Acer Switch 11 im Test: Convertible mit Tablet- und Notebook-Genen

Das Switch 11 besticht mit einem vergleichsweise großen Bildschirm und soll mit angesteckter Tastatur als kompaktes Notebook überzeugen, das dank eines flotten Core i3-Prozessors fit fürs mobile Office sein soll.

Kompakter Rechner, aber mehr als nur ein Netbook


Die alte Wintel-Allianz - also die Verbindung von Windows-Betriebssystem und Intel-Prozessor in einem Rechner - hat sich seit mehr oder weniger dem vergangenen Jahr aufgemacht, um die Vormachtstellung von Android bei Tablets zu brechen. Man setzt dabei auf Produktivsysteme; also Tablets, die nicht nur zum Surfen und Daddeln auf der Couch gedacht sind, sondern auch als Arbeitstiere eine gute Figur machen sollen.

In diese Kategorie fällt auch das Acer Switch 11, ein 11,6 Zoll großes Tablet, das in ein Tastatur-Dock eingeschoben werden kann. Mit seinem Full-HD-Bildschirm verspricht es eine brauchbare Bildqualität. Beim Prozessor setzt der Hersteller mit einem Intel Core i3-4020Y auf einen in diesen Gerätschaften selten anzutreffenden Vertreter, der einen Kompromiss zwischen den Einsteigermodellen der Atom-Serie und den Core i5-Chips für Ultrabooks darstellt. Der Datenspeicher ist mit 60 Gigabyte groß genug, um eine brauchbare Dokumentensammlung mit sich zu führen.

Fürs Arbeiten spricht auch die Kameraausstattung: In der Front steckt ein 2-MP-Sensor für Videokonferenzen, eine rückseitige Kamera fehlt dagegen völlig. Dafür soll die Schnittstellenausstattung ansprechen: Das Tablet ist in WLAN-Netzen nach a/b/g/n-Standard nicht nur vergleichsweise schnell unterwegs, sondern bringt zudem einen klassischen USB-3.0-Steckplatz mit. Außerdem sind Bluetooth 4.0 und ein HDMI-Ausgang an Bord.

Softwareseitig wird auf dem Aspire Switch 11 Windows 8.1 in einfacher Version als Betriebssystem installiert, das Prozessoren mit 64-Bit-Befehlssätzen unterstützt. Windows-typisch sind alle notwendigen Dienste bereits vorinstalliert, um das Gerät aus dem Stand heraus verwenden zu können. Eine Lizenz für Microsoft Office mus allerdings noch gekauft werden.

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Großes Gehäuse mit großem Display

Massige Kiste mit ordentlicher Verarbeitung

Ein Tablet mit einem 11,6 Zoll großen Bildschirm ist keine kompakte Angelegenheit mehr. Das gilt auch für das Acer Switch 11, das eine Grundfläche von 29,8 x 19,2 cm belegt. Hinzu kommt eine Bauhöhe von gut einem Zentimeter und ein Gewicht von 850 g, sodass sich das Tablet in der Hand nach einer durchaus mächtigen Angelegenheit anfühlt und auf der Couch schnell schwer wird.

Nicht vergessen darf man natürlich, dass dieses Gerät von Haus aus als Convertible konzipiert wurde und sich irgendwo als Kompromiss aus Notebooks und Tablet versteht. Die Ansprüche an Leistung und Office-Tauglichkeit sind hier stärker ausgeprägt als bei einem flachen Media-Tablet, das von vornherein als superleichtes Gerät für das Sofa entwickelt wurde. Nichtsdestotrotz will - ja muss - das Switch 11 aber auch als Tablet überzeugen - schließlich ist es ja eben Design-Merkmal eines Convertibles, dass es auch als reines Tablet genutzt werden kann.

Bei der Verarbeitung des Flachrechner leistet sich Acer keine echten Fehltritte, echte Begeisterung kann die Kunststoffummantelung aber auch nicht auslösen. Das liegt vor allem daran, dass das Switch 11 recht weich wirkt: Schon unter mäßigem Druck verwindet sich das Gehäuse mit leisem Knacken in jede Richtung; wird noch etwas mehr Kraft aufgewandt, hebt sich der Deckel auf der linken Oberseite leicht aus dem Rahmen.

Ungewöhnlich ist die Lage der Windows-Taste, die bei Windows 8/8.1 zurück auf den Heimbildschirm führt. Während diese bei Windows-Tablets eigentlich stets mittig in der in der Unterseite des Bildschirmrands integriert ist, steht bei Acer an dieser Stelle nur das (funktionslose) Firmenlogo. Die Taste selbst ist in den linken Rand des Tablets integriert und sitzt zwischen Lautstärkewippe und Ein-/Aus-Schalter.

Das ist nicht nur ungewohnt, sondern nervt - wie auch die Power-Taste - bei der Bedienung, denn allzu oft schaltet man den Bildschirm des Flachrechners ungewollt ab oder landet unvermittelt aus einer Anwendung auf den Kacheln. Zudem besteht Verwechselungsgefahr mit der Power-Taste.

Tablet + Tastatur-Dock = Notebook

Schon in der Basisversion legt Acer dem Switch-Tablet ein Tastatur-Dock bei, in das das Tablet eingeschoben werden kann. Das Tastatur-Dock wiegt 700 Gramm und verfügt neben den Chiclet-Tasten über ein vergleichsweise großes Touchpad, das die beiden Maustasten integriert. Allerdings ist der Mausersatz recht unpräzise.

Die Tasten selbst eignen sich auch für Vielschreiber. Sie verfügen über einen spürbaren Hub und einen vergleichsweise definierten Anschlag. Das Pad wirkt dagegen recht klapprig und lässt sich an der Unterseite gefühlt bis auf den Kunststoff des Bodens durchdrücken.

Zudem fehlt es der Tastatur etwas an Gewicht: Das Tablet kippt, wenn es aufgeklappt im Notebook-Modus verwendet wird und per Fingereingabe bedient werden soll, recht schnell nach hinten.

Display mit technischen Problemen

Mit einer Diagonale von 11,6 Zoll hat der Bildschirm des Flachrechners eine angenehme Größe fürs Arbeiten. Außerdem ist die Auflösung mit 1920 x 1080 Pixeln (Full-HD) zeitgemäß, auch wenn die sich daraus ergebende Pixeldichte von 190 ppi weit von dem entfernt ist, was Apple als "Retina" bezeichnet - also dem Maß, bei dem es dem menschlichen Auge bei üblichem Betrachtungsabstand nicht mehr gelingen soll, die einzelnen Bildpunkte voneinander zu unterscheiden.

Hinsichtlich der Leuchtkraft litt das Testgerät offensichtlich an einem Fehler: Im Test wurde eine durchschnittliche Leuchtdichte von gerade mal 69,2 cd/m² gemessen - und zwar mit zwei unterschiedlichen Messgeräten. Tatsächlich sollte in etwa das Dreifache drin sein.

Leise Boxen mit höhenlastigem Klang

An der Unterseite der Front des Acer-Flachrechners sind zwei Lautsprecher verbaut, die schon durch ihre optische Größe vielversprechend wirken. Allerdings kann man nicht immer vom Äußeren auf Innere schließen - und das gilt auch für diesen Fall.

Die eigentliche Klangqualität ist gar nicht so schlecht, wenn man davon absieht, dass der Sound recht höhenlastig ist. Doch der Ton ist noch vergleichsweise ausgewogen; die Höhen übersteuern nicht über die Maße hinaus.


Die kleinen Lautsprecher scheppern und kratzen auch dann nicht, wenn die Lautstärke voll aufgedreht wird. Das ist jedoch auch nicht weiter verwunderlich, denn wirklich laut werden die beiden Boxen nicht. Als Videoplayer taugt das Switch 11 nur begrenzt.


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Hardware fürs mobile Office

Unter Last ein heißes Teil

Wie bereits eingangs erwähnt geht Acer bei seinem Switch 11 einen nicht ganz üblichen Weg. Während die Mehrheit der Hersteller auf einen Intel Atom, einen Intel Core i5 oder neuerdings auf einen Intel Core M setzt, wird hier mit einem Core i3-4012Y gerechnet. Der auf der Haswell-Architektur basierende Prozessor besitzt zwei CPU-Kerne und kann zwei weitere virtuelle Kerne (Hyper Threading) zur Verfügung stellen, die jeweils mit einer Taktgeschwindigkeit von 1,5 GHz zu Werke gehen. Ihre Leistung ist ordentlich.

Als GPU wird auf dem Prozessor-Die eine Intel HD Graphics 4200 integriert, die ihrerseits mit einem Basistakt von 200 MHz arbeitet und im Maximalfall bis zu 850 MHz schnell werden kann. Die TDP des Prozessors wird mit 11,5 Watt angegeben. Und wird das SoC gefordert, zeigt sich deutlich, dass dieser Wert nicht unbedingt niedrig ist: Unter voller Last kommt es zu einer derart starken Wärmeentwicklung an der oberen rechten Ecke, dass das Halten des Flachrechners unangenehm wird.

Benchmarks:
Acer Switch 11
Ionik TW Series 1 10,1"
Toshiba Satellite Radius L10W
3D Mark Firestorm Unlimited:
16.049 Punkte12.725 Punkte16.082 Punkte
Kishtoni GFX Bench Manhattan (Onscreen):
1307 Frames681 Frames
965 Frames
Kishtoni GFX Bench Manhattan (Offscreen):1430 Frames445 Frames
702 Frames
Kishtoni GFX Bench T-Rex (Onscreen):1720 Frames945 Frames
1.334 Frames
Kishtoni GFX Bench T-Rex (Offscreen):2163 Frames742 Frames
1.095 Frames
Futuremark Peacekeeper:1435 Punkte604 Punkte846 Punkte
Google Octane 2.0:5837 Punkte3.404 Punkte3679 Punkte
Rightware Browsermark 2.1:1293 Punkte-
1172 Punkte
Sunspider 1.0.2:218,2 ms
491,1 ms
378,7 ms
Webxprt 2013:
566 Punkte299 Punkte468 Punkte

Speicher: Brauchbar ausgerüstetes Zweitgerät

Ein Mobilrechner, der als Produktivsystem herhalten soll, sollte auch über einen entsprechend großen Datenspeicher verfügen. Und Acer gibt sich an dieser Stelle keine Blöße: Das Testgerät wurde mit 60 Gigabyte großen SSD bestückt - für ein Tablet viel Speicherplatz. Davon stehen dem Nutzer noch 46,4 Gigabyte für eigene Daten zur Verfügung, sodass man nach der Installation von ein paar Programmen noch nicht gleich an die Speichergrenze stößt.

Wirklich produktiven Nutzern dürfte die Speicherausstattung allerdings auch nicht sonderlich lange genügen. Sie müssen sich dann mit Speicherkarten im microSD-Karten-Format behelfen; maximal wird der SDXC-Standard unterstützt. Eine andere einfache Möglichkeit, kurzfristig richtig viel Speicher anzuschließen, bietet das Tablet mit der USB-3.0-Schnittstelle im Standard-Format. Zudem stehen auch andere Twitch 11-Modelle mit größeren Festspeichern zur Verfügung.

Passable Akku-Laufzeiten

Der fest verbaute Lithium-Polymer-Energiespeicher des Switch-Tablets lässt nichts Gutes erahnen: Die Kapazität der drei Zellen wird von Acer mit 2850 mAh angegeben - da hat so manches Mittelklasse-Smartphone einen größeren Akku.

Doch die Laufzeiten, die der Flachrechner damit bewerkstelligt, sind so schlecht nicht und liegen auf einem recht soliden Niveau: Beim Surfen weist die Füllstandsanzeige nach einer Stunde noch eine energetische Restmenge von 87 Prozent auf und auch beim Spielen schlägt sich das Tablet tapfer. Nach einer Stunde sind immerhin noch 71 Prozent der Energiereserven übrig - und das obwohl der Prozessor an der Lastgrenze arbeitet, wenn man die bereits erwähnte Temperaturentwicklung bedenkt. Selbige sorgt im Übrigen dafür, das kaum ein Nutzer eine Stunde lang spielen werden mag - zumindest nicht im Tablet-Modus.

Auch beim Abspielen von Videos kann sich die Akkulaufzeit sehen lassen. Der Testfilm wurde in Wiederholungen über fünf Stunden und 32 Miunten lang wiedergegeben und kann so auch mal als Alleinunterhalter herhalten, wenn es auf einer einsamen Berghütte langweilig werden sollte. Vor allem aber sollte sich mit der Leistung ein Arbeitstag gut überstehen lassen - selbst wenn das Netzteil vergessen wurde.

Nur eine Frontkamera für Selfies und Videotelefonate

Für Acer ist das Switch 11 kein Media-Tablet mehr, dass unterwegs in jeder Situation bestehen soll, sondern allem Anschein eher ein kompaktes Notebook, dass auch als Tablet verwendet werden kann.


Dafür spricht nicht zuletzt die Kameraausstattung, denn der Hersteller setzt bei diesem Convertible lediglich auf einen 2-MP-Frontsensor, der von seinen Fähigkeiten her nicht für die Aufnahme von "echten" Fotos gedacht ist. Dies beginnt bereits bei dem Seitenverhältnis von 16:9. Überdeis wirken die Aufnahmen recht pixelig, auch wenn sie eine ordentliche Farbdarstellung haben und selbst bei widrigen Lichtverhältnissen eine ordentliche Helligkeit besitzen.

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Fazit: Ein Notebook, das ein Tablet sein will

Warum für jeden Anwendungszweck ein spezifisches Gerät kaufen, wenn sich die Funktionen doch in einem einzelnen Gertät kombinieren lassen? Das ist der Gedanke hinter den 2in1-Hybriden.

Mit einem vollwertigen Windows-Betriebssystem und einem Tastatur-Dock, in die der Flachrechern eingeschoben werden kann, soll sich der Funktionsumfang deutlich vergrößeren. Dazu setzt Acer auch auf einen größeren 11,6-Zoll-Bildschirm und greift auch beim Prozessor auf ein deutlich leistungsstärkeres Modell zurück als die üblichen Atom-Prozessoren.

Auf der Habenseite verbucht das Acer Aspire Switch 11 überdies einen vergleichsweise großen 60-GByte-Datenspeicher und stellt damit eine Größe bereit, die tatsächlich genügend Reserven bereithält, um nicht dauernd nach einem USB-Stick oder eine microSD-Karte suchen zu müssen, damit fehlender Speicherplatz schnellstnöglich freigeräumt werden kann.

Also alles Gold, was glänzt? Mitnichten. Das Switch 11 zeigt eindrucksvoll die Tücken dieser noch jungen Gerätekategorie auf: Der Nutzer muss kompromissbereit sein - zumindest in diesem Fall.

Die Abmessungen und das Gewicht des Flachrechners sind üppig, sodass die Bedienung in der Hand schnell unangenehm wird. Dann muss entweder nach einer Ablagemöglichkeit gesucht oder zu dem Tastatur-Dock gegriffen werden, das für einen sicheren Stand sorgt - solang der Winkel die 90° nicht zu weit übersteigt. Dann wird das Convertible langsam, aber sicher kippelig.

Auch eine leistungsstarke Kamera auf der Rückseite fehlt. Doch gerade wenn unkompliziert eine Notiz aufgezeichnet werden oder unterwegs schnell ein Prozess dokumentiert werden muss, dürfte manchem User eine brauchbare Kamera fehlen. Das Fotografieren mit Hilfe des Frontsensor ist vor allem in solchen Fällen nicht immer leicht.

Fazit

Anwender, die auf Reisen den vollen Funktionsumfang benötigen, dürfte solche Kompromisse abschrecken - zumal der Preis von rund 560 Euro nur bedingt ein fürsprechendes Argument ist: Ein einfaches Eeebook zum Arbeiten sowie ein schlichtes Media-Tablet lassen sich davon auch finanzieren.

Nichtsdestotrotz ist das Switch 11 kein schlechtes Gerät, wenn man die Ansprüche an die Realität anpasst. Man sollte es am besten als kompaktes Subnotebook ansehen, dessen Bildschirm man abnehmen kann - nicht als Tablet mit einem Tastatur-Dock. Auch wenn es vielleicht nicht das beste Gerät seiner Klasse ist - das schlechteste ist es keinesfalls; fatale Fehler leistet sich Acer hier nicht.



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1 Kommentar
    Dein Kommentar
  • datasette
    Bei der geringen Leuchtdichte sollte man vor einem Kauf ausgiebig prüfen, wie weit das Display bei direktem Tageslicht ablesbar bleibt. Ansonsten wäre man ja auf Dämmerlichtumgebung angewiesen.

    Andererseits, es gibt ja Notebook-Zelte wie beispielsweise das iCap - dann kommen aber nochmal ca. 450 Gramm hinzu:

    http://www.icap-shop.de/
    0