Für AMD ist Fusion die Zukunft. Die letztjährige Preview machte uns neugierig. Heute schauen wir uns finale Mainboards zweier Hersteller an. Was ist von der Plattform zu halten, und was taugen die Bobcat-Kerne und die integrierte GPU in der Praxis?
Fusion ist AMDs Strategie für die Zukunft. Wo man im Portfolio der Firma hinschaut, begegnet einem das Fusion Logo. Die Idee hat AMD auch schon lang genug ausgebrütet. Im Januar kam nun der erste Vertreter der neuen Garde auf den Markt, nämlich die Brazos Plattform mit den Fusion APUs C-30 bis E-350. Als Einsatzgebiet schwebt AMD alles vom stromsparenden und ausdauernden Netbook bis hin zum relativ leistungsfähigen Subnotebook oder Nettop vor. Und so schauen wir uns mit ASRocks E350M1 und MSIs E350IA-E45 heute zwei Desktop-Boards mit aufgelöteter E-350-APU an und machen uns ein erstes Bild von der Performance finaler Brazos-Hardware.
So viel vorneweg: Rein subjektiv fühlt sich AMDs Einstiegs-APU auf beiden Boards mit Windows 7 deutlich flüssiger an als jedes System mit Intels Atom-CPU, das wir bislang im Labor hatten. Aber das wirft die Frage auf, wo sich AMDs erste kleine Fusion-APU überhaupt einordnen lässt. Ist sie Ein Atom-Killer? Hat sie genug Rechenpower, um mit einer CPU für den Desktop mitzuhalten? Soll sie Intels Mobil-CPUs die Stirn bieten?
Möglicherweise gehört jeder dieser Punkte zum Aufgabenfeld der Brazos-Plattform. Daher wollen wir ein möglichst breites Spektrum an Vergleichswerten präsentieren um letztendlich eingrenzen zu können, wo die kompakte Plattform mit den etwas undefinierten Marktzielen am besten ins Bild passt.

Zweifelsohne hilft uns die TDP von 18 Watt, die AMD für die auf diesen beiden Boards verwendete E-350-APU (Accelerated Processing Unit) angibt, am ehesten bei der Einordnung, denn das fällt eindeutig in den Mobilbereich. Tatsächlich bestätigte AMD bei seinem Preview-Event vergangenes Jahr im Gespräch, dass die Modelle-APU E-350 und E-240 tatsächlich sowohl in Nettops als auch in besonders kleinen Notebooks zum Einsatz kommen sollen.
Die Mini-ITX-Boards von ASRock und MSI bieten sich tatsächlich für den Einsatz in Nettops ein – aber das gilt auch für diverse andere Plattformen. In diesem Segment findet man alles vom eher schwächlichen Dual-Core Atom-Prozessor mit einer TDP von 8 Watt bis hin zum Core i5 der gehobenen Mittelklasse – und entsprechend gehobenem Preis. Es liegt auf der Hand, dass die Brazos-Plattform irgendwo zwischen diesen beiden Extremen anzusiedeln ist.
Also muss man sich ein paar Fragen stellen, bevor man sich für eine der genannten Konfigurationen entscheiden kann. Zuerst gilt es zu klären, wie viel Performance man tatsächlich im Nettop-Format benötigt. Immerhin ist dieses Format ursprünglich dafür entworfen worden, um ein wenig im Internet zu surfen, Briefe und andere Texte zu schreiben und vielleicht das eine oder andere weniger anspruchsvolle Mainstream Spiel zu spielen. Wie viel möchte man ausgeben? Wie wichtig sind die Leistungsaufnahme und der damit verbundene Kühlaufwand?
AMDs Erstlings-Fusion
Das Herzstück der beiden Brazos-Boards ist AMDs E-350-APU. Sie misst 75 mm2 und beinhaltet zwei Kerne, die auf der neuen Bobcat-Architektur basieren, einen Single-Channel DDR3 Speichercontroller, zwei SIMD-Blöcke, eine UVD3 Video-Decoder-Einheit, zwei unabhängige Display-Ausgänge, vier PCI-Express-Lanes und das Unified Media Interface, das den E-350 mit dem restlichen Chipsatz verbindet.
Die APU wird von TSMC in einer Strukturgröße von 40 nm gefertigt und wird mit einer TDP von 18 Watt eingeordnet – so wie schon die Demo-Plattformen, die AMD letztes Jahr auf der IFA sowie dem IDF zeigte und schließlich auch im eigenen Hauptquartier vorführte.
Jeder der beiden Bobcat-Kerne verfügt über je 32 KB Daten- und Instruktionscache sowie 512 KB L2-Cache. Sie laufen mit 1,6 GHz, sind 64-Bit-tauglich und bringen SSE, SSE2 und SSE3 mit. Wir wissen bereits, dass sie eine Out-of-Order-Architektur nutzen, wodurch sie bei gleichem Takt schneller als Intels Atom-CPUs sein sollten. Wie viel höher der Stromverbrauch aufgrund dieser architektonischen Entscheidung ausfallen wird, wissen wir allerdings noch nicht.
Wie steht es um die Grafik-Fähigkeiten der APU? Jede der beiden SIMD-Blöcke umfasst 40 Stream Prozessoren, also verfügt eine E-350-APU über insgesamt 80 SPs. Bei den SPs kommt noch AMDs VLIW5-Architektur zum Einsatz. Jeder SIMD-Block enthält also acht Thread Processors mit je fünf ALUs, und zusammen verfügen sie über acht Textureinheiten und vier ROPs. Damit ähnelt der Grafikkern der APU stark dem Cedar-Kern der Desktop-Familie.
Tatsächlich wäre so gesehen die Radeon HD 5450 die engste Verwandte der Zacate-GPU. Allerdings läuft die Desktop-Karte mit 650 MHz, während die Radeon HD 6310 genannte Grafikeinheit der APU mit 500 MHz getaktet ist. Die enge Verwandtschaft bedeutet natürlich auch, dass die Radeon HD 6310 DirectX 11 unterstützt. Bei einer so aufs Stromsparen ausgelegten Grafiklösung wie dieser sollte man aber nicht zu viel von der Performance erwarten.
Die eingebaute UVD3-Video-Decoder-Einheit dürfte sich in der Praxis als nützlicher erweisen, denn sie kann die Formate H.264, VC-1, MPEG-2 und nun auch DivX und Xvid als MPEG-4 Part 2 in Hardware dekodieren. Die einzige Funktion, die der HD 6310 im Vergleich zu anderen Radeons Der HD-6000-Familie fehlt, ist Hardware-Beschleunigung für Multi View Coding (MVC), also stereoskopische Inhalte wie beispielsweise 3D-Blu-rays. Für den Nettop ist das weniger wichtig, doch wer die E-350-APU als Basis für einen Heimkino-PC nutzen wollte, wird möglicherweise enttäuscht sein.
Die Zacate-APU ist nicht dafür ausgelegt, die schnellste Stromspar-CPU am Markt zu sein. Stattdessen musste sie nur schnell genug sein, um im Markt, den AMD ins Visier genommen hat, gut zu bestehen und dabei noch möglichst viel Batterielaufzeit zu ermöglichen. Bei einem stationären Gerät wie einem Nettop ist der Stromverbrauch hingegen bestenfalls sekundär. Stattdessen werden sich dort Kompromisse bei der Performance stärker zeigen. Ein gutes Beispiel dafür ist die Speicheranbindung der APU, denn der eingebaute Controller besitzt nur einen einzigen 64 Bit breiten Kanal. Intels Sandy Bridge steht mehr als ausreichend Bandbreite zur Verfügung, denn sie kann auf zwei Speicherkanäle zugreifen, die bis zu DDR3-1333 unterstützen. Das ist auch gut so, denn immerhin wollen bis zu vier Kerne und eine Grafikeinheit mit Daten versorgt werden. Dasselbe gilt auch für AMDs APU, doch deren zwei Kerne und ihre GPU müssen mit einem einzelnen DDR3-1066-Kanal auskommen.
AMDs A50M Chipsatz
Wie bei Intels Sandy Bridge Architektur wandert auch bei AMDs Fusion-Design ein Großteil der Funktionen, die früher in einer klassischen Southbridge untergebracht gewesen wären, direkt in die Zacate-APU. Das erklärt auch, warum der A50M Fusion Controller Hub, der AMDs E-350M-APU zur Seite steht und früher auch unter dem Codenamen Hudson bekannt war, so klein ausfällt.
Die APU und den FCH verbindet ein PCIe-Link mit vier Lanes der ersten Generation. Der Controller Hub selbst enthält bis zu sechs SATA-6Gb/s-Ports, vier PCIe-Lanes der zweiten Generation, HD-Audio und bis zu 14 USB-2.0-Ports. Natürlich ist es jedem Boardhersteller selbst überlassen, welche Anschlüsse und Funktionen er auch umsetzt. Schauen wir und also zunächst zwei Modelle von ASRock und MSI an.
- Wo gehört AMDs Brazos hin?
- Fusion Nummer eins: ASRock E350M1
- Fusion Nummer zwei: MSI E350IA-E45
- Fusion-Vorteil Nummer eins: On-Die Video Decoding dank UVD3
- Fusion-Vorteil Nummer zwei: Video Transcoding - oder?
- Transcode-Performance: APU, CUDA, Stream und Software
- Ist Performance die einzige Variable?
- Test-System und Software
- Benchmarks: Gaming mit integrierter GPU
- Benchmarks: PCMark Vantage
- Benchmarks: Sandra 2011
- Benchmarks: Anwendungen
- Benchmarks: Media Encoding
- Leistungsaufnahme und Preisvergleich
- Fazit
-
0sixpack , 11. März 2011 08:32Dann hoffe ich mal das Zotac eine Version mit Notebook Netzteil raus bringt.Dann ist es schon bestellt.
-
0fffcmad , 3. März 2011 16:38Wenns ums Dekodieren der durch die APU Unterstuetzten Formate geht, sollte das kein Problem sein. MPEG4 und MPEG2 ...
-
0tpw , 3. März 2011 16:31Interessanter Artikel mit übersichtlichen Benches, aber für den Anwender ergibt sich z.B. folgende Frage: Würde die Leistung der APU in einem HTPC auch für eine DVB-S2-Karte (wie z.B. Hauppage HVR4400) ausreichen? Vielleicht weiß da jemand Rat?


