspricht.

Bei unserem WLAN-Test stellt das iPhone 7 Plus dann auch sein Durchhaltevermögen unter Beweis. Bei einer Helligkeit von 160 cd/m² kommt es 13:42 Stunden ohne externe Stromversorgung aus. Das ist absolutes Spitzenniveau und gleich mal eine gute Stunde mehr als beim Vorgänger.

Fazit: Tolles Smartphone in weitem Gewand

Viel zu meckern haben wir nicht beim neuesten Smartphone von Apple. Außer vielleicht, dass man in Cupertino weiterhin auf das doch recht groß geratene Gehäuse des Vor- und Vorvorgängers setzt. Ein 5,5-Zoll-Display bringen andere Hersteller in deutlich kleineren Chassis unter – und das würde auch dem iPhone 7 Plus gut zu Gesicht stehen.

Denn davon mal abgesehen (und dem Preis) gibt es kaum etwas zu kritisieren: Das iPhone ist endlich wasserdicht, es zeigt wieder einmal eine gehörige Portion Leistung, ist weiterhin tadellos verarbeitet und bringt sinnvolle Optimierungen und Neuerungen mit. Uns gefällt der neue Home Button ebenso wie die zweite Kamera. Auch iOS 10 hat Fortschritte gemacht. Und dass es zum Preis des Vorgängers jetzt den doppelten Speicher gibt, ist lobenswert - günstig ist das iPhone 7 Plus damit aber noch lange nicht. Und über den Verlust der Audioklinke tröstet auch der zweite Lautsprecher nicht hinweg.

Das Apple iPhone 7 Plus wird wieder ein großer Verkaufsschlager werden – dafür braucht man keine hellseherischen Fähigkeiten. Es ist aber gleichzeitig auch bereits die dritte Generation im nahezu unveränderten Gewand. Das könnte etliche Interessenten und Besitzer der Vorgängermodelle dann letztlich doch vom Kauf abhalten.

Denn die Änderungen und Neuerungen sind Apple zwar gut gelungen, ein Pflichtkauf ist das neue iPhone damit aber sicher nicht. Aber vielleicht kommt ja zum Zehnjährigen das neue Über-iPhone - doch da müssen wir uns wohl noch ein Jahr gedulden.

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