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Fazit

Mini-Fusion mit ASRock und MSI: AMDs Brazos ist da
Von , Chris Angelini

AMD hat in letzter Zeit keine Gelegenheit ausgelassen zu betonen, wie wichtig Fusion ist und wie APUs Computer und die Berechnungen, die sie durchführen, revolutionieren würden. Rick Bergman, Vice President und General Manager bei AMDs Product Group, ließ sich sogar zu der Äußerung hinreißen, Fusion sei der größte Fortschritt bei CPUs seit der Entwicklung der x86-Architektur vor über 40 Jahren.

Das finden wir schon ein wenig übertrieben. Zugegeben, wir haben sicherlich bei weitem nicht so viele geheime Projekte zu Gesicht bekommen, wie Rick Bergman; dennoch finden wir dieses Lob doch ein wenig hoch gegriffen. Wie dem auch sei, laut AMD soll ein E-350-Notebook mit 62-Wh-Akku im Leerlauf 11 Stunden durchhalten. Läuft 3DMark 2006 in der Dauerschleife, sind es angeblich immerhin noch viereinhalb Stunden.

Das sind auf jeden Fall keine schlechten Werte – sofern das auch auf die Geräte zutrifft, die am Ende im Handel zu finden sein werden. Im Kontext von Nettops betrachtet, die auf Boards wie ASRocks E350M1 und MSIs E350IA-E45 basieren, haben wir es aber immer noch mit einem relativ simplen Konzept zu tun: Zacate ist die Verschmelzung von Prozessorkernen und einer Grafikeinheit, die sich einen Speichercontroller teilen. Damit sind sie Intels Atom-Plattform der Pine-Trail-Generation und sogar den neuen Sandy-Bridge-CPUs sehr ähnlich. Egal hinter welchen Akronymen und Abkürzungen man die Technik und die Konzepte auch versteckt, am Ende läuft es auf folgendes hinaus: Integration ist der Schlüssel zu höherer Performance, niedrigerer Leistungsaufnahme und geringeren Herstellungskosten im Mobilbereich und dem Desktop-Mainstream. Das hat weniger mit einer revolutionären Vision als mit gesundem wirtschaftlichem Verstand zu tun.

Firmen wie CyberLink arbeiten bereits an gezielten Optimierungen für Systeme, bei denen die Grafikeinheit und die klassischen CPU-Kerne auf demselben Chip sitzen. Wir glauben aber, dass AMD sich Optimierungen mit größerer Auswirkung für seine kommenden Fusion-APUs erhofft, die über mehr GPU-Power verfügen werden. Vorerst sind die Auswirkungen von Fusion als Initiative begrenzt

Unbestreitbar zeigen sich bei Brazos aber die Vorteile der Integration, und außerdem debütiert in dieser Plattform gleichzeitig eine komplett neue Prozessor-Architektur von AMD. Mit dieser APU zielt die Firma ganz offensichtlich auf Intels Atom-Prozessor. Der ist in Anbetracht seines zugrunde liegenden Ansatzes „schnell genug muss reichen“ auch leichte Beute. In Single-Threaded-Anwendungen lässt Brazos der Atom-CPU keine Chance, schlägt sie in fast allen Multi-Threaded-Benchmarks und lässt Intels kleinen Prozessor in allem, was mit Grafik zu tun hat, ganz schön alt aussehen. Sobald wir die ersten Netbooks mit Zacate und Ontario durchtesten, werden wir auch besser einschätzen können, wie sie sich im Bezug auf Preis und Laufzeit einordnen lassen.

Auf dem Desktop tritt Brazos allerdings gegen deutlich stärkere Konkurrenz an – die allerdings auch in einer anderen Preisklasse spielt. Ein Brazos-System fühlt sich eindeutig schneller an als jedes Desktop-System mit Intels Atom-CPU. Der Celeron SU2300 ist allerdings eine beeindruckende CPU, und mit Nvidias ION-Grafik gepaart liegt sie in etwa auf demselben Niveau. AMDs Athlon II X2 zieht wiederum beiden deutlich davon, genehmigt sich für seine Mehrleistung aber auch mehr elektrische Energie

Leider ist die obige Folie, die AMD bei seinem Brazos-Preview zur Einordnung zeigte, viel zu optimistisch. Zacate mag zwar mit Intels sparsamstem Celeron auf Core-2-Basis auf Augenhöhe liegen, gegen einen U3600 mit Arrandale-Kern, der ebenfalls mit 1,2 GHz läuft und genauso viel kostet wie sein Vorgänger, dürften die Dinge aber anders liegen. Gegen einen Chip der Pentium-Familie sieht es noch mal schlechter aus. Genau genommen müsste AMD wohl die gesamte Intel-Spalte um eine Reihe nach oben setzen, damit die Prozessoren von der Performance her zu einander passten.

In einer Disziplin bleibt Brazos aber unschlagbar, und zwar beim Preis. ASRocks E350M1 soll beispielsweise um die 90 Euro kosten – wenn es lieferbar ist. Wer sich ein preiswertes Desktop-System zusammenbauen möchte, braucht also nur noch ein kleines Gehäuse, 4 GB Speicher und eine Festplatte. Baut man noch ein Blu-ray-Laufwerk ein, hat man schon einen kleinen HTPC – nicht schlecht.

Hätte AMD die Wahl gehabt, man hätte wohl sicher nicht Zacate und Ontario als Vorzeigemodelle der Fusion-Generation genutzt. Doch der eigentliche Wunschkandidat verzögerte sich nun mal, und wir werden wohl auf die in 32 nm gefertigte Llano-APU der mobilen Sabine-Plattform warten müssen, um uns ein besseres Bild von AMDs Zukunftsvisionen zu machen. Wenn alles klappt, wissen wir also im zweiten Quartal 2011 mehr.

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