Archos Platinum 52: Großer HD-Bildschirm, viele Abstriche

Der französische Hersteller bietet mit dem Platinum 52 zwar ein Smartphone mit Phablet-Abmessungen zum günstigen Preis an, aber ein echtes Sonderangebot ist es dennoch nicht - denn größtenteils wird abseits des großen Displays gespart.

Kleine Hersteller wie Archos haben kein ein einfaches Leben: Ihr wenig Statussymbol-trächtiger Name lässt schon viele Nutzer zurückschrecken. Darüber hinaus werden sie kaum in das Angebot aufgenommen, was die großen Provider ihren Vertragskunden unterbreiten. Also bleibt ihnen zumeist nur, möglichst viel Leistung zum kleinen Preis zu bieten.

Günstiger Preis, begrenzter Leistungsumfang

Dies gilt auch für das Platinum 52, das mit einem großen Bildschirm mit HD-Auflösung und einem Listenpreis von 169 Euro angeboten und mittlerweile für etwa 150 Euro gehandelt wird. Im Inneren des Gehäuses steckt ein Mediatek-SoC, das vier mit 1,3 GHz getaktete Kernen zur Verfügung stellt. Ihnen steht ein Gigabyte RAM und acht Gigabyte Festspeicher zur Seite. An der Front werden Selfies mit zwei Megapixeln aufgenommen, die Hauptkamera löst mit acht Megapixeln auf.

Schmal ist die Leistung auch hinsichtlich der Mobilfunkfähigkeiten: Während mittlerweile selbst bei einer Vielzahl von Einsteiger-Smartphones LTE genutzt werden kann, setzt der französische Hersteller in diesem Fall noch auf ein einfaches UMTS-Modem, das erwartungsgemäß auch nur in einem der beiden SIM-Karten-Slots die volle Geschwindigkeit entfaltet.

Auch Software-seitig merkt man dem Smartphone den niedrigen Verkaufspreis an, denn Archos installiert das mittlerweile schon recht betagte Android 4.4 (Kitkat), das ohne größere Anpassungen installiert wird. Auch die mitgelieferte Software geht über die Standardkost nicht hinaus.

Gutes Display, schwache Box

Das Archos Platinum 52 ist keine hässliche Erscheinung. Das Gehäuse ist in dezentem Schwarz gehalten, das rund um den Bildschirm durch einen silbernen Rahmen aufgelockert wird. Mit den obligatorischen abgerundeten Ecken und Seiten ist das alles in allem ein klassisches Design, das an die Gestaltung von Googles Nexus-Smartphones erinnert.

Mit seinem 5,25 Zoll großen Bildschirm ist das Smartphone schon recht groß dimensioniert: Die Grundfläche misst 15 x 7,7 cm, die Bauhöhe beträgt rund 0,9 cm. Selbst ausgewachsene Pranken haben da schon Schwierigkeiten, das Gerät in seiner Gesamtheit zu umfassen. Mit einem Gewicht von 161 g ist das Platinum 52 auch kein Leichtgewicht, sondern beult die Hosentasche schon mächtig aus.

Der verwendete Kunststoff vermittelt nicht gerade das wertigste Gefühl, will aber mit seiner matten, etwas gummierten und im unteren Drittel geriffelten Oberfläche im Alltag überzeugen. Der das Smartphone umschließende Kunststoffrahmen soll dem Smartphone einen edlen Touch verleihen, allerdings ist die Qualität der Beschichtung offenbar nicht die beste, denn an der oberen Kante fehlte bereits ein schmaler Streifen von etwa einem halben Zentimeter. Und die Hintergrundbeleuchtung bei den unterhalb des Bildschirms untergebrachten Funktionstasten funktionierte bei der Rück-Taste nicht.

Die Verwindungssteifigkeit sieht auf den ersten Blick gar nicht so schlecht aus, unter Druck lässt sich das Platinum 52 kaum verbiegen - weder über die Länge noch über die Diagonale. Dies galt jedoch erst für ein Austauschmodell. Das ursprüngliche Testsample war den (sch)mächtigen Armen des Redakteurs nicht gewachsen und quittierte diesbezügliche Versuche mit einem Display-Bruch. Hier hat die Verarbeitung ganz offenbar nicht gestimmt, die ansonsten trotz einiger Abstriche akzeptabel ist.

Display: Wenn die Größe zählt

Das wesentliche Lockmittel, mit dem Archos Nutzer begeistern will, ist der Bildschirm, der mit einer Diagonale von 5,25 Zoll Liebhaber großer Displays ansprechen soll. Bei einer einfachen HD-Auflösung von 1280 x 720 Pixeln ist die Pixeldichte mit 279 ppi zwar nicht mehr überragend, aber ausreichend hoch, um pixelige Rundungen und Unschärfen weitestgehend zu vermeiden.

Auch darüber hinaus liefert das IPS-Panel durchaus eine gute Leistung ab: Die Farben und Kontraste sind gelungen und auch die Bildschirmhelligkeit ist - vor allem im Hinblick auf die Preisklasse - recht ordentlich. Die durchschnittliche Leuchtdichte liegt bei 364,4 cd/m², der Maximalwert bei 398 cd/m² und die dunkelste Stelle messen wir im Test mit 322 cd/m². Damit ist das Smartphone durchaus Sonnenlicht-tauglich, auch wenn von dem Wunsch, in prall sommerlicher Mittagssonne Videos anzuschauen, besser Abstand genommen werden sollte.

Schwacher Lautsprecher auf der Rückseite

Die Fähigkeiten als medialer Unterhalter schränkt die schwache Box auf der Rückseite ein, die einen nur bescheidenen Klang produziert, dem es an jedem Volumen fehlt und. Erwartungsgemäß wird das Klangbild von übersteuerten Hochtönen dominiert, die bei maximaler Lautstärke deutlich wahrnehmbar scheppern und die anderen Klangelemente regelrecht unterdrücken.

Beim Telefonieren macht das Platinum 52 eine gute Figur, solange es klassisch ans Ohr gehalten wird: Das Gespräch wird ohne Rauschen und ausreichend laut übertragen. Der Klang ist natürlich und verzerrungsfrei. Dem Freisprechen setzt die lausige Box enge Grenzen; aufgrund der schlechten Tonqualität und der niedrigen Lautstärke leidet die Verständlichkeit schon in leisen Umgebungen.

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3 Kommentare
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  • robberlin
    Typisch Archos - Schrott bevor es auf dem Markt ist und keine Nische für ein "besonderes" Podukt
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  • samserious
    Ein Android-Handy mit weniger als 1,5GB RAM würde ich auch wirklich nicht mehr kaufen. Der eine GB von meinem LG P880 reicht zwar für Lollipop gerade noch, aber das LG ist ja auch etwas betagter als das Archos hier.

    Ein weiteres Problem bei Archos ist ja auch die Firmware. Aufgrund des bescheidenen Update-Supports würden CustomROMs gerade für diese Handys wirklich Sinn machen, man findet aber kaum welche für solche Exoten.
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  • matthias wellendorf
    Ich verstehe auch nicht, warum jeder Hersteller eine eigene Oberfläche übers Standard-ROM klitschen muss, die auch nichts bringt und schon beim Start des Gerätes betagt ist. Wie es besser geht zeigt Motorola.
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